Stateside-Report: Epiphanie

Als Epiphanie bezeichnet man ein plötzliches Erfassen der Realität durch einen einfachen, erweckenden Vorgang. Es beschreibt eine Entdeckung, ein absolutes Verständnis. Es stellt den perfekten Namen für einen neuen Milan-Computer dar: Der Milan scheint durch allen Schein hindurch. Er sagt den Anwendern: »Computer müssen nicht schwer zu bedienen sein. Sie müssen nicht alle 6 Monate erweitert werden. Computer können einfach sein«.

Es ist immer wieder amüsierend, einen überzeugten Windows- oder Macintosh-Anwender zu beobachten, der seine ersten Erfahrungen mit der Atari-Plattform sammelt. Zweifelnde Phrasen wie »Bist Du sicher, dass dieses Teil nur mit 16 MHz läuft?« oder »Wie kann dieser 10 jähre alte Computer Dinge besser erledigen als mein nur 3 Jahre alter PC« werden in den Raum geworfen. Der durchschnittliche Computeranwender ist ein Opfer des grassierenden "Hypes" - und dies ist hier in den Vereinigten Staaten vielleicht auffälliger als irgendwo anders in der Welt. In Deutschland gibt es trotz der Dominanz von Windows nach wie vor eine solide Atari- und Amiga-Anwenderbasis. Auch die asiatischen Länder behalten einen offenen Geist. Aber Amerikaner scheinen eine andere Geschichte zu sein. Der durchschnittliche Amerikaner sieht die Computerwelt entweder schwarz oder weiß: Schwarz stellt die Wintel-, Weiß die Macintosh-Systeme dar. Graustufen gibt es dabei nicht. Bis auf den heutigen Tag gibt es für die meisten Anwender dabei nur Schwarz. Obwohl Linux auch bei uns schnell an Popularität gewinnt, hat es noch nicht fest genug Fuß gefasst, um von den meisten Anwendern ernst genommen zu werden. Der Name "Atari" wird nur mit Videospielen der 80er Jahre in Verbindung gebracht, "Amiga" ist hingegen ein Spielzeug aus der Kinderzeit. Die Amerikaner müssen aufwachen, und viele der überzeugten nordamerikanischen Atari-Anwender glauben, dass der Milan II der Wecker dazu sein könnte. Um in dieser Rolle besonders in den Vereinigten Staaten (und auch in der ganzen Welt) erfolgreich zu sein, muss der neue Milan einem dreistufigen System folgen:

1) Der Milan muss von einer großen internationalen Werbekampagne unterstützt werden. Diese Kampagne muss die Welt wissen lassen, dass man nicht mit Windows arbeiten muss, um kompatibel und effizient zu sein. Sie muss aussagen, dass das regelmäßige Erleben technischer Probleme kein Nebenprodukt der Computernutzung ist. Sie muss jeden an den Grund erinnern, warum er mit der Benutzung von Computern angefangen hat.

2) Der Milan muss von bekannten internationalen Unternehmen unterstützt werden. Dies beginnt bereits Form anzunehmen (z.B. durch Hewlett Packard, Epic, Motorola, Axro usw.).

3) Der Milan und seine Software muss für eine breite Öffentlichkeit erhältlich sein. Es reicht nicht, nur in speziellen Computergeschäften verfügbar zu sein. Man muss einen Milan genau dort kaufen können, wo man auch eine Ersatzmaus für den PC kaufen würde.

Genauso wichtig sind internationale Versionen der erhältlichen Programme. Windows oder MacOS werden auch nicht nur in Deutsch verkauft. Darüber hinaus sind natürlich noch andere Dinge wie die Bereitschaft für das Internet und eine große Auswahl an "Killer Games" notwendig. Wenn der Milan II die oben genannten Punkte zufriedenstellend erfüllt, könnte er sich zu einem gebräuchlichen Namen entwickeln.

Würde eine weite Akzeptanz und ein großer Einsatz unserer Plattform den gegenwärtigen Anwendern eigentlich ausschließlich helfen? Wenn der Milan sehr erfolgreich werden würde, könnte Microsoft sein Monopol vielleicht in unsere Welt erweitern. Unfertige und fehlerhafte Software würde erscheinen und vielleicht sogar zusammen mit dem Milan verkauft werden - dies ist dem Macintosh passiert und könnte uns genauso passieren. Darüber hinaus ist es ein großer Vorteil für den heutigen Atari-Anwender, dass er den Entwickler seiner bevorzugten Software kontaktieren und sogar auf eine Antwort hoffen kann. So etwas ist auf den gebräuchlichen Plattformen nahezu unbekannt.

Je näher die Veröffentlichung des Milan II rückt, um so mehr werde ich mich bemühen, etwas ganz bestimmtes zu tun: mich zu erinnern. Vergessen Sie nicht aufopferungsvolle Händler und Entwickler, die uns mit qualitativ hochwertiger Software versorgten - auch in den Zeiten, als keine große Zukunft abzusehen war. Vergessen Sie nicht die Programmierer. Erinnern Sie sich immer an die Print- und Online-Publikationen. Und vor allem: Erinnern Sie sich an die User - sie waren und sind es, die in den Newsgruppen helfen und ihre Hand reichen. In all diesen Menschen und Organisationen lebt der wirkliche Geist und die Epiphanie der Atari-Plattform. Dies ist der Geist, der unsere Plattform heute belebt, über die letzten Jahre am Leben erhalten hat und in das neue Jahrtausend führen wird.


Bengy Collins
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