ATARI-Tuning per Software (1)

ATARI-Rechner bieten von Grund auf ein leicht und komfortabel zu bedienendes Betriebssystem. Nicht ohne Grund arbeiten Sie und auch wir mit diesem angenehmen System.

Ähnlich wie der Mac, kann auch der ATARI durch einfache Mittel in seiner Leistungsfähigkeit gesteigert werden. Dies geschieht sowohl auf Hard- als auch auf Softwarebasis. In unserem neuen, mehrteiligen Grundlagenartikel werden wir Ihnen Schritt für Schritt erklären, wie Sie Ihren Computer bis zur Perfektion "tunen" können.

Beginnen werden wir unseren Mehrteiler mit einem Paket an Softwarevorstellungen. Die von uns ausgewählten Programme gliedern sich in verschiedene Teile wie z.B. Fileselektoren, CPX-Module, Accessories, alternative Desktops und Icons, Bildschirmbeschleuniger und schließlich alternative Betriebssysteme. Parallel hierzu erscheinen auch immer wieder Artikel zur Modifikation der ATARI- Hardware.
Den Anfang machen in diesem Monat die Fileselektoren und CPX-Module, deren Aufgabe und Funktion wir erläutern und mittels einiger Beispiele verdeutlichen.

Fileselectoren

"Was ist überhaupt ein Fileselektor?", werden sich nun einige unserer Leser sicherlich fragen. Der Fileselector ist diejenige Box, die erscheint, wenn man eine Datei laden oder speichern möchte. In dieser Box kann man nicht nur die entsprechende Datei selektieren bzw. benennen, sondern auch angeben, mit weichem Laufwerk man arbeiten möchte. Ein Fileselektor kann aber noch viele andere Aufgaben erfüllen, die Ihnen in der Praxis viel Zeit sparen werden. Eine der ersten Tuningmaßnahmen, der sich die emsigen PD- und Shareware-Programmierer annahmen, war, den doch sehr spartanischen Fileselector des TOS zu ersetzen. So erschien Ende der Achtziger Jahre FSEL, der endlich eine Extension und Laufwerksauswahl im Fileselector erlaubte, und zwar systemweit in jedem Programm, das den GEM Fileselector benutzte. Der von ihm eingeführte Cookie wird auch heute noch von allen aktuellen Fileselectoren angelegt. Moderne Selectoren sind allerdings bedeutend weiterentwickelt als ihr Urahn.

BoxKite

BoxKite ist ein Selector, der sich optisch und in der Bedienung an dem seligen, weil nicht mehr weiter entwickelten Selectric, orientiert. Er ist ein Auto-Ordner-Programm, das den original GEM Filesector ersetzt und so in jedem GEM Programm automatisch benutzt wird. Allerdings bietet er einen deutlich höheren Bedienungskomfort. Er kann wie ein Fenster auf dem Bildschirm verschoben und vergrößert werden, so dass die ganze Bildschirmhöhe zum Anzeigen der Dateien genutzt werden kann, und das dynamisch. Er unterstützt unter MiNT oder Magic bei entsprechendem Dateisystem lange Dateinamen und kann zwischen Groß- und Kleinschreibung unterscheiden. Über ein Popup Menü können Funktionen zum Kopieren, Löschen, Verschieben und Umbenennen von Dateien erreicht werden, außerdem können Informationen zu einer Datei angezeigt werden. Mit Hilfe von "Touch" ist es möglich, das Zugriffsdatum der Datei zu ändern. Weiterhin ist es möglich, Dateien und Ordner direkt im Selector zu erzeugen. Ein anderes hilfreiches Feature ist der schon aus dem Selectric bekannte Autoselektor. Er ermöglicht es, durch Angabe eines Buchstabens automatisch den nächsten in der Fileliste passenden Dateinamen auszuwählen. Eine Datei ist einfach zu finden, indem ihre Anfangsbuchstaben eingegeben werden, ohne erst mit der Maus scrollen zu müssen. BoxKite ist natürlich auch voll mit der Tastatur zu bedienen und hält sich an die gängigen GEM- Konventionen. Es gibt eine Suchfunktion, die auch mit Hilfe von Mustern sucht und Dateien selektieren kann. Es können mehrere Dateien gleichzeitig selektiert und an Programme, die das Selectic-Protokoll unterstützen, z.B. Everest oder QED, übergeben werden.
Natürlich kann BoxKite sich auch verschieden Pfade merken, auf die dann über ein Popup Menü zugegriffen werden kann.

Freedom2

Der modernste Fileselector ist Freedom2. Die Features, die dieses allerdings 196 KB große Stück Software bietet, sind erstaunlich.

Hier eine auszugsweise Vorstellung:

Das herausragende Merkmal von Freedom2 ist die Nonmodalität des Selectors, die es ermöglicht, mit anderen Applikationen weiterzuarbeiten, auch wenn ein Fileselector aufgerufen wurde. Beim Verschieben des Freedom-Fensters gibt es allerdings Probleme, da die Applikation, die den Selector aufgerufen hat, während des Aufrufs normalerweise keine Nachrichten zum Neuzeichnen der Fenster verarbeitet. Freedom versucht, dies abzumildern, indem es entweder den Inhalt der Fenster der Applikation ausblendet oder die neuzuzeichnenden Teile mit einem Image füllt. Nach dem Aufruf schickt Freedom dann Nachrichten zum Neuzeichnen der Fenster an die Anwendung. Dies ist allerdings ein prinzipielles Problem der AES und kein Fehler von Freedom2.

Systemeinstellungen

Es soll noch immer ATARI-User geben, die neidisch zum Mac oder PC schielen weil sie dort die Möglichkeit bekommen, Einfluß auf diverse Betriebssystem-Einstellungen zu üben.

Bei Windows funktioniert dies z.B. über die Systemsteuerung, die wiederum viele kleine Applikationen zum Einstellen der Hintergrundfarbe, Maus-Geschwindigkeit, Uhrzeit usw. gibt.

Na und! Das alles kann der ATARI schon lange. Zu diesem Zwecke hat ATARI seinerzeit das Kontrollfenster (XControl) samt seinen CPX-Modulen erfunden. Bei XControl handelt es sich um ein kleines Accessory, das nach dem Bootvorgang alle CPX-Module, kleine Programme zum Beeinflussen diverser Systemeinstellungen, die sich im Ordner CPX des Bootlaufwerkes befinden, aufruft. Diese Idee ist insofern gut, als jeder User selbst bestimmen kann, welche CPX-Module er beim täglichen Arbeiten mit dem Rechner benötigt und welche nicht.

XControl Clones

Es dauerte lange, bis es für das originale ATARI XControl Konkurrenz gab, dabei war dieses nicht gerade fehlerfrei - z.B. auf 68040 Rechnern -, doch nun gibt es schon drei weitere, die um die Gunst des Users buhlen.

zcontrol

zcontrol sieht auf den ersten Blick aus wie das ATARI-Original, bietet aber viele moderne Eigenschaften. Es kann in seiner Modul- Liste bis zu 12 Module gleichzeitig darstellen und so einen größeren Bildschirmbereich nutzen.

Das Hauptmerkmal ist jedoch, dass es jetzt möglich ist, mehrere CPXE gleichzeitig zu öffnen, da zcontrol die Module in Fenstern darstellt und nicht mehr im Hauptdialog. Außerdem ist es möglich, zcontrol als Programm zu starten; wenn dann "CPX" als Dateikennung für zcontrol anmeldet wird, können CPX-Module wie normale Programme gestartet werden. Bei Multitasking- Betriebssystemen ist das sicherlich zum Sparen von Speicher interessant.

Außerdem wird das AV-Protokoll zum Starten von Modulen unterstützt. Unter MultiTOS und Magic >3.0 kann ein Modul auch mit Hilfe von Drag & Drop in das Kontrollfeld gezogen werden, um es zu laden und zu aktivieren. Auf Betriebssystemen, die Iconify unterstützen, ist auch dieses möglich.

COPS

COPS, der Control Panel Server von Thomas Much und Behne & Behne, ist das modernste und dem Original am wenigsten gleichende Kontrollfeld. Nach dem Starten wird keine Liste zum Auswählen der Module ausgegeben, sondern ein Fenster, in dem die Icons der CPXE dargestellt werden (ähnlich der Systemsteuerung unter Windows oder auf dem Mac).

Für Programmierer ist COPS interessant, da es die Möglichkeit bietet, größere Objektbäume als Arbeitsfläche im Modul zu benutzen, nämlich bis zu 512*384 Punkte. COPS passt die Fenstergröße dynamisch an das Resource an. Als modernes Produkt unterstützt COPS auch lange Dateinamen, so können die CPXE auch im Ordner "Kontrollfelder" liegen (der Mac lässt grüßen). Ein ausführlicher Test von COPS erfolgte übrigens in der Ausgabe 3/97.

Freedom2

Freedom2 ist nicht nur Fileselector, indern gleichzeitig auch ein XControl Clone. Wird Freedom2 im Desktop-Menü angewählt, öffnet sich der Fileselector im sogenannten CPX-Mode. In diesem Modus werden jetzt die Module im eingestellten CPX Pfad angezeigt und können angewählt werden. Auch mit Freedom2 können mehrere Module gleichzeitig in Fenstern geöffnet werden. Ebenso kann Freedom2 die Module über alle schon oben beschrieben Methoden starten.

Hier ein kleiner Ausschnitt sinnvoller CPX-Module, die es inzwischen für das TOS-Betriebssystem gibt. Der Clou bei Freedom2 ist, dass man jetzt auch erweiterte Module programmieren kann, sogenannte EPXE, die den gesamten Vorrat an Funktionen der GEM Bibliothek EnhancedGEM von Christian Grunenberg nutzen können. Freedom2 bietet nämlich eine Modulschnittstelle an, über die auf die umfangreichen Routinen zugegriffen werden kann. Um die Möglichkeiten zu demonstrieren, liegen Freedom2 ein paar Beispiele EPXE bei; z.B. ein MOD-Player, ein Modul, mit dessen Hilfe Windows, Winx like, im Hintergrund zu bedienen sind, eine Sprechblasenhilfe, ein Grafikdemo und das Konfigurationsmodul für Freedom2.

CPXe

Module für die Kontrollfelder gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Das beginnt bei A wie ASCII-Tabelle und endet bei Z wie Zahlen-Puzzle. Die meisten Module erfüllen allerdings nicht mehr den Zweck, zu dem das Kontrollfeld ursprünglich gedacht war, nämlich das System oder Programme zu konfigurieren, sondern nutzen es zu Zwecken, für die eigentlich ACCs vorgesehen sind. Aber was soll's. Hier ein kleiner Auszug von CPXen, die man als PD- oder Shareware über diverse Serien, CD-ROMs und Mailboxen erhalten kann:

Harddisk - zum Parken der Festplatte und setzen der Steprate von Floppys
Hd&Memfree - zeigt den freien Platz im Speicher und auf den Laufwerken an
Disk-Formatter - zum Formatieren von Disketten im Hintergrund
Fontshow - zeigt bei installiertem GDOS die Fonts an
Monolupe - eine Lupe unter GEM
Hushicntrl - zum Einstellen des Festplattenschreibschutzes
Konverter - ein Zahlenkonverter hex nach dezimal und umgekehrt
Telecpx - ein Telefonnummernverzeichnis
680x0 Cache - zum An- und Abschalten von Caches der Prozessoren ab 68020
und viele, viele andere ....

Sie sehen, es gibt eigentlich nichts, was es nicht gibt. Auf den diversen CDs, in PD Serien oder in Mailboxen ist alles zu finden. Anzumerken ist, dass diese Programme teilweise Shareware sind. Beachten Sie bitte die beiliegenden Dokumentationen.
Thomas Göttsch


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