MS Wordview: Microsoft-Word-Texte mit dem Atari lesen

Heute kommt man trotz allem Enthusiasmus nicht mehr umhin, im Alltag mit Texten im Microsoft-Word-Format konfrontiert zu sein.

Lange Zeit hatten die Atari-Anwender das Nachsehen, bis die Firma ROM logicware einen entsprechenden Import- und Exportfilter für die Textverarbeitung "papyrus" schrieb. Aber nur des entsprechenden Filters wegen einen dreistelligen Betrag auszugeben, ist nicht jedermanns Sache.

Nun endlich gibt es die Möglichkeit, Word 8-Texte (Office'97) mit dem Atari zu lesen, zu drucken und gewissermaßen auch weiterzuverarbeiten.

Zugegeben, die vorliegende Lösung wirkt ein wenig provisorisch, speziell im Vergleich mit den Funktionen, die man mit aktuellen papyrus-Versionen erhält, doch wenn man speziell darauf angewiesen ist, Word-8-Texte zu lesen und auszudrucken, ist man mit "MS-Word-View" bestens bedient.

Der Ursprung dieser Software befindet sich in einem Unix-Programm, das kürzlich erschienen ist. Ein findiger Atari-Anwender hat sich dann an die Arbeit gemacht, das Programm für TOS-Systeme umzusetzen, was ihm auch bestens gelungen ist "MS-Word-View" ist in der Lage, das Microsoft Word 8 Binary-Format zu entschlüsseln und es in HTML-Dateien zu wandeln. Ja, Sie haben richtig gelesen, das Ergebnis ist eine HTML-Datei, bekannt aus dem Internet. Diese Dateien können nicht direkt weiterverarbeitet werden, doch mit Hilfe eines Browsers wie CAB (schon ab der Freeware-Version 1.5) oder Draconis können formatierte Seiten aller Art dargestellt werden.

Funktionsumfang

Die Funktionsweise der Software ist sehr einfach, eine langwierige Installation ist nicht nötig. Die Umsetzung erfolgte nur sehr spartanisch und zweckgebunden, denn dem Anwender liegt lediglich ein "*.TTP"-Programm vor. Nur die gewünschte Word-8-Datei auf "MS-WORDVI.TTP" ziehen, das Programm beginnt, die Datei zu wandeln, und nach einem kurzen Augenblick (je nach Größe des vorliegenden Dokumentes) wird eine gleichnamige HTML-Datei im Startverzeichnis der Software abgelegt.

Diese Datei kann nun mit jedem HTML-Browser angezeigt und auch ausgedruckt werden.

Folgende Word-8-Formate werden erkannt

Noch nicht unterstützte Funktionen

Die Ergebnisse, die erzielt werden, sind durchaus zufriedenstellend. Zwar erhält man nicht immer eine 1:1 Kopie des Originals, doch z.B. wenn es darum geht, den Inhalt einer Word-Datei lesen und ausdrucken zu können, ist man bestens bedient.

Interessant ist auch, wie der Autor die Einbindung der urheberrechtlich geschützten Microsoft-Windows-spezifischen Sounderzeichen-Fonts (wie Wingdings) realisiert hat. Jedes der 256 ASCII-Zeichen liegt als GIF-Grafik vor, die an der entsprechenden Stelle des fehlenden Fonts eingesetzt wir. Hieran kann man z.B. erkennen, mit welcher Ernsthaftigkeit der Autor an der Software geschrieben hat.

Wer lediglich an den Inhalt eines Word-Textes gelangen möchte, um diese nach eigenen Wünschen weiterzuverarbeiten, der hat schließlich die Möglichkeit, via "Copy and Paste" den angezeigten Text auszuschneiden, um ihn anschließend in die eigene Textverarbeitung einzubinden, wobei angemerkt werden sollte, daß hierbei die Textformatierungen (Tabulatoren, Text-Attribute, Font usw.) verloren gehen.

Fazit

Nicht, daß ich meinen wollte "einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul" - im Gegenteil: Das Freeware-Programm ist durchaus eine wertvolle Hilfe für den Alltag.

Sicher, wer Word-Texte auch weiterverarbeiten möchte, der kommt nicht um den Erwerb von papyrus 7.x herum, doch als reiner Word-Text-Viewer kann sich MS-Wordview schnell etablieren. Und auch die Zukunft des Programmes sieht eigentlich gut aus, denn Anpassungen an diverse Microsoft-Formate wie z.B. MS-Powerpoint usw. sind in Planung. Es wäre nun nur noch sehr schön, wenn einer der vielen Atari-Programmierer die Zeit und die Lust fände, eine kleine Shell zu schreiben, über die man die Word-Texte etwas komfortabler aufrufen und konvertieren kann. Und wenn ich gleich einen Sonderwunsch äußern darf: Eine Serienkonvertierung wäre das Gelbe vom Ei!

Bezugsquelle:

Das Programm erhalten Sie im Internet (Adresse zum Redaktionsschluß leider noch nicht bekannt) sowie über die Spezial-Diskette des Vormonats (6/99).


Ralf Schneider
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