Aller Anfang ist leicht: die MIDI-Schnittstellen

Bekanntlich gilt der Atari ST als der am häufigsten eingesetzte Computer in Musikszene. Kaum ein Studio ohne Atari ST Neben dem Apple Macintosh hat sich der ST einen festen Platz bei Komponisten, Hobbyund Profimusikern, Soundtüftlern und in Tonstudios reserviert. Doch woher kommt dieser »musikalische Erfolg« des kleinen 16-Bitters?

Seine gehobene Position in der Musikszene im In- und Ausland hat sich der Atari ST nicht zuletzt durch seine eingebauten MIDI-Schnittstellen geschaffen. Noch bis vor kurzem war er der einzige Computer, der diese Anschlüsse serienmäßig eingebaut hat.

Auch der hochauflösende Schwarzweiß-Monitor hat seinen Teil zum Erfolg des Atari-Computers beigetragen.
Über zehn Jahre ist es bereits her, daß sich die Hersteller führender Musikinstrumente auf ein einheitliches Format zur Übertragung von Notenwerten geeinigt haben - das MIDI-Standard-Format. Kurz darauf erschienen die ersten Synthesizer mit MIDI-Buchsen. In erster Linie wurden vollelektronische Instrumente MIDIfiziert. MIDI steht für »Musical Instrument Digital Interface«, digitale Schnittstelle für Musikinstrumente. Ein neuer Meilenstein in der Musikgeschichte war gesetzt. Endlich konnte man mehrere Synthesizer gleichzeitig spielen, andere Instrumente von einem Master-Keyboard ansteuern, Noten digital aufzeichnen und vieles mehr.

Schon bald kam man auf die Idee, Musikstücke und komplette Arrangements via MIDI in einen Computer zu spielen. Dieser spielt dann einen Teil des Songs, während sich der Keyboarder auf einen anderen Part konzentrieren kann. Außerdem bot ein Computer komfortable Editierfunktionen. Ein Fehler wird ohne großen Aufwand ausgemerzt: man tauscht einfach die betreffende Note aus.

Ein Programm, das uns Funktionen zum Aufzeichnen, Abspielen und Verändern von Musikstücken bereitstellt, nennt man »Sequenzer«. Daneben gibt es noch sogenannte »Soundeditoren«, mit denen Sie die Klänge eines Synthesizers vom Computer aus verändern. Da die meisten Synthesizer lediglich über ein kleines LC-Display verfügen, gestaltet sich die Sound-Programmierung per Computer wesentlich komfortabler. Der Computer stellt die Daten übersichtlicher auf dem Bildschirm dar und bietet komfortables Editieren per Maus und Tastatur.

Wenn man heute von MIDI-Anschlüssen spricht, meint man in der Regel drei Buchsen: MIDI-In, MIDI-Out und MIDI Thru. Über MIDI-In gelangen Daten in den Computer. Über die MIDI-Out-Buchse schickt der Synthesizer bzw. der Computer Daten an ändere Geräte. Bei der MIDI Thru-Buchse handelt es sich um den durchgeschleiften MIDI-In-Anschluß. Alle Daten, die über MIDI-In in das Gerät gelangen, werden über MIDI Thru unverändert wieder ausgegeben.

MIDI im Netzwerk

Bei den Computern der 260-, 520- und Mega-ST Reihe finden wir die MIDI-Buchsen an der Rückseite. Der 1040 ST hat sie neben dem ROM-Port an der linken Seite.
Wundern Sie sich nicht, daß Sie nur zwei Buchsen vorfinden - MIDI-In und MIDI-Out. Die ST Entwickler haben zwar auch an eine MIDI Thru-Buchse gedacht, diese aber wohl aus Platzgründen in die MIDI-Out-Buchse integriert. Sicherlich ist es nicht immer wünschenswert, daß alle Daten gleich wieder über MIDI-Out »ins Freie« gelangen.

Die meisten Sequenzer bieten deshalb eine Funktion zum Abschalten des MIDI Thru-Datenflusses. Die MIDI-Anschlüsse sind aber serienmäßig nicht auf den reinen Sound- und Notentransfer festgelegt, sondern frei belegbar.
Viele Hard- und Softwarehersteller zweckentfremden die MIDI-Buchsen. Beispielsweise werden bei einigen Netzwerken (MIDInet etc.) die Computer einfach per MIDI-Kabel verbunden. Auch einige Spiele wie Flugsimulatoren nutzen diese Möglichkeit. Auf diese Weise können zwei oder mehr Bildschirm-Piloten ihr Fluggeschick gleichzeitig unter Beweis stellen.

Sollten Sie einmal in Besitz eines Synthesizers mit MIDI-Buchsen gelangen, so besorgen Sie sich am besten einen Sequenzer und probieren die tausend Möglichkeiten von MIDI einmal selbst aus.
Sequenzer finden Sie auch im Public Domain-Bereich, eine preiswerte Alternative zu teuren Profisequenzern. Weitere Informationen zu MIDI finden Sie in dieser Ausgabe sowie im ST Magazin Ausgabe 12/88, wo wir uns auch ausführlich mit MIDI-Grundlagen auseinandersetzen. (tb)
Thomas Bosch


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