Datenaustausch ST-PC

Auf vielfachen Leser-Wunsch, werden wir in loser Folge auf das Thema Datenaustausch zwischen dem ST und PC bzw. Mac eingehen.

Atari (bzw. Digital Research) achteten beim ST von Anfang an darauf, das der Datenaustausch mit PCs möglichst einfach funktionieren sollte. 3,5 Zoll Disketten vom PC konnten seit jeher problemlos vom ST gelesen werden, umgekehrt funktionierte es erst dann reibungslos, als mit TOS 1.4 die DOS-Kompatibilität des Diskettenformates erhöht wurde. Auch die Schnittstellen halten sich an Standards, sieht man einmal von anderen Steckern oder diversen kleinen Unterschieden ab. Die Floppybuchse des ST ist bspw. die Standard-Shugart-Schnittstelle, an der theoretisch auch ein 8 Zoll-Laufwerk angeschlossen werden konnte.

In vielen Haushalten steht neben dem Atari auch ein PC. Vielfach ergänzen sich die beiden Rechner, z.B. ist das Breitband-Surfen einfacher auf dem PC möglich. Natürlich werden mit dem PC auch Atari-Programme heruntergeladen. Diese auf den ST zu befördern , kann entweder mit einer Diskette oder über ein Null-Modem-Kabel erfolgen.

Diskette

Heutzutage sind Disketten grundsätzlich vorformatiert, was meistens am Schriftzug "IBM formatted" auf der Verpackung deutlich wird. Damit kann nichts falsch gemacht werden, da sowohl PC als auch ST diese Diskette problemlos lesen können. Da DD-Disketten mit 720 KB Speicherplatz kaum noch im Laden zu bekommen sind, müssen Besitzer alter STs diese umformatieren. Selbst moderne PCs können Disketten noch auf 720 KB formatieren, womit man auf der sicheren Seite sein sollte. Empfehlenswert ist in jedem Fall ein HD-Laufwerk, oder gleich ein neuer Atari.

Einiges gilt es beim Datenaustauch zu beachten. So sind einige Zeichen auf dem ST in Dateinamen erlaubt (bzw. möglich), die auf der PC-Seite zu Störungen führen. Unrühmliches Beispiel sind z.B. einige CDs, wie z.B. die Xplore, die Umlaute in Ordnernamen verwenden, worauf der PC auf diese Verzeichnisse nicht zugreifen kann.

Steht ein Atari zum Umkopieren nicht zur Verfügung, wird es etwas komplizierter. So manch einer findet unerwartet eine Kiste mit alten ST-Disketten. Um diese auf dem PC lesbar zu machen, ist ein Programm namens Makedisk notwendig. Leider hat das Programm keine eigene Homepage, aber eine Suche im Web nach "Makedisk Atari" sollte schnell ein paar Downloadseiten ergeben.

Eventuell kann man sich aber auch den Einsatz einer solchen Software sparen, denn wenn sich Spiele auf den Disketten befunden haben, sind diese mit hoher Wahrscheinlichkeit im Internet zu finden.

Gesetzt dem Fall, das sich auf der Diskette andere Daten befinden, ist Makedisk oft die letzte Rettung. Makedisk ist ein DOS-Programm, das eine Atari-Diskette einliest und in eine Imagedatei (.ST oder .MSA) konvertiert. Es beherrscht auch das Schreiben von Imagedateien zurück auf Diskette, wobei die Diskette dann allerdings das gleiche Format wie die Imagedatei hat. Damit können z.B. die Diskimages aus dem Internet auf einem echten ST gespielt werden. Der Vorteil von Makedisk ist, das es auch hochformatierte Disketten unterstützt. Die 720 KB erschienen vielen zu mickrig und so erschienen dutzende von Formatierprogrammen, die z.B. 896 KB rausholten. Diese Formate kann aber auch Makedisk nicht immer lesen - dann muß doch noch ein echter ST ran.

Null-Modem-Kabel

Die Verbindung zweier Computer über die serielle Schnittstelle ist wohl eine der ältesten Methoden des Datenaustauschs. Immerhin existieren im Netz sogar Anleitungen um in Ehren ergraute Computerveteranen wie den ZX81 per Null-Modem-Kabel mit Software zu versorgen. Im Gegensatz zu Disketten entfällt nicht die-Grenze, d.h. es können beliebig große Dateien über das Kabel geschickt werden, ohne mit Datei-Splittern zu arbeiten. Ein anderer Vorteil ist die Datensicherheit, denn Disketten sind anfällig für Datenträgerfehler. Die Bezeichnung Null-Modem kommt daher, das kein Modem für die Verbindung benötigt wird, da die Computer direkt miteinander kommunizieren.

Als erstes wird natürlich das Kabel direkt benötigt. Das Null-Modem-Kabel ist an beiden Enden 9-polig und kann auch relativ einfach selbst gebaut werden. Im Computerfachhandel müßte es problemlos erhältlich sein, da es auch auf dem PC noch für Echtzeit-Strategicals eingesetzt wird. Die Verkabelung selber dürfte kein Problem sein.

Auf der Atari-Seite wird nun ein Terminal-Programm benutzt. Es eignet sich praktisch jedes Programm, hier wird Connect benutzt. Beim PC ist - zumindest bei Windows 98 - ein Terminalprogramm im Lieferumfang enthalten. Das mitgelieferte „Hyper Terminal“ kommt zwar erheblich spartanischer her als Connect, aber es genügt für das Versenden und Empfangen von Dateien vollkommen. Hyper Terminal ist in der Programmgruppe Zubehör/Kommunikation zu finden. Nach dem Start verlangt das Programm einen Namen und ein Icon für die Verbindung. Im nächsten Dialog „Verbinden mit“ muß unter „Verbinden über“ die Option „Direktverbindung über COM1“ ausgewählt sein.

Als Verbindungsgeschwindigkeit wird im nächsten Dialog 57600 Baud eingestellt. Hier kann sich experimentieren lohnen, wieviel das Gespann ST-PC verträgt. Kaputtgehen kann dabei nichts. Die anderen Parameter müssen nicht verändert werden und nach einem Klick auf OK ist Hyper Terminal im Online-Modus.

Jetzt wird auf dem Atari Connect gestartet. Auch hier wird die Geschwindigkeit eingestellt und zwar im Terminal-Fenster unter „Setup/Schnittstelle“.

Beide Programme warten nun auf eintreffende Daten. In Hyper Terminal können über das „Übertragung“-Menü Dateien gesendet werden. „Datei/Text empfangen“ dürfte meistens nicht nötig sein, da das Programm genau wie Connect merkt, wenn der Verbindungspartner eine Datei hochlädt. In Connect sind die gleichen Funktionen im Menü "Sonstiges" zu finden.

Die Geschwindigkeit hängt natürlich von der Baudrate ab. Bei 57600 Baud brauchte eine 340 KB Datei im Test ca. eine Minute. Geschwindigkeitsrekorde stellt eine Verbindung über Null-Modem-Kabel nicht unbedingt auf. Die gleiche Verbindung kann auch zwischen Computern aufgebaut werden, bei den ein Datenaustausch über Diskette nur umständlich möglich ist, z.B. ein Atari ST und der C64. Die möglichen Baudraten sind dann allerdings geringer.

Wird fortgesetzt...

Die Übertragung der Daten ist natürlich nur ein Teil, denn die Dateien bekannter Atari-Programme, wie z.B. 1st Word + oder STAD können die gängigen PC-Programme nicht direkt lesen. Das gleiche gilt auch umgekehrt für einige PC-Formate. Mittel und Wege diese Dateien zu knechten, sie zu formen und auf ewig an ein neues Format zu binden, erfahren Sie im zweiten Teil.

[1] http://www.ewetel.net/~vga.software/produkte/formate.html
[2] http://www.geocities.com/mtronics_scs/nullmod.htm


Mia Jaap
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