ColdFire-Talk: Thomas Raukamp spricht mit Oliver Kotschi

In der vergangenen Ausgabe berichteten wir vom ersten offiziellen xTOS-Treffen namhafter Atari-Persönlichkeiten in Dresden. Hard- und Softwareentwickler sowie Meinungsmacher des Marktes setzten sich an den „runden Tisch", um dem Atari eine Zukunft zu geben. Über Ergebnisse, Ziele und die Pläne um den ColdFire-„Atari" konnte sich Thomas Raukamp mit dem neuen Leiter des Projekts, Oliver Kotschi, ausführlich unterhalten

Oliver, das erste offizielle xTOS-Entwickler-Treffen ist beendet. Wie ist Deine Stimmung bzgl. des ColdFire-Projekts ein paar Wochen nach dem Treffen?

Unser Treffen in Dresden war für mich und sicher auch für all die anderen Teilnehmer eine großartige Erfahrung. Es ist schon sehr eindrucksvoll, wenn an die 20 vom Atari begeisterte Leute aus den verschiedensten Gebieten innerhalb Deutschland und dem benachbarten Ausland Zusammenkommen, um an der Zukunft des Atari-Systems mitzuwirken und gemeinsam Zusammenarbeiten wollen. Aber das Wichtigste für mich war überhaupt erstmal zu sehen, ob wir noch so viel Engagement unter den Entwicklern aktivieren können, damit ein solch großes und vielseitiges Projekt überhaupt ohne eine große Company im Hintergrund realisierbar wird. Schon von daher war das Treffen ein großer Erfolg für uns alle, was sich natürlich auch auf die Stimmung danach sehr positiv auswirkt, wenn es nun daran geht, Taten folgen zu lassen. Besonderen Dank gilt auch Norman Feske, der das Treffen vor Ort ermöglicht und mich bei der Organisation perfekt unterstützt hat.

Oliver Kotschi, Projektleitung

Nachdem ich mich in den 80ern ausgiebig dem Spielen auf dem C64 hingegeben hatte, musste dann natürlich mit dem Erscheinen der 16-Bitter auch ein Amiga 500 und ein Atari 1040 ST her. Nun, den Amiga nutzte ich nach wie vor als Spielecomputer, aber der Atari zeigte mir recht schnell, dass Computer auch für weitaus Sinnvolleres zu gebrauchen sind. So hatte ich damals den Amiga recht schnell auf Dauer an einen Freund verliehen und kaufte mir einen der ersten Falcon-Rechner in Deutschland, da ich mittlerweile die midifizierte Welt der Musik für mich entdeckt hatte, und der Falcon mit seinem DSP wahre Musikwunder versprach. Musik mit Cubase Audio ist auch heute noch das Haupteinsatzgebiet für meinen Falcon, natürlich kam im Laufe der Jahre alles mögliche, wie CDs brennen, Textverarbeitung mit papyrus oder die Audio- und Sampleverarbeitung hinzu.

Durch das Internet und seine vielfältigen neuen Möglichkeiten versuchte ich in den letzten Jahren Gleichgesinnte zu finden (so bastelte ich auch eine kleine Cubase-Support-Seite, um Anfängern ein bisschen weiterzuhelfen), doch traf ich immer wieder auf das gleiche Problem: keine neue Hardware = keine neue Software Um dieses bekannte Henne-Ei-Problem zu brechen, war 2001 der Kauf der Deesse DSP-Karte der Anfang und der Einstieg für mich, um dies zum Guten zu ändern. Mit der fantastischen Zusammenarbeit verschiedenster Atari-Entwickler am Coldfire-Projekt hat nun die Arbeit am Deesse-Projekt auch weitaus gewaltigere Dimensionen angenommen, als ich damals gehofft hatte.

Wir haben heute noch immer ein sehr großes Potenzial an Programmierern und Entwicklern, und wenn wir alle Zusammenarbeiten, werden wir auch das erreichen, was wir uns alle die letzen Jahre erträumt haben: ein neues, modernes Atari-System.

Bisher bist Du ja nicht als Koordinator des Projekts in Erscheinung getreten. Was hat Dich dazu bewogen, diesen Posten zu übernehmen?

Bereits seit dem letzten Herbst bin ich ja ständig mit Fredi Aschwanden und Ulrich Gössel bzgl. Deesse und dem ColdFire-Projekt in Kontakt gewesen. Seit unserem ersten gemeinsamen Treffen auf dem Atari-Park in Köln kam es dann dazu, dass ich mich direkt an der Entwicklung des ColdFire-Rechners beteiligen würde. Du kannst also vielleicht schon erahnen, dass meine Stellung als Koordinator sich nach und nach so ergeben hat - nicht zuletzt auch deswegen, da ich wegen der Deesse-Karten-Entwicklung mittlerweile mit vielen Atari-Entwicklern eng zusammenarbeite und wir allesamt sehnlichst diesen Rechner verwirklicht sehen würden.

Hinzu kommt natürlich noch mein freundschaftlicher Kontakt zu Milan bzw. dem Falke Verlag, sprich zu Dir und Ali Goukassian, da eine Kooperation mit xTOS bisher so nicht vorstellbar gewesen wäre. Für das Projekt bedeutet das natürlich einen enorm großen Gewinn, da wir uns unnötige Feindschaften keinesfalls mehr leisten können, was uns allen ja bei der heutigen Situation langsam klar sein dürfte. Als Ulrich dann die Softwarefoundation gegründet hatte, war unter uns eigentlich schnell klar, das ich die weitere Koordination des Projektes übernehmen würde und Ulrich sich ganz um die Softwarefoundation kümmern wird.

Inwieweit ist Dein Unternehmen Frontier Systems in das xTOS-Projekt involviert?

Mein Unternehmen Frontier Systems ist weniger eine geschlossene Firma, die Produkte entwickelt oder lediglich verkauft, als vielmehr eine Plattform oder Möglichkeit für frei tätige Atari-Entwickler und ihre Entwicklungen sich nach außen einheitlich und geschlossen zu repräsentieren. Gegründet wurde Frontier Systems aus der Notwendigkeit, für Anwender und Entwickler eine einheitliche Anlaufstelle für die Entwicklung des Deesse-Projekts zu haben und später auch unter diesem Namen anbieten zu können. Ich habe mich allerdings die letzten Monate ständig bemüht, weitere Projekte einzubinden und über Frontier Systems zu vermarkten. So konnte ich mit cortex design für das Eclipse PCI-Interface einen Deutschlandvertrieb vereinbaren und habe jetzt auch die Möglichkeit, für Entwickler direkten Support zu geben. Da aber natürlich das ColdFire-Projekt für uns jetzt absolute Priorität hat, konnte ich mich bisher ohne weitere Mithilfe nur bedingt um die weitere Edipse-Entwicklung und -Vermarktung kümmern.

Klar, dass jetzt die direkte Zusammenarbeit zwischen dem ColdFire-Pro-jekt und Frontier Systems nahe liegt. Beispielsweise könnte Frontier Systems durchaus die Plattform für den Deutschland-Vertrieb und -Support des Rechners werden. Wie das im Einzelnen aussehen könnte, muss natürlich erst unter allen Beteiligten des Cold-Fire-Projekts besprochen werden.

Wie würdest Du den Entwicklungsstand des ColdFire-Rechners bezeichnen?

Aktuell sind wir in einer Art letzter Planungssphase der Hardware, in der wir alle geplanten Funktionen genau im Detail auf Machbarkeit und Funktion überprüfen müssen. Sozusagen wird die Hardware des Rechners jetzt Stück für Stück in der Hardware und den Chips bestimmter Hersteller festgelegt.

Sicher ist das die wichtigste Phase in der Hardwareentwicklung, da wir jetzt alle Details der Hardware genau festlegen müssen, eine spätere Veränderung würde demnach für uns eine enorme Mehrarbeit bedeuten, die wir natürlich unbedingt vermeiden wollen. Allerdings bedeutet das auch, dass sich zurzeit noch bestimmte Funktionen wie Schnittstellen oder Bausteine ändern können - also alles in Allem eine sehr wichtige und spannende, aber auch arbeits- und zeitintensive Entwicklungsphase.

Bisher galt der Rechner ja in erster Linie als Projekt von Medusa Computersysteme, die ja bereits die Medusa und den Hades realisiert haben. Nun gilt der Rechner als Gemeinschaftsprojekt Wie und warum kam es genau zu dieser Aufgabenverteilung?

Norman Feske, Betriebssystem und Webseite

Das erste Mal kam ich im zarten Alter von 11 Jahren mit einem Atari-Computer in Berührung, als mein Vater mir zu Weihnachten einen Atari B00 XE schenkte. Nachdem ich vier bis fünf Joysticks kaputtgespielt hatte, entdeckte ich das Atari-Handbuch mit einer kurzen Beschreibung des Atari-8asic. Dies war der Beginn einer neuen Leidenschaft: Von nun an verstaubten die Riverraid und Schreckenstein-Disketten, und ich brachte Tage und Nächte damit zu, sinnentleerte BASIC-Programme zu schreiben, Listings aus Computerzeitschriften abzutippen und Program-mier-Handbücher zu lesen.

Im Februar 1993 kaufte ich mir von meinen jahrelangen Ersparnissen einen Atari Falcon. Natürlich kannte ich die ST-/STE-Demos, aber das, was ich auf dem Falcon sah, stellte alles bisher dagewesene in den Schatten. Für mich stand fest: Das will ich auch können! Während meine Freunde ihre Pubertät genossen, saß ich also vor meinem Falcon, programmierte, pixelte und trackte wie besessen. Zu dieser Zeit gründete ich die Demo-Gruppe Escape - die Gruppe hatte leider nur ein Mitglied. Nach und nach lernte ich die Atari-Szene kennen, nahm an Szene-Parties teil, programmierte Demos und wurde schnell selbst ein Teil der Szene.

Natürlich habe ich, wie viele andere, nach einem Falcon-Nachfolger gelechzt und aufmerksam die Entwicklungen von Centek, Titan Design etc. verfolgt. Nach den Atari-/Centek-/ Milan Il-Pleiten hatte ich die Hoffnung auf einen solchen Nachfolger schon fast aufgegeben. Als ich von dem xTOS-Projekt erfuhr, bot ich meine Unterstützung an. Leider passierte ein Jahr lang nicht sonderlich viel. Mittlerweile hatte ich Oliver Kotschi kennengelernt, der nun glücklicherweise das Projekt koordiniert.

Ich hoffe, daß mit dem neuen ColdFire-Computer ein ähnlich faszinierender Computer wie der Atari Falcon entsteht. Ich möchte helfen, der Atari-Szene ein neues Spielzeug und den -Anwendern einen leistungsfähigen TOS-Rechner zu geben.

Diese Aufgabenverteilung war und ist in meinen Augen zwingend notwendig, da eine einzelne relativ kleine Firma, wie wir sie heutzutage im Atari-Sektor leider haben, schlichtweg überfordert wäre, ein solches Projekt wie den ColdFire-Atari zu verwirklichen, ohne bestimmte Entwicklungsbereiche stark vernachlässigen zu müssen. Damit meine ich hauptsächlich die übliche Aufspaltung von Hard- und Softwareentwicklung, wie wir sie bisher leider des öfteren bei größeren Hardwareprojekten miterleben mussten: Hardware Top, Software Flop.

Fredi Aschwanden und mir war recht schnell klar, dass wir unsere ehrgeizigen Ziele nur durch ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Firmen und die Zusammenarbeit der Atari-Entwickler erreichen könnten. Zunächst habe ich dann für Fredi die weitere Koordination der nicht Hardware-relevanten Dinge des Projektes übernommen. Welch enorme Arbeit bei der Entwicklung eines zum Atari kompatiblen Computers zu leisten sind, weiß Fredi ja nur zu gut, so ist die Entwicklung zum Gemeinschaftsprojekt in unseren Augen eine große Chance für eine effiziente Weiter- und Neuentwicklung des Atari-Systems.

Diese einzigartige Zusammenarbeit, die allein auf freiwilliger und völlig uneigennütziger Basis aufbaut, führt logischerweise dazu, dass wir hier nicht mehr eine anonyme Entwicklerfirma sehen dürfen, die knallhart kalkuliert, um möglichst großen Gewinn zu machen, sondern ein echtes Gemeinschaftsprojekt, bei dem viele engagierte Atarianer einen großen Teil zum Erfolg beitragen. Diese Entwicklung zum Gemeinschaftsprojekt war daher eine in meinen Augen zwingende Voraussetzung für die grundlegende Durchführbarkeit dieses Projektes mit dem Ziel, einen echten Atari-Nachfolger zu bauen, der wieder seine Zähne kraftvoll fletschen kann.

Als logische Konsequenz haben wir dann als nächsten Schritt den direkten Kontakt mit den Atari Hard-und Softwareentwicklern gesucht und kurzfristig das Entwicklertreffen in Dresden abgehalten, um die Augaben zu diskutieren und einzuteilen.

Wer hat diese Aufgabenteilung festgelegt? Oder entwickelte sie sich spontan?

Die Aufgabenverteilung, wie man sie auf unserer Projektseite lesen kann, ist in erster Linie das Ergebnis unseres Entwicklertreffens. Spontan und freiwillig - allerdings nach reichlichem Meinungs- und Erfahrungsaustausch der Entwickler während und nach dem Treffen - haben wir gemeinsam die Aufgabenverteilung vorgenommen. In erster Linie war natürlich die Erfahrung und die Möglichkeit der jeweiligen Person, an dem Projekt mitzuarbeiten, ausschlaggebend. Außerdem sollte man die Aufgabenverteilung keineswegs als definitiv festgelegt ansehen, sondern als momentanen Stand der Dinge. Das Projekt ist für jeden engagierten Entwickler offen und wir freuen uns über jeden, der uns unterstützen und an diesem Projekt mitar-beiten möchte. Arbeit gibt es ja wirklich mehr als genug - allein die Treiberentwicklung für neue PCI Karten kann nahezu ein unbegrenztes Betätigungsfeld bieten.

Inwieweit ist Medusa noch involviert?

Medusa, die Firma von Fredi Aschwanden ist quasi der offizielle Entwickler der kompletten Hardware. Lediglich die Deesse-Karte wird als Hardwarebestandteil von mir als Rechteinhaber in den Rechner Einzug halten. Fredi Aschwanden ist damit der eigentliche Hersteller der Hardware des neuen ColdFire-Atari, alle weiteren Entwickler des ColdFire-Projekts arbeiten hauptsächlich an der Betriebssystem-Anpassung und dessen Weiterentwicklung sowie an neuen Softwareprojekten für den ColdFire-Rechner.

Das Wichtigste für mich war überhaupt erstmal zu sehen, ob wir noch so viel Engagement unter den Entwicklern aktivieren können, damit ein solch grosses und vielseitiges Projekt überhaupt ohne eine große Company im Hintergrund realisierbar wird. Schon von daher war das Treffen ein großer Erfolg für uns alle, was sich natürlich auch auf die Stimmung danach sehr positiv auswirkt, wenn es nun daran geht. Taten folgen zu lassen.»

Welche neuen Erkenntnisse und Ergebnisse hat das Entwicklertreffen Dir persönlich und dein Projekt gebracht?

Persönlich war ich sehr beeindruckt, wie freundschaftlich die Atmosphäre dieses Treffen war. Auch wenn sich viele von uns bisher nur durch E-Mails oder durch großartige Programmentwicklungen kannten, musste man dort schnell den Eindruck bekommen, dass wir uns schon viele Jahre persönlich kennen würden. Sicher, viele von uns hatten ja auch schon lange vorher Kontakt miteinander, doch durch die Möglichkeit dieses Treffens und unserem gemeinsamen Ziel wurde uns dort die Chance gegeben, diese Kontakte persönlicher werden zu lassen und sicher auch in Freundschaften umzuwandeln. Auch wenn diese Feststellung im ersten Moment nicht so wichtig erscheint, halte ich dies dennoch für einen der wichtigsten Ergebnisse dieses Treffens. Für das Projekt an sich war dieser Aspekt natürlich besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass wir ja gemeinschaftlich Zusammenarbeiten wollen und müssen und wir vor einer großen Herausforderung stehen, bei der sich solche Freundschaften natürlich enorm positiv auf die Arbeit und die ganze Atmosphäre auswirken.

Sind weitere Treffen bereits geplant?

Direkt geplant noch nicht, ich würde eher sagen sie sind bereits angedacht. Mit Sicherheit wird spätestens, wenn wir die ersten Prototypen in Betrieb nehmen, das nächste Treffen fällig. Außerdem werden wir auch regionale Treffen abhalten, bei denen ja nicht unbedingt generelle Entscheidungen gefällt werden müssen und die vielmehr mehr der effektiven Zusammenarbeit und Freundschaft dienen.

Wichtig ist hier, unbedingt zu verstehen, dass wir alle völlig freiwillig und ungezwungen an diesem Projekt arbeiten und diese Treffen genau das auch widerspiegeln. Und trotzdem werde ich schon jetzt ständig nach einem nächsten Treffen gefragt, man merkt also deutlich, wie die Leute sich auf solche Gelegenheiten freuen und danach dürsten, miteinander in persönlichen Kontakt zu treten.

Mia Jaap, Software-Entwicklung

Seit Ende der 80er besitze ich eine Atari. Über den ZX81 (nie ernsthaft benutzt) und den C64 kam ich auf den Atari, da mir das damalige Konkurrenzprodukt, der Amiga, zu teuer war. Mit einem 520 STM, einer SF314 und dem ST-Basic machte ich erste Programmierexperimente. Die Software-Ausstattung bestand aus Neochrome und dem ST Writer Elite. Als eine RAM-Erweiterung nötig wurde, stellte sich heraus, dass ein Wechsel auf den STe auch nicht viel teurer werden würde. Später wich der STE einem gebrauchten Falcon, Musik-Anwendungen haben mich aber nie ernsthaft interessiert.

Die erste richtige Software-Veröffentlichung sind die auch heute noch bekannten Programme HomePage Penguin und HTML-Help. Über die Schule lernte ich das Internet kennen und schlug dem damaligen Chefredakteur der st-computer, Ali Goukassian, vor, einen Artikel über HTML zu schreiben. Leider war das Thema zu dem Zeitpunkt besetzt und so schrieb ich als Ersatz einen Artikel über Emulatoren auf dem Atari ST. Heute schreibe ich auch für unser Schwestermagazin Mac Life und entwickle Web-Seiten mit Flash.

Dem Coldfire-Atari räume ich größere Chancen als dem Milan II ein. Der Prozessor ist in der gesamten (Desktop)-Computerwelt einmalig, was sicherlich den einen oder anderen Freak reizen wird. Ein Beispiel wären die (immer noch vorhandenen) Anhänger des Sinclair QL, die schon dem Milan II ein neues Betriebssystem verpassen wollten. Es wird zudem die erste Maschine sein, die auch Umsetzungen von grafischen Anwendungen aus der Unix-Welt verkraften wird. Außerdem bin ich sehr gespannt, was die Programmierer mit dem DSP anstellen werden.

Wie würdest Du die Resonanz aus der Atari-Welt bisher bewerten?

Die Atari-Welt ist meiner Meinung nach in mehrere Gruppen geteilt, was eine generelle und einfache Beurteilung etwas erschwert. Dennoch sehe ich durchaus eine enorm positive Resonanz, vor allem aus dem Entwicklerlager. Man merkt deutlich, dass hier eine Art Spannung in der Luft liegt und jeder nur zu gerne gleich morgen früh diesen Rechner am Schreibtisch stehen haben möchte, aber sich erst mal sehr skeptisch verhält, bis man sich, wie auf unserem Treffen, mit den Einzelheiten vertraut gemacht hat. Trotzdem finde ich auch den Realismus und die Skepsis der Entwickler bemerkenswert und sinnvoll, deswegen bin ich nun umso mehr glücklich über die großartige Zusammenarbeit während und nach dem Treffen. Mittlerweile hat diese Kooperation schon jetzt ungeahnte Kreise gezogen, und die Leute sprühen nur so vor Energie, für diesen neuen Rechner zu entwickeln.

Die normalen Anwender, wie ich eigentlich auch einer bin, verhalten sich dagegen weitaus reservierter, was ihnen auch keineswegs - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt - zu verdenken ist. Solange wir keine konkreten Tatsachen bieten, sprich den Rechner zum Laufen gebracht haben, wird immer an diesem Projekt gezweifelt werden, wobei dennoch die überwiegende Mehrheit, trotz der harten Schicksalsschläge der letzten Jahre, dem ColdFire-Projekt positiv gegenüber steht.

Viele Anfragen habe ich zum Thema MIDI- und den Musikfähigkeiten des neuen Rechners bekommen. Die Leute wünschen sich gerade in diesem Bereich einen zeitgemäßen neuen Rechner. Ich kann das aus eigener Erfahrung nur zu gut verstehen, da ich schon jahrelang meinen Falcon zum Musikmachen nutze und die eingeschränkten Fähigkeiten dieses in die Jahre gekommenen Rechners leider ständig vor Augen habe, wenn ich z.B. mit Cubase Audiodateien bearbeiten möchte. Ein klares Zeichen, welches wir dieser Anwendergruppe geben, sind die auf jeden Fall die vorhandenen MIDI-Ein-und Ausgänge sowie der mit Deesse vorhandene schnelle DSP. Also: Wir werden ganz klar für alle Musiker unter uns auch die bestmöglichen Voraussetzungen für ein neues modernes System schaffen.

«Diese einzigartige Zusammenarbeit, die allein auf freiwilliger und völlig uneigennütziger Basis aufbaut, führt logischerweise dazu, dass wir hier nicht mehr eine anonyme Entwicklerfirma sehen dürfen, die knallhart kalkuliert, um möglichst großen Gewinn zu machen, sondern ein echtes Gemeinschaftsprojekt, bei dem viele engagierte Atarianer einen großen Teil zum Erfolg beitragen.

Etwas Verwirrung gab es ja um den neuen Namen AtlanTOS für den neuen Rechner. Meiner Ansicht nach handelt es sich nicht unbedingt um eine geschickte Namensgebung, da der Kontinent Atlantis ja schließlich mit Mann und Maus versunken ist, wenn er denn jetnals existiert hat. Die neue ColdFire-Projektseite erwähnt diesen Namen auch nicht mehr. Gibt es neue Vorschläge?

Da muss ich dir durchaus Recht geben. Die Bekanntgabe des Rechnernamens zwei Tage vor dem Entwicklertreffen war etwas unglücklich und sollte so auch nicht geschehen. Ein endgültiger Rechnername werden wir demnach auch nur per demokratischer Abstimmung zwischen den beteiligten Entwicklern festlegen, bis dahin sprechen wir vorläufig vom Atari ColdFire-Projekt. Klar haben wir auf dem Treffen auch viele Namensvorschläge diskutiert, aber uns dennoch entschlossen, die Namensgebung erst einmal zu verschieben.

Sowieso kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich das Projekt etwas in zwei Richtungen entwickelt. Dies dokumentiert schon das Vorhandensein zweier getrennter Webseiten mit unterschiedlichen Newsmeldungen: xTOS und Atari ColdFire Project...

Das liegt ganz einfach daran, dass die Entwicklung des ColdFire-Rechners und die Kooperation mit den Atari-Entwicklern in den letzten Monaten enorm gewachsen und nun ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Atari-Entwickler geworden ist.

Daher mussten wir aus logischer Konsequenz auch eine neue gemeinschaftliche Webseite ins Leben rufen. Die Webseiten von xTOS dienen daher nun ausschließlich der von Ulrich Gössel neu ins Leben gerufenen Softwarefoundation, während die Atari ColdFire Projekt-Seiten unserem gemeinschaftlichem ColdFire-Projekt gewidmet sind.

Kommen wir nun langsam zu den technischen Fragen. Als der ColdFire als neue CPU für das Atari-System bekanntgegeben wurde, gab es ja einige Zweifel und Widersprüche. Rodolphe Czuba behauptete z.B., dass der ColdFire aufgrund von Kompatbilitätsproblemen zur 68k-Serie nicht besonders geeignet fiir einen Atari wäre. Trotzdem habt Ihr an dem Prozessor festgehalten. Gibt es neue Erkenntnisse bzgl. der Kompatibilität?

Die Kompatibilitäts-Frage war natürlich auch ein Gesprächsthema während des Entwicklertreffens in Dresden. Allerdings wurde allen Anwesenden schnell klar, dass wir für einen echten Atari-Nachfolger keine andere Wahl haben, als auf die moderne Motorola ColdFire-Serie zu setzen. Spätestens mit dem ColdFire 4e haben wir dann keine großen Unterschiede mehr zu Kompatibilitäts-Differenzen bisheriger 68K-Generationen.

Klar ist, dass der ColdFire nicht zu 100 Prozent kompatibel zu der 68K-Serie ist, aber wäre das überhaupt sinnvoll oder wäre das irgendein Hinderungsgrund? Wenn wir immer und ewig mit alten Standards kompatibel bleiben wollen, dann wird sich nie etwas bewegen, das betrifft die Hardware- genauso wie die Softwareentwicklung. Nicht umsonst sieht Motorola den ColdFire als direkten 68k-Nachfolger und bietet ihn auch entsprechend an. Schon jetzt lässt die Roadmap der nächsten ColdFire Core-Generationen auf sichere und effiziente Weiterentwicklung in den nächsten Jahren schließen.

Aber das Wichtigste ist, dass wir uns alle über die Wahl des ColdFires einig sind - für uns ist er schlicht der einzig sinnvolle und gangbare Weg, den die moderne Atari-Hardwareentwicklung gehen kann und sollte.

Markus Fichtenbauer, PCI-BIOS und OS

Meine erste Atari-Freundschaft schloss ich mit einem Atari 800 XL, den ich mir Anfang 1985 kaufte. Den Abschluss meiner HTL absolvierte ich mit 2 Projekten, an denen mein Atari maßgeblich beteiligt war. Eine Simulation (Vierpoltheorie) für Hochspannungsleitungen und die Ansteuerung einer selbst entwickelten Hardware, die Laufschriften für Werbezwecke erzeugte.

Im Jahre 1988 kam dann endlich ein 520 ST auf den Tisch. Ich bastelte ziemlich viel herum. daher kaufte ich den 260 ST eines Freundes (als Ersatzteillager). Ich habe es aber nie gebraucht. Nach einigen Selbstbauprojekten, die nie an die Öffentlichkeit gelangten (wie der Umbau eines Drucker auf einen Scanner mit Scan-Programm in GFA-Basic oder einen GAL-Prommer-Software (diesmal in C)) fielen meine Augen 1996 auf einer Messe in Ulm auf einen Hades 040. Seit dieser Zeit ist dieser auch mein Hauptrechner, dem ich wenig später einen 68060 spendierte.

Zu dieser Zeit begann ich einen Treiber für DEC-Netzwerkkarten zu schreiben. Es kam daher die Idee, ein PCI-BIOS für Atari-kompatible Rechner zu verwirklichen. Es gab damals insgesamt drei Ansätze, die wir aber dann allesamt friedlich vereinen konnten.

Später war ich dann auch am Milan interessiert. Aber man riet mir, auf den Milan II zu warten, was sich aber als keine so gute Idee herausstellte. Daher folgten danach ein Linux-Rechner für's Internet und seit ein paar Monaten ein Mac-Clone mit MagicMac. Und aus dem PCI-Bios wurde mein Hauptprojekt.

Am xTOS-Projekt sehe ich endlich eine Zukunftsperspektive, die Erfolg verspricht. Ich habe mich sofort bereit erklärt, auch hier die PCI-Agenden zu übernehmen. Wenn daraus jetzt mehr Aktivitäten für mich werden, dann nur, weil ich an dieses neue System glaube. Wenn man z.B. an Windows denkt, wo Daten - ohne des Wissens des Benutzers - im Internet versendet werden, dann finde ich das zutiefst bedenklich. Unsere Atari-Welt ist hier noch ehrlich, und das soll sie auch bleiben!

Wie steht es mit der Lieferbarkeit des ColdFire 4e?

Laut Motorola soll der ColdFire 4e noch in diesem Jahr lieferbar sein. Ein Treffen Fredi Aschwandens mit Motorola Deutschland ist ebenfalls in diesem Monat geplant, und wir hoffen natürlich dann auf weitere Informationen über die baldige Erhältlichkeit des ColdFires 4e.

Ist der Prozessor austauschbar, wenn zuerst einmal ein etwas schwächerer Prozessor zum Einsatz kommen muss?

Ja, der Prozessor wird ähnlich wie auf dem bplan-PPC-Board auf einer austauschbaren Prozessorplatine designed sein. Diese Lösung bietet uns und den Anwendern für die kommenden Chip-Generationen des ColdFires enorme Vorteile. So braucht man lediglich die Prozessorplatine gegen einen schnellere Version auszutauschen und muss nicht gleich einen komplett neues Board kaufen, wie es heute ja nahezu üblich geworden ist. Außerdem besteht die Möglichkeit, ohne viel Entwicklungsaufwand auf bestimmte Zusatzfunktionen (wie Ethernet, USB usw.), die Motorola in die ColdFire CPU direkt integriert, sehr schnell zu reagieren und deren Nutzung auf einfache Art und Weise zu ermöglichen. Durch eine Integration des Prozessors auf dem Mainboard wären uns diese Möglichkeiten weitgehend verbaut.

Seit der ersten Ankündigung des 4e seitens Motorola sind ja einige Monate ins Land gezogen. Gibt es neue Erkenntnisse bzgl. der zu erwartenden Taktgeschwindigkeit des ColdFire 4e?

Die aktuellen Spezifikationen des ColdFires 4e geben eine Taktgeschwindigkeit zwischen 225 Mhz bis 333 Mhz je nach Herstellungsprozess an.

Eine weitere Auffälligkeit der aktuellen Spezifikationen ist der wahrscheinliche Verzicht auf einen AGP-Port für schnelle Grafikkarten? Wo der Grund für diesen Verzicht?

Wir legen sehr viel Wert auf optimale Grafikeinbindung des ColdFire-Rechners. Die letzen Wochen haben wir deshalb sehr viel Zeit in die Suche nach der besten Lösung investiert und stehen mit den unterschiedlichsten Grafikchip-Herstellern im Gespräch. Schon aus diesem Grund wird es Dich sicher nicht überraschen, dass ich dir heute noch nicht abschließend die endgültige Wahl nennen kann. Auf der einen Seite brauchen wir einen schnellen modernen Grafikchip, aber auf der anderen Seite muss dieser für uns auf längere Sicht erhältlich bleiben; und nicht zuletzt nützt uns der beste Chip nichts, wenn wir keinen optimalen Entwickler-Support der Firmen bekommen. Gerade dieser Support ist heutzutage einer der größten Probleme für alternative Entwicklerprojekte wie dem unseren, da die Firmen sich bei Dokumentationen sehr bedeckt halten und besonders die 3D-Funktionen sehr ungern an Dritte weitergeben.

Dennoch haben wir jetzt durch den unermüdlichen Einsatz von Norman Feske, Markus Fichtenbauer und Leon O'Reilly , die bei den Chip-Herstellern wochenlang eindringliche Überzeugungsarbeit geleistet haben, große Erfolge erzielen können. Ob wir auf AGP verzichten und die PCI Variante wählen müssen, wird demnach direkt von den jeweiligen abschließenden Ergebnissen dieser Zusammenarbeit mit den Grafikchip-Herstellern ab-hängen.

Ist der Radeon-Chip von ATI im engeren Gespräch?

Tatsächlich erscheint uns die Grafikanbindung per AGP-Slot momentan als die geeignetste Lösung, dennoch gilt die Grafikanbindung als PCI-Karte immer noch als Option, wenn unsere weiteren Tests mit AGP nicht erfolgreich verlaufen.

Die Wahl des Grafikchips und die Qualität der entsprechenden Grafiktreiber ist weitaus wichtiger für die optimale System-Performance als die hardwareseitige Wahl zwischen AGP und PCI; und wie ich es auch schon beschrieben habe, haben wir uns schon sehr intensiv mit den Herstellern in Verbindung gesetzt, um die beste Wahl treffen zu können.

Im Raum stehen Chips von nvidia, ATI und Matrox. Da alle in Frage kommenden Chips nahezu gleiche 2D-Leistungsfähigkeiten haben, werden wir den Chip auswählen, der am besten in das ColdFire-System integriert werden kann und bei dem uns die besten Dokumentationen vorliegen. Aktuell würde dies evtl. für die Wahl des G450 von Matrox sprechen.

Wie sieht es mit der 3D-Unterstützung des Chips aus? Projekte wie eine OpenGL-Portierung auf den Atari sind ja leider etwas im Sande verlaufen...

Standardmäßige 3D-Unterstützung wäre tatsächlich ein Novum auf der Atari-Plattform und würde die gesamte subjektive und natürlich auch objektive System-Performance besonders für die heute so wichtige multimedia Anwendungen erheblich erhöhen. Wir freuen uns daher umso mehr, dass wir für diese wichtigen Bereich Leon O'Reilly gewinnen konnten, der für den ColdFire-Atari die komplette 3D-Grafiktreiber-Entwicklung machen wird. Leon hat sehr große Erfahrung in der 3D-Programmierung aktueller Grafikchips, nicht zuletzt durch seine berufliche Kompetenz als Entwickler beim Softwarehaus Bullfrog. So hat er auch mit an der 3D-Grafikengine von Quake3 und an aktuellen Playstation 2-Spielen wie dem Formel-1-Simulator F1 gearbeitet.

Du hast angedeutet, dass die Einbindung von AGP ein Problem darstellt. Besteht nicht die Gefahr, dass bald keine Grafikkarten mehr für den ColdFire-Rechner vorhanden sein werden, wenn auf AGP verzichtet werden muss?

Wir sind uns dieser Gefahr durchaus bewusst, daher legen wir ja so großen Wert auf die sorgfältige Wahl der Grafikanbindung und der richtigen Chipauswahl. Die endgültige Lösung kann ich Dir heute noch nicht sagen, da wir noch dabei sind verschiedene Möglichkeiten zu prüfen. Dennoch versuchen wir schon jetzt entsprechend zu reagieren und die genauen Details zu überprüfen, sollte eine Grafikkarten Version auf Dauer nicht mehr erhältlich sein.

Welche Vorteile bietet aus Deiner Sicht die Realisierung des Grafik-Chipsatzes direkt auf dem Board?

Eine Onboard-Lösung, wie wir das auch auf dem Treffen in Dresden angesprochen haben, hätte sicher einige Vorteile, was die Kompaktheit und Programmierfreundlichkeit des neuen Rechners betrifft. Dagegen spricht allerdings der erhebliche Mehraufwand bei der Hardwareentwicklung und damit der erheblich höhere Kosten- und Zeitaufwand, da kein Chip-karten-Hersteller Dokumentationen für eine solche Anbindung zur Verfügung stellt und wir die komplette Grafikhardware selbst entwickeln müssten - ein Umstand, der zumindest für den ersten ColdFire-Atari nicht tragbar ist und auch keine entsprechenden Vorteile bieten würde.

Die Wahl für eine externe Grafikanbindung bedeutet aber keineswegs, dass wir in Zukunft auf eine Variante mit Onboard-Grafik verzichten müssen.

Bei der Soundverarbeitung scheint der „Atari“ ja wieder einmal Maßstäbe zu setzen. Falcon-Fans können sich endlich auf einen wahren Nachfolger freuen. Ist die Integration der Deesse weiter als PCI-Karte oder onboard geplant? Wo liegen die Vor- und Nachteile?

Wir haben uns klar für die Deesse-Integration als PCI Karte entschlossen. Der einzige Vorteil einer DSP-Integration onboard wäre, dass wir damit den Programmierern garantieren könnten, dass sie im System einen DSP vorfinden würden, so wie es auch beim Falcon der Fall ist. Dieser Vorteil verliert allerdings schnell an Bedeutung, da wir Deesse von Anfang an fest im System, also soft-und hardwareseitig integrieren. So wird der ColdFire-Rechner eine Deesse-DSP-Karte bei Auslieferung als feste Komponente enthalten. Auf der Softwareseite wiederum ist es demnach unser erklärtes Ziel, den DSP als feste Hardwarekomponente mit in das Betriebssystem zu integrieren, damit wird der Programmierer sich ebenso wie beim Falcon auf den DSP verlassen können.

Die PCI-Karten-Variante bringt uns sowieso weit größere Vorteile. So hat der Anwender weiterhin die Möglichkeit, nach Bedarf eine schnellere Karte mit multipler DSP-Bestückung einzusetzen, ohne sich gleich einen Nachfolge-Rechner kaufen zu müssen. Aus diesem Grund haben wir auch von Anfang an die DSP-Treiberentwicklung auf den Einsatz von Mehr-DSP-Systemen ausgelegt, auch wenn die Deesse dem System standardmäßig nur einen DSP zur Verfügung stellt. So können Applikationen zukünftig sofort von zusätzlichen DSPs profitieren - ein ungeheurer Vorteil, den wir uns natürlich nicht nehmen lassen wollen.

Wie ist überhaupt der Entwicklungsstand der Deesse-Karte? beider können Hades- und Milan-Benutzer die Karte ja noch immer nicht kaufen...

Ja, im Zusammenhang mit der Cold-Fire-Entwicklung hat auch die Deesse-Entwicklung einen ganz neuen Stellenwert für uns bekommen. Für uns war es natürlich sehr wichtig, dass wir grundsätzlich nicht gegeneinander arbeiten und die weitere Entwicklung eng miteinander abstimmen und koordinieren. Die weitere Deesse Entwicklung hat jetzt ganz klar das Ziel, den neuen ColdFire-Atari zu unterstützen und den DSP in Kombination mit dem ColdFire-Prozessor durch angepasste Applikationen auch voll auszunützen.

Mariusz Buras hat in den letzen Monaten hart an der Verwirklichung unserer Treiberschnittstelle gearbeitet, eine erste fertige Version konnten wir auch während des Entwickler-Treffens in Dresden testen. Ebenfalls konnten wir auf dem Treffen endgültig die letzten Layout-Probleme mit Hilfe von Fredi Aschwanden ausmerzen, und Elmar Hilgart konnte nun weitere DSP-Karten bei unserem Platinenhersteller in Auftrag geben.

«Wir legen sehr viel Wert auf optimale Grafikeinbindung des ColdFire-Rechners. Die letzen Wochen haben wir deshalb sehr viel Zeit in die Suche nach der besten Lösung investiert und stehen mit den unterschiedlichsten Grafikchip-Herstellern im Gespräch.

Etwas Diskussion gab es auf dem Entwicklertreffen ja auch um die Integration eines Disketten-Laufwerks. Meine Ansicht kennst Du ja: Man sollte endlich von diesem Fossil Abschied nehmen und auf CD-ROM und CD-Writer setzen, ähnlich der Verfahrensweise von Apple. Was ist der Grund für die Integration eines Diskettenlaufwerks in den ColdFire-Rechner?

Da stimme ich Dir voll zu, ein Disk-Laufwerk ist heutzutage nur noch als Fossil zu bezeichnen. Der einzige Grund für eine Disk-Unterstützung wäre, wenn ein benötigter Chip auf dem Mainboard dieses sowieso unterstützen würde. Allerdings sind wir uns relativ schnell einig geworden, dass wir nicht unbedingt im fertigen Rechner ein Disk-Laufwerk anbieten werden. Dies wird dann dem Anwender überlassen werden, ob er sich sowas überhaupt noch einbauen möchte, wenn in Zukunft die Benutzung einfach nicht mehr notwendig wird. Die Aufgabe als austauschbares Massenspeichermedium wird daher in Zukunft ganz klar das CDRW-Laufwerk übernehmen, welches in dem neuen Rechner eine neue Rolle spielen soll.

Robert Wetzel, Software-Entwicklung

Ich beschäftige mich noch nicht sehr lange mit Ataris. Der erste wirkliche Atari-Kontakt kam durch Norman Feske, den ich durch mein Studium kennenlernte. Er lud mich auch zur Sceneparty EIL2 ein, die Mitte April letzten Jahres stattfand. Ich war sehr beeindruckt von dem, was ich dort gesehen habe. Wenig später hatte ich dann meinen ST erstanden, und kurz darauf konnte Ich noch einen Falcon mein Eigentum nennen.

Ich nutze die Ataris vorrangig zur Demo-Programmierung und arbeite mich zurzeit in die DSP-Programmierung ein, zumal der DSP ein wichtiger Bestandteil des neuen Coldfire-Computers sein wird.

Immer wieder beeindruckend ist das den Ataris zueigene Flair. Ich hoffe, dass dieses Flair auch beim Atari ColdFire zu finden ist und werde versuchen, meinen Beitrag dafür zu leisten. Dabei interessiert mich (natürlich) die hardwarenahe Programmierung, wobei ich der „normalen" Softwareentwicklung nicht abgeneigt bin.

Auf überholte Ausätze wie LS-120 oder gar ED wird aber verzichtet, oder?

Unterstützung für LS-120- oder ED-Laufwerke waren sowieso nie geplant gewesen. Das sind Formate, die dem Anwender keinerlei Vorteile, geschweige denn irgendwelchen Nutzen bringen könnten. LS-120-Unterstützung hätte lediglich ein benötigter I/O-Chip von Haus aus mitgebracht, was aber noch lange nicht bedeutet, dass wir auf solche Standards aufsetzen wollen. Wer solche längst vergessenen Formate wünscht, sollte sich am besten auch selbst um die passende Treiberentwicklung kümmern, sich aber dann nicht wundern, wenn kein Medium aufzutreiben ist oder diese dann unverschämt teuer sind.

Stichwort USB: Geplant sind USB 1.0 und 2.0. Reicht nicht die Integration von USB 2.0, oder ist dieser neue Standard nicht abwärtskompatibel?

USB 2.0 ist natürlich abwärtskompatibel, von daher würde natürlich die Integration des USB 2.0-Standards für eine komplette USB-Peripherie Unterstützung ausreichen.

Unterstützt der ColdFire 4e denn beide Standards?

Nein, der ColdFire 4e soll lediglich USB 1.0 unterstützen, was für langsame Peripherie-Geräte wie Maus, Tastatur, Drucker usw. gedacht ist. Dabei müssen wir klar bedenken, dass wir diese 1.0-Unterstützung ohne Mehraufwand mit der Einführung des neuen ColdFire 4e bekommen werden, da diese Unterstützung direkt auf dem Chip mit untergebracht ist - also eine Art kostenlose Dreingabe.

Eine USB 2.0-Unterstützung sollte demnach durch einen zusätzlichen USB-Chip auf dem Motherboard hergestellt werden, was wir aber nun nicht weiter in die Spezifikationen mit aufnehmen wollen. Die USB 2.0-Unter-stützung für schnelle Peripherie-Geräte soll dann durch eine externe PCl-Kar-ten-Anbindung gewährleistet werden.

Besonders beim Thema USB kommt ja die kritische Treiberprogrammierung auf den Tisch. Was helfen USB-Schnittstellen, wenn keine Treiber für USB-Peripherie vorhanden sind? Wie soll hier Abhilfe geschaffen werden?

Du triffst die Problematik genau auf den Punkt. Die Erfahrung mit vorhandenen Atari-Clones wie dem Hades oder Milan haben ja leider die stiefmütterliche Unterstützung solcher neuer Schnittstellen gezeigt. Hier war und ist dies hauptsächlich die mangelnde PCI-Treiberentwicklung. Entweder existiert überhaupt kein Treiber, oder er ist kommerziell und nicht selten dennoch keineswegs ausgereift.

Damit wir mit den neuen Schnittstellen des ColdFire-Atari nicht genau die gleichen Erfahrungen machen müssen, haben wir jetzt schon sehr viel Arbeit in die zukünftige Treiberentwicklung investiert. Aber den wichtigsten Teil haben wir mit dem Entwicklertreffen in Dresden begonnen: die Öffnung der Entwicklung in ein Gemeinschaftsprojekt, denn ohne ausreichend Unterstützung vorhandener Entwickler ist eine solche Aufgabe definitiv nicht zu leisten.

Matthias Alles, Treiber-Entwicklung

Mein Weg zum Atari begann 1989, als meine Eltern beschlossen hatten, einen ST unter den Weihnachtsbaum zu legen (eigentlich sollte es ein Amiga werden, aber auf Anraten von Bekannten wurde der wieder zurückgeschickt). Und wie das so ist, spielt man als achtjähriges Kind erstmal nur mit dem Computer. Dies blieb auch eine ganze Weile so. Da '94 letztendlich für den ST kaum noch neue Spiele erschienen, kam schließlich ein PC ins Haus. Der Atari war damit eigentlich schon abgeschrieben.

Als ich mir aber im gleichen Jahr meine erste Ausgabe des „Computer-Flohmarkt“ kaufte war, ich ganz erstaunt, dass dort noch viele Leute mit dem Atari zu tun hatten. Nach einer Software-Tausch-Aktion war ich dann ganz begeistert von meinem ST, weil der plötzlich Dinge machte, die ich ihm nie zugetraut hätte. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte sich dann auch mein Interesse am Programmieren. Zunächst stand ein Systeminfo-Tool in Omikron-Basic auf dem Plan.

1998 kam schließlich ein Falcon auf meinen Schreibtisch, auf dem ich auch heute noch programmiere. Das größte Projekt ist bisher das Echtzeit-Strategiespiel STune, das in C entwickelt wird. Mittlerweile programmiere ich aber nebenbei in Assembler, und auch ein wenig DSP-Coding hab ich mir angeeignet.

Warum setzt man beim Anschluss von Maus und Tastatur weiter auf den PS/2-Standard. Wäre ein Anschluss über USB nicht sinnvoller?

USB ist ein vollkommen neues Gebiet für die Atari-Entwicklung. Wir können daher nicht einfach von heute auf morgen eine perfekte USB-Unterstützung erwarten. Allerdings will heutzutage ja auch keiner mehr auf Maus und Tastatur verzichten, so bleibt uns erst einmal nur der Mäuseweg bzw. der Tastaturanschluss über die PS/2-Schnittstellen, die relativ unproblematisch in das System integriert werden können.

Hier stellt sich auch die Frage, auf welcher Ebene die USB-Treiber bereits integriert werden. Möchte man z.B. auf unterster Systemebene Konfigurationen vornehmen, müssen USB-Treiber schon im Kernel vorhanden sein. Das gilt auch für den möglichen Anschluss von Tastatur und Maus.

Klar, das Ziel ist es, auf lange Sicht die grundlegenden USB-Treiber fest in das System zu integrieren. Das damit eine USB-Unterstützung des Kernels ebenfalls notwendig wird, zeigt ganz schnell den bevorstehenden Entwicklungsaufwand, vor dem wir aber auch keineswegs zurückschrecken, aber den wir auch nicht vollends mit der ersten Betriebssystemversion erwarten können. Ein Betriebssystem sollte ja auch etwas lebendiges sein und nicht so vor sich her dümpeln wie wir es bisher vom TOS oder einigen aktuellen Multitasking-Systemen gewohnt sind.

Eines muss uns aber klar sein: dass wir innerhalb kurzer Zeit die brachliegende Entwicklung der letzen Jahre nicht ohne weiteres auf holen können. Dennoch setzen wir alles daran, diese Entwicklungen endlich nachzuholen, die ja auch erst mit dem neuen ColdFire-System an Sinn gewinnen.

Die Integration von FireWire wird vorerst nicht in Betracht gezogen, oder?

USB 2.0 ist ein technisch nahezu ebenbürtiger Ersatz für die FireWire-Schnittstellen. Eine Entwicklung und Integration beider Schnittstellen wäre daher eine grob fahrlässige Ressorcen-Verschwendung, die wir uns gerade bei der jetzigen Phase der Entwicklung nicht leisten dürfen. Trotzdem stehen wir sicher einer FireWire Unterstützung als PCI-Kartenlösung nicht im Wege. Eine PCI-Anbindung wäre sowieso auch die bessere Wahl, da FireWire-Geräte immer noch weit seltener und teurer sind als vergleichbare USB-Geräte. Uns muss klar werden, dass jede weitere Entwicklung, die wir während der grundlegenden Entwicklungsphase des Rechners machen müssen, den Rechner zum einen erheblich verteuert und zum anderen die Entwicklungszeit noch weiter ansteigen lässt.

Die Déesse-Karte gehört als fester Bestandteil zu jedem ausgelieferten ColdFire-„Atari".

Kommen wir zum Betriebssystem. Traditionell spaltet sich hier das Lager in MiNT- und MagiC-Anhänger. Welchen Weg will man beim ColdFire-Atari gehen?

Kurz gesagt wir werden den einzig sinnvollen und machbaren Weg wählen. Aufbauend auf das TOS und dem MiNT-System werden wir ein modernes Betriebssytem haben, dass auch in der Lage sein sollte, bei Bedarf MagiC nachzuladen.

Richard Gordon Faika, Software Entwicklung

Software entwickle ich selbstverständlich nicht seit dem Kindergarten. Technikbegeisterter Tüftler und Bastler, der im Gegensatz zu meinen damaligen Freunden die ganzen Sachen auch wieder zusammenbauen konnte, war ich schon immer. Vor meiner Computerzeit habe ich mich ausschließlich für jede andere Art von Technik interessiert -seien es Verbrennungsmotoren oder alte Fernseher.

Den allerersten Kontakt mit einem Rechner (ich wußte damals wirklich rein gar nichts mit diesen Geräten anzufangen) war ein Commodore 128 von meinem damaligen besten Freund. Bedienen konnte ich das Gerät selbstverständlich nicht, und ich wusste auch nicht, was da drin passiert - und ehrlich gesagt hat es mich auch rein gar nicht nicht interessiert. Auf dem C128 haben wir ab und an irgendwelche Spiele gespielt - fragt mich jetzt nicht welche, irgendetwas mit merkwürdigen, bunten Klötzchen und Männekinns im Bierkastenstil. Die ganze Spielerei hat mich aber dann doch angesteckt und erst Jahre später, innerhalb meiner Lehrzeit (ca. 1993/94), ergab sich die Möglichkeit, einen Amiga 500+ von einem Schulfreund abzukaufen, ich habe das Gerät vorher nur vom Weiten gesehen und war dann natürlich äußerst enttäuscht, als die Grafik auf dem Fernseher um so vieles schlechter war als auf der Verpackung. Konsequenz: Bastelobjekt. Ich habe dann lieber darin herumgelötet (irgend etwas mit der Grafik hatte auch einen Wackler, und den wollte ich beseitigen) und habe ihn dabei erfolgreich zerstört (Kickstart-ROM falsch eingesteckt).

Danach hatte ich erst einmal für eine gewisse Zeit die Nase voll von diesen nichtsnutzigen Dingern, ich bastelte lieber Verbrennungsmotoren in Fahrräder ein (ich bin zu faul zum Treten) und hatte damit natürlich so meine lustigen Zeiten (erstaunte Polizistengesichter, explodiernde Motoren und springende,

schreiende Rentner..), lernte jedoch in der Zwischenzeit einen weiteren sehr guten Freund kennen, der - wie schon fast zu erraten ist- ein Atari-Anwender war. Das war Anfang 1995 und dann ging alles eigentlich relativ schnell: 1040 ST'M abgekauft, Spiele und natürlich GFA dazu, lange Nächte und läge mit tränenden Augen am Fernseher gespielt und Programmierversuche gemacht. Die Dinger habe ich noch, eventuell wäre es ja mal witzig die zu veröffentlichen... Dann stellten sich einige kleinere Erfolge ein, einen ordentlichen Monitor für die Augen gab's dann auch (SM 124) - und schon war die Begeisterung entflammt!

Ende 1995 machte ich ein „Upgrade" auf einen MEGA ST1, ich war der glücklichste Mensch der Welt, trat ins MAUSnet ein und programmierte mein erstes größeres Programm: PlayMeUp (oh Gott, was für ein bescheuerter Name), ein durchschlagender Flopp, genau wie das spätere, größere Projekt AudioSAM (vielleicht kann sich ja irgendwer erinnern!?). AudioSAM war mein größtes und einziges Audio-Projekt, ein Programm zur Sample-Bearbeitung (ihr glaubt ja nicht, wie ich freudig hüpfte, als ich selbst herausfand, wie man digitale Audiodaten mischt und filtert) und mit Harddisk-Recording-Möglichkeit ab dem ST aufwärts.

Tja, und dann kam der entscheidende Moment zur Wende in meiner .Programmierer-Laufbahn": Ich bekam von einem MAUSnet-und Atari-User das GEM-Entwicklungswerkzeug für GFA „FACE-VALUE 1.0" gesponsort (ich wüsste gern, wer das war, ich weiß es nicht mehr).

Danach ging es Schlag auf Schlag, ich kaufte einen TT 030 mit der Nova-Grafikkarte und einen Monitor (da gab es dann wirklich Farbe und 3D-Effekt unter MagiC, wow!), und ich war einfach nur begeistert - und das bin ich heute noch, einen „alten Daimler" bekommt man eben nicht kaputt und so programmiere ich immer noch darauf. Ab diesem Zeitpunkt ging es dann aufwärts im Sinne von Software-Projekten, die etwas professioneller waren und auch eine bessere Verbreitung fanden: 1995/1996 LadenPRG, 1997 Schon-Me, viele viele kleinere Programme wie Spica, GLOAD oder Lisa, 1998 Arthur und im Dezember 1999 fing ich Luna an und veröffentlichte im Januar 2000 die Version 1.0. Nun ja, und heute bin ich hier und gebe nicht auf, auch wenn hier mittlerweile G4-Mac und Windows-PC neben dem TT stehen, und Sie?

Was spricht Deiner Ansicht nach für MiNT, was für MagiC?

Bis auf die immer noch problematische Installation von MiNT hat MagiC für mich keinerlei Vorteile mehr gegenüber dem MiNT-Einsatz. Wenn man bedenkt, dass wir das Betriebssystem im neuen ColdFire-Rechner vorinstalliert in einem Flash ROM unterbringen und der Anwender mit der Installation nahezu nichts zu tun haben wird, dann darf man diesen Kritikpunkt gegenüber MiNT nicht weiter gelten lassen.

MiNT bietet uns unzählige Vorteile gegenüber dem kommerziellen, in sich abgeschlossenen MagiC-Systems. Schon heute können wir auf eine Unmenge Software aus der Linux-Welt zurückgreifen, auch eine Portierung eines aktuellen Browser-Pakets wäre in Kombination mit der neuen Hardware kein großes Problem mehr. Der allerwichtigste Punkt bleibt aber nach wie vor die Möglichkeit der Weiterentwicklung des Betriebsystems, welches mit dem Einsatz von MagiC leider immer unsicherer wird.

Wie sieht es mit dem TOS aus? Welche Version soll hier Verwendung finden?

In Zusammenarbeit mit Milan Computersysteme werden wir das aktuelle Milan TOS bzw. die aktuelle weiterentwickelte Version als Grundlage für das neue ColdFire-Betriebssystem nutzen können. Das bedeutet natürlich einen enormen Gewinn für unser Vorhaben, da wir auf ein sehr gut dokumentiertes und bereinigtes TOS zurückgreifen können. »

Interessant für langjährige Atari-Anwender ist sicherlich die Kompatibilität zu Programmen, die sie schon Jahre verwenden. Dies ist immer ein kritischer Punkt, denn immerhin muss ein neues System auch alte, längst überholte Zöpfe abschneiden. Wie soll aber eine größtmögliche Kompatibilität auch zu Spielen und alten Programmen hergestellt werden?

Ich denke die Zeiten sind nun endgültig vorbei, in denen man einer ST-High-Applikation von 1989 nachtrauern musste. Wer so etwas sauber laufen haben will, der sollte unbedingt neben dem ColdFire-Rechner auch seinen originalen 1040 ST, Falcon, TT oder Mega STE laufen lassen, denn viele Programme sind nach wie vor auch zwischen diesen Computern inkompatibel. Größtmögliche Kompatibilität darf daher kein Hinderungsgrund für Weiterentwicklung sein. Wer braucht denn heute noch die antiquierten Low-Grafikmodi des ST?

Wie wir das auf dem Entwicklertreffen auch besprochen haben, werden wir für den ColdFire-Rechner ja auch keine großen Probleme haben, einen aktuellen Atari-Emulator nativ zu portieren. Damit dürften dann auch die letzten unsauberen ST-Spiele auf dem neuen Rechner laufen. Im Endeffekt haben wir dann den mit Abstand am kompatibelsten Atari-Rechner, den es bisher je gegeben hat.

Fredi Aschwanden, Hardware-Entwicklung

Seit es den Atari ST gibt, arbeite ich mit TOS - es ist so schön unkompliziert. Um meinen ersten 520 ST zu kaufen, musste ich nach Deutschland fahren, denn in der Schweiz war er damals nicht erhältlich. Als dann das RTOS-/UH-Pearl für den Atari kam, habe ich viel mit diesem Betriebssystem gearbeitet. Ich habe darauf sogar eine Applikation für ein Dreiplatz-System geschrieben. Damit kann man eine Datenbank verwalten, Offerten, Rechnungen und Brief schreiben sowie die Buchhaltung erledigen, alles mit einem System! Ein Mega ST/4 diente als Host, und über RS232 und MIDI waren zwei Terminiais (2 x 520 ST) angeschlossen.

Gleichzeitig habe ich auch immer an der Hardware meiner Ataris rumgebastelt und mich über Beschleunigerkarten bis zum Hades 060 hochgearbeitet. Im Moment bin ich dabei, die Hardware für den neuen TOS-Computer zusammenzustellen.

Beruflich habe ich ursprünglich Dachdecker gelernt, später Hochbau studiert und jetzt bin ich Hardwareentwickler bei Gretag-Macbeth, wo ich Farbspectrometer-Messgeräte mitentwickle.

Für einiges Aufsehen sorgte der wahrscheinliche Preis um EUR 1000.- nur für das Motherboard des neuen Rechners. Verschiedene Stimmen wiesen darauf hin, dass z.B. der AmigaOne G3 nur knapp EUR 600.- kosten soll. Was lässt sich fairerweise über die Preisgestaltung sagen?

Sicher, wir hätten auch einfach ein Preis um die EUR 600.- ansetzen können - aber was bringt uns eine unrealistische Einschätzung der Kosten? Im schlimmsten Fall wäre das ColdFire-Projekt mit dem Erscheinen des Rechners auch schon wieder gestorben, da wir dann alle Pleite wären.

Um den Preis von ca. EUR 1000.-zu verstehen, muss man unbedingt die äußerst problematische Marktsituation unserer Platform kennen. Der Markt ist einfach zu klein für eine Massenauflage eines solchen Rechners. Unser alleiniges Ziel ist im ersten Schritt, die vorhandenen User zu versorgen und das System auf heutiges Niveau zu bringen, dann erst können wir beginnen neue Märkte außerhalb der Atari-Welt zu erschließen und neue Anwender für unser System zu begeistern.

Jens Syckor, Treiber-Entwicklung

Für Atari-Verhältnisse bin ich ein Späteinsteiger, denn erst 1997 packte mich das Falcon-Fieber. Demos wie „Lost Blubb" oder „Sonolumineszenz" waren für mich die absoluten Knüller. Seitdem treibe ich in der Atari-Szene als spion/escacpe mein „Unwesen". Anfangs hatte ich mich mit Grafiken beschäftigt, später fing ich an in Assembler und C zu programmieren. Seit 1999 studiere ich Medieninformatik an der TU Dresden.

Das Atari ColdFire Project reizt mich, da man jede Menge dazulernen kann - gerade wenn es um die Entwicklung und Anpassung von Treibern geht. Und an einem neuen Rechner mitzuwirken, das ist bestimmt eine tolle Erfahrung, glaube ich.

Bis dahin muss allen klar sein, dass wir alle an diesem Projekt beteiligten Personen aus rein ideellen Beweggründen Zusammenarbeiten, keiner von uns verdient also etwas an diesem Projekt und Einnahmen dienen ausschließlich den Kostendeckung. Ein Unding, wenn jemand glauben würde, wir könnten so einfach mal schnell den gesamten PC-Markt mit unserem jetzigen System beglücken und damit auch noch reich werden. Bevor wir nur daran denken können, sollten wir erst einmal unsere Hausaufgaben machen und unser System auf den aktuellen allgemein üblichen Entwicklungsstand bringen.

Ist eigentlich nur die Auslieferung des Boards geplant, sodass Anwender und Händler sich ein System zusammenbauen können, oder ist auch ein Komplettsystem inkl. Laufwerken, Maus, Tastatur etc. in der Planung?

Ein Komplettsystem ist zum jetzigen Zeitpunkt der Entwicklung zwar nicht unser Hauptziel, aber wir sind uns sicher, dass wir einen solchen Rechner ebenfalls anbieten werden. Dabei greifen wir selbstverständlich auch auf die vielen Anregungen der Atari-User in den Foren zurück, die teilweise sehr konstruktive und bemerkenswerte Ideen zu diesem Thema geschrieben haben. So bin ich ebenfalls von der Wichtigkeit einer Komplettvariante überzeugt, die auch ein bestimmtes Atari-typisches Gesicht, sprich ein markantes Gehäuse, welches sich von der PC-Stangenware absetzt, haben muss. Bis wir uns allerdings die Köpfe über eine solche Lösung zermartern, muss erst einmal der Rechner auf den richtigen Weg gebracht und noch viel Arbeit getan werden.

Wieviel RAM soll das Standardsystem übrigens enthalten? Welche Speicherart ist geplant?

Mindestens 256 MBytes SD-RAM ist geplant, wobei wir die endgültige RAM-Bestückung an die marktübliche Speichergröße anpassen werden, damit wir für uns das beste Preis-/Leistungsverhältnis ausnutzen können.

Die Hardware-Spezifikationen stehen weitgehend, die Entwickler sind gefunden. Auf welchen Realisationszeitraum können sich Atari-Anwender jetzt einstellen?

Wir alle hätten den Rechner ja gerne so schnell wie möglich, lieber heute als morgen. Aber jeder, der sich nur wenigstens etwas mit dieser Materie beschäftigt, wird einsehen, dass man ein solches Projekt nicht über Nacht aus dem Boden stampfen kann. Wir arbeiten mit aller Kraft an einer schnellen Verwirklichung des Rechners, und ich persönliche hoffe auf das Erscheinen des Rechners noch vor Weihnachten dieses Jahres. Aber ich betone nochmal, dass ich das persönlich hoffe, denn wir arbeiten alle gemeinschaftlich zusammen und sind aufeinander angewiesen, da ist es unmöglich einen festen Termin zu nennen, das wäre sehr unfair dem Team gegenüber.

Oliver, vielen Dank für das interessante Gespräch.

xtos.de
http://acp.atari.org

Zum ColdFire-Projekt gehören außerdem die folgenden Atari-Entwickler, die nicht int Bild oder im Text vorgestellt wurde:


Thomas Raukamp
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