Atari User Show: Dumping und Discount

Die Atari User Show in England bot einige interessante Neuheiten

Sale, Sale, Special Prices, Showprice« waren die Schlagwörter auf der Atari User Show. Neben vielen Ständen, die sich im Preiskampf unterboten und beispielsweise einer Packung Disketten auch eine Diskettenbox beilegten, fanden sich wenig Anbieter von professionellen Anwendungen.

HiSoft, bekannt durch »Hi-Soft-Basic« und den Assembler »Devpac«, präsentierte zum ersten Mal auf einer Messe den neuen C-Interpreter. HiSoft sieht als Interessenten für den Interpreter nicht nur das weite Feld der Einsteiger in diese interessante Programmiersprache, sondern auch Entwickler. Die Ablaufgeschwindigkeit liegt zwar weit hinter einem guten C-Compiler zurück, aber es entfallen Compile- und Linkzeiten.

HiSoft kooperiert bei der Entwicklung des »Lattice C-Com-pilers Version 5.0« mit dem gleichnamigen amerikanischen Softwarehaus. Besonderes Augenmerk legen beide Firmen auf hervorragende Codequalität.

Scanner sind auch auf »der Insel« zur Zeit »in«. Kempston, bereits aus der Hardwareentwicklung für andere Computer bekannt, bot einen Handyscanner für 225 Pfund an. Im Preis enthalten ist das Malprogramm »Hyperpaint«.

Kumas umfangreiches Softwareangebot wird weiterhin verbessert. Die neue Version 3.5 der Tabellenkalkulation »K-Spread 3« verfügt jetzt über Makros und ist laut Kuma mit »Excel« von Microsoft vergleichbar. Umfangreiche Tabellen begrenzte bisher der verfügbare Speicherplatz. Durch eine Overlay-technik umgeht K-Spread 3 das jetzt. Es hält nur die benötigten Programmteile und Tabellenbereiche im Speicher. Neben der Funktion, Dateien von Lotus 1-2-3-Dateien zu laden, lassen sich Dateien jetzt auch speichern und damit durch andere Programme weiterverarbeiten.

Das Resource-Contruction-Set »K-Resource 2« wurde überarbeitet. Für die neue Version gibt ein Einführungsangebot mit 29,95 Pfund, gültig bis 30. September. Dann erhöht sich der Preis wieder um 10 Pfund.

Das »Real Music Publishing« ist ein Programm, um Noten zu drucken. Die Leistungsdaten sind beeindruckend. Wie sich das Programm im Einsatz bewährt, zeigt unser Schwerpunkt Notendruckprogramme in der Ausgabe 10/89. Real Music Publishing kostet 290 Pfund und unterstützt Epson-kompatibl Drucker sowie den Laserdrucke von Atari. Ein Postscripttreibe ist in Vorbereitung.

»Wanted. Dead or alive.« Wer jemand sucht, egal ob tot oder lebendig, dem ist der ST künftig beim Anfertigen einer Zeichnung des Gesuchten behilflich. Das Programm »Fun Face« setzt Teile eines Gesichts aus einer Vielzahl von fertigen Vorlagen zusammen. Um das Programm an bestimmte Bedürfnisse anzupassen, beispielsweise die schlitzartigen Augen eines Asiaten in allen Variationen parat zu haben, malt man sie sich einfach selbst oder ändert die Vorlagen nach eigenem Wunsch ab. Die Bibliotheken lassen sich beliebig erweitern. Wer glaubt, daß es sich dabei nur um einen Partygag handelt, täuscht sich: Das Landeskriminalamt von Bayern setzt ein Programm dieser Art auf einem Macintosh ein. Combo bietet dieses Programm für 40 Pfund an. In Deutschland kostet es 129 Mark.

Die Textverarbeitung »Thats Write« wird verbessert. Die neue Version ist um zirka 70 KByte kleiner als die aktuelle, außerdem hat sich die Geschwindigkeit verdoppelt. Erscheinungstermin für die neue Version ist die Atari-Messe in Düsseldorf. Grafik war immer schon eines 4er Hauptthemen in England. Elmtech Research Ltd. präsentierte das »ParSec Graphic Interface«. Diese Platine in der Größe der Platine eines Mega ST bietet Profiqualität mit einer Auflösung von 1024 x 768 Punkten, 4096 Farben, vier Bit-Planes und 16 Farben pro Zeile. Die Platine enthält eine RS232-, eine SCSI- sowie eine USART-Schnittstelle zum Anschluß an CD-ROM-Laufwerk, Festplatte und Videoausgang. Der Preis ist mit 799 Pfund angemessen.

Ein Erweiterungsboard, das nur etwas kleiner ist als die Grundplatine, vergrößert die Leistungsmerkmale auf maximal 16,7 Millionen Farben dabei 256 pro Zeile. Die Erweiterung kostet 399 Pfund. Auf der Platine sitzt ein Grafikprozessor von Texas Instruments, der eine Füllrate von bis 6 Millionen Pixel pro Sekunde leistet.

Discount und Dumping waren zweifellos die Schlagwörter auf dieser Messe. Trotzdem gab es wieder Neuheiten wie den C-Interpreter von HiSoft, der eine Reise nach England lohnenswert machte. (hb)

Spiele, Spiele...

Ganz im Gegensatz zum deutschen Markt gilt der Atari ST in England als Spielecomputer. Auf der Atari User Show waren fast ausschließlich die Modelle ohne abgesetzte Tastatur vertreten. Der einzige mit MegaModellen ausgerüstete Stand war Signa Publishing. Mike Dale, President, betrachtet den englischen Markt kritisch: »Hier muß Atari noch viel tun, um dem ST das richtige Image zu verleihen. Dazu gehört, auf einer solchen Messe selbst vertreten zu sein und dem Anwender zu demonstrieren, wie der Hersteller selbst den Computer einordnet.« Atari war auf der Show nicht anwesend.

Les Player, ehemals Manager für Entwicklung bei der englischen Atari-Tochter, wird nach seinem Wechsel die neu gegründete GFA Data Media, eine Niederlassung von GFA Systemtechnik, in England aufbauen. Auf der Messe war die neue Firma noch nicht vertreten. Player begründete es mit den noch laufenden, wichtigen Vorbereitungen zum Start der neuen Firma. Auf der PCW-Show im September gibt GFA Data Media voraussichtlich das Messe-Debüt. Er kommentiert seinen Wechsel so: »Nach acht Jahren Tätigkeit für Atari war der Wechsel günstig, um etwas Neues zu machen. Mein wichtigstes Projekt, die Atari Transputer Workstation, ist abgeschlossen. GFA Systemtechnik ist eine der Firmen, die exzellente Software produzieren.« Seine Richtung sieht er so: »Ich möchte dem ST dasselbe Ansehen geben wie in Deutschland.«

Alwin Stumpf, Geschäftsführer Atari Deutschland, kommentiert das unterschiedliche Image: »Wir starteten mit einem 520 ST für 3300 Mark, England hingegen später und mit 1300 Mark. Daß die Geräte dadurch beim Käufer ein unterschiedliches Image erhielten, ist verständlich.«
(hb)


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