CeBit Home 1996

Am 27.08.1996 fiel der Startschuß für die erste CeBit Home, die wie ihr großer Bruder in den Messehallen des Messezentrum Hannover stattfand.

Erstmals in diesem Jahr fand die CeBit Home statt. Nachdem man die "original" CeBit zur Fachbesuchermesse umstrukturierte, sollte eine Endverbraucherveranstaltung geschaffen werden, die sich vorwiegend mit den Themen Telekommunikation, Datenhighway und Multimedia befaßt.

Am Morgen des 28. August, einem Donnerstag, schwang sich der Redaktionstrupp des FALKE Verlages ins Auto und fuhr voller Erwartung ’gen Süden nach Hannover. Schließlich war im Zuge der Internettauglichkeit der ATARIs auch viel Interessantes für uns ATARI-Anwender zu erwarten. Nachdem wir pünktlich um 9.00 Uhr in Hannover-Laatzen ankamen, erwartete uns ein Stau, der uns 1 1/2 Stunden aufhielt. Grund hierfür war die Tatsache, daß im Gegensatz zur CeBit nur ein einziger Parkplatz zur Verfügung stand. An den Kassen sah es anschließend leider auch nicht besser aus. Während wichtige Kassen geschlossen blieben, mußten sich die Besucher bis zu 30 Minuten in Warteschlangen gedulden. Bezeichnend für die Situation waren die Wortfetzen, die wir beim Überholen zweier Engländer aufschnappen konnten "...now do you think that German people are good organizers?".

Endlich auf dem Messegelände angekommen, sondierten wir die Lage: Es waren zur Messe insgesamt 6 Hallen belegt, die wir nacheinander "abklappern" wollten.

Die Halle 2 erschien uns sofort im erwarteten Anblick: volle Gänge so weit das Auge reichte, viel Trubel sowie große Anbieter wie z. B. Microsoft, die mit dem gleichen Stand wie zur CeBit aufwarteten. Darüber hinaus bot der Fernsehsender "Kabel 1" eine große Showbühne mit interessanten Musik- und Tanzeinlagen, die der Bewerbung des neuen hauseigenen Informationssystemes dienten.

Direkt gegenüber befand sich Ameri-can-Online, welche die überarbeiteten Datennetz-Dienste an kleinen Terminals vorführte.

Auf weiteren Bühnen wurden Besucher-Quizspiele rund um das Thema Internet abgehalten oder auch Programme für den privaten als auch hauptsächlich geschäftlichen Gebrauch präsentiert.

In Halle 4 ging es schon ein wenig ruhiger zu. Hier befanden sich vorwiegend Telekommunikationsartikel der Firmen Bosch, Telekom usw. Wer sich also über Handys, Schnurlostelefone und Anrufbeantworter informieren wollte, war hier bestens aufgehoben. Es ging weiter zur Halle 3. Dort erwarteten uns einige messetypische Softwareanbieter, die zwar keinen Verkauf vor Ort betreiben durften, aber dennoch auf Kundenjagd waren. In der Ferne erblickten wir die große Aufschrift " Same-Ü " in leuchtenden Lettern auf dunklem Grund. Dort erwarteten uns etwa 150 Quadratmeter nachgebildeten Dschungels, in dem sich eine kleine Sony-Playstation sowie ein Sega-Stand befanden. Außerdem konnten auf einer großen Leinwand die Kids vor einer Menge Zuschauer "Tekken", ein Karatespiel wie "Fight for Life", spielen.

Für die Konsolensysteme gab es keine atemberaubenden Neuigkeiten, die man nicht schon im Kaufhaus hätte spielen können. Einzig der "Formula l"-Kontest von Sony, bei dem Nachwuchsrennfahrer in einem Rennwagen sitzend vor einer großen Leinwand das neue Playstation-Spiel testen durften, lockte mehrere Besucher an.

Nintendos Ultra64 hielt sich dezent zurück und zeigte nur 3D-Mario. Vom Jaguar leider auch keine Spur.

Musikinteressierte trafen die Firmen Yamaha und Roland mit Neuheiten an.

Hinter "Game-City" erwartete die Besucher ein Sammelstand von Ausstellern, die Zusatzsysteme rund um den Computer anbieten (so z. B. Bildschirmfilter) sowie ein großer Stand zum Thema "Computer und Schule".

Nach sage und schreibe nur 20 Minuten in der Halle 3 verschlug es die Redaktion zum Bayern-Restaurant, wo bei einem zünftigen Mittagsmal die ersten Eindrücke und Beobachtungen ausgetauscht wurden. Wir waren einer Meinung: Nicht nur, daß uns allen die lange Wartezeit auf den Magen geschlagen hatte, auch die vor Ort ausgestellten Produkte vermochten uns nicht vom Hocker zu reißen.

Zwar waren wir uns aufgrund der Vorankündigungen darüber im klaren, daß diese Messe kaum Neuigkeiten bieten würde, doch die Tatsache, daß sämtliche großen Fernseh- und Radiosender wie ARD, ZDF, Pro7, Kabel 1, NDR2, Radio ffn und N-JOY-Radio einen riesigen Trubel um diese Veranstaltung gemacht hatten, schraubte unsere Erwartungen offensichtlich zu hoch.

So begaben wir uns ins die Halle 5, wo uns Firmen wie Toshiba, HP und Citizen erwarteten. Interessant waren die Toshiba-Vorführungen zum Thema DVD (Digital Video Disk), einer Disk, die durch sog. Mehrfach-layer in der Lage ist, so viele Daten zu speichern, daß komplette Videos darauf Platz finden (wir berichteten in Ausgabe 4/96, Seite 11 der ATA-Rl-Inside).

Außerdem konnte man in dieser Halle Stände von Siemens-Nixdorf, Miro und Matrox sowie den Musikinstrumenten-Herstellern Yamaha und Roland besuchen.

Etwas verwundert waren wir über die schwache Auslastung der Ausstellungsfläche. So wurden inmitten der Halle offensichtlich nicht gebuchte Stände mit Sitzplätzen bestückt. Desweiteren wurde ein Beachvolleyball-Feld, eine BMX-Crossbahn und Skateboard-Rampen aufgebaut.

Was hat das mit Multimedia und Kommunikation im elektronischen Sinne zu tun?

Schließlich gelangten wir zur Halle 6, dem letzten Gebäude innerhalb dieses Messekomplexes. Dort wurde die 100jährige Geschichte des Radios dargestellt, ARD & ZDF hatten ihre Übertragungsstudios vor Ort aufgebaut.

Auch Sony konnte mit einem großen Stand viele Hifi- & TV-interessierte Besucher anlocken. Eine Neuheit, die erstmals auf der Messe vorgestellt wurde, war DF1, das digitale Fernsehen. Mit Hilfe eines Grundgerätes, dessen Preis ca. 1000,- DM beträgt, sind Sie in der Lage, interessante Fernsehprogramme in Eigenregie zu empfangen. Derzeit läßt die Aktualität der Filme leider noch zu wünschen übrig, doch Herr Kirch soll in jüngster Vergangenheit eine Menge neue geordert haben.

Nun blieb einzig die Halle 19, die Event-Halle mit dem Mega-Screen (einer atemberaubend großen Videoleinwand), dem Cyberdrome und anderen tollen Attraktionen zu besuchen. Wir begaben uns also auf den Weg, marschierten an einem Open-Air-Stand der Firma Media-Markt vorbei, um einer auf uns zukommenden Menschenmenge zu begegnen. Der Grund hierfür lag darin, daß das Betreten dieser Mega-Event-Halle nochmals weitere 7,- DM kosten sollte. Auch wir beschlossen kurzerhand, die Eintrittskosten nicht von 17,- DM auf 24,- DM anwachsen zu lassen und kehrten um. Der Rückweg durch alle Hallen bescherte uns keine neuen Erkenntnisse über den Informationsgehalt dieser Messe.

Fazit

ln unseren Augen ist diese CeBit Home ein echter Flop. Weder die lange Anfahrt noch die fast ebensolangen Wartezeiten an den Parkplätzen und Eingängen haben sich für uns rentiert. Eine der wenigen Neuigkeiten, die unser Interesse wecken konnte, war die Computer-Bild, die ab sofort im Abstand von zwei Wochen erscheint und Neues aus der Computerwelt in leichtverständlichem Deutsch präsentiert.

Verwunderlich auch, daß viele Ausstellungsflächen innerhalb der Hallen frei blieben bzw. mit Pflanzen und Teppichen versehen wurden. Gerüchteweise sollen einige große Aussteller kurz vor der Veranstaltung abgesprungen sein.

Wie gut, daß die Messeorganisation zwei Jahre pausiert, bevor 1998 die 2. CeBit Home starten soll. Vielleicht kann die Zeit bis dahin genutzt werden, das Konzept etwas umzustricken oder einfach zu überlegen, ob der Endkundenmarkt wirklich eine eigene Messe braucht, auf der faktisch nichts Neues vorgestellt wird. Gewinner waren auf jeden Fall die Veranstalter, die nach der CeBit nun auch im Sommer abkassieren können.

Red.



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