Chrysalis - Rund um den Geburtstag

Es gibt nur wenige Programmierer in der Atari-Welt, die gleichermaßen emsig wie einfallsreich die Anwender immer wieder überraschen. Cunnar Gröbel ist einer von ihnen. Chrysalis ist seine neueste "Wundertüte".

Es gibt Applikationen, die bilden einfach das täglich Brot des Computerdaseins: Textverarbeitungen, Tabellenkalkulationen, Layout-Programme. Und dann gibt es Programme, die einfach für etwas Unterhaltung sorgen -so auch Chrysalis. Die Rede ist hier nicht etwa von einem neuen Spiel, sondern von einer Datenbank. Kein Angst, es dreht sich nun nicht etwa um Datenkolonnen und relationale Verknüpfungen, sondern um ein neues Produkt aus dem Hause Pink Panther Produktionen. Chrysalis ist eine Datenbank, die aus ihren Geburtsdaten eine Vielzahl von Informationen zaubert. Lehnen Sie sich also zurück und freuen Sie sich auf eine Erkundungsreise rund um das eigene Ich.

Was braucht es?

Chrysalis ist recht genügsam in seinen Anforderungen und unterstützt alles, wo TOS draufsteht und was nicht schnell genug auf den Baum kommt. Jeder Rechner mit mindestens 1 MByte RAM sollte mitspielen. Erforderlich ist außerdem ein Auflösung ab 640 x 400 Bildpunkten. Die kunstvoll gestaltete Oberfläche kommt jedoch erst ab 256 Farben richtig zur Geltung und ist für das Multitasking-Betriebssystem MagiC optimiert. Voraussetzungen sind dies jedoch nicht.

Die erwähnte Genügsamkeit in Sachen System-Ressourcen ist aber nicht gleichbedeutend mit einer veralteten Gestaltung des Programms. Chrysalis unterstützt BubbleGEM als Sprechblasenhilfe und kommt auch mit einem ST-Guide als Hilfssystem daher.

Erster Eindruck

Chrysalis kann auf einer beliebigen Partition der Festplatte installiert werden. Nach dem Programmstart fällt als erstes die sehr ästhetisch gestaltete Benutzeroberfläche des Programms ins Auge. Diese ist mit zahlreichen Grafiken und Piktogrammen verziert. Trotzdem wirkt sie nicht übertrieben verspielt, die Icons erhöhen vielmehr sinnvoll die intuitive Benutzbarkeit des Programms, die Grafiken laden zum Wohlfühlen auf dem eigenen Rechner ein.

Trotzdem gibt es Grund zur Kritik. Die Fensterrahmen sind komplett in einem eigenen Design gehalten, das sich auch nicht abschalten lässt. Hat der Benutzer also ein anderes Winframe auf seinem System installiert, so wird dieser Wunsch einfach ignoriert. Keine Frage: auch der Winframe von Gunnar Gröbel ist gelungen. Trotzdem sollte dieser abschaltbar sein, denn immerhin möchten viele Anwender nicht auf ihre gewohnte Umgebung verzichten. Hinzu kommt, dass Chrysalis durch seine Extratour nicht das MagiC-eigene "Window-Shading" - also das Minimieren auf den obersten Fensterbalken, unterstützt.

Bedienung

Trotzdem ist die Programmoberfläche wie erwähnt als äußerst gelungen zu bezeichnen. Das Arbeitsfenster von Chrysalis ist in drei Teile aufgeteilt. Die oberen Leiste enthält Piktogramme, die verschiedenen Informationen aus der Datenbank aufrufen bzw. Programmfunktionen aktivieren. Der linke Teil des Arbeitsfensters enthält einen Kalender, auf dem das vorher eingegebene Datum umkreist dargestellt wird und ein Symbol für das dazugehörige Sternkreiszeichen. Den weitaus größten Teil des Arbeitsfensters nimmt aber naturgemäß der Anzeigebereich für die Datenbankinformationen ein.

Was wird geboten?

Wenden wir uns nun aber endlich den eigentlichen verfügbaren Daten zu, die Chrysalis erst zu dem machen, was es ist. Wie bereits erwähnt lassen sich alle Daten komfortabel über eine Piktogrammleiste abrufen, sodass sie per Mausklick bereitstehen.

Bevor irgendwelche Daten angezeigt werden können, muss das Programm natürlich erst einmal mit einigen Informationen gefüttert werden, mit denen es arbeiten kann. So fragt es vom Anwender den Namen, natürlich das Geburtsdatum und den Geburtsort ab. Darüber hinaus wird auch der Beruf abverlangt. Nun kann Chrysalis mit diesen Daten arbeiten. Zuerst einmal sind Daten über Prominente abrufbar, die an demselben Tag Geburtstag feiern. Quasi als Äquivalent dazu können auch die Todestage angezeigt werden, die auf diesen Tag fallen. Wer schon immer ahnte, dass das eigene Geburtsdatum ein Tag war, der Weltgeschichte machte, kann dies in Chrysalis über die Jahrhunderte prüfen. Wem es gar nach göttlicher Bestätigung verlangt, der kann die Namenspatrone seines Freudentags abfragen. Originell ist auch die Möglichkeit, Feiertage zu erfragen, die in Teilen der Welt oder weltweit an dem eingegebenen Datum abgehalten werden - schließlich wussten Sie schon immer, dass Ihr Geburtstag allgemeine Staatsfeierlichkeiten nach sich ziehen sollte. Etwas poetischer kann Chrysalis auch werden: für jeden Tag des Jahres steht ein Spruch des Tages bereit.

Im obigen Absatz wurden die Funktionen beschrieben, die mittels der erwähnten Piktogrammleiste zugänglich sind. Etwas versteckt liegt dagegen der Mausklick auf das eigene Sternkreiszeichen. Wird dieses Piktogramm angewählt, kramt Chrysalis aus seiner Datenbank noch eine astrologische Deutung zu den eingegebenen Informationen he- raus.

Die dargestellten Informationen können per GDOS-Drucker ausgedruckt oder in GEM-Clipboard übertragen werden. In allen Fenstern findet sich außerdem ein Piktogramm zum Aufruf der ST-Guide-Hilfe.

Zusammenarbeit mit Vorlex

Vorlex ist ein weiteres Programm von Gunnar Gröbel, das mittels einer Schnittstelle direkt angesprochen werden kann. Druckt der Anwender nämlich Informationen in eine Urkunde aus, so kann Chrysalis von Vorlex zusätzliche Daten aus der Vornamen-Datenbank abrufen und verwenden. Dies funktioniert natürlich nur unter multitaskingfähigen Betriebssystemen wie MagiC oder N.AES. Vorlex beendet sich nach seinem Aufruf selbständig wieder.

Fazit

Chrysalis ist ein Programm, das sehr viel Spaß macht. Es vermittelt dem Anwender einige Einblicke in seinen Namen und sein Geburtsdatum, die er vorher in dieser Kompaktheit sicher nicht erlangen konnte. Ein Ausdruck macht sich sicherlich auch gut als kleine Beigabe zu einem Geburtstagsgeschenk. Außerdem eignet sich Chrysalis auch hervorragend als Vorbereitung für eine Festtagsrede.

Dem Programm ist anzumerken, dass viel Arbeit in die Entwicklung gesteckt wurde. Die Datenbank ist schon in der ersten Version erstaunlich groß, die Oberfläche ist durchdacht, der Zugriff auch auf älteren Systemen erfreulich schnell.

So gibt es kaum Grund zur Kritik -sofern diese bei einem Freeware-Programm überhaupt angebracht ist. Es sollte jedoch überdacht werden, ob der gewählte Winframe nicht auf Wunsch abschaltbar ist. Wer nicht nur eigene Daten bearbeiten möchte, würde sich außerdem über eine Speicherfunktion freuen, die z.B. Informationen über Familienmitglieder katalogisieren könnte.

Wer den eigenen Rechner nicht nur zum verbissenen Arbeiten gebrauchen und sich bei interessanten Informationen statt mit Spielen vergnügen möchte, sollte sich Chrysalis schnellstens auf den eigenen Rechner laden.
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Thomas Raukamp


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