Midi-Sequenzer Startrack Delight

Unter dem Kommando von Captain Geerdes und Erstem Offizier Kahlert zündet das Startrack-Team Stufe 2: Lesen Sie, was das intergalaktische »Delight«-Zeitalter dem Midi-Anwender beschert.

Abb. 1: Der Arrange-Editor mit Volumen-Fader

Objektorientiert, modular, hierarchisch - mit diesen Schlagworten will Startrack Delight gleichermaßen eingefleischte Cubase- und Notator-Anwender wie Einsteiger locken. Was allerdings der Musiker in der Praxis davon hat, ist so offensichtlich nicht.

Der Aufbau des Midisequenzers erinnert an das Schaltbild eines NASA-Projekts: Auf der untersten Ebene, praktisch als Startrampe, befindet sich die Hardware, der Atari. Das Programm wurde so entwickelt, daß es problemlos auf andere Computer-Systeme portiert werden kann. »The Best of Three Worlds« ist dabei die Grundlage, die dem Atari-Anwender ein komfortables Handling, mit vielen Macintosh- und Windows-Elementen, bietet. Über der Hardware installiert das Delight-Paket zu diesem Zweck zwei eigene Betriebssysteme: das multitaskingfähige MidiShare des französischen Herstellers TimeTech und Wimos, ein objektorientiertes Fenster- und Modul-Management-System. MidiShare ist zur Zeit einer der schnellsten und leistungsfähigsten Midi-Treiber, auf dem 256 Anwendungen miteinander kommunizieren können. Auch Emagics (Notator Logic) verwendet dieses Multitasking-Betriebssystem.

Interessant für Basic-Anwender: MidiShare läßt sich nun direkt mit der Programmiersprache Basic ansprechen, eigene Ideen können somit leicht das Startrack Delight-System erweitern. Tüftler und Profis, die ihre Ideen vermarkten wollen, erhalten von TimeTech auch ein Midi-Entwickler-Paket - für kommerzielle Software vergibt TimeTech Lizenzen.

Der Modul-Manager ist das zweite Standbein der Software. Bei laufendem Programm - das kann ein Sequenzer, ein Editor oder eine Datenbank sein - können Delight-Module in den Hauptspeicher ein- und ausgeladen werden. Darüber hinaus verwaltet Wimos alle graphischen Objekte, interaktive Fenster und organisiert die dynamische Speicherverwaltung. Ebenso werden Schreib- und Lesezugriff auf Harddisk bzw. Diskettenlaufwerk autark gesteuert. Harddisk-Recording-Applikationen sollten sich damit bald realisieren lassen. Auch Wimos steht allen Anwendern als Entwicklerpaket zur Verfügung. Fremdanbieter sollen damit ermutigt werden, das System mit weiteren Ideen zu bereichern.

Über dem Betriebssystem verschmelzen auf der Startrack-Ebene zwei Bereiche - Multi-Tempo-Sequenzer und Soundeditor (Device-Parameter-Control) - zu einer integrierten Lösung. Doch neben einer komfortablen Soundverwaltung bietet das System noch mehr: Mit dem Device-Controller lassen sich sämtliche Parameter eines angeschlossenen Synthesizers in Echtzeit variieren. Während eines Songs ist es so möglich, zusätzlich zu den üblichen Midi-Parametern auch Daten zur dynamischen Änderung der einzelnen Synthesizerklänge zu übertragen. Filter, Oszilatoren, LFOs und Hüllkurven bereichern damit die Gestaltungsmöglichkeiten bei der Komposition. Leider sind moderne Synthesizer für eine derartige Arbeitsweise zur Zeit nur bedingt tauglich. Klänge lassen sich meist nur im Edit-Modus bearbeiten und dort sind viele Funktionen - wie z. B. der Multi-Modus - außer Kraft. Eine feine Sache für alle, die ihre alten Moogs-Synthesizer gepflegt und modifiziert haben.

Abb. 2: Alternative Spurendarstellung im Arrange-Editor

Abb. 3: Fader für beliebige Midicontroller

Für die dynamische Parameter-Steuerung stellt Startrack Delight eine Reihe von Fadern zur Verfügung. Je nach aufgezeichneten Events läßt sich dazu eine passende Darstellungsart wählen.

Für absolute Tüftler gibt’s den Funktions-Interpreter. Für Parameter-Verläufe lassen sich hier eigene Formeln eingeben und in musikalische Daten verwandeln. Im Lisp-Dialekt - ähnlich leicht zu lernen wie Basic - können somit recht abenteuerliche Kompositionsmethoden angewendet werden. Beispiel: Ein Sinus-Verlauf mit drei Nulldurchläufen über 16 Takte mit 16tel Noten in einem bestimmten Frequenzbereich - auch so läßt sich künftig programmieren.

Zu Multi-Tempo-Sequenzern rüstet mittlerweile auch die Konkurrenz ihre Produkte um. Allerdings arbeitet Startrack Delight mit einer noch höheren Auflösung, nämlich im 1 ms-Takt.

Der Vorteil von objektorientierten Programmen zeigt sich in den umfangreichen Möglichkeiten im Dialog für Voreinstellungen. Der Anwender kann hier Einfluß auf die Gestaltung sämtlicher Objekte nehmen - Größe, Schriften und Fenster-Elemente lassen sich nach eigenem Geschmack konstruieren. Auch die kontext-sensitive Hilfefunktion ist dank objektorientierter Programmstrukturen besonders komfortabel.

Das Herz von Startrack Delight ist der Multi-Arrange-Editor. Loops werden auf einfache Art selbständig erzeugt. So läßt sich ein Part bis zum Beginn des nächsten automatisch loopen. Wieviele Loops nötig sind, weiß Startrack Delight von selbst. Für die Variation von Parts und Spuren wurden Funktionen integriert, die bislang allenfalls in ausgefeilten Arrangern zu finden waren. Weitere Arrange-Funktionen sollen in einem nächsten Update folgen.

Noch nicht vollständig integriert ist das »Interaktive Music Graphical Programing Environment«. Graphische Objekte bieten künftig eine aufregende, vollständig neuartige Möglichkeit zum Musizieren: Die Tastatur, ein Grafikstift oder die Maus werden damit zum raffinierten Musikinstrument. Werden geometrische Elemente bewegt, erzeugen sie beispielsweise Scalen, Akkorde oder sogar komplette Riffs oder Rhythmen. Auslösen kann den Klang auch eine Tastenkombination oder ein Grafikstift. Das offene Delight-Konzept ist besonders für kreative Künstler geeignet, die eingefahrene Wege verlassen wollen. Kaum ein anderes Midipaket erlaubt dem Anwender, eigene Ideen derart komfortabel einzubinden und damit innovative Arbeitsweisen zu erkunden. Besonders die Avant-Garde unter den Midi-Anwendern wird von Delight entzückt sein.

Vertrieb: Christian Geerdes, Bismarkstr. 84, 1000 Berlin 12

WERTUNG

Startrack Delight Version 2.0

Hersteller: Michael Kahlert

Preis: 398 Mark

Vorteile: Funktionsdatenbank, unabhängige Zeitbasis, Interactive Device Control, offene Strukturen, Midishare, rechnerunabhängig und portierbar, modulare und offene Strukturen, frei bestimmbare hierarchische Strukturen, über Basic programmierbar, preiswert

Einschränkungen:

Harddisk Recording noch nicht integriert


Manfred Neumayer



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