MyPDF

Der erste frei erhältliche PDF-Viewer macht große Fortschritte. Die st-computer bekam Gelegenheit, eine Preview-Version zu testen.

PDF ist als Dateiformat ungebrochen populär, Konkurrenzformate wie das auf XML basierende eBook-Format sind - ebenso wie die Anzeigegeräte - bisher gescheitert. Adobe vermarktet PDF unter dem Begriff „ePaper solutions“. Das papierlose Büro verspricht Kosteneinsparungen, stellt aber auch hohe Anforderungen an das Format selber. So muß natürlich die Plattformunabhängigkeit gewährleistet werden und das Ursprungsformat (z.B. eine MS-Word-Datei) sollte sich möglichst verlustfrei in das neue Format übertragen lassen.

Dazu gehört auch, das sich PDF im Gegensatz zu HTML mehr am klassischen Print-Medium orientiert und seitenorientiert arbeitet. Natürlich sähe es der Erfinder von PDF gerne, wenn dieses Format auf Dauer das Papier ablösen würde. Ob dies jemals geschehen wird, sei dahingestellt, aber immerhin hat es schon zum Revival der „BYTE“ und der „Zzap 64“ gereicht.

Während der Acrobat Reader auf PC-Plattformen kostenlos abgegeben wird, muß für die Software zum Erstellen von PDFs teuer bezahlt werden. Diese Quer-Subventionierung ist auf dem Atari natürlich nicht möglich, deshalb wird für Porthos auch Geld verlangt.

MyPDF

MyPDF wird der dritte PDF-Reader für den Atari sein. Im Gegensatz zu Porthos wird dieses Programm als Freeware vertrieben werden, dafür sind die Ansprüche auch etwas geringer.

Das Programm wird derzeit von Eric Reboux (Find It) und Rafal Kawecki (Tales of Tamar) entwickelt. Natürlich nutzt das Programm, wie auch Erics andere Projekte, seine eigene, bisher unveröffentlichte, GEM-Library. Das Programm ist in der derzeitigen Preview 330 KB klein, enthält aber noch nicht alle geplanten Features.

Start

Nach dem Start baut sich der (überflüssige) MyPDF-Desktop aus, der bis zur endgültigen Version noch entfernt werden soll. Die Menüleiste enthält alle Funktionen, die auch im Acrobat Reader zur Verfügung stehen. Zusätzlich sind einige von ihnen auch als Icon im PDF-Anzeigefenster vorhanden.

PDF

Mit einer bunten Mischung von PDF-Dateien wird MyPDF konfrontiert. Natürlich zeigt sich hier, das in der Preview-Funktion noch längst nicht alles angezeigt wird. Auf der PC-Plattform gibt es zwar praktisch nur einen PDF-Viewer, aber dutzende von Programmen, die PDF-Dateien erzeugen können. In Adobes Format-Spezifikation scheint es genug Schlupflöcher für alle möglichen Variationen zu geben. Dies macht die Aufgabe für alternative PDF-Viewer trotz der PDF-Dokumentation nicht einfacher. Einen Grund gegen die PDF-Verunstalter einzuschritten hat Adobe natürlich nicht, solange alles mit dem originalen Acrobat Reader anzeigbar ist.

Das erste PDF ist ein sehr einfaches, denn es besteht nur aus 1 1/2 Seiten Text in der Standardschriftart (Times). Die Preview von MyPDF benötigt noch einen bestimmten Font (Baskerville), da dessen Font-ID fest einprogrammiert ist. Das PDF wurde mit Word 97 und der PDF Factory erzeugt - ein Sharewareprogramm, das erheblich günstiger ist, als Adobes Distiller. MyPDF zeigte nur die ersten vier Zeilen an, aber schon die nächste Preview hatte dieses Problem nicht mehr.

Auch das zweite PDF konfrontierte MyPDF mit einem Adobe-fremden PDF: OCR-Programme bieten häufig die Funktion, PDF-Dateien zu erzeugen. Damit kann das Ursprungslayout erhalten werden. Das PDF, eine eingescannte Seite aus dem ST-Magazin 6/89, wurde zwar geladen, aber Text wurde über Text gelegt und die Positionierung stimmte nicht. Außerdem schreibt MyPDF noch gerne über den Fensterrand.

Etwas besser wurde die BYTE dargestellt, eine legendäre amerikanische Computerzeitschrift, die in Form von einigen PDF-Dateien wiederbelebt wurde. Zwar stimmt auch hier die Text-Positionierung nicht, aber es fehlt nicht mehr viel zur optimalen Darstellung.

Ganz anders sieht dies natürlich mit den Test-PDFs der MyPDF-Entwickler aus. Das Readme vom Acrobat Reader wird ohne große Fehler dargestellt.

Bei den PDFs, die falsch dargestellt wurden, gab es zumindest schnell ein Update.

Bedienung

Die Bedienung erfolgt auf zwei Wegen: über die Menüleiste und die Toolbar des PDF-Anzeigefensters. Die Oberfläche ist schon jetzt ansprechend gestaltet, sieht man einmal von Eric Rebouxs Neigung zu modalen Dialogen ab. Diese sollen zum Glück noch verschwinden.

Derzeit fehlt

Verschiedene Schriftgrößen und Positionierung von Text waren in der vorliegenden Vorschau-Version noch relativ neu und daher etwas fehleranfällig. Diese Probleme sollten aber relativ problemlos zu beheben sein. Bitmap-Grafiken werden derzeit noch durch einen Platzhalter ersetzt. Funktionen wie Drucken etc. sind noch nicht aktiv und auf Geschwindigkeit optimiert ist das Programm natürlich noch nicht.

Es ist also noch durchaus einiges zu tun, aber wenn MyPDF weiter solche Fortschritte macht, wie in der kurzen Testzeit, dürfte zumindest ein Großteil der PDFs korrekt angezeigt werden. Allerdings kann und will MyPDF keine Konkurrenz zu Porthos werden, denn MyPDF ist als einfacher PDF-Viewer geplant, ohne Ambitionen, auch PDFs zu erstellen.


Mia Jaap
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