Der Perfektionist: Fotobelichter der Firma Linotype

Das Erscheinungsbild professioneller Druckwerke läßt so manchen DTP-Anwender vor Neid erblassen. Dies zeigt sich bereits im Alltag. Wer beim morgendlichen Frühstück seine geliebte Tageszeitung etwas genauer betrachtet, wird von Layout und Schriftbild angenehm überrascht sein. Hoch aufgelöste Buchstaben sorgen hier für ein perfektes Aussehen und machen die tägliche Lektüre zum Genuß.

Um eine derart hohe Qualität zu erreichen, schlug das Druckgewerbe zu verschiedenen Zeiten verschiedene Wege ein. Zunächst baute man die Vorlagen aus einzelnen Bleitypen auf. Diese umständliche Arbeit wurde durch den Fotosatz etwas vereinfacht. Mittlerweile hat auch hier die moderne Technik Einzug gefunden. Die Satzmaschinen der neuen Genaration bieten eine sehr hohe Auflösung und arbeiten mit Computern aller Art zusammen.

Bild 2. Dieser sperrige Würfel enthält den Laserbelichter.
Bild 1. Bei 2540 dpi hält kein Laserdrucker mit. Selbst in zehnfacher Vergrößerung tauchen keine Ecken auf.

Die Firma Linotype ist im Bereich der Satzmaschinen führend. Ihre Laserbelichter sind weit verbreitet und glänzen durch die technischen Daten. Das Spitzenmodell erlaubt eine Auflösung von 1000 Linien pro Zentimeter, was 2540 dpi entspricht. Im Vergleich dazu schafft der Atari-Laserdrucker gerade 300 dpi. Bild 1 verdeutlicht diese Unterschiede.

Diese Qualität hat natürlich ihren technischen Preis. Da die Ausgabe ausschließlich auf lichtempfindlichem Material wie Filmen erfolgt, bietet sich zum Erzeugen der einzelnen Punkte ein Laser an. Sein Strahl wird von einer sehr präzisen Mechanik gesteuert.

Damit der Laserbelichter weiß, wann er einen Punkt setzen soll und wann nicht, benötigt er seine Informationen in Form einer Bit-Map. Diese Bit-Map besteht aus einer großen Menge an einzelnen Punkten. Die meisten Satz-Systeme liefern jedoch ganze Seiten mit verschiedenen Schriftsätzen und Grafiken. Darüber hinaus wäre kein Computer in der Lage, die Bit-Map für eine oder sogar mehrere Seiten mit 2540 dpi im Speicher zu halten. Deshalb bedient man sich hier einiger Tricks. Zunächst wird zwischen Grafik-System und Laserbelichter ein sogenannter »RIP« geschaltet. Dieser Raster Image Processor ist im Prinzip ein sehr leitungsfähiger Computer. Er versteht verschiedene Seitenbeschreibungssprachen wie zum Beispiel Postscript und wandelt die Seiten Zeile für Zeile in einzelne Pixel um. Diese Pixelzeilen schickt er dann paketweise an den Belichter. Für solche Operationen sind natürlich vernünftige Rechenkapazitäten und ein großer Speicher erforderlich. Die RIPs der Firma Linotype laufen deshalb mit Prozessoren der 68000er-Serie. Zudem verfügen sie über große Festplatten ab 80 MByte und werden mit 3 MByte Hauptspeicher angeboten. Doch auch bei dieser Leistung kann die Belichtung einer Seite bis zu einer halben Stunde in Anspruch nehmen.

In Verbindung mit dem RIP erweist sich der Laserbelichter als äußerst gesprächig. Er kommuniziert durch eine Vielfalt an Schnittstellen mit den unterschiedlichsten Systemen. Dadurch wird die Produktion in Verlagen sehr vereinfacht. Sie läuft hier wie »DTP in groß« ab. Der Text einer Meldung wird zunächst vom Redakteur am Bildschirm eingegeben. Fehler lassen sich dabei problemlos korrigieren. Währenddessen sorgt das Layout-Team für die grafische Gestaltung der Seiten. Die fertigen Seiten werden dabei über den RIP zum Belichter geschickt. Sind alle Seiten belichtet, kann der Druck in riesigen Rotationsmaschinen anlaufen.

Auch der Privatmann kann als DTP-Anwender von solchen Satzmaschinen profitieren. Zwar wird er vom Kauf eines Laserbelichters absehen. Allein der Grundpreis von siebzigtausend Mark dürfte solch einem Vorhaben im Weg stehen. Deshalb bieten einige Unternehmen einen besonderen Service an. Sie erlauben dem Kunden, eigene Seiten zu akzeptablen Preisen zu belichten. Er gibt dabei sein zuvor geschriebenes und fertig gestaltetes Dokument auf Diskette ab. Einige Zeit später erhält er die Seite zurück. Die meisten Unternehmen dieser Art arbeiten mit DTP-Systemen auf der Basis des Apple Macintosh zusammen.

Der Atari ST bereitet in dieser Hinsicht noch Probleme. Auf der technischen Seite wäre er durchaus in der Lage, über den RIP mit einem Laserbelichter zusammenzuarbeiten. Die meisten RIPs verfügen nämlich über eine RS232- und eine Centronics-Schnittstelle. Auf der Software-Seite sieht es dagegen weniger rosig aus. Da es auf dem ST momentan noch kein DTP-Programm gibt, das Ausgaben in der Seitenbeschreibungssprache »Postscript« formuliert, wird der ST vom RIP nicht verstanden. Bleibt zu hoffen, daß sich dieser Zustand bessert und daß damit auch die ST-Anwender in den Genuß perfekt gestalteter Druckseiten kommen.

(uh)

Vertrieb: Linotype AG, Mergenthaler Allee 55-75, 6239 Eschborn


Axel Pretzsch
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