Jochen Hippel: Thalions Sound-Wizard

Jochen Hippel, 19 Jahre jung, gehört zu den gefragtesten ST-Soundprogrammierern bzw. -komponisten. Unser Mitarbeiter Holger Kuchling sprach mit dem Soundfreak.

H.K.: Wie kamst Du zur Computermusik?

J.H.: Mit dem 64er. Da habe ich erste Sounds in Basic und Assembler gestrickt. 1985 hatte ich meinen ersten ST. Das war zunächst der totale Schock, da der C 64 soundmäßig mehr konnte als der ST. Ich habe dann in Assembler programmiert, entwickelte meine eigenen Soundroutinen und komponierte die ersten Stücke.

Jochen Hippel in seinem »Studio«

H.K.: Und der erste kommerzielle Erfolg?

J.H.: War eigentlich »Dragonflight«. Er wurde nur zuletzt veröffentlicht. Zuerst kamen »Chambers of Shaolin«, »Warp«, »Seven Gates of Jambala«, »Wings of Death« — die ganze Thalion-Palette eben.

H.K.: Du arbeitest auch für andere Labels?

J.H.: Naja, ich mache noch Umsetzungen von Amiga auf ST, z. B. »Turrican« I und II, »Masterblazer«, »M.U.D.S.« oder »Crown«. Leider hat nicht jede Umsetzung Spaß gemacht. Sounds von Chris Hülsbeck sind jedenfalls immer ein Ohrenschmaus.

H.K.: Gibt es ein Geheimrezept beim Komponieren?

J.H.: Nein. Oft fallt mir tagelang nichts ein. Ich baue meine Sounds auf ein Grundmotiv (Baß), spiele ein wenig auf dem Synthi herum und bastle dann den Sound nach und nach um das Motiv.

H.K.: Apropos Equipment: Welche Maschinen benutzt Du?

J.H.: Einen Roland D-20. Mittlerweile habe ich mir noch ein akustisches Klavier gekauft.

H.K.: Wie steht es mit dem Musikprogramm bzw. -editor?

J.H.: Alles selber programmiert.

H.K.: Und kommerzielle Editoren?

J.H.: Unterschiedlich. Chris Hülsbecks TFMX (Amiga) im Handel ist nicht die echte Mega-Profiversion. Ich habe allerdings von Chris die Profiversion bekommen. Die ist wirklich gut. Ich arbeite ja mit ST und Amiga gleichzeitig, die beiden Computer sind mit einem parallelen Kabel zusammengeschlossen. Alle Datenübertragungen laufen über den Atari (Laden, Speichern, Directory ...). Das Betriebssystem auf dem Amiga ist bei meinem Editor komplett tot.

H.K.: Wie ist die Auftragslage?

J.H.: Wenn viele Aufträge zur selben Zeit bearbeitet werden müssen, können es schon mal 6 bis 8 Stunden pro Tag werden. Im Moment ist es aber ruhiger. Zuletzt habe ich an »Ghostbattle« gearbeitet.

H.K.: Kann man davon überhaupt leben?

J.H.: Ich will ja nicht gierig wirken, aber es könnte ruhig mehr sein. Ich weiß nicht, was passieren würde, wenn ich ein Drittel mehr verlangen würde. Zur Zeit kann ich von meinen Sounds aber gut leben.

H.K.: Was hältst Du von Rezensionen in Computermagazinen?

J.H.: Wenn ein Redakteur schreibt »Da hätte man mehr rausholen können«, hat er natürlich recht. Man wird nie das volle Potential eines STs oder Amigas in einem Spiel ausschöpfen können. Dafür gibt es zu viele Restriktionen, vor allem fehlender Speicherplatz.

H.K.: Deine erste CD mit sieben Titeln wurde jüngst von Thalion veröffentlicht. Ist das ein PR-Gag oder ernst gemeint?

Willi Carmincke, Marketingleiter von Thalion, antwortet für Jochen Hippel:

W.C.: Wir meinen das durchaus ernst. Wir planen für Weihnachten eine zweite CD. Dafür kann Jochen gewaltig Vorarbeiten. Die Produktions -und Studioarbeit dauerte bei der ersten CD immerhin vier Wochen. Die CD hat 20000 Mark gekostet. Die spielen sich im Moment aber locker wieder rein: In Deutschland haben wir bis jetzt 1500 Stück abgesetzt', und in England ist die Nachfrage wesentlich stärker.

H.K.: Jochen, wie war’s im Studio?

J.H.: Alles viel pompöser: riesengroßes Mischpult, viele Synthesizer, einfach gewaltig. Die Arbeit hat wirklich sehr viel Spaß gemacht, man mußte nicht auf Speicherplatz oder Stimmenanzahl achten. Auch die Softwareunterstützung durch Cubase war super.

H.K.: Wie steht es um Deine Kontakte zur Demoszene? Bist Du da soundmäßig noch aktiv?

J.H.: Ja, Demos mache ich echt gerne. Da steckt meist nicht viel Arbeit drin. Innerhalb von zwei Stunden steht ein ganz guter Sound.

H.K.: Was hörst Du selber für Musik?

J.H.: Meistens US-Soul und Funk oder Dire Straits. (hu)


Holger Kuchling


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