MagiCMac X - MagiC auf dem Macintosh

MagiC auf dem Macintosh - dies ist schon lange eine kerngesunde Kombination nicht nur für Apfel-Freunde. Mit MagiCMac X schickt sich ASH an, nun auch den OS-Primus Mac OS X um die professionellste aller Atari-Emulationen zu erweitern. Wir wagten den Biss in den Apfel.

Atari unter Mac OS X

Kaum ein Emulator hat die Atari-Welt so nachhaltig verändert wie MagiCMac in den 90er Jahren. Nach Ataris Rückzug aus dem Computermarkt erschien vielen enttäuschten Atari-Fans der Mac als alternative und vor allem weiterentwickelte Plattform für die geliebte Software wie geschaffen. Apple selbst unterstützte das Überlaufen der damaligen, nicht gerade als kleine zu bezeichnenden Anwenderschaft, indem das Unternehmen Anzeigen zusammen mit dem MagiC-Vertrieb Application Systems Heidelberg in Atari-Zeitschriften startete und ASH sogar mit auf den CeBit-Stand ließ. Nachdem MagiCMac jahrelang einer der Bestseller bei ASH war und sich der Macintosh tatsächlich als Alternative Nummer 1 bei vielen Ex-Ataristi durchsetzen konnte, haben Atari-Emulationen für den PC - und nicht zuletzt das hauseigene Magie PC - den „Atari im Mac“ mittlerweile in Verkaufszahlen überrundet. Trotzdem ziehen viele MagiC-Anwender den Mac als Hostsystem immer noch vor, was sicherlich mit einer lang gehegten Zurückhaltung gegenüber Intel und Microsoft sowie einer damit einhergehenden Favorisierung zuerst der 68k- und nunmehr der PowerPC-Plattform eine Menge zu tun hat. Besonders im Design-Bereich schwören Calamus-Fans auf den Mac, der in diesem Markt einen guten Stand hat.

Mit dem Erscheinen des aktuellen Apple-Betriebssystems Mac OS X waren zumindest professionelle MagiC-Anwender vor die Wahl gestellt: Entweder den „Atari" zumindest vorerst verlassen oder weiter unter Mac OS 9 arbeiten - die Atari-Emulation lief nämlich weder unter Mac OS X noch im Classic-Modus des neuen Betriebssystems. Wie so oft in der Geschichte von Atari-Plattformen hieß es also wieder einmal warten. Lange Zeit zweifelten viele MagiC-Fans zunehmend an der Umsetzung ihrer Betriebsumgebung auf das aktuelle Apple-OS, bis dann durch das Drängen des Calamus-Entwicklerhauses invers Software endlich eine erste Demoversion im Internet auftauchte. Mittlerweile verkauft Application Systems sogar eine Version i.o, sodass es höchste Zeit ist, einen tieferen Blick auf die bisher beste Atari-Emulation zu werfen.

Vorüberlegungen

Der Grund für die schnelle Emulationsgeschwindigkeit von MagiCMac war in den frühen 90er Jahren sicherlich darin zu finden, dass Apple ebenso wie Atari auf die 68k-CPU-Reihe setzte, weshalb von dem Programm nur minimale Emulationsarbeiten geleistet werden mussten. Als Apple Mitte der 90er den Umstieg auf den PowerPC wagte, sorgte das Unternehmen mit einer im Mac OS integrierten 68020-Emulation dafür, dass alte Programme nicht im Regen standen, und so dauerte es nicht lange, bis MagiC auch auf dem Power Macintosh perfekt seinen Dienst tat - bis heute unter dem klassischen Mac OS ohne Probleme bis hoch zum aktuellsten Ghz-Rechner.

Mac OS X veränderte die Situation. Apple schnitt verständlicherweise alte Zöpfe ab und integrierte in sein Hightech-Betriebssystem keine 68k-Emulation mehr. Damit waren auch die Zeiten der einfachen Portierung von MagiCMac endgültig vorbei, und Chefentwickler Andreas Kromke musste die Atari-Emulation völlig neu und von Grund auf stricken. Herausgekommen ist MagiCMac X, und „unter der Haube" hat sich eine ganze Menge verändert.

Integration

Damit MagiC unter Mac OS X läuft, musste eine neue 68k-Emulation her. MagiCMac X emuliert wie schon das klassische MagiCMac eine 68020-CPU ohne FPU. Zurückgegriffen wurde dabei auf das Quellmaterial des Multi-Emulators M.A.M.E. Aus Geschwindigkeitsgründen ist die 68k-Emulation komplett in PPC-Assembler geschrieben. Damit die vorhandenen Prozessorleistung zusätzlich optimal ausgenutzt wird, benutzt der emulierte 68020-"Atari" einen eigenen Thread. Somit gibt es auch unter Mehrprozessor-Systemen zusätzlich Dampf.

MagiCMac X nutzt die Carbon-Bibliothek des Mac OS X. Theoretisch erlaubt diese auch die Lauffähigkeit unter dem klassischen Mac OS, dies ist aber bei MagiCMac X nicht der Fall. Mac-Fans werden nun mahnend bemerken, dass MagiCMac X als native Cocoa-Applikation womöglich schneller laufen würde, was bei einer Emulation jedoch recht unerheblich ist. Carbon ist grundsätzlich nicht langsamer als Cocoa, sondern stellt einfach nicht so viele Funktionen zur Verfügung. Damit MagiCMac X schneller unter Mac OS X laufen könnte, müsste also nicht Cocoa genutzt werden, vielmehr müsste es native NVDI-Treiber geben, die VDI-Aufrufe direkt an das Apple-Oberflächenssystem Quartz weitereichen. Da NVDI zumindest derzeit nicht weiterentwickelt wird, ist damit allerdings mittelfristig nicht zu rechnen.

MagiCMac X setzt übrigens mindestens ein Mac OS X in der Version 10.1.2 voraus. Ambitionierte Anwender setzen aber mittlerweile sowieso auf die Jaguar-Version des Betriebssystems.

MagiCMac X verwendet eine heuristische Methode zur Aktualisierung des doppelten Bildpuffers von OS X. Falls diese einmal versagt, muss der Atari-Bildschirm manuell neu aufgebaut werden. Bei 256 Farben wird der Hintergrundpuffer nicht verwendet.

Das Problem NVDI

An dieser Stelle können wir daher eine Einschränkung bereits vorweg nehmen: NVDI 5 ist unter MagiCMac X nur teilweise nutzbar: Die Druckfunktionen funktionieren zum großen Teil, der Bildschirmaufbau wird allerdings nicht beschleunigt, da einfach keine passenden Bildschirmtreiber vorhanden sind - diese griffen direkt auf QuickDraw-Funktionen des klassischen Mac OS zurück, die in Mac OS X nicht mehr existieren. Wer NVDI 5 nutzen will, muss als die entsprechenden Bildschirmtreiber (nvdidrvh.sys, nvdidrvi.sys etc. löschen. Laut Angaben der Entwickler könnte es jedoch sein, dass die Bildschirmtreiber der NVDI-4-Version funktionieren - aus Mangel an dieser alten Version konnten wir diese Aussage allerdings keinem Test unterziehen.

Der MACPRN-Druckertreiber von NVDI funktioniert ebenfalls nicht. Das heißt konkret, dass nur noch mit denjenigen Druckern ausgedruckt werden kann, für die Atari-Treiber existieren. Dies minimiert die Auswahl an Druckern aber praktisch auf Null, da serielle und parallele Drucker unter Mac OS X nicht unterstützt werden und heutige Macs sowieso nur einen Drucker-Anschluss über die USB-Schnittstelle zulassen. Calamus-Anwender können dagegen aufatmen: invers Software liefert einen Calamus-Druckertreiber namens „MacXPrint", der das Drucken unter dem aktuellen Apple-Betriebssystem möglich macht.

Alle anderen MagiC-Anwender schauen aber bisher in die Röhre - ein dickes Manko für die Neuauflage des Emulators. Es steht zu hoffen, dass ein NVDI-Druckertrei-ber entsteht, der das Drucken allen MagiCMac X-Anwendern ermöglicht.

Zur Darstellung von skalierbaren Schriftsätzen ist die Installation von NVDI jedoch trotzdem zu empfehlen. Diese Funktion des schnellen Treibersystems funktioniert auch unter MagiCMac X problemlos.

Und noch einmal: Drucken

Ganz unmöglich ist das Drucken aus MagiCMac X unter Mac OS X jedoch nicht. So gelingt dieses Unterfangen, wenn der Macintosh die Möglichkeit hat, Rohdaten an einen Drucker zu liefern. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Mac im Netzwerk hängt und so auf einen Netzwerk-Drucker Zugriff hat. Lokale Drucker können aber wie gesagt nicht angesprochen werden.

Die parallele Schnittstelle eines Atari wird von MagiCMac X ebenfalls emuliert. Die Daten, die ein Atari-Programm an diese „Schnittstelle" sendet, werden in einem Queue zwischengelagert. Wenn es gelingt, so eine Datei direkt an den Drucker zu schicken, geht prinzipiell das Drucken aus Atari-Programmen.

Voreinstellungen

Nach soviel Für und Wider sowie technischen Informationen ist es Zeit, MagiCMac X einmal in der Praxis unter die Lupe zu nehmen. Dazu müssen wir uns nach dem Programmstart zunächst etwas mit den Voreinstellungen befassen. Hier wird ein echtes Manko der Carbon-Umgebung deutlich: Der Einstellungsdialog ist modal und somit nicht frei auf dem Bildschirm platzierbar - so etwas gibt es also auch im „goldenen OS X-Zeitalter" noch - herzlichen Glückwunsch! Wäre Carbon nativ genutzt worden, wäre diese Übung bestimmt schneller und schicker von der Hand gegangen.

Sei's drum: Zwischen den einzelnen Einstellungspunkten bewegt sich der Anwender zumindest per Karteireitern. Die aufeinander folgenden Fenster des klassischen MagiCMac gehören also endlich der Vergangenheit an.

Die Speichereinstellungen wurden erheblich vereinfacht, so dass nun nur ein einzelner Wert eingestellt werden muss. Dies hat seinen Grund darin, dass der Atari-Adressraum nun in jedem Fall zusammenhängend als ST-RAM behandelt wird, TT-RAM wird also nicht unterstützt, was auch nicht mehr nötig erscheint.

MagiCMac X bootet derzeit nur noch von Laufwerk C:, wobei das Startlaufwerk derzeit nicht veränderbar und voreingestellt ist. Wollen Sie also eventuell ein vorhandenes Startlaufwerk Ihrer klassischen MagiCMac-Konfigura-tion nutzen, müssen Sie das voreingestellte Startverzeichnis zum Beispiel in „MAGIC_C Standard" umbenennen und das gewünschte virtuelle Startlaufwerk in das Verzeichnis von MagiCMac X kopieren - fürwahr eine etwas umständliche Methode, die hoffentlich noch verbessert wird. Weitere Laufwerke müssen aber nicht unbedingt verschoben werden, da diese frei zuzuordnen sind. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, zu erwähnen, dass der direkte Zugriff auf Festplatten oder Disketten unter Verwendung des VFAT-Systems von Magie nicht mehr möglich ist.

Eine theoretische Möglichkeit wäre die Verwendung von Laufwerks-Containern, wie dies unter MagiC PC möglich ist. Diese Variante wird jedoch von MagiCMac X zurzeit noch nicht geboten.

Fest vergeben ist das Laufwerk M:, das unter MagiC das gesamte Dateisystem des Host-Mac zur Verfügung stellt. Auf diesem Weg kann also auch auf Laufwerke innerhalb von lokalen Netzwerken zurückgegriffen werden. Mac OS X-Dateisysteme werden jedoch immer rückwärts geordnet, bisher gibt es keine Einstellungsmöglichkeiten für die Sortierung.

Im Gegensatz zu früheren Versionen läuft MagiCMac X nun auch in einem in der Größe definierbaren Mac-Fenster. Dabei wird streng genommen nur der Fensterrahmen gezeichnet, der „Atari" macht seinen Ausgaben nach wie vor direkt auf dem Macintosh-Bild-schirm. Der Vorteil dieses „Pseudo-Fensters" ist eine höhere Ausgabegeschwindigkeit auch im Fenster-Modus. In der Praxis kommt es allerdings zu Fehlern im Redraw des MagiC-Fensters, wenn andere Programme im Multitasking Ausgaben über der Emulation machen.

Bild oben: Der Atari-Bildschirm kann nun innerhalb eines Mac-Fensters liegen.
Bild unten: Power Mac G4/400

Bisher gibt es noch keinen Kompatibilitätsmodus für originale Atari-Grafikauflösungen, wie dies unter dem klassischen MagiCMac noch der Fall war. MagiCMac X kann nur mit den Auflösungen arbeiten, die Mac OS X unterstützt und die aktuell unter diesem Betriebssystem eingestellt sind. Programme, die also zwingend zum Beispiel den Modus ST-High voraussetzen, haben unter MagiCMac derzeit keine Chance zu laufen - allerdings kommen viele dieser Uralt-Applikatio-nen sowieso nicht mit MagiC klar...

[Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass der Macintosh im Gespann mit MagiCMac auch weiterhin der bisher wohl schönste Atari-Ersatz ist.]

Im Gegensatz zum klassischen MagiCMac kann unter MagiCMac X übrigens die Menüleiste des Mac OS X auch im Vollbild-Modus eingeschaltet bleiben, um diese ständig verfügbar zu halten. In unserem Test war sie allerdings nach einigen Starts nicht mehr erreichbar, da wir mit dem Mauszeiger nicht über den Atari-Bildschirm hinauskamen. Hier sollte also nachgearbeitet werden.

Nachdem alle Voreinstellungen zur Zufriedenheit eingestellt sind, kann die MagiC-Umgebung endlich zum ersten Mal unter Mac OS X gestartet werden. Dabei fällt auf, dass MagiC inklusive seinem Desktop rasend schnell hochfährt - wieder einmal beweist sich, wie schnell ein Betriebssystem booten kann. Auf einem Power Macintosh Gzj mit zjoo MHz dauerte dieser Prozess kaum eine Sekunde.

Der erste Arbeitseindruck ist recht positiv - vor allen dann, wenn man vorher nur mit der etwas deprimierenden Demoversion herumgespielt hat. MagiCMac X ist seit der ersten Demo wesentlich schneller geworden, und auch auf dem erwähnten „kleinen" Power Mac geht die Arbeit recht flüssig voran. Nach wie vor fällt jedoch auch auf den ersten Blick auf, dass MagiC unter OS X um einiges langsamer läuft als unter dem klassischen Mac OS. Dies liegt natürlich in erster Linie an der verwendeten Emulation. Verwendet wird nun nämlich ein interpretierender 68k-Emulator. Beim 68020-Emulator des klassischen Mac OS handelt es sich dagegen um einen kompilierenden Emulator. Richtig in Fahrt kommt MagiCMac X daher erst auf einem heutigen Power Macintosh oder iMac, wenn diese mit knapp 1 GHz laufen und eine modernere Grafiklogik haben.

Da wir schon ein nahezu perfekt eingerichtetes MagiC-Environment unter dem klassischen MagiCMac eingerichtet hatten, wollten wir dies natürlich weiter verwenden. Nach dem Kopieren des alten Startlaufwerks und dem Umbenennen des mitgelieferten virtuellen Laufwerks gelang der Start auch problemlos, sodass eigentlich ohne Probleme mit der vollen „Ausrüstung" auch unter Mac OS X gearbeitet werden konnte.

Kompatibilität und Sicherheit.

Die wichtigsten Punkte bei der Auswahl einer Emulation sind ohne Zweifel die der Betriebssicherheit und Kompatibilität. Besonders die Arbeitssicherheit hat unter Mac OS 9 zuletzt doch arg gelitten. So verzeichneten wir unter Mac OS 9.2 zum Teil völlig willkürliche Systemabstürze, während unter Mac OS 9.0 praktisch noch alles in Ordnung schien und keine Veränderungen an der Konfiguration vorgenommen wurden. Unter Mac OS X läuft das System nun wieder weitaus sicherer, zu Abstürzen kam es in umserem Test praktisch gar nicht, sodass auch endlich wieder professionelle Anwender sicher unter MagiC arbeiten können. Komplette Rechnerabstürze sollten durch den neuen Ansatz von MagiCMac X gänzlich der Vergangenheit angehören, da es laut den Entwicklern für ein Atari-Programm unmöglich ist, dem Host-Betriebssystem irgendeinen Schaden zuzufügen. In der Praxis erweist sich, dass amoklaufende Atari-Programme ebenfalls so gut wie nie das MagiC-Environment zum Einsturz zu bringen. Sollte es doch einmal zu einem Absturz kommen, ist das Zeitalter der Bombenwürfe (zumindest auf dem Atari) endlich beendet: MagiCMac X liefert einen Macintosh-Dialog, der eine genaue Fehlerbeschreibung liefert.

ST-Emulation für lau: NoSTalgia

Wer eine einfache Atari ST-Emulation auf dem Macintosh benötigt, muss nicht unbedingt viel Geld ausgeben. Für umsonst gibt es nämlich den ST-Emulator Nostalgia, der im Gegensatz zu MagiCMac und MagiC-MaC X nicht die 68020-, sondern die reinen 6800o-CPU emuliert und daher natürlich ein hohes maß an Kompatibilität besonders zu den klassischen ST-Spielen wahrt - diese fallen bei MagiC in den allermeisten Fällen durch.

NoSTalgia gibt es in Versionen für das klassische Mac OS sowie Mac OS X, wobei aktuelle Versionen scheinbar nur noch für das neue Apple-Betriebssystem erscheinen. emuliert werden die klassischen ST-Auflösungen ST-HlGH, ST-Medium sowie ST-Low. Zusätzlich kann die Auflösung 640 x 400 in 16 Farben dargestellt werden. auch der Soundchip YM21z9 wird simuliert - unentbehrlich für Spiele. Noch nicht voll unterstützt wird der Blitter.

Bei der Auswahl der unterstützten Betriebssysteme zeigt sich NoSTalgia sehr verträglich: Lauffähig sind alle TOS-Versionen bis hin zum TOS 2.06. Aber auch die Multitasking-Systeme MagiC 6, N.AES und Geneva konnten ebenso erfolgreich getestet werden wie der freie TOS-Ersatz EmuTOS.

NoSTalgia ist die richtige Wahl für Fans der klassischen ST-Spiele. Im professionellen Bereich kann sich der emulator natürlich nicht mit MagiC Mac X messen, versucht dies auch gar nicht erst. STC

http://users.skynet.be/sky39147/

Bei der Auswahl der der Eingabehardware zeigt sich MagiCMac X wesentlich kompatibler als sein Vorgänger. Dies hat seinen Grund darin, dass das neue Programm ausschließlich auf Highlevel-Schnittstellen zum Hostsystem benutzt. So sollte es zum Beispiel mit Apple-fremden Tastaturen und Mäusen auch unter MagiC keinerlei Probleme mehr geben. Hinzu kommt, dass MagiCMac X nun theoretisch jede Mehrtasten-Maus auch von der Atari-Seite her nutzbar macht.

Ein dickes Manko ist bisher die fehlende Möglichkeit, die Bildschirmauflösung oder die Farbtiefe während des Betriebs umzuschalten. Der Anwender muss daher grundsätzlich die Auflösung nutzen. die das Mac OS X vorgibt. Wer trotzdem einen Auflösungswechsel probiert, wird mit einem Totalabsturz belohnt.

Programme unter MagiCMac X

Mit den gängigen, sauber programmierten Atari-Programmen stellten wir unter MagiCMac X keine wesentlichen Probleme in der Lauffähigkeit fest. Keines der Standard-Applikationen gibt sich hier eine Blöße. Eine Liste der verwendeten Programme finden Sie in unserer Extra-Box.

Positiv fällt auf, dass sogar Programme, die unter dem klassischen MagiCMac Probleme machten, nun anstandslos laufen. Die gefürchtete 680000-Exception scheint der Vergangenheit anzugehören. MagiCMac X scheint also tatsächlich weitaus kompatibler zu sein als sein Vorgänger.

Haken tun bisher vor allem Programme, die direkt auf den Prozessor zugreifen. Dazu gehören dummerweise Benchmark-Programme. zBench zum Beispiel legt das gesamte System beim CPU-Test lahm, sodass doch nur noch ein Neustart hilft. GEMBench bleibt verständlicherweise beim FPU-Test stehen, der allerdings abzubrechen ist. Das Ergebnis finden Sie im entsprechenden Screenshot.

Gänzlich durchfallen müssen hingegen bisher alle Internet-Programme. Weder I-Connect. noch STinG oder Draconis waren zur Zusammenarbeit mit MagiCMac X zu überreden. Anscheinend fehlen ein paar Cookies, die hier absolut notwendig wären. So gilt für Surfer wie schon unter Mac OS 9.2: Unter MagiCMac läuft Internet-technisch derzeit leider gar nichts...

Grundsätzlich nicht mehr kompatibel sind Atari-Programme, die auf die Mac OS-Seite zugreifen. Der Grund dafür liegt aber nicht an der Emulation, vielmehr bietet die Carbon-Umgebung keine 68k-Seite mehr. Programmierer können aber unter Nutzung der Shared Libraries direkt auf Funktionen des Mac OS X zugreifen.

Derzeit scheinen aus dem oben genannten Grund auch keine Soundausgaben mehr möglich zu sein, da auch hier entsprechende Funktionen des Mac OS X genutzt werden müssten.

Fazit

Lange genug mussten Mac-Besitzer und Atari-Fans auf MagiC für Mac OS X warten. Das Warten hat sich gelohnt: MagiCMac besticht schon in der Version 1.0 durch hohe Kompatibilität und Betriebssicherheit. Einzig die verminderte Geschwindigkeit und einige kleinere Ungereimtheiten trüben noch das Gesamtbild. Die Zeiten, in denen schon ein relativ simpler Mac für Höchstgeschwindigkeiten unter MagiC sorgte, sind also endgültig vorbei. Ein C4 mit mindestens 400 MHz sollte schon da sein.

MagiCMac X wird zum Preis von EUR 180.— verkauft, es hat also im Vergleich zur Classic-Version eine Preiserhöhung um 30 Euro stattgefunden - ob dies angemessen ist, muss jeder Anwender selbst entscheiden.

Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass der Macintosh im Gespann mit MagiCMac auch weiterhin der bisher wohl schönste Atari-Ersatz ist. Wenn ARAnyM stabiler unter Mac OS X läuft, könnte dieser Thron zu wackeln anfangen - die Atari-VM dürfte um einiges schneller als die ASH-Software sein und kostenlos bereitstehen, stc

Preis: EUR 180.—

Application Systems Heidelberg GmbH, Pleikartsförsterhof 4/1, Heidelberg http://www.application-systems.de/

Liste der problemlos getesteten Programme

Programme mit Einschränkungen

Nicht lauffähige Programme


Thomas Raukamp
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