Ataquarium

Kontroverse Viecher und mysteriöse Programmiersprachen mit 'P'

Wieder einmal ist es Zeit für unser Ataquarium. Die letzten Wochen waren durchaus ereignisreich und so ist es auch nicht ganz einfach, alle Themen in eine Überschrift zu quetschen. Nun könnte ich es mir an dieser Stelle einfach machen und einen Gewinn ausloben für denjenigen, der die Überschrift entschlüsselt. Aber auch wenn der Computer so manches Rätsel in sich birgt, sind wir noch lange nicht die rätsel-computer und jeder Teil des Titels findet seine Auflösung. Um dennoch ein gewisses Maß an Spannung zu erhalten, werde ich Ihnen an dieser Stelle nicht verraten, in welcher Reihenfolge diese Auflösung stattfindet.

Blubb, Blubb

Als ob BUBBLES und BubbleGEM nicht schon genug Blasen aufgewirbelt hätten: es blubbert wieder im Atari. Während Mac-Anwender ihren alten Classic-Mac aufwendig zum Aquarium umbauen müssen, hat Andreas Steinke einen praktischeren Weg gewählt: die Simulation eines Aquariums auf dem Bildschirm. Das ganze ist durchaus ein Markt mit Zukunft (Segas virtuelles Aquarium ist in Japan bspw. ein Renner), aber die Atari-Variante ist derzeit in einem frühen Stadium. Wer sich dafür interessiert, sollte sich in die Diskussion in der Newsgroup maus.computer.sprache.gfabasic einschalten.

Kontroverses

Die GFA-GEM-Competition von Lonny Pursell ist vorbei! Zur Erinnerung: Ziel war es ein kleines Programm zu schreiben, das einen LST-Quelltext in ein compilierfähiges GFA-Programm wandelt. Dazu wurde aufgerufen, Geld in einen gemeinsamen Pool einzuzahlen, der dann an den Gewinner ausgezahlt wird. Insgesamt sind so über 230 Euro zusammengekommen. Wie man dieses Ziel erreicht, war relativ freigestellt: das TTP-Programm sollte die erwähnte Konvertierarbeit erledigen. Ob nun aus dem Orginal-Interpreter Teile entnommen werden oder alles neu programmiert wird, war irrelevant.
Den Source-Code von GFA-Basic zu bekommen, mußte bereits vor längerer Zeit aufgegeben werden. Selbst wenn: GFA-Basic wurde in Assembler programmiert, ist kaum dokumentiert und für fremde Programmierer der reinste Albtraum.
Das Resultat "lst2gfa" wurde von einem anonymen Hacker aus dem Programmcode des Interpreters entnommen. Damit verwendet das Programm größtenteils den Original-Programmcode der Firma und ist somit illegal - auch wenn man den Original-Interpreter besitzt. Deshalb rückt Lonny das Programm auch nur per E-Mail raus und jede Verbreitung ist untersagt. Dies sind die Wünsche des "Autors" Vuk & Co - wobei die Verbreitung ohnehin nicht rechtens wäre.
Die neue Arbeitsweise sieht also so aus, dass das GFA-Programm in einem Texteditor geschrieben und abgespeichert wird. Danach wird die LST-Datei auf lst2gfa gezogen und als Resultat erscheint eine GFA-Datei im Verzeichnis. Inlines werden auch unterstützt, das Inline muß als .INL im gleichen Verzeichnis liegen.

Ist die GFA-Datei im Editor geschrieben und per lst2gfa erzeugt, hilft nur beten, denn lst2gfa verfügt über keine Syntaxprüfung. Unsinnige Eingaben wie z.B.

Option Base (0

bemängelt das Programm nicht. Beim Compilieren bricht dann der Compiler ab - viel Spaß beim Debuggen. Der Original-Editor hat bekanntlich eine Syntax-Prüfung bei der Eingabe und eine weitere Prüfung durch die Test-Funktion. Dies sind Eigenschaften, die gerade GFA-Basic einzigartig und komfortabel machen. Zudem kann natürlich nicht schnell das Programm per "Run" getestet werden, denn der Run-Only-Interpreter kann mit LST-Dateien nichts anfangen. Einrückungen bietet ein Standard-Editor nicht, ebenso wenig wie das automatische Großschreiben von Befehlen.

Nachteile

GFA-User haben mitterweile eine stattliche Anzahl an Programmen angehäuft, um ein sauberes GEM-Programm zu erzeugen: RSC-Editor, faceVALUE, GFA-Editor, ergo!pro, GFA-Compiler (mit der Compilerbibliothek/Linker von R.G. Faika). Mit lst2gfa wird die Komponente "GFA-Editor" durch Editor XY + lst2gfa ersetzt. Eine Unterstützung durch ergo!pro darf man kaum erwarten, da RUN!Software sicherlich keine Raubkopie unterstützen wird. Hinzu kommt noch ein erhöhter Debugging-Aufwand, denn nun kann man sich auch bei den Befehlen ungestraft vertippen. Die Möglichkeit Libraries ähnlich den faceVALUE-Wrinkles einzubinden, bietet lst2gfa nicht, auch unsaubere Befehle wie HIDEM bleiben unberührt. Sicherlich ist es möglich, ein weiteres Programm dazwischen zu schalten, um neue Befehle o.ä. einzufügen, aber der GFA-Bandwurm wird immer länger. Irreführend für manche war wohl der Titel der Competition, denn lst2gfa ist mit Sicherheit kein GEM-Programm.
Zudem hat lst2gfa bereits seit längerem Konkurrenz: das optimal an ergo!pro angepaßte BASTARD bringt den Interpreter auf modernen Systemen zum laufen - inklusive dem ganzen Komfort des GFA-Originals. So bleibt als einziger Vorteil, das mit lst2gfa der Programmeditor im Fenster läuft.
Die Weiterentwicklung von lst2gfa dürfte schwierig werden: es ist der selbe "Spaghetti-Code", den Frank Ostrowski einst verbrochen hat.

Fazit: Wie Shakespeare schon schrieb: Vergebene Liebesmüh'! lst2gfa macht das ohnehin schon komplizierte Programmieren unter GFA noch umständlicher.

Programmiersprachen mit "P"

Es ist schon erstaunlich, was man manchmal auf PD-Disketten entdeckt. So schaute ich mir in Ruhe meine Sammlung an Disketten aus der Karstadt-Serie an, für die damals 10 DM pro Stück bezahlt werden mußten. Ein Teil der Programme dieser Liste ist zwar auch auf anderen Listen zu finden, aber es gibt sehr viele Programme, die nur dort veröffentlicht worden sind.
Auf einer dieser Disketten befand sich ein Ordner "Pilot.PD" und er enthielt "Tiny-Pilot", eine Programmiersprache, die ich auf keinem FTP-Server oder PD-Liste entdecken konnte. Tiny-Pilot ist eine abgespeckte Version von Pilot. Wem jetzt der Name "Pilot" bekannt vorkommt, der wird vermutlich vor ein paar Wochen auf einer der Atari-News-Seiten gewesen sein. Das Taylor-Pilot von 1985 wurde von mir auf den Atari portiert und enthält eine komplette Implementation dieser Programmiersprache.
Was Tiny-Pilot interessant macht, ist, das es selber in GFA-Basic geschrieben ist. Zur Zeit entsteht eine saubere GEM-Version von Tiny-Pilot die evtl. schon bei Drucklegung dieses Artikels verfügbar ist. In der nächsten Ausgabe gehe ich genauer darauf ein.

Mysteriöses

Scully: Mulder, nun schalten Sie den Computer schon an.
Mulder: Ich glaube es handelt sich hier um etwas außerirdisches - sehen sie sich dieses grauen, schrägen Tasten an. Die Beschriftung spricht dafür, das Menschen von Außerirdischen entführt wurden...
Scully: Es ist ein amerikanischer Computer der Firma Atari, Baujahr 1993.
Mulder: Area 51?
Scully: Sunnyvale.
Mulder: Das ist es, was sie uns glauben machen wollen.
Scully: Ich schalte den Computer jetzt ein.
Mulder: Das ist mysteriös.
Scully: Tatsächlich.
Mulder: Dies könnte für einige Menschen eine echte Erleichterung bedeuten.
Scully: Ich werde eine Probe nehmen.
Mulder: Agent Jaap und Agent Raukamp sollten sich mit dem Fall befassen.
Scully: Sie meinen die st-computer?
Mulder: Richtig, die geheime Regierungsorganisation die sich als Zeitschrift für ST-Computer tarnt.
Scully: Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen.
Mulder: Das war mein Satz, Scully.

Inzwischen haben mich die Proben von Agent Dana Scully erreicht. Sie zeigen einen Screenshot eines Atari-Bildschirms unter dem Betriebssystem MagiC. Erste Untersuchungen haben gezeigt, das es sich NICHT um eine Fälschung handelt. In der nächsten Ausgabe wird das Mysterium gelüftet, bis dann!

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Matthias Jaap


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