Sparen bei Tintenpatronen

Reduzieren Sie Ihren Seitenpreis bei Farb-Ausdrucken

Sie brauchen einen neuen Drucker? Kein Problem: mit 400 Mark sind Sie dabei. 600 dpi und mehr, Farbpatrone inklusive: ein fairer Preis - so scheint es. Erst beim Kauf einer neuen Druckerpatrone kommt das böse Erwachen: 50 Mark und mehr verlangen die Druckerhersteller für ihre exklusiven Patronen.

Doch es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Kosten zu senken - und zwar radikal. Viele Händler bieten sogenannte Refill-Lösungen an. Damit kann jeder zu Hause seine leergedruckten Tintenpatronen neu befüllen. Sie sind in der Regel die billigste Lösung, aber auch gleichzeitig die komplizierteste.

Nicht umsonst legen einige Hersteller ihren Refill-Sets Plastikhandschuhe bei, Kleckern gehört hier zum Handwerk. Die Patronen lassen sich nicht unbegrenzt wiederbefüllen, denn nach spätestens sechs bis acht Refills muss wieder eine neue Originalpatrone her.

Nichts für linke Hände

Doch Vorsicht ist angesagt: Nur wenige Hersteller geben eine Garantie, dass das Refill-Produktauch funktioniert. Wenn die Patrone gleich nach dem ersten Nachfüllen verstopft, ist der Preisvorteil dahin. Auch ist das Nachfüllen ist nicht immer ganz so einfach, wie es erscheint, da müssen Plastikteile aufgebrochen werden und manchmal sogar Nachfüll-Löcher gebohrt werden.

Nichts ins Boxhorn jagenlassen muss man sich von Warnungen der Druckerhersteller, dass die Garantie durch Verwenden von Refill-Produkten erlischt Allein Schäden, die direkt durch Produkte von Fremdherstellern entstehen, sind nicht durch die Drucker-Garantie gedeckt.

Für Leute mit zwei linken Händen bieten sich bereits fertig refillte Patronen an. Die sind zwar etwas teurer als Refill-Sets billiger als die Originalpatronen sind sie allemal.

Pelikan geht einen Mittelweg. Das sogenannte "Easy-Click-System" verwendet Original-Druckköpfe, allerdings mit einem kleinen Umbau: Der Tintentank ist vom Druckkopf getrennt und wird einfach "zusammengeklickt°. Das geht schnell und einfach, hat aber auch seinen Preis. Der Vorteil: beide Komponenten können einzeln nachgekauft werden.

Ein vierter Weg ist der Einsatz automatischer Refill-Maschinen, die gebrauchte Originalpatronen fast automatisch wiederauffüllen. Doch diese Lösung ist ziemlich teuer und lohnt sich nur, wenn wirklich laufend Tintenpatronen wiederbefüllt werden.

Problemfall Tinte

Schwachstelle bei allen Refill-Systemen ist die Tinte. Die Druckerhersteller haben ihre Tinten optimal auf den einzelnen Druckertyp abgestimmt. Bei einem Test der Stiftung Warentest schnitten die Originaltinten alle "sehr gut" ab, die der Fremdhersteller fast durchgängig "gut" bis "zufriedenstellend". Nur ein Hersteller schnitt mit "mangelhaft" ab. Hier hilft nur ausprobieren.

Bei Farbpatronen locken besonders große Einsparmöglichkeiten. Denn bei vielen Druckertypen muss nämlich die komplette Patrone ausgetauscht werden, wenn auch nur eine der Grundfarben ausgegangen ist. Da ist es gut, wenn man die Farben einzeln nachfüllen kann. Nachteil: wenn Farbton und Konsistenz nicht exakt mit der Originaltinte übereinstimmen, werden die Audrucke farbstichig.

Kompatible Patronen

Während die Refill-Sets seit einigen Jahren den Einzug in die heimischen Computerzimmer finden, beginnt eine weitere preiswerte Alternative erst seit geraumer Zeit, sich durchzusetzen. Die Rede ist von kompatiblen Tintenpatronen. Diese werden von Drittherstellern produziert und kosten in der Regel rund die Hälfte der Original-Patrone.

Allerdings ist es nur wenigen Drucker-Besitzern bekannt, dass es diese No-Name-Patronen bereits in vielen Computer- und Büro-Fachmärkten gibt, da diese Produkte in der Regel unscheinbar in den untersten Regalfächern liegen und auch nur selten beworben werden.

Die Frage der Qualität dieser Tinten ist nicht pauschal zu beantworten, da es ganz vom Hersteller abhängt, wie ihm das Nachahmen der Original-Rezeptur gelingt. Je nachdem, wie gut eine Tinten-Chemikalie nachempfunden wird, hängt es davon ab, ob die Düsen des Tintenstrahlers nicht verstopfen, ob die Ausdrucke eine vergleichbare Leuchtkraft und Präzsion haben.

Hier ist Probieren angesagt, wobei wir in der Redaktion die Erfahrung gemacht haben, dass es mttlerweile kaum noch "schlechte" Tinten-Alternativen am Markt gibt, was daran liegen mag, dass diejenigen, die keine Qualität zu liefern vermochten, mittlerweile dem Marktgesetz erlegen und von der Bildfläche verschwunden sind.

Die kompatiblen Tintenpatronen gibt es für Epson- und Canon-Tintenstrahl-Drucker, leider, aber nicht für HP-Drucker. Der Grund liegt darin, dass HP die Düsentechnik im jeweiligen Druckkopf vorgesehen hat. Gleichzeitig unterliegt diese Düsentechnik aber einem Patentschutz, so dass diese nicht vom Fremdherstellern nachgebaut werden darf. Bei Epson- und Canon-Druckern sind die Düsen fest am Drucker befestigt, so dass die Farbpatrone im wahrsten Sinne des Wortes nur ein Tintenfaß darstellt.

Unter Anbetracht dieser Tatsache kann man festhalten, dass sich der niedrige Einkaufspreis von HP-Druckern im Laufe der Zeit nach oben verschiebt, da die Betriebskosten vergleichsweise hoch sind.

Fazit

Refilllösungen sind der ideale Weg, beim Drucken viel Geld zu sparen. Leider geht das manchmal zu Lasten der Qualität. Für hochqualitative Drucke empfiehlt es sich daher, immer eine Originalpatrone bereitzuhalten. Für all die anderen Alltagsausdrucke genügen die Ersatzlösungen allemal.

Mit harten Bandagen

In der Schlacht um die Tintenköpfe zwischen Drucker- und Refillherstellern wird mit harten Bandagen gekämpft- es geht auf beiden Seiten um die Existenz. Nicht nur mit juristischen Mitteln kämpfen die Parteien gegeneinander.
So hatten bis vor kurzem die Patronen der HP600-Serie noch ein Nachfüllloch an der Oberseite. Hewlett Packard selbst füllte die Patronen in der Produktion durch dieses Loch. Auch viele - meist kleinere - Refillhersteller machten sich diese Öffnung zunutze. Jetzt ist das Loch verschwunden. Als Grund für den Umbau der Patrone nennt HP-Produkt-Manager Hans Schwarz Probleme mit dem Belüftungssystem. Genauere Gründe kann der HP-Mitarbeiter nicht angeben, auf alle Fälle sei die Umstellung "produktionstechnich bedingt".

Christian Altenberger, Chef des RefillHerstellers a+p, sieht noch einen ganz anderen Grund - die Gewinnspanne beim Verkauf der Patronen.

Das verschwundene Bohrloch ist nur eine Variante, die den Refill-Herstellern zu schaffen macht. So enthält der Druckkopf des neuen "HP2000" - von HP unbestritten - eine kleine High-Tech-Waffe. Ein in den Druckkopf eingebauter Chip zählt die abgegebenen Tintentröpfchen und deaktiviert die Patrone, wenn die erste Füllung verbraucht ist.

Aber auch andere Druckhersteller greifen tief in die Trickkiste, wie Altenberger weiß. Canon zum Beispiel habe mehrmals die Schwämme im Druckkopf ausgetauscht. "Durch den veränderten Widerstand kann die Tinte nicht mehr optimal angesaugt werden." Das Ergebnis: schlechtere Druckqualität und eingetrocknete Düsen.

Die Druckhersteller mögen am längeren Hebelsitzen, doch ganz verdrängen werden sie die kleinen Hersteller nicht. Denn bisher haben die kleinen Firmen immer einen Weg gefunden, ihre Tinte in die fremden Patronen zu schmuggeln - und so werden sie es wohl auch in Zukunft schaffen.


Torsten Kleinz
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