Editorial: Falsch verstandene Integration?

Ein Computer mit der großen Speicherkapazität eines Atari ST ist geradezu prädestiniert für ein integriertes Softwarepaket, sollte man meinen. Bisherige Ansätze eines integrierten Pakets spielen noch immer keine große Rolle im Markt. Wo bleibt ein solcher »Allrounder« für den ST?

Die Softwareindustrie gab bisher keine befriedigende Antwort auf diese Frage. Die auf diese eigentlich unverständliche Situation angesprochenen Softwarehäuser antworteten beispielsweise: »Der Kunde möchte aus dem ganzen Softwareangebot jeweils das beste Programm heraussuchen. Ein integriertes Paket kann nicht mit den bestehenden Einzellösungen konkurrieren. «

Dem mag vielleicht so sein. Aber für ein solches Allroundtalent spricht noch ein weiterer entscheidender Vorteil, den die Einzellösungen nicht bieten: Ein integriertes Paket ist ein Programm aus »einem Guß«.

Wer wühlt sich schon gern durch verschiedene Programme, die mal durch Pull-Down-Menüs, mal durch Dialogboxen oder eigene Menüs zu bedienen sind? Mit wievielen unterschiedlich aufgebauten Druckertreibern möchte sich ein Anwender herumplagen? Wer ärgert sich nicht, wenn die Grafik aus Programm X ein anderes Format wie die aus Programm Y aufweist? Natürlich gibt es Konvertierprogramme - mit wieder anderer Benutzeroberfläche. Von den unterschiedlich aufgebauten Handbüchern gar nicht zu reden.

Daß ein solches Programm nicht jedem Anwender alle Wünsche zu 100 Prozent erfüllt, würden viele akzeptieren. Und daß nicht jeder alle Teile eines solchen Programms braucht, läßt sich durch ein Modulsystem umgehen. Vielleicht sehen wir auf der CeBIT bereits den Ansatz eines solchen Baukastenkonzepts und wundern uns, warum niemand früher diese Idee hatte.

Ihr
Horst Brandl Chefredakteur


Horst Brandl
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