Die Zugpferde: DTP und MIDI - Atari Pressekonferenz '90

center Die Verteilung aller verkauften Atari-Produkte für das Jahr 1988

center Auffällig: 1989 verdoppelte sich der Anteil der MS-DOS-Computer.

Während sich viele vor dem Fernseher ein interessantes Fußballspiel ansehen, hält Atari eine Pressekonferenz ab. Das Interesse an Atari ist immer groß, und die Sitzplätze sind heiß umkämpft.

center Sam Tramiel, President Atari Corp : »Das Handheld—Spielgerät Lynx, durch seine neue Technologie ein kommender Bestseller«

Ataris Geschäftsführer Alwin Stumpf informierte auf dieser Pressekonferenz wieder über den Geschäftsablauf. Geschickt verpackt servierte er die 800.000 DM Verlust des vergangenen Geschäftsjahres, resultierend aus gestiegenen Einstandspreisen, die nicht an die Kunden weitergingen. Der Umsatz betrug 277 Millionen DM, was eine Steigerung um 25 % bedeutet. Kurz vor Ende des Jahres erhöhte Atari die Marketingaufwendungen und nutzte damit eine Schwäche der Konkurrenz. Das Ergebnis ist ein Eingangsplus von 50 % im ersten Quartal '90 gegenüber dem Vorjahr.

Alwin Stumpf, Geschäftsführer Atari Deutschland: »Die gestiegenen Einstandspreise gaben wir nicht weiter.«

Die teilweise eklatanten Lieferschwierigen basieren laut Stumpf auf einer zu vorsichtigen Planung, vordringlich bei den Mega STs. Der Mega ST1 sollte bereits wieder aus der Lieferpalette verschwinden, entpuppte sich plötzlich als Renner. Verbunden mit den massiven Aktivitäten im Desktop-Publishing-Bereich verdoppelte sich der Anteil an ausgelieferten Mega STs. Atari lieferte '89 insgesamt 135.000 STs aus. Die Verteilung für '89:

63,1 % entfallen auf die STs
25,3 % auf PCs
2% auf 8-Bit-Computer
4 % auf Videospielkonsolen
5,6 % auf Software

Vergleicht man diese Zahlen mit den Werten aus '88, so fällt auf, daß der MS-DOS-Anteil um mehr als das Doppelte wuchs.

Im MIDI-Bereich dominiert Atari weiterhin. Zur Zeit ist keine Konkurrenz in Sicht. Um in diesem Bereich weiterhin Marktführer zu bleiben, verriet uns Sam Tramiel in einem Gespräch, daß künftig im Laptop-Modell des ST, dem »Stacy«, ein SMPTE-Interface eingebaut wird. Die Palette der MIDI-Anwender reicht von Milli Vanilli zu Dire Straits, Phil Collins bis zur Miami Vice-Filmmusik, und sogar in den klassischen Bereich. Ein weiterer Kassenschlager neben dem kleinen »Portfolio« zeichnet sich für Atari bei »Lynx« ab. Lynx ist eine kleine Videospielkonsole mit eingebauten LC-Screen. Entgegen den monchromen Bildschirmen der Mitbewerber zeichnet er sich durch 4096 Farben aus.

Dem Bürobereich bietet Atari künftig ein Netzwerk an. Es arbeitet nach dem ISA-Net-Protokoll. Die PC-Palette rundet ab sofort ein 386 SX-Modell ab.

Auf die deutsch-deutschen Entwicklungen reagiert Atari mit einer Niederlassung in Weimar.

center Greg Pratt, Vice-President Atari Corp.: »Der Kauf der maroden Ladenkette Federated Group war ein finanzielles Disaster«.

Nach Alwin Stumpf sprach Greg Pratt, Ataris Vice-President für Finanzen. Sein Statement zum Kauf der Laden kette Federated Group war kurz und prägnant: »It was a Disaster«. Atari kaufte in USA die marode Ladenkette Federated Group und versuchte, damit ein Händlernetz mit eigenen Geschäften aufzubauen. Dieses Unterfangen erwies sich aber aufgrund der desolaten Situation von Federatet Group als aussichtslos. Die Ladenkette war höher verschuldet, als aus den Bücher zu ersehen war.

center Gute Umsatzzuwächse, aber durch hohe Einstandspreise und erhöhte Marketingausgaben ein Minusergebnis für 1989 bei Atari Deutschland

Das vergangene Jahr verlief für Atari wenig erfolgreich. Neue Produkte, allen voran der lang ersehnte TT, lassen auf ein erfolgreicheres '90 erwarten. Der Auftragseingang für das erste Quartal lang bereits um 50 % über dem des Vorjahres.


Horst Brandl
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