Funpaint (2)

Als Videoschnitt- und -effekt-Prozessor hat der Atari bislang noch keinen herausragenden Namen erwerben können. Es ist zwar zu bezweifeln, dass dies mit einer Software wie Funpaint nachgeholt werden kann, doch nichtsdestotrotz ist es gut zu wissen, dass man zukünftig auf eine Alternative zurückgreifen kann, wenn das in Heimarbeit produzierte Video auf dem Computer weiterbearbeitet werden soll.

Während ich bei der Vorstellung von Funpaint in der vergangenen Ausgabe noch auf die rein grafischen Fähigkeiten einging, werde ich heute die 3D-Routinen und den Videoschnitt-Teil näher unter die Lupe nehmen.

3D-Werkzeuge

Im 3D-Menü von Funpaint verfügt der Anwender über eine Reihe von Möglichkeiten, die beeindruckenderweise auch auf einem Falcon oder TT schon auf Echtzeit-Technologie basieren.

Unter dem Menüpunkt Werkzeuge können 3D-Objekte erstellt werden (siehe Bild 1). Mit den ersten 6 Knöpfen werden sog. Grundkörper wie Quader, Flächen usw. erstellt, was so funktioniert, daß ein Körper ausgewählt und dann im 3D-Fenster aufgezogen wird. Letzteres bedeutet, dass die Größe dieses 3D-Objektes in Echtzeit variiert werden kann. Man setzt den Mauspfeil einfach an einer Ecke des Körpers an und zieht ihn bei gedrückter Maustaste größer. Aber nicht nur die Darstellung des Drahtgittermodells erfolgt in Echtzeit, auch die Beleuchtung erfolgt ohne jegliche Berechnungszeit (Gouraud). Durch Klick auf das Sonnensymbol wird der 3D-Körper sofort beleuchtet.

Mit dem Flaschensymbol können in einem separaten Menü sogenannte Rotationskörper erstellt werden. Die Knöpfe 10-12 beeinflussen beim Drehen, Verschieben etc. jeweils die angewählte Fläche (grau), den angewählten Punkt oder das ganze Objekt.

Die Schere schneidet die angewählte Fläche vom übrigen ab, so daß sie frei bewegt werden kann, ohne dass der Rest mitbewegt wird.

Als Beispiel muss man sich einen Würfel vorstellen, von dem eine beliebige Fläche verschoben wird. Dann wird aber der ganze Würfel zur Seite gekippt oder skaliert. Hat man aber eine Fläche abgeschnitten, kann der Würfel sozusagen aufgeklappt werden, man kann also die Fläche getrennt vom Rest verschieben/drehen.

Das Gegenstück dazu ist das "Zusammenkleben", bei dem verschiedene 3D-Objekte in einer beliebigen Konstellation zueinander so fixiert werden können, dass das Gesamte auf Wunsch bewegt, gedreht oder skaliert wird. Diese Funktion soll in den kommenden Wochen nachgereicht werden.

Damit die Auswahl an 3D-Objekten nicht eingeschränkt wird, hat der Programmautor auch einen Importfilter für 3D-Objekte mit Endung *.3DS vom 3DStudioMax geschrieben, wodurch der Anwender eine Auswahl auf nahezu unendlich viele existierende Objekt-Bibliotheken hat. Schließlich besitzt Funpaint auch ein eigenes Format, das Texturen mit unterschiedlicher Farbtiefe verwalten kann. Die Beschreibung des Datenformates liegt für Interessierte der Hilfedatei bei.

Damit die einzelnen Objekte nicht als reine Drahtgittermodelle erscheinen, kann man ihnen farbige oder mit Texturen versehene Oberflächen verleihen. Eine Textur ist eine Grafik, die auf eine Oberfläche geblendet und bei Bewegung der Oberfläche ebenfalls mitbewegt wird. Will man z.B. eine Hausmauer gestalten, würde man die Grafik vieler Ziegelsteine auf eine rechteckige Oberfläche blenden.

Die Textur-Verwaltung (Bild 2) ermöglicht das Archivieren eigener Grafiken, die auf Wunsch selektiert und ganzen Objekten oder Objektbereichen zugeordnet werden können. Um eine möglichst realistische Darstellung des fertiggestellten Objektes zu erreichen, kann man über einen zusätzlichen Button "weiche Kanten" die Normalenvektoren der Nachbarflächen so interpolieren, dass weiche Übergänge dargestellt werden (was allerdings ein wenig mehr Zeit kostet).

Filmbearbeitung

Zurzeit unterstützt Funpaint die Matrix-Video-Digitizer-Karte für den Falcon direkt, so dass Filme ohne Umwege mit Funpaint aufgenommen werden können. Für die Zukunft ist geplant, die für den Milan in Anpassung befindliche Hauppauge-TV-Karte ebenfalls zu unterstützen. Wer Filme bearbeiten möchte, muss aber nicht zwingend eine eigene Video-Aufnahme-Karte besitzen, denn existierende AVI, FLI, FLC und FLH-Files sowie das eigene Filmformat "FUN" können eingeladen werden.

Unter "Film-Erstellen" (siehe Bild 3) kann die Arbeit beginnen. Eine der Möglichkeiten, mit Filmen zu arbeiten, besteht z.B. darin, dass man verschiedene Filmsequenzen mit Hilfe einer Vielzahl von Effekten ineinander übergehen lässt. Bild 4 gewährt einen kleinen Einblick in die Auswahl der Effekte. Beispiele für Schnitteffekte wären z.B. Ein- und Auszoomen, von einer Ecke ins Zentrum kommend, aus den Ecken zur Mitte fliegend, links oder recht gekippt, aus einer Seite gestaucht zur Mitte ausdehnen usw.

Diese Liste (z.Z. ca. 15 Effekte) soll nach Angaben des Programmautors noch deutlich erweitert werden.

Ab einer Farbtiefe von 16 Bit können Filme auch ein- und ausgeblendet werden. Dazu wird die Anzahl der zu blendenden Bilder angegeben, und der Folgefilm wird durch das Vermischen der RGB-Werte über den ursprünglichen Film gemischt.

Interessant ist auch der Blue-Box-Effekt. Ist eine Grafik oder gar ein ganzer Film so aufgenommen, dass der Hintergrund eine einheitliche und vom Bildgegenstand abgesetzte Farbe hat (blau), kann man zwei Filme bzw. eine Grafik und einen Film so vermischen, dass der gesamte Hintergrund der überzublendenden Grafik automatisch ausgeschnitten wird. Um diesen Effekt zu erzielen, kann man über den Menüpunkt "Filter" alle Farben, die innerhalb der oberen oder unteren RGB-Sliderwerte liegen, auf die Hintergrundfarbe setzen. Diese wird wiederum beim Zeichnen im mittleren Zeichenmodus transparent. Zwar sind die hierbei entstehenden Ränder noch etwas unsauber, doch vielleicht wird es auch in diesem Punkt schon bald Abhilfe geben.

Eine außergewöhnliche Besonderheit ist die Funktion, einen Film als Textur auf die Oberfläche eines 3D-Objektes zu projizieren. So kann z.B. ein Ausschnitt aus "Jurassic Park" auf einer der Seitenflächen eines Quaders dargestellt werden. Um dieser Funktion nun alles abzuverlangen, hat der Programmautor auch noch die Möglichkeit eingebaut, dieses 3D-Objekt zu animieren, während ein Film darauf abläuft. Fertiggestellte, komplette Filme können wiederum als ein File ausgegeben werden. In 16 Bit können Filme als FLH mit Kompression exportiert werden, was eine enorme Speicherersparnis zur Folge hat.

Fazit

Unser Bericht sollte es verdeutlicht haben: Funpaint ist ohne Fragen ein Multitalent, das über eine speziell für Atari-Verhältnisse herausragende Anzahl an Funktionen und Möglichkeiten verfügt. Zwar ragen diese Funktionen selten bis in den professionellen Bedarf hinein, doch für den Hobbygrafiker und -videofilmer sollten sie allemal reichen.

Auch was den Ausdruck von Bildern betrifft, ist Funpaint voll auf der Höhe der Zeit, denn es wird der GDOS-Ausdruck unterstützt. NVDI oder SpeedoGDOS sind also zum Drucken notwendig. Das zu druckende Bild kann mit der Maus einfach auf dem Blatt positioniert und durch Verschieben der rechten unteren Ecke auf vergrößert und verkleinert werden.

Insbesondere mit Hinblick auf den Preis, der auch in der umfangreichsten Variante 50 DM nicht übersteigt, kann der User sicher sein, ein hochwertiges Produkt zu erhalten.


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