Systec — Der ST auf dem Vormarsch in die Industrie

Bild 1. »Prosign« ist ein überaus vielseitiges Simulationssystem
Bild 2. »Etiketten Publishing« mit dem Etikettendrucksystem »Stielow 2100«

Vom 25. bis 28. Oktober trafen sich internationale Industrie und Wirtschaft zur Systec ’88 in München. Diese kleine aber feine »2. Fachmesse für Computerintegration im Produktionsunternehmen« zeigte all das, was sich unter dem gemeinsamen Schlagwort »CIM« (Computer-Integrated Manufacturing) zusammenfassen läßt. Dazu zählen vor allem Hardware, Software und Netze aus den Bereichen CAD, CAM, CAE, Simulation sowie Produktions- und Verfahrenstechnik.

Auch der Atari ST war an vielen Ständen mit von der Partie. Wir waren erstaunt, in wie vielen Applikationen und unter wie vielen Deckmäntelchen Ataris 68000er zu finden war. Zwar gab man sich in der Regel zurückhaltend, wenn die Fragen allzusehr auf den »Außenseiter im Rennstall der Industriekompatiblen« (Zitat eines namhaften Ausstellers) abzielte, doch scheint die Akzeptanz für den ST im Profi-Einsatz stetig zu wachsen. Stellvertretend für viele andere, haben wir für Sie ein Reihe von typischen Industrieapplikationen herausgegriffen.

Die Firma Linssen und Beese hat sich in der Vergangenheit mit Anwendungssoftware für CAD und Simulationen einen Namen gemacht. Auf der Systec zeigte man schwerpunktmäßig das komplexe Simulationssystem »Prosign«. Die Vorführungen liefen auf einem von Gratech extravagant verpackten ST-System mit Matrix-Großbildschirm (Bild 1) sowie diversen PCs und Unix-Workstations (PCS CAD-MUS).

Prosign ist vielseitig einsetzbar. Dient das Programm als Hilfsmittel zur Auslegung von Automatisierungssystemen in der Fertigungstechnik, so reichen die Anwendungen von der Simulation einfacher Anlagen bis zu komplexen Regelkreisen. Anhand der grafischen Präsentation lassen sich Gesamtanlagen mit ihren physikalischen, steuerungs- und regelungstechnischen Prozessen durchspielen. Als Vorführobjekt zeigte Linssen und Beese die Simulation einer kompletten Papierfabrik, die bereits bei Kunden installiert ist. Sie gestattet beispielsweise die Untersuchung des Zeitverhaltens, Kapazitätsanalysen, Dimensionierung von Rohstofflagern schon vor der technischen Fertigstellung der Industrieanlage. Grenzwert- und Fehleranalysen lassen sich mit wenig Aufwand realisieren. Daneben dient Prosign auch der Präsentation und Prozeßbeobachtung. Wie anschaulich sich komplexe Zusammenhänge mit der grafischen Aufbereitung von Prosign darstellen, ist ebenfalls in Bild 1 zu erkennen.

Eine weitere Zielsetzung bei der Prosign-Konzeption war es, dasselbe Programm auch für den Einsatz in Lehre und Ausbildung zuzuschneiden. Hier findet es seinen Einsatz in Mathematik, Regelungs- und Digitaltechnik, in Physik und Biologie.

Der Preis wird nur auf Anfrage mitgeteilt, da in der Regel kundenspezifische Anpassungen erfolgen.

Man habe, so Vertriebsleiter Markus Rintelen, Prosign zunächst auf dem Atari ST entwickelt, und später auf die anderen Computer portiert. Auf die Frage, warum der ST der Dreh- und Angelpunkt der Entwicklungsaktivitäten sei, nannte Rintelen die schnelle Modula 2-Entwicklungsumgebung im Vergleich zu AT- und Unix-Systemen. Natürlich wollen wir auch wissen, wieviele Simulationen derzeit installiert sind. Rintelen: »Ein rundes Dutzend, und alle bei namhaften Konzernen, die jeder kennt, aber deren Namen wir nicht nennen dürfen.«

Noch weitaus mehr Kunden in Industrie und Wirtschaft kann die Firma Stielow Etikettentechnik für ihr Etikettendrucksystem auf ST-Basis vorweisen. Derzeit sind es über tausend. Wer in der deutschen Wirtschaft einen Namen hat, von AEG über Bosch und Dyckerhoff bis hin zu Thyssen, steht in der Anwenderliste dieses norddeutschen Unternehmens. Stielow 2100 heißt der Computer auf Basis eines 1040 STF (Bilder 2 und 3), der alle Kundenwünsche erfüllt, wenn es darum geht, Aufkleber vielseitig zu beschriften. Dieser Computer ist nur zu sich selbst und seinem Etikettendruckprogramm kompatibel. Man hat das Betriebssystem so geändert, daß außer dem Stielow-Programm keine herkömmliche ST-Software auf diesem Computer läuft. Hauptgrund dafür sei die Angst vor den Raubkopierern. Immerhin habe man fünf Mann-Jahre Entwicklungsarbeit in das Programm investiert. Außerdem sei der Stielow 2100 als reine Insellösung für große Firmen gedacht, wo der Computer einfach zu bedienen sein muß. Vielseitiger Einsatz bringe immer auch Schwierigkeiten bei der Akzeptanz durch das Bedienungspersonal mit sich.

Bild 3. WYSIWYG für Aufkleber aller Art

Die Leistungsdaten können sich sehen lassen. Die Zusammenstellung von Schriftarten, Grafiken, Barcodes, Etikettengrößen ist weitgehend freigestellt (Bild 3). 50 Schriften in vielen Größen und Stärken, darunter natürlich auch OCR und Barcode, stehen zur Auswahl. Grafikbibliotheken lassen sich selbst entwerfen oder vom Hersteller beziehen. Durch die millimetergenaue Positionierbarkeit aller grafischen Elemente bringen weder einzudruckende noch vorgedruckte Endlos-Etiketten Probleme mit sich. Die Formate sind nur durch die Breite des Druckers begrenzt. Sie reichen von einer halben Briefmarke bis DIN A4 und Übergrößen. Fast schon »Etiketten Publishing«.

Wer seine Ausdrucke noch großformatiger will, der fand auf der Systec mit dem Plottertreiber von Christian Tammel Systemberatung (CTS) ein professionelles Zusatzprogramm. »Clip Plot+« ist ein GEM-Clipping Plottertreiber mit ungewöhnlich schneller Ausgabe, die das Programm durch einen neuartigen Hidden-Line-Algorithmus erreicht. Weg- und Stift Wechseloptimierung steigern das Tempo noch einmal. Clip Plot + steuert alle verbreiteten Plotter bis DIN A0 an. Eine Konfigurationsdatei gestattet die flexible Anpassung an alle gängigen Kommandosprachen. Einig waren sich die befragten Aussteller, daß sie auch auf zukünftigen Industriemessen dieser Art mit ihren Systemen auf ST-Basis präsent sein wollen. Wohl nicht zuletzt auch wegen des außerordentlichen Interesses für die gelungenen Anwendungen. (mr)

Linssen und Beese, Moosstraße 12, 8130 Starnberg
Stielow, Kösliner Weg 5, 2000 Norderstedt
CTS-Systemberatung, Rudolf-Diesel-Straße 8, 8012 Ottobrunn



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