Schön und exakt: »Xact«

Bekannt war es als Scigraph, heute heißt es Xact. Wir zeigen, was sich außer dem Namen sonst noch alles geändert hat.

Bilder sagen mehr als tausend Worte, sagt der Volksmund. Gerade in unserer technisierten Zeit bekommen Grafiken mehr und mehr Bedeutung Dem ST-Benutzer steht eine reichhaltige Auswahl an Grafikprogrammen zur Verfügung. Leider handelt es sich dabei meist um sog. pixelorientierte Programme. Die Bilder sind aus kleinen Punkten aufgebaut. Dieses Verfahren bietet trotz großer Flexibilität den Nachteil, daß gewisse Veränderungen wie das Vergrößern oder Verkleinern von Bildern oder Bildteilen nur mit starkem Qualitätsverlust möglich sind. Dies vermeiden Vektorgrafik-Programme, die Bilder durch Objekte mit jederzeit veränderbaren Eigenschaften wie Größe, Form und Farbe beschreiben und daher leicht modifizierbar sind. Für viele Zwecke — vor allem im wissenschaftlichen und technischen Bereich — sind Vektorgrafiken die beste Wahl.

Diagramme sind eine spezielle Form von Vektorgrafiken. Ihr Zweck darin besteht, Zahlen in anschaulicher Weise darzustellen. Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Wirtschaft ist diese Form der Datenpräsentation inzwischen selbstverständlich. Dennoch sind Computerprogramme zum Erzeugen und Bearbeiten von Diagrammen erstaunlicherweise selten. Für den ST war bisher »SciGraph« die beste Wahl und erfreute sich entsprechender Beliebtheit. Vor kurzem stellte »SciLab« den Nachfolger von Sci-Graph vor, der aus rechtlichen Gründen einen neuen Namen erhielt: »Xact«.

Kurz zusammengefaßt kann man den Leistungsumfang von Xact in drei Bereiche aufteilen: es kann Zahlenmaterial in einer Vielzahl von Formen grafisch darstellen, es erlaubt die Bearbeitung dieser und anderer (eingelesener) Grafiken über einen Vektorgrafikeditor, und es kann Vektorgrafiken auf Drucker ausgeben und in verschiedene Exportformate konvertieren. Gleich vorweg: Es erfüllt alle diese Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit.

Xact wird auf mehreren Disketten in einem Schuber ausgeliefert, der auch das Handbuch enthält. Es gibt für den ST eine »kleine« und eine »große« Version; zur Großen gibt es zusätzlich einige Satzschriften von Bit-stream, mit denen sich die Textausgabequalität deutlich verbessern läßt. Außerdem liegt dieser eine spezielle TT-Version bei, die sich den arithmetischen Coprozessor zu Nutze macht und damit den gesamten Programmablauf deutlich beschleunigt. Des weiteren wurde auf der Atari-Messe überraschend »Xact-Draw« (Test auf Seite 42 in dieser Ausgabe) vorgestellt, das nur den Vektoreditor und die Ausgaberoutinen enthält, jedoch keine Diagramme erstellen kann. Zum Test lag die große Version vor, die vorwiegend auf einem Atari TT mit angeschlossenem »Post-Script«-Laserdrucker getestet wurde. Das bedeutet jedoch nicht, daß Xact eine solche Hardwarekonfiguration voraussetzt; mit einem »normalen« ST und einem grafik-fähigen Nadeldrucker kann man bereits arbeiten.

Das Installationsprogramm richtet neben Xact und einigen Zusatzdateien auf Wunsch auch »GDOS« ein bzw. ergänzt eine bestehende GDOS-Installation um die für Xact nötigen Bestandteile. GDOS ist der Teil des GEM, der sich um die Grafikausgabe auf verschiedene Ausgabegeräte sowie um die Fontverwaltung kümmert und den Atari nicht im ROM untergebracht hat. Folglich muß GDOS über den Auto-Ordner nachgeladen werden. Es gibt inzwischen mehrere GDOS-Versionen; mit Xact wird »AMC-GDOS« ausgeliefert, das sich gegenüber dem ursprünglichen Atari-GDOS durch höhere Geschwindigkeit und Unterstützung von Bézier-Kurven auszeichnet. Xact arbeitet jedoch auch mit anderen GDOS-Versionen, darunter mit dem von Atari seit langem angekündigten, jedoch immer noch nicht fertigen, »FSM-GDOS«. Alte GDOS-Versionen ohne Bézier-Unterstützung sind für die Arbeit mit Xact jedoch nicht empfehlenswert.

GDOS-Treiber für die gängigen Druckertypen gehören ebenfalls zum Lieferumfang, wobei die geringe Auswahl an Treibern kein Grund zur Besorgnis sein sollte: da GDOS nur den Grafikmodus eines Druckers zur Ausgabe benutzt, fallen die vielen Detailunterschiede zwischen den einzelnen Typen beim Textmodus nicht ins Gewicht. Lediglich eine größere Freiheit bei der Wahl der Grafikauflösung — die meisten Drucker bieten mehrere — bliebe zu wünschen.

Fantasievolle Grafiken sind mit Xact möglich

Grundsätzlich wickelt Xact seine Druckerausgabe immer über GDOS ab, jedoch gibt es zwei Ausnahmen: die Ausgabe auf PostScript-Drucker und Plotter (»HPGL«) übernimmt Xact in Eigenverantwortung, da brauchbare GDOS-Treiber für diese Systeme bis heute nicht existieren und aufgrund konzeptioneller Mängel des GDOS zumindest ein PostScript-Treiber akzeptabler Qualität auch kaum realisierbar ist. Durch die direkte Ausgabe stehen Xact alle Möglichkeiten von PostScript zur Verfügung, die es auch weidlich nutzt. Es verwundert daher nicht, daß die Qualität der PostScript-Ausgabe die der Ausgabe über GDOS-Treiber weit übertrifft. Lediglich das Installationsprogramm irritiert den Besitzer eines PostScript-Druckers, indem es die Installation eines GDOS ohne Druckertreiber nicht zuläßt.

Nach der Installation ist Xact startbereit. Um zunächst einen Überblick über die Arbeit mit Xact zu geben, werden im folgenden die Arbeitsschritte beschrieben, die bei der Erzeugung eines Diagramms anfallen: das Eingeben bzw. Einlesen der Daten, die Erzeugung der eigentlichen Grafik, eine eventuelle Nachbearbeitung im Grafikeditor und schließlich die Ausgabe.

Die ersten Schritte

Eingabe und Änderung der Daten erfolgen im Tabelleneditor, der auch für den Im- und Export von Fremdformaten zuständig ist. Der Tabelleneditor erinnert an eine Tabellenkalkulation: Das Eingabefeld ist in Zeilen und Spalten eingeteilt, wobei jede Spalte eine Folge zusammenhängender Daten enthält, wie z.B. eine Folge von Meßwerten. Datenreihen mit mehr als einer Zahl pro Datenpunkt — etwa X-und Y-Koordinaten — belegen mehr als eine Spalte. Die Spalten müssen keineswegs alle die gleich Länge haben. Die Bedeutung der einzelnen Spalten ist einstellbar. Mit einigen Mausklicks kann die Zugehörigkeit der Spalten zu den Datenreihen sowie deren grafische Bedeutung (X-, Y-, Z-Achse, Abweichungen zur Erzeugung von Fehlerbalken) festgelegt werden. Diese Prozedur ist etwas gewöhnungsbedürftig. Die Reihenfolge der Spaltenzuordnung ist fest vorgeschrieben und wird vom Programm erzwungen. So ist es z.B. nicht möglich, eine Spalte als X-Koordinaten auszuwählen, wenn nicht vorher eine andere Spalte mit Y-Koordinaten festgelegt wurde. Auch bei späteren Änderungen achtet der Tabelleneditor darauf, daß seine Vorschriften (wie keine X-Koordinaten ohne Y-Koordinaten) eingehalten werden und ändert notfalls eigenmächtig die Zuordnungen. Ein versehentlicher Mausklick kann so schnell einiges durcheinanderbringen.

Beim Importieren von Daten zeigt sich Xact flexibel. Neben einem eigenen Format zum Sichern und Laden unterstützt es neben mehreren Textformaten wie z. B. »CSV« auch die aus der Welt der Tabellenkalkulationen und Datenbanken bekannten Formate »DIF«, »WKS« und »WK1«. Große Datenmengen können gleich beim Lesen durch Auslassen überflüssiger Datenpunkte auf einen handhabbaren Umfang reduziert werden.

Neben dem Eingeben und Ändern von Daten erlaubt der Tabelleneditor auch einige Formen der Datenerzeugung und -transformation, wie z. B. das Erzeugen von Spalten nach bestimmten Kriterien und viele Rechenoperationen. Darüber hinaus kann er die Datenreihen statistisch auswerten und die Resultate in einer eigenen Tabelle ausgeben.

Wenn die Daten im Tabelleneditor stehen und die Spalten richtig markiert sind, kann daraus eine Grafik erzeugt werden. Dabei werden alle erdenklichen Grafiktypen angeboten: Für ein- und zweidimensionale Daten gibt es mehrere Varianten von Liniendiagrammen, darunter auch solche mit 3-D-Effekten. Zur Darstellung von Meßfehlern und anderen Unsicherheiten sind Fehlerbalken vorgesehen. Verschiedene Methoden zur Datenaufbereitung gibt es auch, wie Glättung (dabei wird über einige nebeneinanderliegende Punkte gemittelt), Spline-Interpolation (Konstruktion einer »glatten« Kurve durch die Punkte) oder Kurvenfits mit Polynomen oder beliebigen benutzerdefinierbaren Funktionen. Dabei ist natürlich zu bedenken, daß aus schlechten Daten auch mit den besten Aufbereitungsmethoden keine schönen Grafiken zu machen sind und der richtige Umgang mit diesen Möglichkeiten Erfahrung voraussetzt. Xact macht dem Anwender jedenfalls das Leben so leicht wie möglich.

Zur Darstellung dreidimensionaler Daten werden neben Balkendiagrammen Flächen- und Punktwolkendiagramme angeboten. Besonders bei Flächendiagrammen, zu deren Erzeugung relativ aufwendige Interpolationsrechnungen nötig sind, hebt sich Xact angenehm von anderen Grafikprogrammen ab, da es dem Benutzer eigentlich alle Arbeit abnimmt.

Ebensowenig fehlen die vertrauten Balken- und Tortendiagramme, die es in verschiedenen 2-D- und 3-D-Va-rianten gibt. Etwas weniger alltägliche Diagrammtypen sind Treppendiagramme. Dabei werden die Punkte nicht mit jeweils einer Geraden verbunden, sondern mit waagerechten und senkrechten Verbindungen. Bei Portfoliodiagrammen wird jedem Punkt ein Kreis variabler Größe zugeordnet. Sogenannte Profildiagramme stellen jeden Datensatz durch ein »Profil« dar, wobei alle Profile nebeneinander angeordnet werden. Die Radialdiagramme ordnen den Datenreihen Polygonzüge zu. Boxplots schließlich tragen zu jeder Datenreihe statistische Parameter wie Median und Extremwerte ein.

Es versteht sich von selbst, daß alle relevanten Parameter wie Linientypen, Farben, Füllmuster, Perspektive (bei 3-D-Darstellung), Beschriftung etc. bei allen Diagrammtypen einstellbar sind. Etwas unhandlich ist, daß einige Einstellungen nur global für ein Diagramm und nicht für jeden Datensatz einzeln verfügbar sind. Dadurch ist manchmal eine manuelle Nachbearbeitung im Grafikeditor unvermeidlich.

Ein typischer Arbeitsbildschirm

Grafische Tabellen

Erwähnenswert ist noch ein weiterer »Diagramm-Typ«, der eigentlich gar nicht in diese Kategorie paßt: Tabellen. Xact kann aus den Eingabedaten Tabellen mit einstellbarer Formatierung und verschiedenen Linienzügen erzeugen und als Grafik speichern. Da Diagramme und Tabellen häufig zusammen benötigt werden, ist dies eine sinnvolle Ergänzung.

Der Grafikeditor hat zwei Hauptaufgaben: das Kombinieren von Diagrammen und das Ergänzen von grafischen Elementen oder Text. Kombinationen von Diagrammen sind für Sonderfalle nützlich — z.B. wenn man die Balken einer Balkengrafik mit Linien verbinden möchte; aber auch um Beschränkungen bei den Einstellmöglichkeiten zu umgehen, z. B. bei der Kombination von Linien und Markern in einem Liniendiagramm. Die Handhabung ist denkbar einfach: mit den normalen Ausschneide- und Kopierfunktionen werden mehrere Diagramme nacheinander in ein leeres Grafikfenster kopiert. Xact stellt dabei sicher, daß alle Teile sauber Übereinanderliegen.

Für die grafische Gestaltung stehen die üblichen Mittel eines Vektorgrafikeditors zur Verfügung, also Geraden, Rechtecke, Ellipsen, Polygonzüge und Freihandzeichnungen. Weniger selbstverständlich sind die Bézierkurven, die zur Darstellung realistisch geschwungener Kurven unerläßlich sind. Text zur Beschriftung darf natürlich nicht fehlen, dazu später mehr.

Diese Grundelemente können in mannigfaltiger Weise verändert werden; Linienstärken und -muster sowie die Form der Linienenden sind ebenso einstellbar wie verschiedene Füllmuster und -raster. Auch Färb- und Rasterverläufe sind vorgesehen, was durchaus nicht alltäglich ist. Überhaupt liegt in der Farbgestaltung eine der Stärken von Xact: man kann sich schnell aus einer Palette eine Farbe aussuchen oder in einem der Standardfarbsysteme »RGB«, »CMY« oder »HSV« die gewünschte Farbe numerisch angeben.

Größe und Lage aller Objekte können natürlich mit der Maus verändert werden, auch durch Eingabe von Zahlenwerten, was für präzises Arbeiten angenehm ist. Sie können Objekte auch in Gruppen zusammenfassen, die dann als Ganzes bearbeitet werden können. Davon macht auch Xact selbst Gebrauch, indem es die Bestandteile von Diagrammen auf verschiedenen Ebenen sinnvoll in Gruppen zusammenfaßt, so daß eine nachträgliche Bearbeitung sehr erleichtert wird. Auch in anderer Hinsicht ist die enge Zusammenarbeit von Diagrammgenerator und Grafikeditor hervorzuheben. Der Diagrammgenerator merkt sich, welche Teile einer Grafik er erzeugt und welche der Benutzer hinzugefügt hat. Durch Änderung der Eingangsdaten oder durch Änderung der Diagrammoptionen kann man dadurch ein Diagramm verändern, ohne daß inzwischen manuell durchgeführte Ergänzungen verlorengehen.

Zwei weitere Funktionen des Grafikeditors, die vor allem bei der Modifizierung von Diagrammen zur Anwendungs kommen, sind »Suchen« und »Tauschen«. Mit der ersten Funktion kann man automatisch alle Objekte selektieren lassen, die mit dem gerade selektierten identisch sind, also z.B. alle Punktmarkierungen eines bestimmten Typs. Die zweite Funktion erlaubt es, alle selektierten Objekte durch ein im Kopierpuffer befindliches Objekt — das beliebig kompliziert sein kann — zu ersetzen. Mit beiden Funktionen zusammen kann man z.B. ohne viel Aufwand alle Punkte in einer Liniengrafik durch kleine Autos ersetzen lassen.

Einschränkungen im Vergleich zu anderen Vektorgrafiksystemen: Man vermißt eine freie Rotierbarkeit von Objekten — Xact läßt nur Rotationen um Vielfache von 90 zu. Zur Nachbearbeitung von Diagrammen ist das Funktionsangebot jedoch mehr als ausreichend, und auch zur Erstellung von Skizzen etc. im wissenschaftlichen Bereich ist Xact auf dem ST unübertroffen.

Eine Druckerausgabe ist bei einem Grafikprogramm jeglicher Art natürlich selbstverständlich. Xact benutzt — wie bereits erwähnt — hauptsächlich GDOS-Druckertreiber, wovon der Anwender nach der Installation natürlich nichts merkt. Nur auf PostScript-Druckern gibt Xact direkt aus und nutzt dabei alle Möglichkeiten dieser flexiblen Druckerprogrammiersprache, so daß PostScript-Ausgaben eine deutlich höhere Qualität haben.

Wer viele Grafiken unbeaufsichtigt ausdrucken lassen möchte, kann das mit dem zum Lieferumfang gehörenden Ausgabeprogramm »Xout« machen. Xout verwaltet Listen von Grafiken, die nacheinander auf dem Bildschirm angezeigt oder ausgedruckt werden können.

Neben dem direkten Ausdruck spielt auch der Export zur Weiterverarbeitung mit anderen Programmen eine wichtige Rolle, da Diagramme ja meist in Textdokumente eingebunden werden. Folglich müssen sie Textverarbeitungsprogrammen und DTP-Systemen schmackhaft gemacht werden. Xact bietet eine Reihe von Exportformaten an, die zeigen, daß die Entwickler auch an den Datenaustausch mit anderen Rechnerplattformen gedacht haben. Die Ausgabe in PostScript-Dateien dient vornehmlich zum Transport auf Disketten (z.B. zum Belichter) und zum Ausdruck mit PostScript-Emulatoren.

Auch PostScript

Erwähnenswert ist die vorbildlich strukturierte Post-Script-Ausgabe von Xact, die sich mit einem der zahlreichen Nachbearbeitungsprogramme — die es allerdings leider noch nicht für den ST gibt — in vielfältiger Weise modifizieren lassen. Selbst nicht vollständig kompatible PostScript-Clones sollten ohne Schwierigkeiten funktionieren, da Xact im Gegensatz zu manchen anderen Programmen keine undokumentierten Eigenschaften von PostScript verwendet. Encapsulated PostScript (»EPS«) ist das meistverwendete Vektorgrafikformat in der DTP-Welt und daher von besonderer Bedeutung. Damit auch Calamus-Anwender nicht vom Import von Xact-Grafiken ausgeschlossen sind, wurde außerdem das CVG-Format implementiert. Windows-Metafiles gewinnen im PC-Bereich an Bedeutung, und drei Varianten der GEM-Metafiles stellen sicher, daß trotz einer gewissen Formatverwirrung unter GEM-Programmen immer ein Weg zu finden ist. Schließlich wird zusätzlich HPGL angeboten, womit sich auch Plotter direkt ansteuern lassen.

Vermißt wird die Möglichkeit, eine Grafik in einem Pixelformat, wie z.B. »IMG«, ausgeben zu können, denn die meisten Textverarbeitungsprogramme können nur solche Formate lesen. Zwar bietet Xact selbst keine solche Möglichkeit, aber seit einiger Zeit gibt es einen speziellen GDOS-Treiber, der seine Ausgabe nicht an einen Drucker schickt, sondern seitenweise in IMG-Dateien sichert. Damit bleiben an Exportformaten keine Wünsche mehr offen.

Da Xact unter GDOS arbeitet, kann es natürlich alle über GDOS installierten Schriften verarbeiten, auch die Vektorschriften der Testversionen von Ataris FSM-GDOS. Darüber hinaus hat die große Programmversion noch eigene Vektorschriften, die aus dem renommierten Hause »Bitstream« stammen. Bitstream-Fonts zeichnen sich durch hohe Ausgabequalität und -geschwindigkeit aus; das Angebot an qualitativ hochwertigen Schriften ist reichhaltig. Es überrascht daher nicht, daß bei Benutzung dieser Schriften die Qualität der Ausgabe gegenüber den GDOS-Schriften deutlich besser ist. Ein weiterer Vorteil der Bit-stream-Schriften liegt im größeren Zeichenvorrat, der nicht auf den Atari-Systemzeichensatz beschränkt ist.

Zeichen als Bézier-Kurve

Beim Export werden die einzelnen Zeichen aus den Bitstream-Schriften als Bézier-Kurven ausgegeben, was erlaubt, diese Buchstaben als Grafikobjekte weiterzuverarbeiten. Die damit erzielbaren Effekte gehen über den Leistungsumfang von DTP-Systemen weit hinaus, erfordern jedoch viel Erfahrung. Außerdem bietet dieser Trick eine Hintertür, um endlich Textobjekte in Calamus importieren zu können, was aufgrund der Calamusspezifischen Fontverwaltung bisher unmöglich war.

Oft muß man immer wieder die gleichen Arbeitsschritte durchführen und wünscht sich hier möglichst viel Hilfestellung durch den Computer. Xact bietet zwei völlig verschiedene Mechanismen zur Automatisierung von Arbeitsschritten: einerseits Stilvorlagen, mit denen man schnell Diagramme gleichen Aufbaus mit verschiedenen Eingabedaten erzeugen kann und andererseits Batchdateien, mit denen man Befehlsfolgen automatisieren kann. Während das Schreiben von Batchdateien eher den fortgeschrittenen Anwendern Vorbehalten ist, sind Stilvorlagen einfach.

Eine Stilvorlage ist nichts anderes als ein von Xact erzeugtes Diagramm, das im Grafikeditor nach eigenen Wünschen bearbeitet und als Stilvorlage — also nicht als einfache Grafik — gesichert wurde. Um ein formgleiches Diagramm aus anderen Daten zu erhalten, wird nach dem Einlesen der Daten in den Tabelleneditor einfach der Menüpunkt »Nach Vorlage« angewählt und die Vorlagendatei angegeben — einfacher geht es nicht.

Unter Zuhilfenahme von Stilvorlagen und Batchdateien kann man aus Xact auch einen automatischen »Datentransformator« machen, der z.B. eine Datei mit Eingabedaten in ein Diagramm nach Stilvorlage umsetzt. Dieses gibt Xact gleich als EPS-Datei aus, ohne daß der Anwender auch nur einen Befehl auslösen muß.

Nach diesem Überblick über den Leistungsumfang von Xact wenden wir uns der Programmstruktur zu. Neben dem Menü mit den Ac-cessories befindet sich das Dateimenü, das Funktionen zum Laden und Sichern sowie zum Im- und Export umfaßt. Laden und Sichern kann Xact Tabellen und Grafiken, Im- und Exportfahig-keiten sind weiter oben bereits beschrieben worden. Auch »Drucken«, »Voreinstellungen« und »Ende« liegen am richtigen Platz im Dateimenü.

Im Edit-Menü befinden sich grundlegende Editierfunktionen für den Tabellen-und den Grafikeditor. Das Menü »Tabelle« enthält die spezielleren Funktionen des Tabelleneditors, wie z.B. die Rechenfunktion. Im Menü »Seite« können Sie Papierformat und Größe der Bildschirmdarstellung einstellen, außerdem Lineale und Gitter. Unter »Lage« finden sich die meisten Funktionen des Grafikeditors, während »Graph« für die Diagrammerstellung zuständig ist. »Attribute« dient zur Einstellung von Schrift-, Linien-und Markertyp sowie von Farben und Füllmustern.

Zu den meisten Menübefehlen gibt es einen äquivalenten Tastaturbefehl, was flüssiges Arbeiten erleichtert. Die Zuordnung der Tastaturbefehle zu den Menübefehlen macht leider einen chaotischen Eindruck.

Xact kennt zwei Arten von Fenstern: Tabellenfenster, in denen man mit dem Tabelleneditor Daten bearbeitet und Grafikeditor, in denen Diagramme erzeugt und beliebige Grafiken bearbeitet werden. Tabellen werden in einem eigenen (dokumentiertem) Format (»SGE«) gespeichert. Grafiken werden in GEM-Metafiles (GEM) abgelegt.

Besondere Beachtung verdient die in Xact integrierte Dateiauswahlbox. Sie kann Grafiken und Stilvorlagen in verkleinerter Darstellung anzeigen — eine angenehme Hilfe.

Bei der Arbeit mit Xact merkt man, daß in diesem Programm viel Erfahrung und Detailarbeit steckt. Es eignet sich wirklich zum professionellen Arbeiten. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch der hohe Preis durchaus angemessen, (uw)

WERTUNG

Xact

Hersteller: Scilab GmbH

Preis: 599 Mark mit zehn BitStream-Schriften und 68030-Version: 799 Mark

Stärken: großer und gut durchdachter Funktionsumfang, hohe Ausgabequalität (insbesondere über PostScript), vielseitiger Datenexport

Schwächen: Reihenfolge der Spaltenzuordnung fest

Fazit: sehr empfehlenswert
Konrad Hinsen


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