Emulation-Corner

Auf vielen Schreibtischen steht ein PC oder Mac, der mit passender Emulationssoftware einen Atari nachahmt. In jeder Ausgabe geben wir Emulatoren-Tipps und -News, um das Beste aus dem emullerten Atari herauszuholen. Falls Sie Fragen zu Emulatoren haben sollten, schicken Sie diese an die Redaktion, wir werden dann versuchen, diese im Rahmen dieser Rubrik zu beantworten.

ATARI auf PC, Mac und GP32

Eine bootfähige ARAnyM-CD [1] macht weiter Fortschritte. Auf dem ersten Testexemplar war der Emulator enthalten, der als Linux-Basis "Knoppix" sucht. Knoppix ist eine kleine Linux-Distribution, die sich jeder Anwender aus dem Internet frei herunterladen kann. Da sie direkt von CD bootet, ist sie entsprechend beliebt bei einigen Zeitschriften, die häufig die aktuelle Version beilegen - so auch die kommende Leser-CD der st-computer, die Ihnen unabhängig von diesem Heft zugehen wird. Ganz und gar nicht Atari-like ist der Bootvorgang, in dem erst einmal seitenlange Meldungen vom Linux-System ausgegeben werden, bevor der emulierte "Atari" übernimmt. Dieser erscheint dann mit dem AES-Ersatz XaAES und dem freien Teradesk-Desktop. Im Hintergrund arbeitet MINT und das OpenSource-VDI-System FVDI. Zu beachten ist, dass FVDI von der Leistungsfähigkeit her noch nicht mit dem beliebten, aber kommerziellen NVDI konkurrieren kann und somit der Zugriff auf einige Programme verwehrt bleibt. So sind etwa Applikationen wie Papillon 3.x, PhotoTip und noch einige mehr, die NVDI zwingend für ihre Ausgaben voraussetzen, bisher nur eingeschränkt lauffähig.

Benutzt werden kann die ARAnyM-CD auf allen PCs, die von einer CD booten können. Dies schließt die meisten ein, aber bei einigen ist die entsprechende Option im BIOS deaktiviert. Diese sollte am besten aktiviert werden. Dazu ist einfach kurz nach dem Einschalten des PC die [Ent]-Taste (oder das entsprechende "quivalent, das während des Einschaltens angezeigt wird) gedrückt zu halten. Im BIOS-Setup kann nun die Boot-Funktion aktiviert werden.

Getestet wurde die ARAnyM-CD auch auf dem Macintosh. Dort musste natürlich ein Emulator benutzt werden, da noch keine native Version für den Apple vorliegt. "VirtualPC" startete die CD aber ohne Probleme, und so lief eine Kombination aus PC-Emulator, Linux und Atari-Emulator. Die Geschwindigkeit ist auf einem iGHz imac etwas bescheiden, reicht aber immerhin für einfache Arbeiten.

Auf der ARAnyM-CD enthalten sind auch einige Testprogramme. Unvermeidbar ist wohl ein Benchmark-Programm. Verwendet wurde Kronos von Oliver Landemarre. Von ihm stammt auch der Webbrowser Gulliver, der jedoch beim Testen einen nicht ganz so guten Eindruck hinterlassen hat. insgesamt ist dieses Programm noch ein Provisorium. Die Screenshots, die auf der Homepage zu finden sind, täuschen etwas über den tatsächlichen Entwicklungsstand. Als interessante Ergänzung gibt es eine erste Umsetzung des Atari-Emulators Hatari (siehe vergangene Ausgabe der st-computer) für MINT. Damit sollte es möglich sein, klassische Atari-Spiele unter ARAnyM zu benutzen, womit eine weitere Lücke geschlossen wäre.

Steem 2.5

Anfang Juli ist eine neue Version von Steem erschienen. Steem [2] startete als ein reiner STSpiele-Emulator, um Klassiker wie "Dungeon Master" auf dem PC zu ermöglichen. Mittlerweile haben auch Musiker an dem Programm Gefallen gefunden. Besonders Tim Conrady verrät auf seiner Webseite viele Tipps das Musizieren mit Steem per MIDI, da der Emulator wie kein anderes Programm die klassischen MIDI-Programme des Atari wieder nutzbar macht.

Die Version 2.5 von Steem enthält eine ganze Reihe von Bugfixes. So funktioniert im Spiel "XOut" die Soundausgabe besser als in Vorgängerversionen, und auch "Super Hang-On" sollte problemloser laufen. An der Disketten-Emulation wurden Korrekturen vorgenommen, von denen hauptsächlich Kopierprogramme wie Fastcopy profitieren. Unix-Nutzer mit XSteem kommen in Genuss einer erheblich verbesserten Soundausgabe.

Auf der Liste der neuen Funktionen stehen an erster Stelle Makros. Wie mit einem Rekorder können sämtliche Tastatur-, Maus- und Joystick-Aktionen aufgezeichnet werden. Dies war schon auf einem Atari mit einem entsprechenden Programm möglich, Steem implementiert nun diese Funktion. Spieler könnten damit noch leichter schummein, Musiker automatisieren damit immer wiederkehrende Arbeitsabläute. Leider funktionieren die Makros noch nicht unter allen Versionen von Windows. Fast schon professionell wirken die "Profile". Alle Einstellungen können in ihnen abgespeichert und je nach Wunsch aufgerufen werden. Auch diese Funktion arbeitet nicht unter allen Windows-Versionen. Das Laufwerk B: kann jetzt deaktiviert werden. Erstaunlicherweise hatten damit einige Programme wie etwa "Alternate

Reality" Probleme. Zusätzlich gibt es eine Funktion, um die genaue Geschwindigkeit des Laufwerks zu simulieren. Dies kennt man eigentlich nur von C64-Emulatoren wie VICE. Die Tastenkürzel sind noch flexibler geworden. Gleiches gilt für die Piktogramme, die jetzt den eigenen Wünschen angepasst werden können.

Disk-Images, die in ein ZIP-Archiv gepackt werden, haben einen Vorteil: Sie sind erheblich kleiner. Ungepackt belegt ein Diskimage einer DD-Diskette immer 720o KBytes. Es gab aber selten Atari-Disketten, die randvoll bespielt waren. Folglich ist ein gepacktes Diskimage häuflg nur 300-400 KBytes groß. Mit SteeM 2.5 können Diskimages in Archive les- und beschreibbar sein.

Im Vollbild-Modus gibt es einen Knopf zum Verlassen des Programms. Insgesamt wurde die Benutzeroberfläche noch einmal deutlich überarbeitet. Dies war nach den vielen neuen Funktionen auch nötig geworden. XSteem-Benutzer werden dies sogar noch deutlicher erfahren, da ihre Version eine noch stärkere Überarbeitung erfahren hat,

In der aktuellen XSteem-Version gibt es aber auch einen Bug, der sich dann auswirkt, wenn auf einem Dateisystem gearbeitet wird, das zwischen Großund Kleinschreibung unterscheidet. Ein Fehler im Diskmanager verhindert, dass ein Disk-Image benutzt wird, das Großbuchstaben in der Extension erhält. Die Steem-Entwickler empfehlen die folgenden Zeilen, bis der Fehler beseitigt ist:

rename ST .st *.ST
rename MSA .msa *.MSA
rename ZIP .zip *.ZIP

CaSTaway GP

Der Atari-Emulator für das koreanische Handheldsystem GP32 ist derzeit die beste Wahl für mobiles Atari-Gaming, denn im Gegensatz zur PocketPC-Emulation kommt der Aufbau des GP32 den Wünschen der Spieler wesentlich mehr entgegen. Benötigt wird neben dem Gerät selbst noch die Verbindungssoftware, der Freelauncher und natürlich der Emulator CaSTaway [3].

Das GP32 ist derzeit nur über Importhändler wie "Lik Sang" erhältlich, aber die Markteinführung in Europa ist für den Herbst vorgesehen. Unbedingt empfehlenswert ist das Modell mit Hintergrundbeleuchtung, da sonst ohne Lichteinstrahlung von oben nicht viel auf dem Display zu erkennen ist. Wer hauptsächlich in der Bahn spielt, kann auch das günstigere Modell wählen.

Um kostenlose Software überhaupt benutzen zu können, muss das GP32 erst bei Gamepark registriert werden. Ohne die Registrierung gibt keine Verbindungssoftware und keinen Freelauncher. Beide Programme sind über das IRC auch zu bekommen, aber dann wird die Installation komplizierter.

Der Verbindungsmanager erinnert an den Explorer von Windows. Er stellt den Inhalt der SMC-Speicherkarte dar, kann diese formatieren und die Standard-Verzeichnisse einrichten. GP32-Programmpakete lassen sich ebenfalls damit installieren. Eine Alternative zu diesem Programm ist ein handelsüblicher Kartenleser. Die Benutzung eines solchen hat aber auch Nachteile: So landen schnell Dateien auf der Karte, die das 8+3-Dateischema sprengen. Das GP32 kann jedoch keine langen Dateinamen verarbeiten.

Von Patches an der Firmware sollte man die Finger lassen, da es dann auch Probleme bei der Garantie geben könnte und Kompatibilitätsprobleme entstehen. Ein weiteres Problem: Das GP32 besteht auf einer drei Zeichen langen Extension. Atari-Diskimages tragen meist die Endung ".ST". Für CaSTaway ist diese auf ".STT" zu erweitern. Die kryptischen Bezeichnungen der Dateinamen sind zumindest für CaSTaway hingegen kein Problem: Ser Emulator verfügt über eine Datenbank, um die genauen Spielenamen anzuzeigen. Andere Emulatoren wie etwa "Little john GP" verfolgen einen ähnlichen Ansatz. Die SpieleDatenbank kann als Zusatz heruntergeladen werden und besteht aus einer einfachen TextDatei. Als TOS-Version können alle 1.0x-Versionen verwendet werden. Sogar KaosTOS (der Quasi-"Vorläufer" von MagiC) läuft problemlos.

Der Freelauncher ist das offizielle Programm von Gamepark, um Freeware-Anwendungen, Demos und -Spiele zu starten. Kein Freeware-Projekt ist ohne ihn lauffähig.

[1] http://aranym.sourceforge.net
[2] www.blimey.strayduck.com
[3] www.codejedi.com/shadowplan/GP32.html


Matthias Jaap


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