MagiC 5.0 für ATARI: Generation 5

MagiC 4.0 ist bis dato das wichtigste ATARI-Betriebssystem, da es permanent weiterentwickelt wird und ideal z.B. mit NVDI 4.1 harmoniert. Die Zukunft von MagiC 5.0 ist durch die Portierung auf die Mac-und Windows-95- bzw. NT-Welt gesichert, da es ATARI-Usern einerseits erlaubt, bestehende ATARI-Hard- und -Software weiterhin optimal zu nutzen und andererseits auch, bei Bedarf in Zukunft, optional auf PowerMacs und PCs setzen zu können.

Der Zugriff auf moderne Hardware macht ATARI-Software wieder konkurrenzfähig und interessant. Angesichts derTatsache, daß Apples PowerMacs mit Taktfrequenzen von 90-150 MHz laufen und im 4. Quartal sogar Modelle mit 166 bis 200 MHz erscheinen werden, ist dies eine ganz elementare Sache. Und für 1997 sind sogar Modelle mit 300 MHz geplant. Wer möchte da schon außen vor bleiben?

Erfreulicherweise hat man sich aber nicht auf den Lorbeeren des bisher Erreichten ausgeruht, sondern wichtige, neue Features eingebaut, z.B. das Windows-95-Filesystem, Threads. Ease 5.0 mit Win95-Dateisystem-Unterstüt-zung etc, wobei der Einfluß aus der Windows-Welt unübersehbar ist. Ein typisches Windows-Feature sind Gruppen, auch dies ist unter MagiC nun verfügbar.

Lieferumfang und Installation

Geliefert wurden zwei DD-Disketten mit MagiC 5.0 und eine EASE-5.0-Diskette. Außerdem ein übliches, gut lesbares DIN-A5-Handbuch mit 46 Seiten Umfang. Nun, ein bißchen knapp angesichts derTatsache, daß hier drei Betriebssysteme abgehandelt werden, nämlich ATARI TOS, MacOS und Windows 95/NT. Das Handbuch ist auch der einzige wirkliche Kritikpunkt an MagiC 5.0. Es ist gut gelungen, aber zu kurz. Positiv zu erwähnen ist aber die MagiC-Hypertext-Dokumentation. Diese deckt bisher aber nur Features der Versionen 2.0, 3.0 und 4.0 ab. Erweiterungen zur Version 5.0 waren zum Auslieferungszeitpunkt noch nicht implementiert.

Die Installation ist problemlos möglich, sofern man die richtige der beiden angegebenen Seriennummern eingibt, nämlich diejenige, die nicht (!) mit #24 ... beginnt, sondern die andere. Das Handbuch weist aber erfreulicherweise explizit darauf hin, so daß sich das Problem nicht stellen sollte. Die Installation ist ganz einfach und in gewohnter ATARI-Manier automatisch.

Windows-95-VFAT-Dateisystem

Manch einer stellt sich vielleicht die Frage, was man denn beim Update der Version 4.0 zur 5.0 noch großartig ändern könne? Nun, die Frage ist berechtigt, aber anscheinend geht es doch. Viele Entwickler haben bisher MagiC und MiNT/MultiTOS genutzt, weil bisher lediglich MultiTOS die Möglichkeit langer Dateinamen mit Minix XFS 0.60 PL11 bot. Der Nachteil war aber, daß man quasi an MiNT/MultiTOS gefesselt war und spezielle Partitionen dafür abstellen mußte, die ohne MiNT & Minix XFS auch noch leer erscheinen und somit nicht nutzbar sind.

Das Konfigurationsprogramm für das Windows-95-Filesystem

Permanent oder temporär einstellbares VFAT-Windows-95-Filesystem: Unter MagiC 5.0 ist dieses Problem passe! Lange File-Namen sind permanent (oder wahlweise auch nur temporär) auf allen Laufwerken installierbar (außer C:), ohne daß man die Partitionen neu formatieren müßte. Ich war wirklich begeistert, wie einfach das VFAT-Windows-95-Filesystem zu installieren war. Einfach elegant und GEM-konform mit einem kleinen Konfigurationsprogramm.

Während man bei Minix XFS erst die zu installierenden Partitionen neu formatieren und sich über die zu wählenden Parameter im klaren sein mußte, entfallen solcherlei Überlegungen bei MagiC 5.0 und dem VFAT-Win-95-Filesystem ganz. Ein Filesystem mit langem Dateinamen, kompatibel zum Windows 95-Filesystem und zum bisherigen ATARI-Filesystem, ist durchaus eine schwere Aufgabe, und sie wurde sehr elegant gelöst. Wobei man das Problem komplett gelöst und sowohl EASE 5.0 als auch die interne Fileselectboxgleich mit der Fähigkeit ausgestattet hat, lange Dateinamen korrekt zu verarbeiten. Ein weiterer Pluspunkt des neuen Filesystems ist, daß es sich ohne Datenverluste aus-und einschalten läßt. Unter Minix XFS ist ein Ausschalten nicht möglich, es sei denn man fährt ein Backup aller Daten, formatiert die betroffene Partition neu und kopiert die Daten wieder zurück.

Etwas komplizierter wird es lediglich, wenn man seine Minix XFS-Partitionen nach Ma-giC 5.0 konvertieren möchte. Sie besitzen z.B. ein GNU C 2.5.8, 2.6.3 oder 2.7.2 oder sonstige Unix-Quelltexte und wollen es von MiNT/Minix XFS nach MagiC 5.0 & VFAT konvertieren. Eigentlich ginge dies nicht, weil Minix XFS nur mit MiNT aktiv und MiNT unter MagiC 5.0 nicht lauffähig ist. Doch die Lösung ist ganz einfach: Angenommen, Sie besitzen den Ordner „gcc272“ auf einer beliebigen Partition und wollen diese auf eine MagiC 5.0-VFAT-Partition konvertieren.

Nun, dazu rufen Sie GNU Tar auf, z.B.:

    m:\GTAR.TTP m:\gcc272.tar gcc272

Dies ruft GNU tar, also GTAR.TTP, unter einer Shell auf (z.B.: der Mupfel) und erzeugt ein tar-File, in welches der Ordner gcc272 hineinkopiert wird. Allgemein bedeutet dies:

    GTAR.TTP <tar-File> <zu packender Inhalt, meist ein Ordner>

Zu beachten ist, daß dazu „VFAT-CONF.PRG“ im Ordner: „C:\GEMSYS\ MAGICNSTART“ liegen und außerdem korrekt konfiguriert sein sollte. Dazu startet man VFATCONF.PRG manuell und stellt die benötigten Laufwerke ein. Man kann lange Dateinamen auf allen installierten Laufwerken außer „C:\“ permanent (oder optional auch temporär, also bis zum nächsten Reset) einrichten, also: A:\, B:\, D:\, E:\ ... etc. Bei Bedarf kann man auch gewisse Laufwerke davon ausnehmen. Prinzipiell bietet es sich an, alle vorhandenen Laufwerke mit Zugriff auf lange Dateinamen zu versehen, da durch MagiC 5.0 auf dem ATARI und unter MagiCMac und MagiC-PC lange Dateinamen immer populärer werden.

Konfiguration von MagiC 5.0 mittels CPX-File

MagiC 5.0, MAGXBO32.PRG und MAGTOROM.PRG

MagiC 5.0 ist kompatibel, stabil und sehr schnell. Leider liegt der Programmcode des Multitasking-Betriebssystems MagiC 5.0, im Gegensatz zu TOS, nicht im ROM, sondern im RAM des ATARI. Daher können fehlerhafte Programme MagiC 5.0 verändern und das System abstürzen lassen. Doch auf ATARI-Computern ab 68030 ist eine PMMU implementiert, und diese läßt sich ganz elegant - z.B. mit MAGTOROM.PRG (von Uwe Seimet) - nutzen, um Schreibzugriffe auf den MagiC-Code abzufangen.

Insbesondere seit die Installation so einfach wie unter MagiC ist. Sollte man noch alte Programme besitzen, die lange Namen nicht verarbeiten können, kann man ja auch unter dem neuen Filesystem bei Bedarf auch „8+3"-File-Namen eingeben.

MultiTOS hat noch einen gravierenden Nachteil: es besteht aus MiNT und Multi-AES, und letzteres unterliegt dem Copyright der ATARI Corp., die im Computersektor leider nicht mehr agiert. Somit konnten nötige Verbesserungen an MultiAES nie durchgeführt werden. Erst mit dem neuen N.AES (im Vertrieb von Overscan) ist es möglich, das AES endlich zu verbessern. Quelltexte von MultiAES sind nicht verfügbar, so daß man es vollständig neu schreiben mußte.

Nun, bei MagiC wurde das komplette Betriebssystem, inkl. AES, kontinuierlich weiterentwickelt, so daß es breite Resonanz erzielte. Da es das einzige ATARI-Betriebssystem ist, das kontinuierlich gewartet und weiterentwickelt wurde und auch heute noch wird, haben alle auf dem ATARI-Sektor agierenden Firmen ihre Software gerne daran angepaßt.

Programmgruppen à la Windows

Dank MAGTOROM lösen Schreibzugriffe einen Busfehler aus, genauso wie es bei einem normalen ROM-TOS auch der Fall wäre. Zu beachten ist lediglich, daß MAGTOROM sich direkt hinter dem MagiC-Booter im Autoordner befinden sollte. So kann MAGTOROM den kompletten Code von MagiC 5.0 schützen anstatt lediglich Teile davon. Zu beachten ist noch, daß man dazu MagiC 5.0 nicht mit MAGXBOOT.PRG, sondern mit MAGXB032.PRG booten sollte. MAGXB032.PRG & MAGTOROM befinden sich auf der MagiC-Programmdiskette. Probleme mit MAGTOROM ergeben sich eigentlich nur, wenn ein anderes Programm die PMMU bereits benutzt. Prinzipiell kommt dies aber fast nie vor, außer bei virtuellen Speicherverwaltungen wie z.B.: VRAM und Outside. Outside besticht durch den Vorteil, daß es von sich aus MagiC 5.0 gegen Schreibzugriffe schützt, so daß sich das Programm MAGTOROM.PRG prinzipiell erübrigt. Dies ist insofern wichtig, da immer nur ein Programm die PMMU nutzen kann. Dank MAGTOROM.PRG ist MagiC 5.0 nicht nur sehr schnell und effektiv, sondern auch sicher geschützt vor Zugriffen fehlerhafter Programme.

Fazit

Die Änderungen von MagiC 4.0 nach 5.0 sind sehr wichtig und werten MagiC grundlegend auf, z.B. durch Win 95-Dateisystem, drastisch verbesserte interne Cache-Routinen von MagiC 5.0, EASE 5.0 mit langen Dateinamen. Besonders erfreulich ist, daß trotz erhöhter Funktionalität die Installation und Benutzung von MagiC 5.0 weiterhin ganz einfach und intuitiv ist. So lassen sich lange Dateinamen problemlos und ohne Dateiverluste bei Bedarf ein- und auch wiederabschalten. Im Gegensatz zur komplexen Installation von MinixXFS unter MiNT/MultiTOS hat das Konfigurationst-Tool des Win-95-Dateisystems eine wirklich erfreulich einfache Handhabung. Da macht das Arbeiten wieder richtig Spaß.

Filipe P. Martins

Bezugsquelle: Application System Heidelberg Postfach 10 26 46 69016 Heidelberg

Preise:
MagiC ATARI 5.0: 149- DM
Ease 5.0: 69,- DM

Literatur:
[1] Uwe Seimet, „MagiC-ROM-Slmulator“, ST Computer 10/94, S. 80-83

MagiC 5

Positiv:

Negativ:

MagiC-5.0 Handbuch ist mit 46 Seiten Umfang für ATARI, Mac und PC etwas kurz geraten.


Rupert Witzmann
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