Creator: Mäusekino kreativ

Für eines der vielversprechendsten Grafikprogramme kam der Test im Animations-Schwerpunkt der letzten Ausgabe leider noch ein paar Wochen zu früh. »The Creator«, im Vertrieb von Application Systems, soll erst nach dem berüchtigten »Sommerloch« auf den Markt kommen. Auf unser Bitten hin war der Creator-Programmierer Stefan Herzer jedoch gerne bereit, uns einen Einblick in den augenblicklichen Entwicklungsstand zu vermitteln.

Creator läuft nur im hochauflösenden Monochrom-Modus des ST. Er integriert die Funktionen eines leistungsfähigen Mal-programmes und eines professionellen Animators für Zeichentrick-»Filme«.

Die Benutzeroberfläche bedient sich der Iconbalken-Tech-nik und verzichtet auf die GEM-üblichen Pull-Down-Menüs. Creator besitzt mehrere Arbeitsebenen, deren Rangfolge die Erfordernisse der Pixelbild-Animation bestimmen.

Nach dem Programmstart meldet sich Creator in der ersten Ebene, dem Malprogramm. Hier findet man in einem Icon-balken am unteren Bildschirmrand alle Funktionen, die zum Zeichnen hochauflösender Pixelbilder erforderlich sind. Die Bilder werden in mehreren »Zeichenblättern« verwaltet, die verschiedene Formate besitzen dürfen. Die maximale Blattgröße mit 9600 x 9600 Pixel (knapp 11 MByte!) ist wohl schon auf die zukünftige Entwicklung der Computerspeicher ausgelegt. Kleinere Formate, die in heutige Speichervolumina passen, lassen sich mit der Maus butterweich über den Bildschirm schieben.

Der Programmierer hat gerade im Bereich der Mausoperationen und der Bildschirmdarstellung von dynamischen Zeichenvorgängen (zum Beispiel Aufziehen von geometrischen Figuren) besonderen Aufwand getrieben. Wir haben beispielsweise bis jetzt in keinem anderen ST-Programm während komplexer Zeichenvorgänge einen derart ruhigen und flackerfreien Mauszeiger gesehen.

Die Bedienungsebenen des Animators sind an die Arbeitsvorgänge beim Entwurf eines Zeichentrickfilmes angepaßt. Alle Funktionen lassen sich über Icons in verschiebbaren Iconbal-ken aufrufen. Einzelobjekte werden ausgeschnitten, auf Deckungsgleichheit ausgerichtet und zu Bewegungszyklen zusammengefaßt. Die einzelnen Bewegungszyklen bilden die Szenen, die Szenen schließlich den Film.

Creator überprüft und korrigiert die Bewegungen der Objekte über den Bildschirm automatisch. So muß man gleichartige Rechts- und Linksdrehungen nur in einer Richtung zusammensetzen, da das Programm die andere Richtung durch Spiegeln der Drehungsphasen automatisch ergänzt.

In einer speziell auf Textbewegung ausgerichteten Bedienungsebene werden »Flugbahnen« entworfen, denen die Buchstaben (oder andere Objekte) bei der Animationswiedergabe folgen. Diese Funktion erweist sich für den Entwurf von Video-Titeln als recht praktisch.

Für die fernere Zukunft plant Stefan Herzer eine Profi-Version von Creator für hochauflösende Grafik-Karten in Farbe und Monochrom. Erste Anpassungen an die neue Omega-Farbgrafik-Karte befinden sich zur Zeit in der Testphase.

Die im Frühherbst 1988 zu erwartende ST-Fassung von »The Creator« wird nach unserem ersten Eindruck zumindest semiprofessionelle Anwender zufriedenstellen. Dank der komfortablen Benutzeroberfläche mit den immer zugänglichen Icons in den Bedienungsbalken ist die Funktionsfülle des Programmes leicht zu beherrschen.

Wolfgang Fastenrath/am


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