Larry III - Adventure-Evergreen Teil IIIl

Der Star: Passionate Patti hat viel für Larry übrig

Da isser wieder! Der smarte Typ mit dem knitterfreien weißen Polyesteranzug baggert die Mädels an wie eh und je — Larry III, endlich auch für Atari ST.

Wenn die Zeitschrift »Rolling Stone« Mann oder Frau beim Namen nennt, dann muß er oder sie schon was Besonderes sein. Larry ist der niedlichste Yankee überhaupt. Dabei gibt es ihn eigentlich gar nicht. Dieses weiß bekleidete Glücksritter-Bildschirm-Sprite mit dem schwarzen Pixel-Hemd und leichtem Bauchansatz jedoch steckt so voller überspitzter amerikanischer Kitsch-Klischees und Minderwertigkeits-Komplexe, daß es schon wieder echt wirkt.

Wie war das noch im zweiten Teil? Larry besiegte den bösen Buben Dr. Nonookee (Dr. No-Verschnitt), indem er bewies, wie schwer Musik sein kann — so ein Konzertflügel auf der Brust hindert eben am Atmen. Des Helden Lohn ward die holde Kalalau, allerliebstes Töchterlein des Insel-Häuptlings Keneewauwau.

Der wahre Bienenhonig scheint’s aber nicht gewesen zu sein — Teil III beginnt (einmal mehr) mit einem Rausschmiß. Larry als Ehemann? Ein Widerspruch in sich! Unser ewiger Junggeselle merkt schnell, daß er ganz schön abgeschlafft sein muß durch das paradiesische Dasein. Nicht einmal Schwiegerpapi will ihn mehr als Vize seiner Firma »Natives Inc.«. Man muß wissen, daß die Insulaner seit dem unrühmlichen Ableben des tyrannischen Doktor Nonookee einiges zum Vorteil des idyllischen Eilands verändert haben. Da, wo einst paradiesischer Urwald wucherte, flimmern jetzt die Segen moderner Zivilisation: ein Nachtclub z. B. und ein Spielcasino mit luxuriösem Neun-Etagen-Hotel oben drauf. Eben alles, was ein echter Lebemann und Playboy so braucht. Aber derartige Späße kosten natürlich Geld.

Für Larry ist also erst mal Action angesagt — schon der Kohle wegen.

Die Sierra-Adventures werden immer schwerer: Diesmal drücken schon vier Disketten, ein Gesamtkatalog und Handbuch im Karton auf die Porto-Waage. Die Anleitung ersetzt den Kopierschutz. Ob es um eine Zahlenkombination für den Schrank im Fitneßcenter geht oder um die richtige Nummer einer reservierten Eintrittskarte — ohne die liebevoll (als Stadtzeitung »Nontoonyt Tonite«) gestaltete Anleitung geht nichts. Dafür lassen sich dann ohne Schwierigkeiten Sicherheitskopien von den Original-Disketten anfertigen.

Sierra-Adventures werden allerdings nicht nur schwerer, sondern auch schwieriger. Jetzt gibt’s sogar schon Rätselraten bei der Installation: Wer Larry III auf Festplatte kopiert, sollte nicht vergessen, die Datei »Music.prg« vor dem altbekannten »Sier-ra.prg« anzuklicken. Das kleine Hilfsprogramm sollte eigentlich nur dafür sorgen, daß man sich während des Spiels über ein MIDI-Keyboard mit waschechtem amerikanischem Fernsehserien-Geklimpere berieseln lassen kann (mit dem Jammerha-Soundchip des ST klingt das bekanntlich wenig berauschend). Wer sich jetzt freut, er habe ja sowieso kein Keyboard und könne deshalb »Music.prg« vergessen, wird den Computer als Letzten lachen hören, wenn ihm die Kiste beim Zwischenspeichern von Spielständen regelmäßig abschmiert. Eigentlich müßte »Music.prg« »install.prg« heißen. Man muß es nämlich grundsätzlich vor Spielstart aufrufen — außer beim reinen Diskettenbetrieb.

Wer beim ersten Teil des Larry-Epos regelmäßig an den fünf Fragen zur Überprüfung des Alters scheiterte, darf sich diesmal wieder freuen: Einmal mehr gilt es, nach dem Multiple-Choice-Verfahren zu beweisen, daß man auch alt und gebildet genug ist, um so jugendgefährdende Szenen wie den Kauf von Kondomen ohne Schaden an Seele und Charakter zu ertragen. Der Spieler muß absolut kriegsentscheidende Fragen beantworten wie »Was ist Watergate: Ein Hotel, Schleuse, Getränkeautomat?« oder »Welche Band stammt nicht aus den Sixties: Stones, Who, Cream, Bangles?«. Wer sich dabei nicht sonderlich mit typisch amerikanischen Neurosen und Größen (z. B. auch Richard Nixon oder Muhammed Ali) auskennt, für den fällt der Rolladen: Er darf zwar beginnen, aber nur im »Mother Goose Level«, dem für Kleinkinder. Beim Spannen durchs Fernglas sieht man dann eben nicht den BH fallen, sondern die Jalousien.

Das Unangenehme zuerst: Larry regelt die juristische Seite der Trennung von Kaialau

Außen hui, drinnen pfui: Tawnie hat keinen edlen Charakter — sie denkt nur ans Geld

Wie das Leben so spielt: Larry probiert sich als unfreiwilliger Revue-Tänzer

Ob rot, ob blond, ob schwarz... Larry gräbt sie alle an

Per aspera ad astra: Wer’n dicken Bizeps will, muß was dafür tun

Schäferstündchen: Larry am Ziel seiner Träume...

Happy-End: Larry schreibt Computer-Memoiren...

Zurück zum Geschehen. Larry reicht also frustriert die Scheidung ein. Auf Umwegen lernt er die leidenschaftliche Patti kennen und möchte ihr Herz um jeden Preis gewinnen. Patti allerdings ist keines von diesen oberflächlichen Flittchen. Der charmanten Pianistin mit den kirschroten sinnlichen Lippen und der dunklen Mähne kommt es allein auf die wahren Werte an. Beispielsweise ob der Lover auch ein Geschenk zum Rendezvous mitbringt, einen kühlen Wein zum Schäferstündchen dabei hat oder ob er auch geduscht ist und nicht aus dem Hals riecht. Vor allem aber steht »Passionate« Patti auf echte Kerls — mit einer Figur wie der österreichisch-amerikanische Holz-hackerbua A. Schwarzwaldbecher. Larry allerdings trägt seine Heldenbrust etwas tiefer — eher um den Bauch. Offensichtlich also muß dringend etwas geschehen.

Nach einigen Übungen im Bodybuilding-Center sieht Larry dann auch aus wie Conan, läßt begeistert zu »Rocky«-Klängen die Muckis spielen (auch Sly Stallone bekommt sein Fett weg) und begibt sich mit ganz neuem Lebensgefühl erneut zu Patti. Die jedoch hat nichts Gescheiteres zu tun, als nach der unvermeidbaren heißen Liebesnacht etwas wie »...Arnold« zu flüstern. Das trifft unseren frischgestählten Helden natürlich hart. Frustriert und von den Frauen enttäuscht, macht er sich still und leise aus dem Staub, um fortan als Eremit ein tristes Leben zu fristen. Patti allerdings hat das gar nicht so gemeint, sie macht sich ihrerseits mutig auf den Weg, um den geknickten Helden zurückzugewinnen. Der Spieler darf nun in die Rolle der Patti schlüpfen und sie statt Larry durch einen undurchdringlichen Bambus-Dschungel, über Flüsse und schreckliche Abgründe bewegen.

Natürlich — wie könnte es anders sein — läßt sich das allumfassende Happy-End nur durch vorzeitiges Abschalten des Computers oder groben Dilettantismus verhindern.

American Way of Life

Wer den »American Way of Life« ein wenig kennt, wird auch mit der dritten Folge des Larry-Epos seine helle Freude haben. Das Programm enthält zahlreiche liebevoll animierte »Film«-Passagen, in denen man sich zurücklehnen und genießen kann. Eingebaute Geschicklichkeits-Übungen und Arcade-Einlagen runden das Vergnügen ab. Wie bei so vielen erfolgreichen Sierra-Spielen merkt man eben, daß die Autoren nicht einfach ein neues Produkt lieblos auf den Markt geschaufelt haben, sondern selbst Spaß am Tüfteln hatten. Welcher Programmierer-Schelm würde sich wohl als Toiletten-Spanner ins eigene Spiel einbauen, wenn nicht Al Lowe? Und wenn einem an der Piano-Bar im Casino-Hotel Elvis the King den Rücken zudreht, dann ist das fast so schön wie ein Woody-Allen-Film. (hu)
Hartmut Ulrich



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