Editorial - "Bleibt locker, Leute!"

Der lachende Dritte, oder: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen

Interessanten Lesestoff in Form von verbalen Denkzetteln gab es im Internet in den letzten Wochen mehrfach zu genießen - und der geneigte Atari-Fan wusste sich schadenfroh die Patschehändchen zu reiben. Amiga-Fanatiker wurden von dem deutschen Online-Service „zyn.de“ gehörig mit Sarkasmus eingedeckt, indem der typische Amiganer, der nächtelang an seiner „Freundin“ herumschraubt, -bastelt und -lötet, um auch noch das kleinste bisschen an Leistung aus dem alten Mädel herauszuholen, karikiert wurde - und alles für ein Leben zwischen stiller Befriedigung, etwas sympathischer Besserwisserei und Guru-Meditationen. Mac-Freunde bekamen es von noch angesehenerer Stelle aufs Dach: Niemand anderes als die Online-Version des ehrwürdigen Spiegel bemerkte treffend, dass Apple-Fans eigentlich immer die ersten sind, die „Hier!“ rufen, wenn laut nach beleidigten Leberwürsten gerufen wird. Dies trifft auch dann zu, wenn ein Artikel positiv über Apple berichtet - dann wurde eben zu wenig gelobt. Wenn gar Kritik an den Heiligen aus Cupertino geübt wird, dann kann der Spiegel ab der Hamburger Stadtgrenze Fenster und Türen verriegeln, so groß ist der Zorn der Apfel-Jünger.

Natürlich regen solch treffende Betrachtungen zum Schmunzeln an - nicht zu Unrecht sagt der Volksmund: „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.“ Und da die wackere Atari-Anhängerschaft bisher noch nicht so treffend durch den Kakao gezogen wurde, bleibt sie in der Rolle des lachenden Dritten. Trotzdem trifft natürlich etwas aus beiden Anspielungen auch auf einige Ataristi zu. Allzu schnell sind sie beleidigt, wenn die Vorzüge ihres Systems nicht laut und oft genug erwähnt werden. Und sie können ebenso viel Energie in die Optimierung ihres Systems legen, wie ein Amiga-Fan, wenn es darum geht, den Nachbarn zu beeindrucken. Und als „Dank“ semmelt ihr heiß geliebtes MagiC daraufhin nur allzu häufig ab...

Wir alle können sicher etwas unverkrampfter auftreten, wenn es letztlich „nur“ um die Technik geht, die uns bei der täglichen Arbeit behilflich ist. Wir wissen schließlich selbst, warum wir den Atari anderen Systemen vorziehen und daher immer noch hartnäckig auf die Fortführung der Plattform hoffen. Beweisen müssen wir nun wirklich keinem mehr etwas...

Na ja, aber besser als der Amiga war der Atari doch schon immer, oder? Weiß ja eh jeder...


Thomas Raukamp
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