Die Kunst des Schreibens (1)

**Profi - Schreiber wie Von Michael Spehr Schriftsteller, Journalisten oder Wissenschaftler vermißten bisher auf dem ST eine Textverarbeitung, die ihren hohen Ansprüchen genügte. Mit WordPerfect steht ein solches Textsystem zur Verfügung.

Unser Kurs hilft allen, sich die mächtigen Funktionen dieser Textverarbeitung zu erschließen.**

Seit Dezember letzten Jahres ist ein neues Textverarbeitungs-Programm für den Atari ST erhältlich, das sich zum kleinen Kreis der wirklich professionellen Schreibsysteme zählen darf. Es verwaltet sehr flexibel Fuß- und Endnoten, druckt in Proportionalschrift und Blocksatz, rechnet im Text und beherrscht eine ausgereifte Spaltenverarbeitung. Dazu kommen Mi sch befehle für Serienbriefe und eine leistungsfähige Makroprogrammierung.

Die Rede ist von WordPerfect für den Atari ST, unter Kennern kurz WP genannt. Unser Kurs erläutert Ihnen die Bedienung dieses Textprofis. Beispiele aus der Praxis zeigen Schritt für Schritt, wie man mit WordPerfect umgeht, was es kann und wo es erfahrungsgemäß Probleme gibt. Dazu stellen wir einige Makros zum Abtippen vor, die Sie sofort einsetzen können. Tips und Tricks für Anfänger und fortgeschrittene Benutzer runden unseren Kurs über WordPerfect ab.

ANFÄNGERÜBUNGEN

Beginnen wir mit einigen Übungen zur Auflockerung. Sie haben WordPerfect mit einem Doppelklick von der Festplatte oder dem Diskettenlaufwerk gestartet. Nach einiger Zeit baut sich ein leeres Textfenster auf. Im oberen und unteren horizontalen Fensterbalken ist automatisch eine Statusanzeige eingeblendet, die Ihnen den Dateinamen und die momentane Cursorposition anzeigt. Über dem Fenster sehen Sie neben dem Accessory-Symbol sieben Pull Down-Menüs, die herunterklappen, sobald der Mauszeiger auf den Menütitel fährt. Als erstes verschaffen wir uns anhand eines kurzen Briefes ein wenig Basiswissen über WP. Laden Sie dazu von der Originaldiskette in Laufwerk A die Textdatei »brief.lrn« aus dem Ordner »Irn« mit der Tastenkombination <Shift F10> in den Arbeitsspeicher.

Zunächst verändern wir die Bestätigung ein wenig. Fahren Sie mit dem Cursor auf das Wort »drei« am Anfang des zweiten Absatzes. Betätigen Sie <CTRL Backspace> zum Löschen des gesamten Wortes und fügen Sie statt dessen »zwei« in den Text ein. Als nächstes wandeln Sie »Schlafräume« in »Schlaf und Aufenthaltsräume«.

Sehr bequem: Beim Ergänzen des Abschnitts richtet WordPerfect unmittelbar und ohne Betätigung einer speziellen Taste den Text neu aus. Um mit dieser angenehmen Eigenschaft zu experimentieren, fahren Sie auf den ersten Buchstaben am Anfang des zweiten Absatzes. Drücken Sie die Funktionstaste <F4> oder wählen Sie aus dem Menü »Formatieren« das Untermenü »Einrucken«.

Sofort nach der Tastenbetätigung wird der komplette Absatz bis zum nächsten Tabulatorsprung eingerückt. Wie mache ich die Einrückung wieder rückgängig? Dafür gibt es zwei Wege. Fahren Sie auf den ersten Buchstaben des eingerückten Absatzes und betätigen Sie <Backspace>. WP fragt, ob es die Einrückung wirklich stornieren soll. Bestätigen Sie mit der Taste <j> oder klicken Sie auf das »Ja« in der Dialogbox.

Der zweite Weg: Drücken Sie <Alt F3>, und ein Steuerzeichenfenster baut sich im unteren Bildschirmdrittel auf. Was hat es damit auf sich? WP verwendet zwei unterschiedliche Bildschirmdarstellungen. Die eine stellt den Text mit allen Attributen (fett, unterstrichen, kursiv) und allen Formatierungsanweisungen (eingerückt, zentriert, rechtsbündig) so dar, wie er im späteren Druckbild erscheint. Die andere tritt nur auf, wenn der Steuerzeichenmodus mit <Alt F3> aktiviert ist. Sie sehen jetzt für jede Funktion ein fett hervorgehobenes Kürzel, das eine Anweisung repräsentiert. Diese Steuerzeichen bestimmen das Aussehen des Textes auf dem Bildschirm und dem Drucker. Für die Einrückung finden Sie die Abkürzung [-> Einr] am Anfang des eingerückten Absatzes. Wenn Sie hinter den Code fahren und ihn mit <Backspace> löschen, ist die Einrückung wieder aufgehoben. Zusätzlich verschwindet das Steuerzeichenfenster, sobald Sie die <Space>-Taste betätigen. WordPerfect verwendet eine Mischform aus WYSIWYG-Prinzip und Steuerzeichendarstellung. Steuerzeichen oder Codes sind zunächst »versteckt«, damit der auf dem Bildschirm angezeigte Text möglichst genau dem ausgedruckten Ergebnis entspricht. Mit dem Befehl <Alt F3> haben Sie Zugriff auf diese Steuerzeichen, z.B. um danach zu suchen, oder sie in Makroprogramme einzubinden. Dazu ein Beispiel:

Fahren Sie mit <Home Home Home Cursor up> an den Anfang des Textes. Der Cursor befindet sich jetzt vor allen Steuer-Zeichen. Rufen Sie die Suchfunkti-on mit <F2> oder mit »Vorwärts« im Menü »Suchen« auf. Drücken Sie <F8> für Unterstreichung und starten Sie die Suche nicht(!) etwa mit <Return>, sondern mit <F2> oder durch einen Klick auf den »Akzeptieren«-Button im Dialogfeld. WordPerfect sucht jetzt nach der nächsten Unterstreichung im Text. In unserem Fall bleibt der Cursor vor dem »Ferienpark Sonnenwende« stehen. Warum darf man die Eingabe des Suchstrings nicht mit Return abschließen? Ganz einfach: weil auch ein Return, eine feste Zeilenschaltung, für WordPerfect nichts anderes als ein Steuerzeichen ist. Sie können auch nach einem Return im Text suchen lassen und dürfen deshalb das Return nicht in den Suchstring mit einbeziehen. Die Möglichkeit, alle Codes in die Suchfunktion einzubinden, ist vor allem für nachträgliche Veränderungen am Text wichtig. Sie können zum Beispiel mit einem Makro alle Unterstreichungen in Ihrem Dokument in einen Klartextstring überführen, den etwa »TEX« oder gar eine Satzmaschine versteht.

Bleiben wir beim Editor. Er bietet eine ganze Reihe von Annehmlichkeiten, über die andere Textsysteme nicht verfügen. Starten Sie zum Beispiel eine Suche nach einem Begriff, der im Text garantiert nicht vorkommt. 1st Word Plus springt nun an den Anfang oder das Ende des Textes. Da will man aber meistens nicht hin. Probieren Sie einmal aus, wo der Cursor von WordPerfect nach erfolgloser Suche steht. Ein Tip für Spezialisten: Springen Sie mit <Home Home Cursordown> an das Ende des Textes. Rufen Sie anschließend zweimal hintereinander <CTRL Home» auf. Was passiert? Richtig, der Cursor springt zu der Stelle, wo der letzte Befehl gestartet wurde.

Ein weiterer Trick zum Verschieben von Absätzen: Mit 1st Word Plus müssen Sie den Start- und Endpunkt eines Absatzes genau markieren. WordPerfect kennt noch einen anderen Weg. Fahren Sie an eine beliebige Stelle innerhalb eines Absatzes. Betätigen Sie <CTRL F4> und WordPerfect fragt, ob es einen Satz, einen Absatz oder die aktuelle Seite verschieben soll. Wählen Sie <2> für den Absatz. Das Programm fragt jetzt, was mit dem automatisch markierten Block geschehen soll. <3> löscht den Block. Wollen Sie einen Satz oder Absatz komplett löschen oder verschieben, übernimmt WordPerfect also die Markierung des Textstückes. Praktisch, nicht wahr? Der gelöschte Textteil ist übrigens nicht unwiderruflich verloren. Die <F1>-Taste bringt ihn zurück. WordPerfect enthält nämlich einen Undo-Speicher für die letzten drei(!) Löschvorgänge.

EINFACHE LAYOUTS

Wenn Sie die ersten Texte mit WordPerfect geschrieben und ausgedruckt haben, stellen Sie fest, da das Druckbild immer gleich aussieht: eine Seitenziffer steht oben oder unten, die Schriftart ist in der Regel Pica. Der Blocksatz wird ausgeführt, auch wenn er auf dem Bildschirm nicht erscheint. Wo ist das Layout Ihrer Texte in WordPerfect gespeichert? Schlie-lich kennt das amerikanische Textprogramm keine Zeilenlineale wie 1st Word Plus. Wie ist die Formatierung eines Textes zu ändern? Spielen wir jetzt einige Beispiele anhand unserer Übungsdatei »drachen2.lrn« durch:

Laden Sie zunächst diese Datei von der Festplatte oder Diskette.

Als erstes fällt der doppelte Zeilenabstand des Textes auf. Springen Sie an den Anfang des Textes und aktivieren Sie mit <ALT F3> das Steuerzeichenfenster. Darin sehen Sie den Code [Zeilenabstd: 2]. Dieser Code läßt sich mit <Backspace> oder <Delete> löschen. Sofort ist der Zeilenabstand an Bildschirm und Drucker auf 1 zurückgesetzt. WordPerfect kennt beliebige Zeilenabstände in Halbschritten. Innerhalb eines Dokumentes lassen sich normaler und anderthalbfacher Zeilenabstand beliebig (oft) kombinieren. Sie erreichen diese Funktion mit der Tastenkombination <Shift F8 4>. Vor dem Code für den Zeilenabstand sehen Sie weitere Steuerzeichen: [SeitLg:70,64] [TabEinst:69] und die Codes für Unterstreichung und Fettdruck der ersten Zeile.

WordPerfect berücksichtigt drei unterschiedliche Gruppen von veränderbaren Parametern. Die erste betrifft das Seitenformat. Darunter fallen Angaben für Seiten länge, oberen/unteren Blattrand und Position der Seitenzahl. Die zweite Gruppe fassen wir unter dem Begriff Zeilenformat zusammen. Dies sind Angaben über die Tabulatoren, Ränder, Zeilenabstand und Silbentrennung. Schließlich gibt es drittens ein Druckformat, das die Druckerschriftart, den Blocksatz und die Unterstreichungsart enthält. Zusammengenommen viele Parameter, mit denen Sie das Druckbild Ihres Textes bestimmen. Die Änderung eines Parameters erfolgt im Unterschied zu 1st Word Plus an jeder beliebigen Stelle im Text. Sie dürfen zum Beispiel die Art und Weise der Seitennumerierung von Seite zu Seite ändern. Bei jeder Änderung fügt WordPerfect ein Steuerzeichen in die Textdatei ein. Wir experimentieren nun ein wenig mit der geladenen Datei. Unser Ziel ist es, das Layout einer Elite-Schriftart anzupassen: Zunächst geht es mit <Home Home Home Cursor up> an den Anfang des Textes, vor alle Steuerzeichen.

Löschen Sie nach dem Aufruf von <Alt F3> gegebenenfalls den Code für doppelten Zeilenabstand. Ändern Sie den linken und rechten Rand mit <Shift F8 3> und geben als neue Werte <12 Cursor down 12> für den rechten und <96 Return 96> für den linken Rand ein.

Im Steuerzeichenmodus erscheint nun der Code [RdEinst:12,96]. Worauf beziehen sich die beiden Zahlen? WordPerfect geht davon aus, da Sie DIN-A4-Papier mit 80 Zeichen pro Zeile verwenden. Diese Angabe bezieht sich immer auf eine Pica-Schrift mit 10 Zeichen pro Zoll(cpi). Wenn Sie in einer Elite-Schriftart mit 12 cpi drucken und dabei die ganze Papierbreite nutzen möchten, rechnen Sie aus, wieviele Elite-Zeichen auf 80 Pica-Zeichen passen. Der Dreisatz (80 Zeichen = 10 cpi, x Zeichen = 12 cpi) ergibt exakt 96 Zeichen. Für den linken Rand erhalten wir den Wert 12. Dies entspricht genau den oben gemachten Angaben. Nun haben wir die Ränder geändert, aber WordPerfect würde den Ausdruck nach wie vor in einer Pica-Schrift starten. Den Wechsel zur Elite-Schrift erreichen wir über das Druckformat. Betätigen Sie <CTRL F8 1> für die Angabe Pitch/Schrift. Geben Sie jetzt <12 Return> für die Schriftbreite, <n> für die Wahl eines äquidistanten Zeichensatzes und <1 Return Return> für die Wahl des Zeichensatzes Nr. 1 ein. Das Steuerzeichenfenster zeigt als weiteren Code die geänderte Schriftart mit [Schrift:12,1] an. Er gilt für den gesamten Text, der dem Code folgt. Sie können übrigens an jeder beliebigen Stelle auf eine weitere Schrift umschalten.

Unser Ziel ist damit erreicht. Wir haben das Textlayout so geändert, da der Drucker in Elite ausdruckt und die Ränder auf dem Papier beibehält. Weil die Elite-Schrift ein wenig schmaler als Pica ist, passen jetzt mehr Buchstaben in eine Zeile. Sie haben sicherlich die Umformatierung bemerkt. Analog zu diesem kleinen Beispiel lassen sich auch alle anderen Layout-Parameter ändern. Alles, was mit dem Zeilenformat zu tun hat, erreichen Sie über <Shift F8>, das Seitenformat über <CTRL F8> und das Druckformat über <Alt F8>.

LAYOUT MIT MAKROS

Erledigen Sie öfter ein bestimmtes Layout, so empfiehlt es sich, dafür ein Makro anzulegen. Was ist ein Makro und wie geht man damit um? Makros speichern häufig verwendete Tastenfolgen oder Maus-Klicks, die Sie dann bei Bedarf auf-rufen. Ein einfaches Makro ist zum Beispiel die Grußfloskel am Ende eines Briefes, das Sie an einer freien Stelle im Text definieren:

&lt;CTRL F10 gruss Return>

Makro mit dem Namen »gruss« definieren. In der Statuszeile erscheint »Makro definieren«.

<Mit freundlichen Grüßen Return Return (Otto Beispiel)» damit ist das Makro geschrieben. <CTRL F10> schließt die Makrodefinition ab. Das Makro läßt sich jederzeit mit <Alt F10> über die Dateiauswahl box auf rufen. Etwas komplizierter wird jetzt unser Layout-Makro. Wir starten mit:

&lt;CTRL F10 elite Return>
Das neue Makro heißt »Elite« &lt;Home Home Home Cursor up>
An den Anfang des Textes &lt;Shift F8 3>
Ändern des Randes &lt;12 cursor down>
Neue Werte: 12 und 9696 &lt;Return CTRL F8 1>
Auswahl der Elite-Schrift &lt;12 Return n 1 Return Return>
Keine Proportionalschrift &lt;CTRL F10>
Makroende.

Die Makrobefehle zwischen Makrostart und -ende entsprechen exakt den oben per Hand eingegebenen. Ihr erstes größeres Makro starten Sie nun jederzeit mit <Alt F10>. WordPerfect hängt übrigens automatisch die Extension »*.mac« an den Makronamen an. Eine kleine Anregung für's Weiterarbeiten: Wollen Sie mitten im Text auf Elite umschalten, können Sie die Zeile mit dem Befehl zum Springen an den Anfang des Textes auch weglassen. Mit einem weiteren Pica-Makro lassen sich sogar Elite— und Pica-Schrift in einem Dokument beliebig oft kombinieren. Zum Schluß ein Makro, das automatisch längere Zitate einrückt und in der Condensed-Schrift (17cpi) des Druckers ausgibt:

&lt;CTRL-F10 zitat Return»
Start des Zitat-Makros &lt;Home Home Home Cursor left>
Cursor an den linken Rand &lt;Shift-F8 3>
Änderung des Randes &lt;17 cursor down>
Neue Werte: 17 und 136136 &lt;Return CTRL-F8 1>
Auswahl der Condensed-Schrift &lt;17 Return n 1 Return>
Umschalten auf Schrift 17,1 &lt;F4>
Einrückung vornehmen &lt;CTRL-F10>
Makroende.

Zum Zurückschalten auf die Pica-Schrift benötigt man ein Pica-Makro, das am Ende des Zitates einmal aufgerufen wird. Versuchen Sie jetzt, dieses Makro selbst zu programmieren. Bis zum nächsten Teil unseres Kurses viel Spaß, (wk)

KURSPLAN Teil 1:

1 Anfängerubungen (Starzeichertfensiet; Word-Perfect-Codes, Tips und Tricks mm Editor)

2 Einfache Layouts (Seiten , Zeilen und Druckför-mat Sehr ftwechsel unter Beibehaltung der Ränder

3 Layout mit Makros, (Was sind Makros? Das Elite- und Condensed Makro)

Teil 2:

4 Fuß- und Endnoten, (Grundsätzliches zu Fuß und Endnoten Umwandlung von Fußnoten in Endnoten)

5 Gliederung und Inhaltsverzeichnis (automatische Numerierung Absatznummern und Inhaltsverzeichnis mit Makrosteuerung)

Tteil 3:

6 Mail Mergmg und Serienbriefe, (Mischfunktionene, Datentransfer zwischen Ist Adress und WordPerfect)

7 WordPerfect, MS-DOS und Calamus, (verschie dene Betriebssystemen, WordPerfect-Dateien in Calamus)


Michael Spehr
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