Atari-Fan des Monats: Michael Götze

Michael Götze war wohl einer der ersten Comiczeichner, der sich mit den Möglichkeiten des Computers beschäftigten. Dabei ging es ihm nicht darum, seine gezeichneten Entwürfe im Computer zu verwalten - eigene Welten sollten entstehen, die von den speziellen Möglichkeiten des Rechners Gebrauch machten. Eine klassische Zeichnerkarriere hat er allerdings auch hinter sich, und wie so viele andere Zeichner arbeitete er an fremden Comic-Serien, unter anderem war er an den Umsetzungen von Held!, Winnetou, Familie Feuerstein und Pinocchio beteiligt.

Durch eine Fernsehsendung angeregt, kaufte er sich einen Computer, um das Gesehene nachzumachen. Der Schneider CPC wurde dann auch gleich geordert: 3D-Körper sollten gezeichnet, gedreht und schattiert werden. Doch der CPC erscheint unglaublich langsam, der Speicher begrenzt und der Atari ST war nah. Der ST erfüllte gleich mehrere Wünsche auf einmal: Großer Speicher, Maus und Geschwindigkeit. Nach ersten Versuchen mit CAD-3D und Degas programmiert Götze sein eigenes Malprogramm in GFA-Basic, „Pixelart". Pixelart kombinierte 3D mit flachen Hintergründen. Der Computer erleichterte mit Drahtgittermodellen das Erstellen von Figuren und schwierigen Perspektiven. Dank einer Objektbibliothek wird vieles mehrfach verwendet und erst im letzten Arbeitsschritt optimiert.

Von 1986 bis 1988 arbeitete Götze am "Robot-Imperium", einer Comic-Geschichte, in der ein kleines Häuflein Menschen gegen die herrschenden Roboter kämpft. Der erste Teil erschien noch in Schwarzweiß mit teils beeindruckenden Abstufungen. Der zweite Teil war komplett farbig. Jedes Bild wurde von einem Epson FX-80 in vier Druckvorgängen gedruckt. Den Rasterwert bestimmt er dabei nach Gefühl.

Bei den ersten beiden Bänden ist Götze auf der Rückseite an einem Atari ST zu sehen. Im zweiten Band wurden dann auch zwei Software-Programme zum Verkauf angeboten: ComicPrint (Erstellung einer Farb-Comicseite) und Vector Paint 3D. Letzteres war der Nachfolger von Pixelart und ein 3D-Programm zum Generieren und Einfügen von 3DKörpern in gezeichnete Hintergründe. Ob der dritte Band auch mit dem Computer gezeichnet wurde, steht nicht genau fest, da technische Angaben fehlen. Die Reihe hat ein offenes Ende nicht etwa weil die Ideen ausgingen, sondern das Robot Imperium kein großer Erfolg war. Die Geschichte war nur mäßig originell und so hob sich einzig durch die Gestaltungsform des Comics hervor. Trotzdem hielt er an dem Computer fest: "Remo" und "Antractor" benutzen aufwendige Raytracing-Grafiken mit realistischen Schatten.

Die Comic-Reihen sind zwar eher selten im Comic-Laden zu finden, werden aber häufig im Internet angeboten. (Quelle: ST-Magazin 8/88) stc http://www.antrachor.de/

Der San Francisco Examiner schrieb 1986: «Der offensichtlichste Grund für den Atari ST ist Geschwindigkeit. Verglichen mit dem Macintosh ist die Arbeit am Atari ST einfach außerordentlich viel schneller.


Mia Jaap
Aus: ST-Computer 02 / 2003, Seite 3

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