st-computer - ein Rückblick (1994-2004)

1994

1994 war die ST-Computer einsam auf dem Atari-Zeitschriftenmarkt. Atari konzentrierte sich mehr auf den Jaguar und die ST-Computer tat etwas, was sie beim Lynx nicht gemacht hatte: der Jaguar kam unter den Titel und fortan hieß es: "Die Fachzeitschrift für ATARI ST, TT, Falcon030 und Jaguar".

Die Hardwarebeschleuniger für den ST haben höhere Taktraten erreicht. Karten wie die HBS bieten bis zu 28 MHz. Wer noch mehr Geschwindigkeit brauchte, griff zur Pak68, die in einer neuen Version veröffentlicht wurde. Auch der Falcon wird nicht verschont und wird fröhlich übertaktet. Wer sowohl mehr Geschwindigkeit als auch höhere Auflösung brauchte, wählte die Speed-Resolution-Card, die einen Übertakter mit einer Auflösungserweiterung verband. Mittlerweile blieb selbst der TT nicht verschont: der CaTTamaran beschleunigte den TT auf bis zu 48 MHz. Die ST-Computer bemängelte allerdings die verspielte Benutzeroberfläche.

Nachdem das CD-ROM von Atari sich nicht durchsetzen konnte, drängten nun die Laufwerke massiv auf den Markt. Dank einiger SCSI-Adapter bereitete der Anschluss kein Problem, sogar das externe PowerCD-Laufwerk von Apple lief am Atari. Eine der ersten "neuen" CDs war die Gemini. Später sorgte die "Lohrum"-Trilogie für Furore, die jeweils mit PD/Shareware gefüllt waren. Hier und da wurde der Datenträger noch mit Sounds, Grafiken und Filmen gefüllt und spätestens da konnte man merken, dass die Anbieter voneinander kopierten: den gleichen drehenden Regenbogen-Papagei im FLI-Format und die selben 80er Jahre Badeanzug-Nixen fanden sich auf vielen CDs. Eine eigene Rubrik widmete sich den silbernen Scheiben.

Der neue Jaguar musste gegen Amiga CD32, 3DO, Falcon, SuperNES und Mega Drive antreten. Natürlich war er diesen überlegen. Die Jaguar-Spiele kamen in der Fachpresse allerdings weniger gut weg. Zudem wurden Portierungen wie "Bubsy" in Magazinen wie der Video Games nur auf einer halben Seite besprochen. Da die ST-Computer ohnehin nicht mehr genügend ST-Spiele zum Testen hatte, wurde der freie Platz mit Jaguar-Spielen aufgefüllt. Im Dezember-Heft wird dann das langerwartete "Alien Vs. Predator" getestet.

In der Dezember-Ausgabe berichtete die ST-Computer dann, dass der Eagle verkauft wird. Die ersten Kompatibilitätstests verliefen vielversprechend, aber das Testgerät war nur mit einer 33MHz 68030 ausgerüstet und nur dank der moderneren Hardware schneller als ein TT.

Am Anfang des Jahres wird die Medusa T40 vorgestellt. Was erst eine 040-Beschleunigerkarte für den ST werden sollte, wird der zweite käuflich zu erwerbende Atari-Clone. Die Medusa wurde als TT-Nachfolger konzipiert. Der Computer bot (fast) alle alten Atari-Schnittstellen, selbst der ROM-Port und der Atari-Mega-Bus waren vorhanden. Das, und die fehlende Massenfertigung, erhöhten den Preis: die Medusa kostete etwa 7000 DM.

FalconSpeed heisst eine Erweiterung, die den Falcon DOS-kompatibel machen soll. Ausgestattet mit einem 80286-Prozessor, wird die Karte einfach auf den internen Erweiterungsbus gesteckt. Der Emulator nutzt die höhere Auflösung um erstmals VGA in Farbe darzustellen. Optimiert wurde er für Windows und so gibt es unter DOS einige Probleme mit der Grafik. Obwohl nur ein 286 verwendet wurde, reichte der Emulator teilweise an einen 386 heran. Dank der Benutzung des Blitters läuft Windows halbwegs flüssig, aber nur in 16 Farben: der Treiber für 256 Farben wurde nie fertiggestellt. Ebenfalls liegen blieb die 486SX-Version. Einige Atari-Händler versuchten, den Entwickler Hans Sack zu kontaktieren, aber er war spurlos verschwunden. Ein weiterer AT-Emulator, eine Portierung von SoftPC, wird relativ früh eingestellt. Die Alpha-Version schaffte es irgendwie auf eine Atari-CD-ROM und ist sogar grafikfähig - aber auch sehr langsam.

Für den Falcon rückten ein paar Updates an: DIGIT 2 und Musicom 2. Während Musicom die Linie des Vorgängers nahtlos fortführte, hatte DIGIT überhaupt nichts mehr mit dem Vorgänger gemein. Musikalisch gab sich der Falcon mit Crazy Sounds II, das auch auf den "alten" Ataris lief. Die ST-Computer fand keinen Kritikpunkt, außer möglichen Unruhen im Büro, wenn zuviele Systemereignisse vertont werden. Mit zwei neuen Soundprogrammen wurde die digitale Musikproduktion komplettiert: TrakCom, ein kommerzieller Soundtracker und FDrum, ein Drumcomputer.

Gegen Ende des Jahres fing die Emulatoren-Welle an. Zwar war Janus nicht der erste ST-Emulator, aber Gemulator war lange eine sehr unausgereifte Software. Janus war eine ISA-Steckkarte und eigentlich erst nur für den Industrie-Einsatz gebaut worden. Auf der Karte war ein 68000, später gab es auch eine 020-Version. Dank der Benutzung der PC-Grafikkarte konnte der Emulator schneller als ein ST arbeiten.

Gegen Ende des Jahres kam dann etwas, was die ST-Computer lange nicht hatte: Konkurrenz. Kassian Goukassian schaffte es mit viel Engagement eine neue Atari-Zeitschrift aufzubauen. Die ersten Ausgaben wurden von der ST-Computer mit Sicherheit noch nicht ernst genommen, denn da wurden englische Texte aus dem Netz abgedruckt ohne Übersetzung ("Why Sam, why?") und das Layout war "Experimentierfreudig". Schon in den ersten Ausgaben war die Atari Inside eine leichtere Lektüre als die ST-Computer.

ST-Computer Glosse 2/89
Als ich gerade mit dem Abwasch fertig war, klingelte es wieder Die beste Freundin meiner Etagennachbarin, Frau Warr aus dem dritten Stock. Ob ich dieses Jahr schön frischen Zwetschenkuchen gegessen hätte, sie hätte da zufällig ein Stück übrig, und ob ich nicht.... Den Kuchen gab's zum Kaffee.
Den ganzen Tag und den ganzen nächsten und den ganzen übernächsten ging das so weiter. Irgendwann kamen dann auch Leute aus den Nachbarhäusern. Da habe ich angefangen zu investieren. Ich bin wieder in den Laden gerannt, wo ich meinen ST gekauft habe; und habe mich nach einem Programm erkundigt. Der Verkäufer hat ganz höflich gefragt, was denn für eines. Da hab' ich mir ein paar zeigen lassen und dann die drei dicksten und buntesten gekauft.

1995

Die ST-Computer hatte jetzt Konkurrenz, aber die meisten Atari-Fans dürften sich beide Magazine gekauft haben. Es gab aber manchmal Probleme, die Atari Inside zu bekommen, da sie in weniger Zeitschriftenläden verkauft wurde.

Die Januar-Ausgabe bildete gleich das Hauptthema ab: MagiCMac. Macs waren inzwischen leistungsfähiger geworden und ähnlich wie bei der Emulation eines Macs auf einem ST, war kein kompletter Emulator erforderlich. Das nötige Betriebssystem hatte ASH bereits. Im Editorial ist die ST-Computer dann auch begeistert über den Emulator und preist ihn als Möglichkeit, Atari-Software in den Mac-Markt zu verkaufen. Welche Rolle dabei Apple gespielt hatte, ist nicht bekannt. Bald schon wurden Anzeigen geschaltet, die ganz offen für Apple-Rechner warben.

In der Februar-Ausgabe war dann wieder kaum die Rede von MagiCMac. Die März-Ausgabe musste dann auf einige geschockt haben, denn neben "Atari" stand jetzt "Mac". Im Heft selber wurden Mac-Laptops getestet, was durchaus keine schlechte Sache war, denn die tragbaren Geräte von Atari waren nicht mehr erhältlich. Nach einiger Zeit gab es Atari wieder auf der CeBIT, wenn auch "nur" die Softwarehersteller. ASH, Digital Arts, DMC und Maxon fanden unter dem Apple-Stand Unterschlupf.

Schon in der März-Ausgabe ging die ST-Computer einen Schritt weiter. Ein zusätzlicher Mac-Teil wurde eingeführt, wieder wurde im Editorial "MagiCMac als neues Atari-Modell" betont. Bei aller Kritik hatte die ST-Computer das Problem, dass ein neuer Atari-Clone für den Heimbereich nicht in Sicht war. Nur eines hatte die damalige Redaktion wohl nicht verstanden: das Konzept konnte nicht funktionieren. In der Vergangenheit hatten schon mehrere Magazine versucht, mit einem "Magazin im Magazin" Käufer anzulocken. Alle diese Konzepte waren kläglich gescheitert.

In der Mai-Ausgabe teilten sich Atari- und Mac-Themen das Titelbild. Chefredakteur Harald Egel gingen zumindest nicht die Themen für sein Editorial aus. Aufgrund der kontroversen Diskussion war das Thema wieder einmal MagiCMac. Atari-Software fand sich auf allen Systemen, aber eben nur dank Emulatoren, oder, in seltenen Fällen, per Portierung (papyrus für OS/2). Rückblickend hat es kaum ein Atari-Programm geschafft, auf dem Mac Fuß zu fassen. Die Weiterentwicklung einiger Programme erhielt durch MagiCMac aber nochmal einen kleinen Schub.

Die Juni-Ausgabe warb für ein Betriebssystem-Update von Apple auf dem Titelblatt. Die September-Ausgabe war dann der Höhepunkt einer rasanten Veränderung. Wer die erste Seite umblätterte, erblickte ein weiteres Titelblatt: ATARI/Mac-open. Ähnliches gab es schon einmal bei der Happy Computer, die sich in Computer Live umbenannte - und wenig später sang- und klanglos einging. Begründungen für diesen Schritt waren die Offenheit für andere Systeme und die niedrigen Werbeeinnahmen. Besonders ersteres überraschte, denn die Multi-Format-Magazine waren schon seit längerem ausgestorben. Mit seiner Überschrift "Die spinnen, die Redakteure" im Editorial, wurde offenbar vielen Lesern aus der Seele gesprochen, denn es hagelte Protestbriefe.

Die darauf folgende Ausgabe hatte ein Mac-dominiertes Cover und nicht sonderlich interessante Themen. Im Editorial wurde dann aber die Rücknahme der Umbenennung verkündet. Stattdessen wurde aus dem Mac-Teil eine eigenständige Mac-Zeitschrift.

Unterschwellig ließ sich allerdings herauslesen, dass die "bösen" Leser damit ein Herzensprojekt kaputt gemacht hatten. So wurde die proTOS zur Schnäppchen-Messe degradiert oder eine beeindruckende Falcon-Präsentation eines Hamburger Atari-Händlers (Betz) verschwiegen - wahrscheinlich weil dieser in seinem, übrigens sehr unterhaltsamen, Newsletter die ST-Computer fleißig kritisiert hatte. Auch in anderen Rubriken herrschte ein negativer Unterton. Das Atarium erklärte MiNT und MagiC schon vor sieben Jahren als tot. Davon unberührt ist die Falcon-Scene, die weiter sehr locker über die Szene berichtet.

Neben MagiCMac gab es aber noch andere Programme. NeoN war ein äußerst leistungsfähiger Raytracer mit Morphing und anderen Funktionen. NeoN war aber nicht ganz billig: 700 DM. Mit einem kleinen Trick konnte die Demo-Version fast als Vollversion genutzt werden - das hat vermutlich den Verkaufszahlen sehr geschadet.

Beeindruckend war auch Apex Media. Apex Media wurde speziell für den Falcon geschrieben und bot zum Beispiel eine "weiche" Sprühdose und die Einbindung des Digitizers ScreenEye. Am beeindruckendsten war jedoch das Morphing. Dank DSP war der Falcon mit der Berechnung innerhalb weniger Minuten fertig.

SpeedoGDOS zuckte noch. Compo hatte sich um die Weiterentwicklung gekümmert und Version 5 war erheblich besser als die Version 4.2, die Atari den Falcons mitgab. Den Vergleich mit NVDI 3 verlor Speedo jedoch und die zusätzliche Beschleunigung von Bildschirmausgaben durch NVDI ließ Speedo ohne wirkliche Vorteile dastehen.

In Ausgabe 12 wurde Texel getestet, die erste moderne Tabellenkalkulation. Texel nutzte alle Vorteile von GDOS aus und reichte fast an die PC-Vorbilder heran - von der mangelnden grafischen Auswertung einmal abgesehen.

Linux wurde auf den TT/Falcon umgesetzt. Nachdem Ataris eigenen Unix nur an Entwickler ausgeliefert wurde, war nun mit Linux ein System frei erhältlich. Die Geschwindigkeit war auf einem Falcon aber eher mäßig.

1996

Das Jahr 1996 sollte vor allem eine große Veränderung mit sich bringen: die Zusammenlegung mit der Atari Inside.

Zunächst entstand aber eine ideale Situation für einige Autoren. So kam es mehrfach vor, das Autoren ihre Artikel gleich an beide Zeitschriften verkaufen. Ein paar kleinere Änderungen wurden gemacht, schon war ein "neuer" Artikel fertig.

Endlich konnten auch Falcon-Benutzer MagiC benutzen. Die Version 4 brachte die notwendigen Änderungen. Eine zuverlässige Weiterentwicklung boten R.O.M. Software mit papyrus in der Version 4.

Im Musik-Bereich tat sich nicht viel, aber Audio Tracker war nur ein Bestandteil einer ganzen Reihe von professionellen Soundpool-Produkten. Soundpool versuchten die Lücke zu füllen, die Steinberg und E-Magic hinterlassen hatten.

In Ausgabe 2 tauchte zum ersten Mal faceVALUE auf, mit dem sehr schnell leistungsfähige GEM-Anwendungen in GFA-Basic erstellt werden können. Das war auch dringend nötig, denn gerade GFA-Basic-Programme missachteten GEM sehr.

In Ausgabe 6 wurden zwei weitere Emulatoren präsentiert. MagiC PC war bereits von allen erwartet worden, STonX war dagegen der erste freie Atari-Emulator.

Um Emulatoren für den ST ging es dagegen in der Dezember-Ausgabe. Das war der erste Artikel des Verfassers,

Neuer Standardbildschirmschoner wurde Twilight. Dank sehr aufwendiger Module war es dem älteren Midnight überlegen. Besonders bekannt ist das Schonermodul mit den kotzenden Pinguine.

Omikron Basic 5 macht aus dem Basic endlich ein GEM-Programm.Es gibt eine etwas seltsame Zweiteilung zwischen Interpreter und Editor. In den Dialogen waren die Farbpanscher unterwegs - solche schrägen Farbkombinationen gab es vorher selten zu sehen.

Eine wichtige Ausgabe war die Doppelausgabe 07/08. Endlich wurde Internet auf jedem ST einfach möglich. Hierzu diente das Programm STiK, dass eine SLIP-Verbindung zum Provider aufbaute. MG-FTP war eines er ersten FTP-Programme und der Browser hieß CAB. Schnell waren die üblichen Internet-Clients auch für den Atari verfügbar, aber es dauerte vier Jahre, bis STiK endlich PPP konnte. Diese Wartezeit sollte sich rächen: im Stillen fingen Programmierer wie Jens Heitmann ihren eigenen TCP/IP-Stack mit PPP-Unterstützung an. Es war einfach nicht absehbar, wann STiK in einer neuen Version erscheinen würde und STiK war nicht Open Source.

Nur in der Atari Inside wurde der HTML-Pinguin auf der Spezial Disk veröffentlicht. Der HTML-Pinguin war das erste Programm zum Erstellen von HTML-Seiten. Ursprünglich war das Programm eine direkte Nachprogrammierung des Homepage-Wizards im Windows-HTML-Editor WebEdit. Beim Namen blieb es allerdings nicht lange und so wurde es in HomePage Pinguin umgetauft. Von Anfang an mit dabei: HTML-Help, das kurz zuvor noch im Text-Modus arbeitete.

In der gleichen Ausgabe gibt es einen ersten Test des Hades. Der Hades ist ein weiterer Atari-Clone von Fredi Aschwanden und wirkte auf viele wie ein Eagle-Nachfolger ohne Prozessorkarte. Einiges, was noch in der Medusa war, wurde entfernt. Das Gerät war so günstiger als eine Medusa, kostete aber immer noch 3500 DM. Obwohl der Hades nichts mit dem Eagle zu tun hatte, wurde ein Tausch-Angebot veröffentlicht: Eagle-Besitzer bekamen den Hades gegen Einsendung ihres alten Computers günstiger.

Einen richtigen MultiTOS-Nachfolger zu präsentieren, das war das Ziel von N.AES. Das es viel Optimierungsbedarf gab, bewies schon die erste Version, die doppelt so schnell wie MultiTOS war.

Mit der Ausgabe 1/96 feierte die ST-Computer ihren zehnten Geburtstag. Das Logo wurde in ein edles Gold-Silber getauscht. Die gute Reaktion auf die proTOS-Messe sorgte für etwas Euphorie und Überraschung.

Der Anteil der Jaguar-Spiele stieg sprunghaft an. Atari machte noch schnell die Spiele, die kurz vor der Fertiggestellung standen, fertig. Die kleine Spielewelle hatte neben den üblichen Amiga/Mega Drive-Umsetzungen ("Fever Pitch Soccer") auch Highlights wie NBA Jam T.E., Battlemorph, Defender 2000 und Atari Karts. Auch der Beat'em Up-Hoffnungsträger wurde veröffentlicht. Während die (alte) ST-Computer durchaus begeistert war, war "Fight for Life" für die Video Games der Grund, die Jaguar-Berichterstattung einzustellen.

Überraschend wird nach zwei Jahren der Afterburner fertiggestellt. Diese Turbo-Karte für den Falcon rüstete einen 68040-Prozessor nach, wird aber nicht von vielen Falcon-Besitzern installiert.

In der März-Ausgabe zeigte die Titel-Ausgabe einen geraytraceten Farbdrucker. Interessanter war aber das Foto, das im Hintergrund hängt. Es zeigte Jack und Sam Tramiel. Ob es nun ein Zufall oder Absicht war: zwei Dart-Pfeile waren auf das Foto geworfen worden, einer traf Jacks Herz, der andere seine Schulter.

In der Ausgabe 9/96 hieß es "Schichtwechsel". Nachdem die Atari Inside für eine Ausgabe in den reinen Abo-Vertrieb gegangen ist, übernahm sie die ST-Computer ab der folgenden Ausgabe.

Mit dem Wechsel des Redaktionsteams wurde der Grundton in der ST-Computer positiver.

1997

Natürlich gab es inzwischen nicht mehr so viel zu berichten wie vor fünf Jahren. Der neue Chefredakteur der ST-Computer Kassian Goukassian warf dann aber ein Projekt an, dass der erste bezahlbare Atari-Clone werden sollte: der Milan. Um den Milan anzukündigen, wurde die Hype-Taktik ausgepackt. Gleich in der Januar-Ausgabe berichtete der Maulwurf wieder, der Informationen über den Milan, einem TT-Nachfolger mit 68030 CPU, hatte. Im Artikel wurde Sylvie mit dem legendären Maulwurf verknüpft. Der neue Maulwurf war aber nicht so unterhaltsam und Sylvie hatte etwas gegen die Wiedereinführung der Gerüchte-Ecke. Zunächst wurde aus der Identität des Milan-Teams ein Geheimnis gemacht und wie gut dies gelungen war, zeigten diverse Gespräche unter Usern. Selbst ASH wurde verdächtigt, den Milan zu bauen, nur auf den Falke Verlag tippte niemand. Weitere Informationen gibt es dann Häppchenweise.

Auf der Software-Seite bot der Januar zunächst viele CD-ROMs. Delta Labs Software hatten mit der Alpha den Durchbruch gehabt und verfolgten das griechische Alphabet konsequent weiter. Die Omega wurde neben einigen weiteren CDs (SDK, Atari Forever II) getestet. CDs konnten jetzt auch beschrieben werden: Soundpool veröffentlichte Version 2 des CD-Recorder Pro.

Organizer-Software gab es endlich auch auf dem ST. Angeregt durch den Erfolg des Lotus Organizer bauten gleich mehrere Programmierer an entsprechenden Atari-Umsetzungen. Optisch am nächsten kam der "Organiser" vom schweizer Benny Jurt. Einige Ausgaben später folgte spareTIME. Beide Programme waren aber nicht sauber programmiert - als ob sich die Programmierer untereinander abgesprochen hätten. Viele Updates bekamen beide Programme nicht, spareTIME wurde 2002 vom HomePage Penguin-Autor reaktiviert und modernisiert: der Beweis, das es auch Updates nach einigen Jahren geben kann.

Ebenfalls nicht ganz sauber aber bereits enorm leistungsfähig: Funny Paint, der Vorgänger von FunMedia. Die Update-Rate war bei diesem Programm sehr hoch.

Wie gut es doch ist, wenn ein Programmierer auch beim Verlag arbeitet, zeigte der HomePage Pinguin 1.6-Test: die Kritik aus der Testphase konnte gleich eingearbeitet werden. Das Programm hatte nun ein moderneres GEM-Gewand mit den damals üblichen GFA-FlyDials. Heute unvorstellbar: obwohl HPP1.6 nur ein einziges Bild in die HTML-Seite einbinden konnte, wurden durchaus einige mit dem HPP erstellte Seiten online gestellt.

Eine neue Softwarefirma machte sich die Spieleknappheit zu nutze. Logitron veröffentlichte einige Falcon-Spiele zu hohen Preisen (85 DM). Aazohm Krypht war ein Clone des Urvaters aller blutigen Kampfsportspiele, M.K. (indiziert). Radical Race schnitt am besten ab, aber das spaßige Autorennspiel wurde auch nicht von Logitron programmiert. Die Gurke war dann Operation S.K.U.M.M. . Kay Tennemann hatte die undankbare Aufgabe, dieses Spiel zu testen, das sich am besten als Mohrhuhn mit Soldaten statt Hühnern umschreiben lässt. Der unbewegte, digitalisierte Hintergrund bildete die Kulisse für vier bis fünf Gegner, die immer an der selben Stelle auftauchten und in drei Animationsphasen ruckelten.Um das ganze etwas zu erschweren, gab es keine Treferanzeige und einen 5x5 Pixel Mauscursor. Der Cursor hinterließ auf dem Hintergrund auch noch Spuren.

Mehr Spaß hatte Matthias Jaap mit seinem zukünftigen "Lieblingsprogramm" Webspace. Webspace trat so ziemlich alle HTML-Standards mit Füßen und zerfetzte auch einfache, syntaktisch korrekte Seiten. Von daher traf die Bezeichnung "Atari-Netscape" durchaus zu. Oxo Concepts sahen ihr Programm auch als Ankündigung des folgenden Programmpakets. So waren von all den Menüpunkten und Optionen nur knapp die Hälfte anwendbar. Der Mail-Client war schon enthalten, wirkte aber selbst gegen die ersten Atari-E-Mail-Programme armselig. Obwohl Webspace einen katastrophalen Eindruck hinterließ, wurde noch eine gnädige Wertung gegeben.

Für ein kurzzeitiges Revival des Jaguars sorgte Telegames. Die Firma, die selber noch einige Jaguar-Spiele schuldig blieb, veröffentlichte das, was von ATARI seinerzeit abgelehnt oder mehr veröffentlicht wurde. Darunter waren Spiele wie Breakout 2000, Towers II, Iron Soldier II und World Tour Racing.

In der April-Ausgabe wird der Phenix angekündigt, ein Falcon-Nachfolger aus Frankreich. Chefdesigner war Rodolphe Czuba und anders als heute gab es noch kein wöchentliches Update, welcher Chip sich nicht mit der Platine verträgt. Die Firma des Phenix leidete aber etwas unter Größenwahn und wollte den Computer neu designen und auch noch ein neues Betriebssystem erstellen. Geblieben ist von dem nicht viel - einige Utilities wurden von Centek vorab veröffentlicht, Jahre später wurde der RSC-Editor Fashion freigegeben.

Für den PC wurde in Ausgabe 6 PaCifiST vorgestellt. PaCifiST war der erste ST-Emulator speziell für Spiele und war frei erhältlich.

In der Doppelausgabe ging es wieder nach Frankreich. Das M&E-System von Parx trennte die Routinen zum Importieren von Grafikformaten vom Hauptprogramm. M&E-kompatible Programme konnten alle möglichen Bildformate laden. Dank der fleißigen Parx-Programmierer kamen schnell neue hinzu. Außerhalb Frankreichs wurde M&E aber kaum benutzt, obwohl die Unterlagen weltweit verschickt wurden.

Ebenfalls in der Doppelausgabe ging CAB 2.0 an den Start. CAB konnte jetzt Frames darstellen und wurde kommerziell. Kurz darauf wurde PPP-Connect vorgestellt. Die komplizierte Installation von STiK war damit Vergangenheit, aber PPP-Connect war nicht zu STiK-Clients kompatibel. Die einzigen Programme, die auf dem neuen Stack liefen, kamen alle von Application Systems.

Die September-Ausgabe wurde endlich der Milan vorgestellt. Obwohl dieser auf den ersten Blick keine grosse Verbesserung zum Hades darstellte, war er im Inneren doch moderner aufgebaut. Am Milan wurde einiges aus Kostengründen eingespart, so etwa der VME-Bus oder der Atari-Mausanschluß. Auch der Yamaha-Sounchip ist nicht vorhanden, aber der eingebaute PC-Piepser verhält sich so wie der erste Kanal des ST-Soundchips: so gab es später sogar ein Milan Sound-Demo, das einfach ein X32-Musikstück abspielte.

Ein Nachfolger für die etwas ergraute EASE präsentierte ASH mit jinnee. Die Veröffentlichung geschah völlig überraschend, aber schon in seiner ersten Version wurde der alternative Desktop hochgelobt.

Auf der Szene-Seite bereicherten die Reservoir Gods das Falcon-Spieleangebot mit Godboy, dem Gameboy-Emulator. Jedes Release war auf ein Spiel optimiert und endlich konnten Falcon-Besitzer Mario spielen. Ebenfalls spielerisch: der erste Test eines VCS2600-Spiels in der ST-Computer. "Beast Invaders", ein Space-Invaders-Hack, kam dabei direkt von Jeff Minter.

Der Falke Verlag stieg gegen Ende des Jahres verstärkt in den Software-Markt ein. Neben dem Homepage Pinguin 2pro wurde der STemulator für Windows95 eingeführt.

In der Dezember-Ausgabe wird TOS6.0 für den Milan angekündigt. Die neue Version sollte lange Dateinamen beherrschen und eine neue Oberfläche besitzen. Sogar eine Umfrage wurde durchgeführt und die Liste der gewünschten Features wurde lang. Bereits 1997 wurde das 060-Upgrade angekündigt. Geplanter Auslieferungstermin: Mitte 1998.

Texel-Trilogie (ab 3/98)
Durch Kernspeicherverminderung (über das Einrichten von RAM-Disks) habe ich versucht, TEXEL mit kleinem Speicher (512 KB bzw. 1 MB) zu starten und erhielt jeweils die Meldung: "Für die Anwendung steht nicht genügend Speicher zur Verfügung". Etwas unglaubwürdig für ein nacktes TEXEL (ohne ST-Guide, BubbleGEM und GDOS, z.B. ACC über das Desktop-Menü Datei, Information in ACX umbenannt), mit dem sich über Zoom-Verkleinerung und Hardcopy bereits für den Hausgebrauch gut arbeiten läßt. Wenn man mit früheren Tabellenkalkulationen vergleicht, die mit 512 KB auch einen großen Funktionsumfang zur Verfügung stellten bis hin zu grafischen Darstellungen...! Erst ab 2 MB klappte es. Ich glaube, da verschenkt ASH unnötig ein großes Absatzpotential! Einen Tip zum Weglassen der Hilfsprogramme bei kleinem ST hielte ich für sinnvoller! Zumindest ab 1 MB müßte eine Minimalinstallation doch wohl laufen!
Wie Sie günstig an mehr Speicher kommen, wissen Sie ja wohl! Bei (Mega-) STE einfach einstecken! Vorgänger STs: professionelle Erweiterung, Basteltips, Inserate studieren oder eigenes Suchinserat in der STC/AI(Suche ST/E ab 2 M B oder Tausch (...ST mit ...M B) gegen Wertausgleich. Biete ... D M bzw. ... DM. Tel. xyz"). Im zweiten Teil werde ich verraten, ob und wieweit man die "Mindestvoraussetzungen" doch noch vermindern kann, z.B. daß es auch mit Wohnzimmer-TV oder einem altem Farbmonitor nicht hoffnungslos ist.

1998

Das Jahr 1998 brachte den gleichen Themenmix wie das vorherige Jahr. Tipps für Programmierer gab es kaum noch.

In der Januar-Ausgabe wurde Running getestet, ein spielerisch gelungener Ego-Shooter. An dessen abwechslungsreichen Leveln könnten sich auch heutige Spiele ein Beispiel nehmen.

Die 2/98 brachte die Liste der gewünschten TOS6-Features. Von Iconify bis zur Unterstützung mehrerer DSPs war alles vorhanden. In der gleichen Ausgabe war der Bericht über die Atari-Messe in Paris. Oxo Concepts kündigte eine fehlerfreie Version von WenSuite (vormals Webspace) an. Centek stellte das neue VDI vor, aber richtig gelohnt hatte sich die Neuprogrammierung nicht: es war nur knapp 10% schneller als NVDI.

In der März-Ausgabe vervollständigte ASH sein Internet-Paket mit CAB 2.6, Fiffi und ASH-Emailer. Letzterer bekam - zugegebenermaßen ungerechtfertigt - nur einen kurzen Test. Das letzte "große" Release von CAB führte eine Modul-Schnittstelle ein, die jedoch nicht in die HTML-Darstellung eingreifen konnte. An der HTML-Unterstützung hatte sich nicht viel getan: veränderbare Frames und das <LINK>-Tag. Dank OLGA-ID4-Kompatibilität konnten die unterschiedlichsten Dateiformate dargestellt werden. Fiffi war das FTP-Programm und wurde als Beilage ausgeliefert.

Das Sample-Programm für den Falcon, ZeroX, ging in die zweite Runde. Es unterstützte die Aufbereitung und Bearbeitung von Samples und machte "Avalon" vergessen. Eingeschränkt lief es auch auf ST und TT.

In der April-Ausgabe wurde UVK 8.0 vorgestellt. Zwar wurden immer wieder Updates vom UVK gemacht, aber kaum ein Atari-Besitzer wurde noch von den neuen Viren getroffen. Nützlich war die Funktion zum Reparieren beschädigter Spiele-Bootsektoren.

Resource Master stieg allmählich zur ernsthaften Interface-Konkurrenz auf. Das Shareware-Programm war so gut, das es später mit der Version 3 kommerziell wurde.

Entsetzen machte sich auf dem Gesicht von Thomas Much breit, dem Atari-Programmierer, der Texel, BubbleGEM und OLGA programmiert hat. Grund dafür war eine dreiteilige Artikelserie über Texel 2.0. Normalerweise ein Grund zur Freude, war der Artikel offensichtlich in die Länge gestreckt. Der Autor gab ganz ernsthaft Tipps, wie Texel lauffähig auf zwei DD-Disks zu packen ist und erklärte auch noch gleich wo der Packer herzubekommen ist. Weitere "nützliche" Tipps: wie läuft Texel am Wohnzimmer-TV? Wo bekomme ich eine Speichererweiterung? Das Grauen ging über drei Teile, die eigentlich kaum nützliche Tipps enthielten. Auch schön: RAM wurde als "Kernspeicher" bezeichnet - das macht noch nicht mal die Computer-Bild.

1998 legte auch ein junger, hoffnungsvoller Autor los, der zu dieser Zeit noch ohne ebay sein Musik-Equipment erweitern musste. Thomas Raukamp wurde einer der fleißigsten Autoren für die ST-Computer/Atari Inside und schrieb sogar vor seiner Beförderung zum Chefredakteur ein Editorial. Andere Autoren schrieben hingegen weniger: Filipe Martins hatte kaum noch Artikel in der ST-Computer.

In Ausgabe 6 gab es einen Kurztest von EC909, einem TR909-Emulator. Damit wurde der legendäre Drumcomputer von Roland nachgeahmt. Das besondere an der Software von Electronic Cow war die moderne Benutzeroberfläche. So wurden farbige 3D-Elemente benutzt - alles sauber unter GEM.

Eine Serie, die bereits mit dem ersten Teil ihr Ende fand, war "Overlay als Videotitelgenerator". Für die Sendungen von PenguinTV (Offener Kanal Hamburg) wurde Overlay auf einem Falcon verwendet. Mutig wurde ein zweiter Teil der Serie angekündigt, den Autor Matthias Jaap bis heute schuldig bleibt. Vielleicht kommt der zweite Teil doch irgendwann...

Ein kurzes Leben war Infitra beschieden: komplett in Assembler programmiert, schnell und sehr modern. Der mögliche Traum mailender Atari-Besitzer fand sich später auf der Orphaned Projects-Seite wieder.

Bis heute weiter entwickelt wird Draconis. Jens Heitmann konnte man durchaus im positiven Sinne als "Wahnsinnigen" beschreiben. Er programmierte nicht nur einen eigenen, PPP-fähigen TCP/IP-Stack, sondern auch noch den Browser (Light of Adamas) und das E-Mail-Programm. Für diese Energieleistung und einiger Neuheiten gab es denn auch ein Extra-Lob von der ST-Computer.

Die September-Ausgabe brachte eine Neuauflage der WDR Computer-Club-Aktion. Wieder wurde der WDR mit Postkarten überschwemmt. Ab dieser Ausgabe wurde der Doppeltitel gestrichen - das Magazin hieß wieder ST-Computer.

Wiederbelebt wurde die Programmierecke. Bevor ein weiterer Teil der Texel-Reihe in das Magazin gelangen konnte, füllte Thomas Much die Lücke lieber mit der Rubrik "Atari-Insider" selber aus. In seiner Rubrik stellte er die neuen Atari-Protokolle und Systemerweiterungen vor, unter anderem Keytab.

Klarheit ins Sprachwirrwarr brachte Arthur'98, ein Übersetzungsprogramm von Richard-Gordon Faika.

1999

1999 brachte den definitiven Nachfolger des Texel-Grundlagenartikels: Tausend Farben für jedermann. Immerhin war dieser Artikel informativer: wussten Sie, das sich PLAYMPEG von 60 ausgesuchten CDs auf 28 befand? Ähnliche statistische Ergüsse fanden sich später auch in der Reihe "Programmieren zum Sparpreis".

In der Januar-Ausgabe wurde TOS4.92 getestet. Eigentlich war der Artikel schon ein Jahr vorher fertig, aber wurde verlegt, verschoben und vergessen. Das Grummeln aus Hamburg nahm der Chefredakteur dann aber doch zur Kenntnis und so wurde die Veröffentlichung nachgeholt. Ein Screenshot passte nicht mehr auf die Seite - als dieser später im stc-Archiv veröffentlicht wurde, stieß er auf großes Interesse.

In der März-Ausgabe wurde ein Interview zur Eclipse geführt, einem Falcon-PCI-Adapter. Bis heute wurde keine voll funktionsfähige Version des Adapters präsentiert.

WenSuite war wieder da und verbreitete Angst und Schrecken. Die Version 3.0 hatte im wesentlichen neue Icons, Frames und animierte GIFs, die wie Ebenen übereinander gelegt wurden. Alles natürlich toujours rapide, toujours fantastique und toujour incroyable: ein reinstes Programm-Desaster. Übrigens war der Autor des Artikels, Matthias Jaap, mit dem Programm tatsächlich im Internet. Später zog sich Oxo schmollend mit ihrem Browser zurück.

Wiederbelebt wurde die Atari-Szene. Kay Tennemann hatte sich zurück gezogen und arbeitet heute als 3D-Grafiker: die Animation der S-Bahnhaltestelle "Hamburg-Flughafen" stammt von ihm. Die neue Szene-Rubrik hatte mehr News-Charakter und widmeten sich nicht nur dem Falcon.

Ein Sprung zur Mai-Ausgabe. GEM-Setup war der erste frei erhältliche, komfortable Installer. Ein Installationsprogramm war durch die Vielzahl an Dateien nötig geworden, die moderne Programme mit sich brachten. Dank GEM-Setup wurde der Hypertext in den richtigen Ordner kopiert und die Anwendung für die gewünschten Dateitypen angemeldet. Auch vier Jahre später gibt es nichts an dem Programm auszusetzen. Natürlich gab es auch wieder die düsteren Propheten, die mit GEM-Setup Windows-Verhältnisse aufkommen sahen.

In der nächsten Ausgabe gab es gleich drei wichtige Programme. Olympus war ein Programm zur Ansteuerung von Digitalkameras. Jahre nach Logitechs Versuch mit dem Fotoman wurden Digitalkameras immer beliebter. Aus Olympus wurde später PhotoTip. Der Resource Master gab sein Debüt als kommerzielles Programm und bot eine sehr einfache Funktion zur Verwaltung mehrsprachiger Resourcedateien. Mit der Version 3 hatte RSM das ältere Interface endgültig überflügelt. Ebenfalls in Version 3 wurde Papillon veröffentlicht. Der Schmetterling konnte dank NVDI auch mit True Colour-Bildern umgehen und endlich gab es eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, animierte GIF-Bilder zu erstellen.

Die Doppel-Ausgabe 7/8 bot nicht viel aufregendes, aber im Artikel "Atari-Nachfolger im Überblick" fand sich ein erster Hinweis auf den Milan II.

Genauer vorgestellt wurde der Milan II in der September-Ausgabe. Ein umfangreiches Software-Paket sollte die neue Atari-Hoffnung begleiten. Omikron wollte dazu Omikron Basic 6 auf den Milan II umsetzen. Es sollte nicht die einzige geplante Umsetzung bleiben, denn die Unterstützung des Milans durch Firmen wie Axro, Creative Labs und Motorola gab neue Hoffnungen. Im Inneren des neuen Milans sollte ein 060-Prozessor für Tempo sorgen. Abschied nahm man von der Idee, ein neues TOS6.0 zu schaffen - MagiC mit jinnee sollte als Standard etabliert werden. Das Original-TOS sollte so eine Art BIOS mit grafischer Benutzeroberfläche bleiben. Diese Idee haben mittlerweile auch PC-BIOS-Hersteller: für 2004 werden Boards und BIOS-Versionen mit grafischer Benutzeroberfläche erwartet. Sogar eine Rückkehr der Mac-Emulation war geplant, schließlich gab es mit Basilisk einen frei erhältlichen Emulator. Anders als beim Milan, der bei einigen Atari-Händlern eher einsam als Staubfänger diente, waren Schulungen und der Verkauf in Kaufhäusern geplant.

Auch wenn die Entwickler nur die Hälfte von dem glaubten, blieb noch genug übrig, um positiv in die Zukunft zu schauen.

Endlich war angeblich der Phenix fertig. Von den technischen Daten war der Rechner besser als der Milan II, aber es fehlte noch eine kleine, "unbedeutende" Kleinigkeit: das Betriebssystem.

In der Dezember-Ausgabe wurde über den Atari-Fachmarkt in Hannover berichtet. Wieder reiste Sven Betz (Betz Computer Hamburg), Matthias Jaap und einige weitere Atarianer zu einer Atari-Messe. Die Messe war aber nicht gerade zentral gelegen und nach dem einmal nicht aufgepasst wurde, war die Hälfte der Gruppe plötzlich verschwunden, tauchte aber später wieder auf. Das Highlight der Messe war natürlich der Milan II, der als Vorserien-Modell präsentiert wurde. Außerdem wurde der Phenix vorgestellt, der aber kein Bild darstellen konnte. Trotz dieser zwei Neuheiten war die Messe nicht gut besucht, was vor allem für Mitveranstalter Sacha Roth eine große Enttäuschung war. Wie immer war auch Best Electronics aus den USA angereist - Atari-User fragen sich noch heute, wie er die Kosten für seine ganzen Reisen wieder reinbekommen hat. Das Hauptproblem der Messe war neben ihrer Lage auch die Halle selber, denn dort wurde eigentlich Gemüse verkauft. Wer die Halle verließ, konnte dann auch die LKWs sehen, die schon auf ihren nächsten Einsatz warteten. Einen geruhsamen Tag hatte der Vertreter von HP, der etwas verloren an seinem kleinen Stand wartete. Das Gemeine: von dieser Messe gab es kein Entkommen, denn in der näheren Umgebung gab es keine Geschäfte oder ähnliches.

Ebenfalls in der Dezember-Ausgabe gab es einen Bericht über die All Micro Computer Show, die in Stafford/Nähe Manchester veranstaltet wurde. Redakteur Matthias Jaap hatte Joe Connor (Atari Computing) vorher versprochen, einmal auf eine englische Atari-Messe zu kommen. Als dieses Versprechen wahr gemacht wurde, war Joe Connor schon erstaunt. Dann machte er das, was er schon immer machen wollte: er stellte den "Crazy Guy from Germany" Matthew Bacon vor. Letzterer hatte mit Web.Wizard einen Clone des HomePage Penguin veröffentlicht - selbst einige Icons wurden kopiert. Die Begegnung war ziemlich kühl, aber die beteiligten Parteien verstehen sich inzwischen erheblich besser. Wichtiger als Atari war an jenem Tag ohnehin das bevorstehende Spiel England gegen Schottland und Joe Connor trug sein Fußball-T-Shirt lieber unter einem anderen T-Shirt. Die Messe war keine Neuheiten-Messe, aber es ließen sich Schnäppchen machen und der Autor konnte dort preiswert Jaguar-Spiele und ein "MS-Write" für den ST abstauben. Natürlich wurde niemand ohne einen Tipp für das Fußballspiel entlassen und hätte Joe auf das gleiche Ergebnis wie der STC-Redakteur getippt, hätte er bei den zahlreichen Wettbüros in England gewonnen.

Im Gegensatz zur alten ST-Computer stellte die neue Besatzung ihre Konkurrenz sogar vor. Die Classic Atari war ein mit viel Enthusiasmus erstelltes Fanzine, das von M.u.C.S. unterstützt wurde.

Dann war da noch das Interview zwischen dem Verlagsleiter Goukassian und Thomas Raukamp. Das Interview fiel sehr freundlich aus, aber schließlich sollte Thomas nur als der neue Chefredakteur vorgestellt werden.

2000

Mit dem neuen Chefredakteur kam frischer Wind in die ST-Computer, nachdem das Jahr 1999 trotz Milan II wohl eines der langweiligsten STC-Jahre war. Die Ausgabe 1 des neuen Jahres wurde noch unter der Verantwortung von Goukassian erstellt, mit der Ausgabe 2 übernahm dann Thomas Raukamp. Schon Ende 1999 setzten sich einige Redakteure zusammen, um die neue st-computer zu planen. Neu war nicht nur die Kleinschreibung des Namens, sondern auch das gesamte Layout. Eine neue Webseite wurde von Benjamin Kirchheim gestaltet, nachdem die alte Webseite Atari-World.com nie eine richtige Webseite für das Magazin geworden ist. Bei der neuen Mannschaft waren einige Autoren nicht mehr dabei - alleine das steigerte die Qualität enorm. Sogar Matthias Jaap kam aus seinem Quasi-Schmollwinkel zurück und setzte sich sogleich dafür ein, die alte Up-to-Date-Liste abzusägen. 1999 hatte die ST-Computer diese Liste wieder eingeführt. Der Zusammensteller dieser Liste hatte jedoch auch Mini-Utilities aufgenommen und dafür Versionsnummern eingetragen, die teilweise schon seit einem Jahr veraltet waren. Die Liste wurde aber auch immer länger - zu ihren "Hochzeiten" erreichte sie stolze drei Seiten. Da bei der ST-Computer auf Seitenbasis bezahlt wurde und eine Up-to-Date-Liste keinen großen Aufwand erfordert, war das schnell verdientes Geld. Die neue Up-to-Date-Liste war jedoch aus der gleichnamigen Webseite entnommen und sollte von Anfang an auf eine Seite reduziert bleiben und einen gesunden Querschnitt des Atari-Markts präsentieren.

Die Februar-Ausgabe fing standesgemäß mit einer Bestandsaufnahme an. Auf 18 Seiten erfasste Thomas Raukamp den gesamten Atari-Markt inklusive Emulatoren und Peripherie-Geräten.

Zerschlagen hatte sich die Hoffnung auf den Phenix 060. Nach der Fusion mit Class4 hatten sich die Programmierer von DOLMEN (Phenix-Betriebssystem) zu sehr in den Class4-Projekten engagiert. Als Folge wurden alle Centek-Aktivitäten eingestellt. Czuba behielt die Rechte am Namen. Als nächstes wurde von ihm das RioRed G4-Projekt angeschoben, auf dem unter anderem auch MiNT laufen sollte. Auch dieses Projekt scheiterte.

Beliebt war die Reihe "Internet zum Nulltarif". Ohne unnötige Längen erklärte Jan Daldrup, wie STinG aufgesetzt wird.

In der März-Ausgabe wurde ein Update einer bekannten Textverarbeitung angekündigt. Diesmal war es nicht papyrus, sondern Tempus Word. Leidgeprüfte Anwender wussten schon, das sie getrost ein paar Jahre auf das Auslieferungsdatum aufschlagen konnten. Lieferbar war dagegen N.AES2. Das neue System war nun endlich eine echte Konkurrenz für MagiC, von der miesen Dateiauswahl einmal abgesehen. Fast schon Konkurrenzlos war Luna: der neue Stern am Editor-Himmel mit eigenwilliger Oberfläche wirkte moderner als das angestaubte qed.

Wie groß die Euphorie für den Milan II war, zeigte sich auch bei Atari-fremden Firmen. Epic kündigte Umsetzungen seiner Spiele an. Die Atari-Firmen bauten mehr oder weniger stark auf den neuen Computer: M.u.C.S. brauchte eine Wiederbelebung des Geschäftes, das Running Design Team kündigte Running 2 an.

Für den Jaguar begann Carl Forhan damit, nicht fertiggestellte Jaguar-Spiele auszugraben. Offenbar ging vor lauter Freude darüber, sein Realitätssinn verloren: Testexemplare verschickte er nur an vierfarbige Magazine mit hoher Auflage - die aber nicht an Jaguar-Spielen interessiert waren. Die st-computer bekam ihre Testmuster von Wolf R. Groß.

Futter für GFA-Basic-Freunde gab es in Ausgabe 4: ergo!pro 3.0. Die Produkte von RUN! Software brachten allesamt mit ihrer seltsamen Orthografie Redakteure zur Verzweiflung und da die RUN!-Programmierer auch noch alle in Deutschland sind, merkten sie Verstöße gegen ihre Schreibweise schnell. Zu Recht erzürnt waren sie aber über einen Wettbewerb. Twilight wurde Freeware und der Verlagschef kündigte einen Programmierwettbewerb an. Nun galt Twilight aber alles andere als sauber und mit Bubbles (BUBBLES) gab und gibt es eine Freeware-Alternative, die weiterentwickelt wird. Aus dem Wettbewerb wurde nichts.

Wichtiger war vielen Atari-Usern wohl das Interview mit Goukassian. Dort wurden noch einmal die Pläne präzisiert. Diesmal sollte der Milan pünktlich zum Weihnachtsgeschäft in die Läden kommen.

Mit der Mai-Ausgabe wanderte der Schriftzug "st-computer" wieder nach oben. In der Redaktion wurde das alte Layout nicht so kritisch gesehen, aber teilweise wurde mehr über die Position des Schriftzugs diskutiert als über den Inhalt.

Die 05/2000 hätte die Überschrift "Der Prophet" bekommen können, denn Mikro Martens von Axro wirkt so, als würde er Sonntags früh auf NBC Predigten geben. Im Interview gab er dann die schon bekannten Aussagen wieder. Er sah sogar einen Nachfrageüberhang. Das eigentliche Highlight waren aber die Fotos, die sich prima zu einem Fotoroman kombinieren ließen.

Die Juni-Ausgabe brachte den Bericht über den Milan II beim WDR. Der Milan wurde in eine Sendung gequetscht, die eigentlich ein anderes Schwerpunkt-Thema hatte. Milan-Chef Goukassian redete fröhlich auf die beiden Computerclub-Moderatoren ein. Ebenfalls geredet wurde mit dem Higwire-Autor Robert Goldsmith. Bis Highwire benutzbar sein sollte, vergingen aber noch zwei Jahre.

Der schwarze Oktober: so wurde der Monat bezeichnet, in dem das Aus für das Milan II-Projekt verkündet wurde. Zwar wird postwendend ein Milan III mit Linux-Unterbau angekündigt, aber diese Pläne werden nie ernsthaft verfolgt. Als Folge muss M.u.C.S. schließen und auch andere Firmen sind maßlos enttäuscht. Enttäuscht war auch Ulrich Gössel, der sich mit Fredi Aschwanden unterhalten hat. Das Ergebnis: erste Ideen zur "Medusa Pegasus", einem Atari-kompatiblen Rechner auf Coldfire-Basis.

2001

Das Jahr 2001 begann mit "Atari 2001: Projekt Hoffnung". Drei Projekte waren es im wesentlichen, die der Atari-Welt Hoffnung gaben: Tempest, Centurbo 060 und Coldfire-Atari.

Begonnen wurde mit der CT60, einem 68060-Beschleuniger für den Falcon. Schon fertig zu diesem Zeitpunkt waren die CPX-Module. Ebenfalls laufen sollten Erweiterungen, die am Falcon-Bus Anschluss fanden wie die NOVA oder ScreenEye. Die Karte war für kurze Zeit auch für den TT geplant und als echter Kenner der Falcon-Hardware dürfte es für ihn kein Problem sein, eine Beschleunigerkarte zu konstruieren, wie es sie auf dem Amiga schon einige Male gab. Die CT60 wurde für Ende 2001 angekündigt.

Zwischen Czuba und dem Tempest-Vertrieb Cortex Designs gab es einen Kleinkrieg. Cortex plante eine direkte Konkurrenz für den Falcon, aber nicht mit einem 060, sondern mit einem PowerPC-Prozessor. Entwickler war eine kleine schwedische Firma, die auch die Eclipse, einen PCI-Adapter entwickelten. Die Eclipse erscheint mit großer Verspätung in kleinen Stückzahlen, die Tempest bleibt verschollen.

Von Nachrichten aus dem Hause Czuba bleibt auch der Coldfire-Atari nicht verschont. So ruft Czuba etwa extra bei Motorola an, um sich versichern zu lassen, dass der Coldfire nicht kompatibel zur 680x0-Architektur ist. Später schreibt er öffentlich über seine Coldfire-Fantasien mit einem schnellen DSP von Texas Instruments. Es werden nicht sonderlich viele Giftpfeile zurück geschossen und mittlerweile hat Czuba seinen Frieden mit dem Coldfire gemacht.

OpenGL auf dem Atari? Olaf Piesche wollte AtariMesa veröffentlichen. Daraus wurde jedoch nichts. Später gab es ein kurzes Lebenszeichen von Smurf, danach gab es keine Neuheiten mehr.

Die Februar-Ausgabe bringt eine Vorschau auf den DSP-Synthesizer ACE - sicherlich immer noch ein unterschätztes Programm. Immer mehr Software wird als Freeware freigegeben: Interface und Towers II waren es diesmal. Mit dem Tempest-Entwickler Sven Karlsson wurde ein Interview geführt und er war etwas schlauer: er verriet weder ein Erscheinungsdatum, noch verlangte er Geld für Vorbestellungen.

Ausschau hielt die st-computer nach Software, die noch nicht getestet wurde: zum Beispiel AHCX. Die Einleitung war ungewöhnlich: "Man nehme ein Fenster und einen Cursor, füge 250ml Dialogboxen hinzu und erhitze das ganze auf der einzigen je gebauten Atari-Kochplatte und man erhält AHCX - A Home Cooked teXteditor". Bald erhielt der Autor seine eigene Rubrik zum Austoben: das Ataquarium.

Die April-Ausgabe startete mit einem Editorial von 1991 - der Klassiker aus der STC-Geschichte: "Konrad-Duden antWORTET nicht". Selbstkritisch nahm sich die st-computer in die Liste der unmöglichen Wortschöpfungen auf.

Aus der Rubrik "Gut das es in der April-Ausgabe erschienen ist": der Paradise-Browser. Dieser Super-Browser mit Flash und allem was blinkt und teuer ist, war ganz ernsthaft für den Atari angekündigt - es war also kein Aprilscherz der Redaktion.

Sehr real war En Vogue, das erste Tool zur Erstellung von CSS-Dateien. Zwar unterstützt bis heute kein Atari-Browser CSS, aber dies wird mit Sicherheit noch passieren. Einen Erfolg konnte das Programm für sich verbuchen: es findet sich auf der Seite des W3C in der Liste der CSS-Programme wieder. Der W3C-Mitarbeiter fühlte sich bei der E-Mail gleich an seinen alten MegaST erinnert.

In der Mai-Ausgabe befand sich das erste Interview zum Coldfire-Atari. Damals war noch Ulrich Gössel für die Pressekontakte zuständig, mittlerweile kümmert er sich mehr um seinen Softwarevertrieb auf xtos.de.

Premiere feierte das Ataquarium, das vom Namen her an das Atarium angelehnt ist. Die ersten Ausgaben waren mehr schnelle Tipps für GFA-Basic, später veränderte sich die Rubrik.

Noch eine Premiere: humorvolle Programme. Dazu wurde tief in den Software-Archiven gewühlt und Programme ausgegraben, die beispielsweise den "sterreicher im Atari aufwecken.

Die Juni-Ausgabe: inzwischen wurde das Heft hauptsächlich von Thomas Raukamp und Matthias Jaap geschrieben. Letzterer machte den Vorschlag, doch einmal Backup-Programme zu testen. Antwort vom Chefredakteur: "Gut, wann bekomme ich den Artikel?"

Im gleichen Heft erscheint ein neues Gesicht im Atari-Markt. Oliver Kotschi war zwar schon einigen länger bekannt, aber mit der Übernahme der D?esse-Karte bringt er sich in das "Projekt Hoffnung" mit ein. Von Anfang an ist er Koordinator, macht seine Sache aber gut: später übernimmt er auch den Coldfire.

Für das Projekt Hoffnung bewarb sich auch Merlancia. Der Edelstahl-PowerPC-Rechner sollte auch TOS-fähig sein, Merlancia setzte 2000 Einheiten als magische Grenze fest - völlig illusorisch. Letztendlich entpuppte sich Merlancia als Luftnummer und die Ankündigungen als Hype. Der Amiga-Markt war solche Luftnummern gewöhnt und die Atari-Fans machten sich glücklicherweise nicht zuviel Hoffnungen.

Die st-computer-Seite startete neu. Bewarb die vorherige Version hauptsächlich das Magazin, war st-computer.net jetzt eine News-Seite und wurde schnell zur zuverlässigsten deutschsprachigen News-Quelle für den ST überhaupt. Später wurde noch die Up-to-Date-Liste in das Design integriert und Kooperationen beschlossen - die st-computer-Seite wird auch nach dem Ende des Print-Magazins weiterwachsen.

Das Ataquarium wurde spätestens mit der Ausgabe 09 zum Raum für abgedrehte Ideen des Autors. Mit einem fiktiven Dialog zwischen Mulder und Scully wurde auf einen GEM-GFA-Editor aufmerksam gemacht. Der Programmierer dieses Editors blieb die finale Version bis heute schuldig. Kleiner Tipp: es ist derjenige, den die st-computer immer suchte und schon im Ausland vermutete.

Ebenfalls abgedreht: der Ataquarium-Autor entdeckte die esoterischen Programmiersprachen und portierte sie in zwei Wellen auf den Atari. Selbst in der Amiga-Welt haben das einige gemerkt...

Informativ war der Artikel "Atari at the Movies": wer nur den Portfolio aus Terminator II kannte, erfuhr, das Atari noch in vielen Filmen präsent war.

In der Oktober-Ausgabe wurde MagiC 6.2 erklärt, aber das Update verursacht einige Probleme - viele Downgraden wieder. Matthias Jaap testete Eureka. Fazit: "Ein leistungsfähiges Programm mit einer Oberfläche, die Wes Craven spontan verfilmen könnte und die gruseliger und billiger ist als "Blair Witch Projekt".". Thomas Raukamp erfuhr hingegen mehr über seinen Geburtstag mit Chrysalis von PPP-Software. Nach fast 14 Jahren Pause wurde eine neue Version von CPX-Basic veröffentlicht - zum Glück hielt sich die Zahl der Wartenden in Grenzen.

Die November-Ausgabe wurde esoterisch mit einem Hypnose-Programm und etlichen Eso-Sprachen. Ernsthafter wurde es mit dem Leonard Tramiel-Interview und die st-computer packte passend dazu eines seiner Programme auf die Leserdiskette. Painium Disaster bewies, warum es seinen Namen zu recht trug - ein unmöglich schweres Ballerspiel. Freakig war dagegen das tragbare VCS - der Entwickler bastelt immer noch an neuen Varianten. Unmöglich: Redakteur Matthias Jaap experimentierte mit NatFrame und benutzte auf Screenshots einen AmigaOS 1.0-Skin.

Zum Jahresabschluss gab es ein Interview mit RGF-Software über die TOSgroup, einem Standardisierungsforum für die TOS-Welt. Als es wirklich Ernst wurde, schlief die Diskussion schnell ein, aber es mangelte auch an Neuentwicklungen, die die Vorschläge berücksichtigen könnten.

Aufatmen bei allen PDF-Fans: Porthos erscheint. Porthos ist eine schnellere und einfachere Alternative zu Ghostscript.

2002

Die st-computer-Redaktion hatte zunehmend Schwierigkeiten, genügend Programme zum Test zu finden. Ein großer Teil der Recherche wurde für die Suche geopfert, es war für Programmierer also relativ einfach, in der st-computer getestet zu werden. Nur so wurden auch Programme wie "AVR Rulez!" getestet.

Gleich in der ersten Ausgabe: der Bericht über den Atari-Parkt in Köln. Der Atari-Park fand auf einer kleinen Fläche statt, hatte aber trotzdem mehr Flair als die Atari-Fachmesse in Hannover. Neuheiten gab es nicht viele: Elmar Hilgert arbeitete an einem neuen Ethernet-Adapter. Jens Heitmann schaute kurz vorbei, eine Alpha-Version von Adamas 2.0 wurde auf dem PC von Matthias Jaap gezeigt. Patrick Eickhoff zeigte FunMedia, das zu einem vollständigen Videoschnittprogramm gewachsen ist.

Im Heft wurde Chu Chu Rocket, die Umsetzung des Dreamcast-Spiels, getestet. "CCR" wurde dank ST-Emulator auch von reinen PC-Usern gespielt.

In der Februar-Ausgabe wurde ein Interview mit Rafal Kawecki abgedruckt, der an Tales of Tamar und MyPDF arbeitete. Für beide Projekte gab es nicht genügend Feedback, so das eine Weiterentwicklung wohl ausgeschlossen werden kann.

Die 03/02 stellt das Atari-Orchester von Jeremy Clarke vor. Für die Software-Adoption wirbt ein weiterer Artikel. Zwar hat Joakim Högberg schon einige Programme für seine TOPP-Seite bekommen können, bisher wurden aber nicht viele davon weiterentwickelt.

Die April-Ausgabe brachte einen weiteren Coldfire-Artikel. Das Developer-Meeting wurde im Vorfeld dadurch gestört, das von einer Person als Name AtlanTOS festgelegt wurde - tatsächlich steht der Name noch nicht fest. Die kreativen Namensvorschläge wurden aber festgehalten und fotografiert. Mit in Dresden war auch der stc-Chefredakteur und Fredi Aschwanden.

Dumm gelaufen: ein Programmierer machte einen Release seines Programms vom Testurteil der st-computer abhängig. Von dem Verschlüsselungsprogramm RNE waren wir aber nicht so begeistert.

Im Mai stellte sich dann das Team Coldfire vor. Oliver Kotschi hatte die Koordinierung übernommen und löste damit Ulrich Gössel ab.

Vom zweiten Entwicklertreffen in der Wohnung von Oliver Kotschi gibt es sogar ein Video. Inzwischen konnte Fredi Aschwanden nicht mehr aktiv an der Weiterentwicklung mitarbeiten. Dafür stieß der geheimnisvolle (und sehr schüchterne) jk28 zum Team. Dieser lötete auch die erste Coldfire-Platine, die auf der Error-in-Line in Dresden gezeigt wurde.

Zum Jahresende nahmen die positiven Meldungen wieder zu. ARAnyM wurde immer ausgereifter, nur die Phobie der Entwickler, ihr Programm "Emulator" zu nennen, wirkt etwas eigenartig. Ein Bestandteil des Projekt, das Open Source-TOS EmuTOS, wurde in einem Interview genauer beleuchtet. Back to the Roots ging es für Matthias Jaap: XXL von Oxo Software wurde noch nie getestet.

Nach all den Jahren gibt es endlich Ersatz für ST-Guide: Hypview. Damit wurde auch die Diskussion nach einem neuen Hilfeformat gestoppt.

In der September-Ausgabe wurde spareTIME getestet. spareTIME wurde einer gründlichen Überarbeitung unterzogen und weil der neue Programmautor Matthias Jaap noch etwas Zeit hatte, legte er mit spareCALC einen Taschenrechner-Emulator mit dazu, der einen APF Mark 42 nachahmte. Es war der einzige Artikel von Jerry Dean, einem in Berlin lebenden Franko-Kanadier, der mittlerweile täglich in Washington vor dem White House demonstriert.

Musik-Highlight des Jahres war natürlich ACE Midi. Mittlerweile gibt es auch den ACE-Tracker, der von einigen auf der Error in Line benutzt wurde.

Gegen Ende des Jahres bringt die st-computer zwei Specials: eines für die VCS-Konsolen und eines für die Atari 8-Bit-Computer. Beide Themen beeinflussen auch die Programmierecke.

2003

Es erscheint vielleicht in der Zusammenfassung so, als ob sich die Themen der st-computer-Redaktion fast aufgedrängt hätten, aber auch 2003 versuchen hauptsächlich zwei Redakteure genug Themen für ein Heft zu sammeln. Bei einem Heft, das ins 17. Jahr ging waren Wiederholungen unvermeidbar und so blickte die st-computer in die Vergangenheit, ohne allerdings alte Artikel nochmal abzudrucken.

Das Editorial wurde bewusst provokant gewählt. Die CT60 war zu diesem Zeitpunkt fast drei Jahre in der Entwicklung und immer wieder gab es Meldungen, das sich die Karte nicht mit dem Falcon vertrug. Auf das Editorial gab es durchaus Kritik, aber auch Zustimmung. Die Benchmark-Zahlen, die Czuba ab und zu im Usenet veröffentlicht, werden immer noch hochgelobt. Unter den alten Programmen, die neu getestet wurden, war HiSoft Basic, während der Chefredakteur persönlich sich StartMeUp! vornahm.

In der Februar-Ausgabe konnte sich der Chefredakteur persönlich austoben. 3p entpuppten sich als große st-computer-Fans und da Thomas wiederum ein 3p-Fan ist, wurde rasch ein Interview organisiert. Rede und Antwort stand der Cellist von Glashaus Rede und Antwort. Innerlich immer noch "Wenn das MIDI ist, warum bringt es mich um den Schlaf?" summend wurde auch der ganze Rest der Ausgabe zum Musik-Special.

Die 03/03 bot wieder einige neue Programme: gBubble ist eine Multitasking-freundliche Version von BubbleGEM. Die beiden Programme des GEM-Candy-Wettbewerb, TicTacToe und Santa Run, zeigen bunte Spiele im GEM-Fenster. ResourceMaster 3.5CE bietet einen schickeren Icon-Editor. DSL ist fortan mit dem Atari kein Problem mehr - dank TKRs neuem DSL-Modem. Zum Abschluss gibt es noch eine Vorschau auf STemulator 2.0, dem Nachfolger mit 040-Emulation.

Mit einem frischen Design kommt die Ausgabe 04. Vom Einstieg fühlten sich aber einige auf den Schlips getreten - dabei wird auf der Einstiegsseite niemand beleidigt, sondern es kommt erstmals ein Atari-Fan auf Seite 3 zu Wort.

Die größte Neuheit im Test war die ATI Rage für den Milan. Dank der moderneren Grafikkarte bekommt der Atari-Clone einen Geschwindigkeitsschub.

Heft 5 ist noch nicht lange her, aber gab einen ersten Blick auf das Coldfire-Board, das bereits sehr gut aussah. Ob bei der nächsten Error-in-Line dann ein Coldfire-Wettbewerb ausgetragen wird, wird sich noch zeigen. Schön wäre es auf alle Fälle. Überfällig ist Tempus Word 4, die Bezeichnung "so gut wie fertig" wurde oft genannt. Brandneu und schon in Dresden im Einsatz: der ACE Tracker. Ein möglicher neuer Atari: der Pegasos.

Fazit

Das waren 17 Jahre Geschichte der st-computer. Einiges kam leider zu kurz und es wäre sicherlich möglich, mit all den Anekdoten und Programmen ein ganzes Buch zu füllen. Ist dies das Ende der st-computer? Zunächst ja, aber der Name Atari hat sich als hartnäckig erwiesen. Möglich ist alles und das Coldfire-Projekt ist nicht von der st-computer abhängig.

Abschließend sei noch auf das stc-Archiv hingewiesen, das von 1986 bis 2004 die Artikel der st-computer und anderer Magazine archiviert.

Sylvie und der Maulwurf

Zwei ganz besondere Rubriken. Sylvies Tratschecke war einen humorvollen Blick auf die Atari-Welt und meistens lieferte Atari selber die besten Pointen. So würde heute wohl kein Computerhersteller mehr auf die Idee kommen, von Computer-Transporten so zu sprechen, als wären es Bananen-Frachter. Am Schluss jedes Artikels folgte Sylvies Kussmund. Jahre später hat der Falke Verlag versucht, eine ähnliche Rubrik einzuführen - was der Original-Sylvie gar nicht gefallen hat.

Der Maulwurf war die Gerüchte Ecke. Es wurde nicht aus der Sicht des Maulwurfs, sondern einer zweiten Person geschrieben, die vom Maulwurf ab und zu kontaktiert wird. 1993 hatte der Maulwurf Material zum Jaguar ausgegraben:

"Hi, hier spricht der Maulwurf. Die englische Tarnung ist fast perfekt, isn't it? Ich habe interessante Neuigkeiten über den Jaguar, die neue Spielekonsole ATARIS. Treffpunkt heute 22.00 Uhr, Schwalbach, Altes Rathaus, links neben dem Brunnen." 22.00 Uhr, viele nervige Stunden später stand ich ihm gegenüber. Als Arzneimittelvertreter getarnt mit großem Probekoffer saß er in einer Ecke, als wollte er einen Moment verschnaufen. "Vorsicht!" rannte er als ich ungeduldig nach seinem Probekoffer griff, "das ist wirklich hochbrisantes Material. Es könnte einigen Staub aufwirbeln, wenn es in die falschen Hände gerät!". Wie immer versicherte ich ihm meine Diskretion durchzustecken eines Stücks bunt bedruckten Papiers. Eine Sekunde später schnappte das Schloß des Koffers hörbar und mit zittrigen Fingern und sich immer wieder nervös umblickend krante er einige sichtbar hastig kopierte Blätter hervor. "Ein Foto des Gehäuses, sämtliche technische Daten und sogar ein Blockschaltbild habe ich ausgegraben", hörte ich seine knarrende Stimme, begleitet von einem verschmutzen Grinsen sagen.

Redaktionskonferenzen

Die st-computer-Redaktion traf sich 2000-2001 ab und zu im IRC, um die zukünftige Richtung zu bestimmen:

bkx: Mat: wie sieht es mit dem Aprilscherz aus?
Matthias - bkx: Ist die STC nicht einer ;-)
cousteau - Weiss jemand, was aus Holger geworden ist? Der hat sich ja ewig nicht gemeldet. Ausgewandert?
JF: Als Aprilscherz könnte die STC ausnahmsweise pünktlich erscheinen ;-)
bkx - mat: Sehr witzig. Mal im Ernst, Du wolltest doch einen Fake-Browser schreiben...
Manchmal zog die Meute noch weiter in #atari.de, das Thema "Wo ist Holger (Herzog)?" wurde zum Running-Gag.

Aus der Leserbrief-Ecke

Ich bin ein Computer-Neuling und weiß noch nicht viel über Computer. Seit ein paar Wochen besitze ich einen ATARI STF. Ich erfuhr das man ein zweites ATARI-Diskettenlaufwerk anschließen kann. Nun wollte ich Sie fragen ob man auch ein Amiga-Commodore Disketten-Laufwerk an einen ATARI STF anschließen kann, so daß man Amiga Software auf den ATARI STF spielen kann. Wenn ja, ist es egal welches Laufwerk man kauft oder braucht es besondere Technische Daten?

Red.: Technisch gesehen ist es kein großes Problem Amiga-Laufwerke an den ATARI anzuschließen. Dazu braucht man lediglich einen entsprechenden Adapter und ein externes Netzteil für das Laufwerk (da der Amiga seine Diskettenlaufwerke selbst mit Spannung versorgt). Natürlich laufen Amiga-Programme dann nicht auf dem ST. Dies hängt nicht vom Diskettenlaufwerk, sondern vom Computersystem ab. Das Laufwerk wird lediglich wie eine normale ST-Floppy benutzt.

MegaST - schon seit 1980?

Systemname: Atari Mega
Standort: G215 Platz A3
[...]
Das System wird unter Atari TOS 1.4 mit GEM betrieben (alternativ OS-9,Minix,MSDOS)
[...]
Besonderheiten: Graphik-Beschleunigung durch Blitter. Das System bietet alternativ vier Betriebssysteme an. Es handelt sich um eine - hoffentlich beeindruckende - Museumsanlage aus dem Jahr 1980, geeigent (Sic!) für Motorola-Freaks oder Gegner monopolistischer Systeme.
(http://www.fh-augsburg.de/informatik/labore/pr/mega.html)


Matthias Jaap


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