Editorial

Diese Situation kennen Sie bestimmt: Man sitzt mit Freunden und Bekannten zusammen und fachsimpelt darüber, was Atari machen würde, wenn es die Firma in der alten Form noch geben würde. Eine mögliche Antwort findet sich im Internet unter der URL nuon-tech.com. NUON ist eine leistungsstarke und vielseitig verwendbare Technologie, die im Grunde "passive" Technologien wie DVD-Player, digitale Settop-Boxen und digitale Satelliten-Receiver mit interaktivem Leben erfüllt. Der NUON-Chipsatz ist in der Lage, 3D-Welten in rasender Geschwindigkeit darzustellen und DVD-Videos abzuspielen. Die native Unterstützung modemer Technologien wie Java prädestiniert die NUON-Technologie außerdem für interaktive Internet-Devices -Geräte also, die auch Menschen, die sich bisher nicht mit einem Computer anfreunden wollten oder konnten, den Weg ins Netz der Netze auf einfachste Art und Weise bahnen.

Was das alles mit Atari zu tun hat? NUON stammt von der geheimnisumwitterten Firma VM Labs, die von zwei nicht unbekannten Persönlichkeiten geleitet wird, die auch schon einmal ihre Zelte in Sunnyvale aufgeschlagen hatten: Richard Miller war von 1989 bis 1994 Vice President of Technology bei Atari und zeichnete sich verantwortlich für so innovative Multimedia-Produkte wie den Falcon 030 und den Jaguar, Bill Rehbock war nicht nur an der Entwicklung von Sonys Playstation beteiligt, sondern war bei Atari dafür verantwortlich, dass auf dem Jaguar so wichtige Titel wie Doom, Myst und Wolfenstein Realität wurden.

Wer die NUON-Webseite besucht, kommt um den Gedanken nicht herum, dass hier die Verwirklichung dessen zu finden ist, was Atari seinerzeit mit dem Aufdruck "64-Bit Interactive Multimedia-System" auf dem Jaguar chon andeutete: ein tatsächliches Home-Entertainment-System, das sowohl Unterhaltungs-Aspekte einschließt als auch genügend Leistung für heutige Computeranwendungen liefert.

Und Interessenten mit großem Namen gibt es bereits: Toshiba will den NUON-Chipsatz in seiner kommenden DVD- und Settop-Boxen-Generation verwenden, auch Motorola hat bereits Interesse signalisiert und - der Kreis schließt sich - sogar Hasbro (der jetzige Inhaber der Atari-Rechte) will seine Titel an mögliche Spielkonsolen anpassen. Doch Nuon stünde nicht in der Tradition Ataris, wenn man nicht Gefahr liefe, alte Fehler zu wiederholen: Als Spieleentwicklungen werden vom )aguar bekannte Titel wie Tempest und Iron Soldier angespriesen, große Namen wie Tomb Raider, WipeOut oder Heretic fehlen jedoch. Hoffentlich setzt VM Labs nicht auch in dieser Hinsicht eine alte Sunnyvaler Tradition fort: Überlegene Technik, falsches Marketing.


Thomas Raukamp
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