Editorial: «Kein Sondermüll von Atari»

Warum der Atari auch ein ökologischer Rechner ist

Wenn Atari-Anwender gefragt werden, warum sie mit einem Atari arbeiten, dann gibt es genauso viele verschiedene Antworten wie es Anwender gibt. Allen Atari-isten ist jedoch eine gewisse moralische Grundhaltung gegenüber der Nutzung der Informationstechnologie gemeinsam. So ist ein oft genanntes Argument das der Unabhängigkeit von marktführenden Unternehmen mit einer Quasi-Monopolstellung. In vorderster Front wird hier natürlich Microsoft genannt. Andere Anwender fühlen sich mit einem alternativen System wie dem Atari sicherer gegen Virenangriffe und das Ausspionieren im Internet. Und die Erhaltung privater Programmierer ist ein weiterer Punkt, der weit in den moralischen Aspekt des Computings vordringt.

Oftmals unbewusst tragen Atari-Anwender jedoch in einem weiteren wichtigen Bereich Verantwortung, nämlich im ökologischen Bereich. Viele unserer Leser benutzen ihren Atari laut unserer Umfrage vom letzten Jahr schon länger als fünf Jahre. Andere arbeiten sogar schon knapp zehn Jahre mit ein und derselben Maschine. In der schnelllebigen PC-Branche und auch im Apple-Markt sind solche Überlebenszyklen schlichtweg unvorstellbar. Ist ein PC-Board älter als ein Jahr, gilt es praktisch bereits als hoffnungslos veraltet. Das Ergebnis ist oft der Wegwurf des Systems, was einen nicht unerheblichen Einfluss auf den heutigen Müllberg hat - Tonnen über Tonnen einst so aktueller Computerschrott bevölkert unsere Halden. Ataris sind jedoch kaum darunter.

Nun mag man zu bedenken geben, dass Atari eben nichts nachgeliefert hat, was zum Wegschmeißen des Alten animiert hätte. Das ist unzweifelhaft wahr, es beweist jedoch nur wieder einmal, dass etwas Altes nicht gleichzetig veraltet ist. Offensichtlich arbeiten immer noch sehr viele Anwender zufrieden mit ihrem Atari-System, was ihnen letztendlich den Atem gibt auf etwas Neues zu hoffen. Auf Müllhalden wird man den Atari jedenfalls auch in Zukunft nicht sehen.

Wenn Sie diese Ausgabe der st-computer in den Händen halten, sollte der August gerade aus- oder der September gerade einklingen. Und Sie haben richtig gesehen: dies ist nicht etwa eine verspätete August-, sondern die pünktliche September-Ausgabe. Die Teams von falkemedia und unserer Redaktion haben in diesem Jahr ihren Sommerurlaub geopfert, um die terminliche Verschiebung, die vor Jahren eingerissen ist, wieder einzuholen. Wir hoffen daher, dass Sie an dieser Ausgabe genauso viel Spaß haben wie wir. Und ich freue mich, Sie an dieser Stelle in Zukunft wieder pünktlich begrüßen zu dürfen.


Thomas Raukamp


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