Stateside-Report

Der alte Lateiner sagt "Mutatis Mutandi", was im Deutschen etwa soviel bedeutet wie "Alles beeinflusst alles" - und dies trifft besonders auf die Computerwelt zu. Wer sich heute einen neuen Computer zulegt, kauft sich im Allgemeinen das Gerät, das auch seine Freunde benutzen oder (noch öfter) die Maschine, die auch auf seinem Arbeitsplatz steht. Diese Redundanz hilft den Windows- und Macintosh-Anwendern, in der Mehrheit zu bleiben, lässt aber die Hobby-Plattformen exakt das bleiben, was sie nun einmal sind: Hobby-Plattformen.

Hier in den Staaten war es nicht immer so: Anfang der 90er Jahre gab es viele große AtariHändler, die für ihre Produkte vertrieben und bewarben. Toad Computers, einer der populärsten Atari-Händler, hat regelmäßig einen dicken vierfarbigen Atari-Katalog verschickt, der absolut wundervoll war: Er enthielt Snapshots und Beschreibungen der aktuellen Atari-Hardware, neuer Software wie MagiC, Kobold und dem Ease-Desktop - und das beste war, dass er komplett in englischer Sprache war. Unglücklicherweise infizierten Wintel-Produkte mehr und mehr die farbigen Seiten, bis das Verhältnis zu den Atari-Produkten 100:1 stand. Toad Computers unterstützt heutzutage den Atari nicht mehr, genauso wenig wie Computer Direct, ein weiterer ehemaliger Händler aus Kanada.

Aber es ist noch nicht alles verloren, da auf dem amerikanischen Atari-Markt in den letzten paar Jahren ein gewisser Ausfilterungs-Prozess eingesetzt hat. Langjährige MacintoshAnwender werden wissen, worauf ich anspiele, da sie denselben Prozess seit kurzer Zeit selbst durchmachen: Die Händler, die uns geblieben und die mit mit uns durch Dick und Dünn gegangen sind - auch wenn dies in vielen Fällen einen finanziellen Verlust für sie bedeutet hat - sind wirklich der Weizen der Ernte. Es ist interessant, zu beobachten, dass seit der Ankündigung des Milan II ehemalige Unternehmen, die den Atari zum letzten Mal vor fast 15 Jahren unterstützt haben, nun versprechen, erneut Support zu leisten. Obwohl dieses neuerliche Engagement fantastisch ist, kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass diese Firmen nur hinter finanziellen Gewinnen her sind. Lieben Sie wirklich die AtariPlattform? Ist der Atari mehr als nur irgendein Computer für sie? Ich kann zwar nicht für die "neuen" Anhänger sprechen, aber ich bin mir dagegen sehr sicher, dass alle die Händler und Programmierer, die die TOS-Plattform auch in den 90er Jahren weiter unterstützt haben, die obigen beiden Fragen mit einem nachdrücklichen "ja!" beantworten würden.

Was die Hardware in Amerika angeht, scheint sich der Trend sehr stark dahin zu bewegen, dass sich die "Mainstream-Plattformen" immer weiter verbreiten. Diese Systeme beinhalten nur selten ein 3.5"-Diskettenlaufwerk und setzen fast durchgehend auf die USB-Technologie als einzige Schnittstelle. Diese Modeerscheinung wurde durch die ersten iMacs (die heute eine Firewire-Schnittstelle als Ergänzung zum USB-Port bieten) von Apple initiiert und setzt sich heute auf vielen Wintel-Clones wie z. B. den Compaq-iPaq-Internet-PC fort. Die Ironie dabei ist, dass die neuen Atari-Clones wie z. B. der Milan II und der Phenix mit "alten" Schnittstellen wie z. B. parallelen Ports, einem 3.5"-Laufwerk und einem USB-Port ausgerüstet sind. Eines der Argumente, warum viele Hersteller sich von den älteren Schnittstellen trennten, ist die dramatische Kostenreduzierung, die durch die USB-Technologie möglich wurde - trotzdem ist auch am Milan ein absoluter Niedrigpreisaufkleber zu finden. Sehe ich hier vielleicht die Rückkehr des Slogans Power without the Price?

Auf der Software-Seite gewinnt Linux auch in den Staaten weiter an Popularität. MacOS 9.x kam heraus, ohne dass irgendjemand wirklich Notiz davon nahm. Die meisten Leute warten hier jedoch auf die offizielle Veröffentlichung von Windows 2000. MagiCMac und MagiC PC machen weiter Fortschritte und gewinnen an Anwendern - ob es sich dabei allerdings um eine positive Entwicklung handelt, müssen Sie selbst entscheiden. Deutsche Atari-Software in Amerika zu bekommen, war immer sehr mühselig. Eine neue Gruppe von †bersetzern, D & D translation, die von Derryck Crocke und Dennis Vermeire angeführt werden, helfen nun aber dabei, diese Situation zu ändern, indem sie die populären ASH-Produkte kostenfrei lokalisieren.

Am meisten Aufregung erzeugt aber die Ankündiging, dass der Milan II auch in Nordamerika veröffentlicht werden soll. Es sieht so aus, als wenn alle Atari-Anwender, die hier drüben noch übrig geblieben sind, an einen großen Erfolg der Maschine glauben - und ich schließe mich ihnen an, denn die Nicht-Atari-Anwender sind zur Zeit hilflos verloren. Mein Beweis? Was war wohl das meistverkaufte Computerbuch in den Monaten November und Dezember bei einem der größten kanadischen Buchhändler? Windows 98 for Dummies.


Bengy Collins
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