Open System: Der PowerPC G5 kommt

Die Computerwelt ist rund. In lockerer Folge wollen wir einen Blick über den Tellerrand des Atari-Universums werfen und über interessante Entwicklungen berichten.

Wie das englische IT-Magazin "The Register" berichtet, hat Motorola den PowerPC 8500 - auch G5 genannt - Mitte September finalisiert und plant in Kürze die Serienproduktion, die Chips mit Taktraten von bis zu 1.6 GHz erlauben wird. Dies wäre höher als der momentan schnellste X86-Prozessor von AMD.

Und natürlich wird diese Technologie primär vom Langzeit-Partner Apple genutzt werden. Die Prozessoren sollen mit Taktraten von 800 MHz, 1 GHz, 1.2 HGz, 1.4 GHz und maximal 1.6 GHz verfügbar sein. Da Motorola plant, die beiden niedrigen Taktraten für Embedded-Systeme [1] zu verwenden, ist davon auszugehen, dass Apple sich kurzfristig der drei höher getakteten Prozessoren bedienen wird.

Um diese Prozessorgeschwindigkeiten zu erreichen, musste Motorola bei der neuen G5-Technologie von 7 (PPC 7450) auf 10 Pipelines erweitern. Theoretisch wäre die neueste Technik auch im Stande, Taktraten von 2 GHz zu erreichen, doch derzeit sollen Prozessoren mit 2 GHz noch zu unstabil laufen, als dass diese in die Serienproduktion gehen könnten. Dennoch: Hier tut sich bereits heute eine Perspektive auf, die dabei dienlich sein könnte, beim Gigahertz-Wahn der Wintel-Allianz schrittweise mitzuhalten.

Konsequenz

Höhere Taktraten bedeuten stets auch einen steigenden Stromverbrauch, was zwar bei Desktop-Rechnern nicht weiter ins Gewicht fallen dürfte, spätestens aber beim Einsatz in Notebooks zu einem ausschlaggebenden Faktor für oder wider einen portablen Apple werden könnte. Um dem entgegen zu wirken, hat Motorola eine neue Silicon-on-lnsulator-Technologie entwickelt, die dazu führt, dass der Maximalverbrauch eines 1.4 GHz-Prozessors nur noch bei 26 Watt liegen wird. Im Vergleich dazu benötigt der PowerPC 7450 mit 533 MHz derzeit 14 Watt. Relativ gesehen wird der neue G5 also etwa nur 70% des Stromverbrauchs gegenüber einem G4-Prozessor erreichen. Es ist davon auszugehen, dass der neue G5-Prozessor über die doppelte Anzahl Transistoren verfügen wird als das aktuelle Flaggschiff, was viel Raum für zusätzliche Prozessorfunktionen lässt. Beispielsweise wäre es möglich, dass Motorola dem G4 einen integrierten Memory-Manager spendiert.

Über die reine Taktfrequenz hinaus wird der neue G5-Prozessor auch ein vollwertiger 64-Bit-Chip sein, der aber auch die 32-Bit-Adressierung bei voller Bus-Geschwindigkeit erlaubt. So wird ein 400 MHz-Frontside-Bus unterstützt, genau so, wie es beim Pentium 4 der Fall ist. Einzige Bremse in einem High-End-System auf Apple-Basis könnten die von Apple verwendeten RAM-Speicherbausteine sein. Standard-SDRAM, wie es derzeit in den aktuellen Apple-Systemen Verwendung findet, würde das System drastisch ausbremsen, da er mit einem Bustakt von 1 33 MHz betrieben wird. Insofern ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass "The Register" sagt, aus zuverlässigen Quellen gehört zu haben, dass bei Apple derzeit an der Unterstützung von DDR DSRAM und die Unterstützung von bis zu 16 GByte RAM gearbeitet wird. Gerüchten zufolge soll das neue Apple-System sowohl USB 2.0 [2] als auch Bluetooth [3] und weiterhin auch AirPort unterstützen bzw. auf entsprechende Erweiterungen vorbereitet sein.

In diesem Zusammenhang erscheint es auch logisch, dass Apple erst Ende Juli dieses Jahres bekannt gab, sich am neuen HyperTransport-Konsortium [4] zu beteiligen. «Apple ist sehr froh, sich als einer der Führer am HyperTransport-Konsortium zu beteiligen», trumpfte Jon Rubinstein von der Apple-Hardware-Abteilung auf. Die Technik habe ein «großartiges Potenzial für die Zukunft». Ob und wie das neue HyperTransport-Protokoll allerdings schon in einem neuen G5-Apple unterstützt wird, ist bislang unbekannt.

Liefertermine

Es ist derzeit nur schwer abzuschätzen, wann Apple die neuen G5-Systeme tatsächlich ausliefern wird. Die neue Firmenpolitik, neue Macs erst dann vorzustellen, wenn diese auch in Stückzahlen und weltweit verfügbar sind, macht es unwahrscheinlich, dass Neuheiten bereits zur MacWorld in San Francisco Anfang 2002 zu erwarten sind. Sollte Motorola tatsächlich Ende September die Serienproduktion starten, müssten die ersten Lieferungen in größeren Mengen im Laufe des ersten Quartals 2002 verfügbar sein, so dass Apple diese im Anschluss verbauen könnte.

Fazit

Was hier noch wie ein Gerücht klingt, wird sich schon in Kürze als Wahrheit entpuppen. Nachdem Intel während des jüngsten Microprozessor-Forums bereits den 3.5 GHz-Prozessor für Ende 2002 angekündigt hat und bereits in einer lauffähigen Prototypen-Version vorstellen konnte, wird es für Motorola höchste Zeit, nachzuziehen. Es ist zwar sehr schön, immer wieder auf den sogenannte "Megahertz-Mythos" aufmerksam gemacht zu werden, der verdeutlicht, wie wenig die Taktzahl über die Performance aussagt, doch kann auch Motorola nicht bestreiten, dass ein moderner 64-Bit-Prozessor wie beispielsweise der Intel P4 durchaus eine hohe Performance erreicht.

Am 15. Oktober hat Motorola ein Microprozessor-Forum und dürfte es sich nicht nehmen lassen, stolz die Serienfertigung des neuen PPC 7500 zu verkünden. Wir werden auf jeden Fall in einer der kommenden Ausgabe die Neuheiten von der Prozessorfront berichten.

Was ist eigentlich?

[1] Embedded Systeme sind Komplettsysteme auf kleinstem Raum, die so viele Funktionen wie möglich in einem Chip oder auf einer Platine beinhalten. Sie werden in Terminals jeglicher Art eingesetzt.

[2] Intel hat den USB-Standard weiterentwickelt und stellt mit USB 2 eine Schnittstelle zur Verfügung, die etwa 40 Mal schneller ist als der herkömmliche USB-Anschluss. USB 2 ist somit eine große Konkurrenz zu FireWire.

[3] Neuer Schnurlos-Standard für mittlere Entfernungen bis 30 m.

[4] HyperTransport ist als schnelle Punkt-zu-Punkt-Verbindung von Chips gedacht und erlaubt bei 16 Datenleitungen bis zu 6.4 GByte/s Übertragungsrate. Ein AMD-Video illustriert den Einsatz im Chipsatz; das Konzept ist vor allem geeignet, um die einzelnen Northbridges und I/O-Controller in Multiprozessorsystemen zu vernetzen.


Ali Goukassian
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