JST-Liar: Zettelkasten

Zettelkasten für den kleinen Bedarf- JST-Liar bietet Dateiverwaltung und Textrecherche zugleich

Die Verwaltung von Buchtiteln und Zeitschriftenaufsätzen gehört zu den Aufgaben, für die ein Computer geradezu vorbestimmt ist. Der anspruchsvollen Literaturverwaltung dienen Datenbanken wie »Adimens ST« oder »dbMAN«.
Nicht immer muß es jedoch ein Programm aus der teuren Oberklasse sein. Viele Anwender suchen ein schnell und einfach zu bedienendes Dateisystem, um kleinere Datenmengen in den Griff zu bekommen. Wir haben das neue »JST Liar« unter diesem Gesichtspunkt getestet. Liar steht für »Literaturarchiv« und soll für die »wissenschaftliche Arbeit« bedingt durch »herausragende Leistungsmerkmale« hilfreich sein. Diesen Versprechungen des Autors genügt das 'Programm nicht. Das Programm ist für wissenschaftliche Anwendungen nicht geeignet.

Was kann man dann mit JST Liar anfangen? Einiges, wenn man nicht zu hohe Ansprüche stellt. Dieses Literaturarchiv ist in der Lage, Datenbestände zu katalogisieren und außerdem zu jedem Eintrag bis zu 100 Zeilen Text hinzuzufügen. JST Liar verwaltet die komplette Datei im Hauptspeicher Ihres Computers und faßt deshalb so viele Karteikarten, wie RAM-Speicher vorhanden ist. Dadurch erfolgt der Zugriff auf und die Suche nach bestimmten Datensätzen ausgesprochen schnell.

Die einzelnen Titel erfassen Sie auf eifest eingerichteten, zweigeteilten Vordruck. Im oberen Feld steht je eine eile für Thema, Titel, Verfasser, Fundstelle und Bemerkung zur Verfügung. das ist vollkommen unzureichend für jede Form der wissenschaftlichen Biographie. Drei Autoren finden mit ihren Namen nicht in einer Zeile Platz. Ganz zu schweigen von längeren Titeln, wie sie gerade in den Geisteswissenschaften häufig vorkommen. Damit ist unser didat von vornherein nicht in der eine wissenschaftliche Bibliographie anzufertigen. Er verfügt auch nicht über die notwendigen Reportformulare, die es gestatten würden, Autor und Titel in einer bibliographisch korrekten Form zusammenzubinden.

Aber man kann immerhin eine Kurzform des Titels angeben und damit Bücher und Aufsätze semiprofessionell verwalten. Als Rechercheprogramm stehen Ihnen dann ausreichende Such- und Sortierbefehle zur Verfügung, mit denen Sie die einmal eingetippten Titel wiederfinden. Bei der Dateneingabe sind frei belegbare Floskeltasten hilfreich. Natürlich lassen sich einzelne oder Gruppen der Datensätze auf Drucker oder DiskettenLaufwerk ausgeben. Besonders hilfreich dabei: eine Exportschnittstelle zu »1st Word plus«. Insgesamt gesehen bietet JST Liar zum Editieren der Datensätze, zur Datensatzausgabe und -veränderung so viel Komfort wie andere Programme auch.

Eine in der Tat außergewöhnliche Eigenschaft des Programms stellt das Textfeld im unteren Teil der Bildschirmmaske dar. Dies ist ein bis zu 100zeiliges Feld, in dem zu jedem Titel Kommentare, Zitate oder Exzerpte eingegeben werden. Diese Funktion wertet JST Liar gegenüber den meisten Konkurrenzprodukten deutlich auf. Denkbar sind Einsatzmöglichkeiten als Text-Retrieval-System, also als textorientierte Dateiverwaltung.

Alles in allem ist JST Liar dazu gedacht, Fundstellen und kleinere Textkommentare in systematischer Form zu verwalten. Denkbar ist z. B. die Katalogisierung von Aufsätzen in Computerzeitschriften für den persönlichen Bedarf. Den Ansprüchen von Studenten und Wissenschaftlern an eine halbwegs professionelle Literaturverwaltung genügt das Programm allerdings nicht. (uh)

Jürgen Sommerfeld Computeranwendungen, Emtinghauser Weg 65, 2800 Bremen 61

Wertung
Name:JST Liar
Preis:79 DM (Studentenpreis: 59 DM)
Hersteller:Jürgen Sommerfeld

Stärken: - einfache Bedienung, schneller Datensatzzugriff - eingebauter Texteditor - Floskelverwaltung
Schwächen: - Datensatzfelder zu knapp bemessen - keine Ausgabereports
Fazit: Ein Programm für diejenigen, die schnellen Zugriff auf Fundstellen und Textkommentare suchen.

Michael Spehr
Links

Copyright-Bestimmungen: siehe Über diese Seite
Classic Computer Magazines
[ Join Now | Ring Hub | Random | << Prev | Next >> ]