Wechselplatte Syquest SQ5110

In der Standardausrüstung eines Massenspeicher-Fuhrparks haben 44-MByte-Wechselplatten seit langem ihren festen Platz. Unter der Bezeichnung »SQ5110« machen jetzt Laufwerke mit doppelter Kapazität von sich reden.

Mehr als drei Jahre ist es her, daß Atari der staunenden Fachwelt die Wechselplatte »Megafile 44« präsentierte. In allen Anwender- und Programmiererkreisen hat sich das Gerät sehr schnell zu einem Standard entwickelt. Hinzu kommt, daß die »SQ555« von »Syquest« für damalige Verhältnisse ein recht flottes Laufwerk war und herkömmliche Festplatten meist übertrumpfte.

Heute rangiert die Geschwindigkeit eher im Mittelfeld, und auch die Kapazität von 44 MByte reißt keinen mehr vom Hocker. Desktop Publishing und Bildverarbeitung schreien geradezu nach großen und schnellen Massenspeichern, die natürlich auch transportabel bleiben sollen.

Mit der »SQ5110« bringt Syquest endlich den ersehnten Nachfolger. Mit 88 MByte steht dem Anwender doppelt soviel Speicher zur Verfügung, wie bei der bewährten SQ555. Auch an der Geschwindigkeit haben die Entwickler ein wenig gefeilt. Sowohl Step-Rate als auch Datentransferrate sind besser als die der SQ555 und liegen im Rahmen einer durchschnittlichen SCSI-Festplatte.

Von außen deutet nur der Aufkleber »88 Megabyte« darauf hin, daß es nicht die bekannte 44-MByte-Platte ist. Auch die Cartridges wirken fast identisch. Eine gelbe Schreibschutzmarke, statt der roten fällt spontan auf. Eine kleine Nase an der Spitze der Cartridge erlaubt es dem Laufwerk zu unterscheiden, ob ein 44er oder ein 88er Cartridge eingelegt ist.

Damit ist dann auch schon die Gretchenfrage gestellt, inwieweit die SQ5110 kompatibel zur SQ555 ist. Syquests jüngstes Kind kann die alten Cartridges lesen, aber nicht beschreiben. Dies ist eine herbe Einschränkung. Alte Datenbestände können nur dann sinnvoll weitergepflegt werden, wenn weiterhin neben dem 88-MByte-Laufwerk auch noch eine 44-MByte-Wechselplatte steht.

Viele der Massenspeicheranbieter haben sogleich das Laufwerk ins Programm aufgenommen. Zwei der angebotenen Geräte haben den Weg zum Tester gefunden.

Technisch sind die Geräte von »FSE« und »Hard & Soft« nahezu identisch. Beide Geräte verwenden den »Advange«-Adapter von »ICD«, der sicherlich derzeit zum Besten gehört, was es an SCSI-Host-Adaptern für den ST gibt.

Das Gehäuse von Hard & Soft wirkt wesentlich eleganter und auch die verwendeten Schalter deuten auf geringere Sparsamkeit als bei FSE hin. Dafür kann man bei dem Hard & Soft-Gerät von außen nur zwischen den SCSI-Nummern 0 und 1 wählen, während FSE alle acht möglichen Nummern zuläßt.

Eine eklatante Schlamperei ist bei beiden Geräten der herausgeführte SCSI-Bus. Mit diesem Anschluß und einem Umschalter soll der Betrieb am TT-SCSI-Bus erlaubt werden. Zum einen ist nur ein Eingang vorhanden, so daß beide Geräte immer nur am Ende der SCSI-Kette hängen können, zum anderen nimmt ein Umlegen des Schalters nur den Strom des Host-Adapters weg. Bei allen getesteten TTs und Macintoshs war der SCSI-Bus bei eingeschalteter Wechselplatte nicht mehr ansprechbar.

In puncto Software hat Hard & Soft die Nase ganz weit vorn. Während sich FSE voll und ganz auf die nicht zu verachtende ICD-Software verläßt, bietet Hard & Soft auf zwei weiteren Disketten eine Menge weiterer Software an. Neben der selbstentwickelten Festplattensoftware »SCSITOOL«, liegen der »FastFileMover« und ein Backup-Programm bei.

Ein Wechselplatten-Laufwerk mit 88 MByte Kapazität schließt sicherlich eine Lücke im nicht gerade unterbesetzten Massenspeicherangebot für ST und TT. Vor dem Kauf sollte jedoch immer die Frage stehen, ob man es sich leisten kann, alte Medien nur im Lesezugriff zu haben. Auch der wesentlich höhere Preis gegenüber der SQ555 (800-1000 Mark mehr) sollte in die Überlegungen einbezogen werden. Für den Differenzbetrag bekommen Sie schließlich vier bis fünf Cartridges à 44 MByte.

Der hohe Preis wird hoffentlich bald fallen, so daß die SQ5110 eine Alternative zu einer 80-MByte-Harddisk werden kann, (uw)


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