Farben wie gedruckt?- Software zur Kalibrierung von Scanner und Monitor

In diesem Monat wollen wir in unserem kleinen EBV-Schwerpunkt einige Software-Hilfen vorstellen, die bei einer farbtreuen Darstellung im Monitor sowie bei der anschließenden Ausgabe der Bilder für den Offsetdruck „in eben diesen Farben" nützliche Dienste leisten. Ist es doch gerade der Bereich „Bildverarbeitung", der auch für manch gestandenen Grafiker immer noch voller Tücken und „weißer Flecken" ist.

Scanner-Kalibrierung mit ReColor

Nach dem Scannen rein ins Layout -und sich wundern, warum die Farben so ganz anders aussehen! Das mag zum einen an derfehlenden Bildschirmkalibrierung liegen, auf die wir weiter unten noch eingehen werden. Aber selbst bei einer korrekten Kalibrierung des Monitors wird das Bild nicht über die satten Farben des Originals verfügen. Aber auch aus aus einem Flachbett-Scanner läßt sich viel mehr herausholen, als manchen Trommel-Scannern lieb ist.

Eine Farbkorrektur des Bildes sollte in jedem Fall vorgenommen werden, will man Blindflüge mit garantiert mittelmäßigem Ergebnis vermeiden. Die Software DA'sy Repro beinhaltet z.B. schon seit langem eine derartige Funktion. Eine für die Farbkorrektur spezialisierte Einzellösung ist ReColor, die als wichtiges Werkzeug zum Arbeiten mit Farb-Scans inzwischen auf vielen DTP-Arbeitsplätzen sicher gar nicht mehr wegzudenken ist.

Selektive Farbkorrektur

ReColor ist als Farb-Scanner-Kalibrierung speziell fürFlachbett-Scannerzum Nachbearbeiten von Farb-Scans entwickelt worden. Das größte Problem bei derScanner-Kalibrierung istja eben diese Farbkorrektur. Ein Farb-Scanner liefert nie die sauberen Farbwerte der Vorlage, da seine beim Scan-Vorgang verwendeten Farbfilter aus physikalischen Gründen keine optimale Reinheithaben unddeshalbeben nurleicht verfälschte Farbwerte liefern können. Das gescannte Farbbild sieht dann aus, als wäre es mit einem leichten Grauschleier überzogen. Diesen Effekt kennt sicher jeder, der mit einem Flachbett-Scanner arbeitet.

Außerdem möchte man das Farbbild ja auch noch drucken. Es kann da passieren, daß ein Farbbild auf einem (unkalibrierten) Farbmonitor noch ganz gut aussieht, im Vierfarbendruck aber verwaschen und vergraut erscheint. Neben der Farbseparation, welche die Farbkanäle Rot, Grün und Blau lediglich auf die Farbkanäle Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz verteilt und damit keine richtige Farbkorrektur erzielt, ist es wichtig, bereits vor der Separation die RGB-Bilddaten in den Farbraum der Ausgabefarben, sprich CMYK, zu konvertieren.

ReColor löst beide Probleme mittels einerselektiven Farbkorrektur, diesich, wie der Name schon sagt, nicht auf alle Farben gleichermaßen auswirkt, sondern die sechs wichtigsten Farben (Cyan, Grün, Gelb, Rot, Magenta und Blau) korrigiert. Auf diese Weise werden in einem Arbeitsgang sowohl die Fehlfarben des Scanners korrigiert, als auch die Bilddaten für den CMYK-Farbenraum aufbereitet.

Der Schärfefilter

Nur zu oft wird in der Bildbearbeitung eine äußerst wichtige Nachbearbeitung von Scans vergessen. Beim Druckvorgang sorgen verschiedene Faktoren dafür, daß die Bildschärfe eines Scans sich deutlich verringert und ein Farbbild wie verwaschen aussieht. Vor der Ausbelichtung eines Scans sollte also in jedem Fall mittels eines Schärfefilters geschärft werden. Viele Anwender trauen sich da oftmals nicht, den Schärfefilter stark genug einzustellen, da dann auf dem Monitor das Ergebnis schnell etwas seltsam aussehen kann. Man darf dabei aber nicht vergessen, daß durch den Druckvorgang etwas „zuviel" an Schärfe wieder reduziert wird.

In dem Programm ReColor sind gleich zwei Schärfefilter eingebaut. Ein Filter bearbeitet alle Farben einheitlich, ein weiterer optional anwählbarer Filter arbeitet dagegen selektiv, so daß bestimmte Farben unterschiedlich stark geschärft werden können. Auf diese Weise kann man z.B. Hauttöne ungeschärft lassen und einen blauen Pullover besonders stark nachschärfen.

Arbeiten mit ReColor

Notwendig zur Kalibrierung ist neben ReColor selbst noch eine geeignete Farbvorlage, die die (gedruckten) Grundfarben Rot, Grün, Blau, Gelb, Magenta und Cyan enthält. Am besten geeignet ist ein Kalibrierfarbkeil (z.B. „Kodak Color Control Patches") o.a., der mit ReColor optional auch gleich mitgeordert werden kann, sowie eine EBV Software zum Errechnen von Farbmittelwerten. Über diese Funktion ver-fjgt eigentlich jede EBV-Software, wie z.B. DA's Repro, DA's Picture, Chagall, •i äs neuePaint-Modul des Calamus usw. Der rirbkeil wird gescannt, wobei die gewählte Scan-Auflösung bei diesem Scan-Vorgang eigentlich keine Rolle spielt. Anhand dieses Scans wird nun in einer geeigneten EBV-Software für jede Farbe des Keils der RGB-Mittelwert bestimmt. In der Regel bietet die EBV für diesen Zweck ein Werkzeug, mit dem ein Farbbereich überstrichen oder per „Gummiband" definiert werden kann. Die dann abzulesenden Mittelwerte der Farben werden notiert und anschließend in

ReColor in ein dafür vorgesehenes Formular eingetragen. ReColor erzeugt nun ein sogenanntes Korrekturmodul, das für alle mit diesem einen Scanner digitalisierten Bilder genutzt wird. Mit dem gleichen Arbeitsablauf lassen sich auch zusätzliche Korrekturmodule für andere Scanner erstellen, z.B. für den des Kollegen, von dem des öfteren Bilder verarbeitet werden. Oder auch für die eigenen Bilder auf der Photo-CD. Hier ist nur darauf zu achten, daß diese vom gleichen Sevice-Unternehmen stammen sollten und daß beim ersten Scannen auf die CD ein Farbkeil, z.B. als Dia, mitgescannt wird.

Monitorkalibrierung mit CalColor

Bekannterweise arbeiten Farbgrafikprogramme wie z.B. Calamus SL, Cranach, Chagall und viele andere im 16-bzw 256-Farben-Modus des ATARI TT oder der Grafikkarte mit Farb-Dithe-ring-Verfahren zur Darstellung von Fotos oder Grafiken. Durch eine gezielte Veränderung der jeweils verwendeten Farbpalette modifiziert CalColor bzw. das zugehörige Accessory Cal-Palette die Farbdarstellung derart, daß Fotos und Grafiken in einem kalibrierbaren Farbraum dargestellt werden können.

Anders ausgedrückt: Die Farbdarstellung wird durch diesen „Eingriff" an die bei der Ausgabe verwendeten Farben angepaßt. Farbbilder und Grafiken können damit in ihrer Farbgebung bereits am Bildschirm beurteilt werden. Die zur Kalibrierung notwendigen Einstellungen übernimmt dabei das Programm CalColor. Dieses Programm errechnet die notwendigen Korrekturen der Farbpalette und speichert diese in eigenen Dateien ab, die dann von CalPalette gelesen werden können.

CalColor kann aber noch mehr, z.B. die Berechnung von Schmuckfarbeneinstellungen. Damit lassen sich auf einfache Weise und unter voller Bildschirmkontrolle Duplex- und Triplex-vorlagen im Calamus anfertigen. Die Duplex-/Triplextechnik (die Verwendung von zwei bzw. drei Schmuckfarben für ein Farbbild) wird durch ein „Platzhalterkonzept" realisiert. Die Farben Cyan, Magenta und Gelb werden dann durch die gewünschten Schmuckfarben ersetzt, so daß auf dem Bildschirm statt Cyan die Schmuckfarbe 1, statt Magenta die Schmuckfarbe 2 usw. dargestellt wird. Dabei werden auch alle mit diesen Schmuckfarben realisierbaren „Zwischenfarben" (z.B. 20% Schwarz + 60% Magenta) auf dem Bildschirm korrektangezeigt! Wer derartige Druckvorlagen im Calamus einmal „zu Fuß" erledigt hat, weiß welchen Vorteil gerade diese Funktion bietet.

Sehr hilfreich für die Beurteilung des späteren Drucks ist auch die „Papierfarbensimulation". Über CalColor kann eine gewünschte Papierfarbe angelegt und zusätzlich zur eigentlichen Farbkorrektur eingeladen werden. Alle auf dem Bildschirm sichtbaren Farben werden dann so angezeigt, als wären sie mit lasierenden Farben auf eben dieses Papier gedruckt! Auf diese Weise lassen sich unter voller Bildschirmkontrolle Gegenmaßnahmen gegen Farbstiche oder Farbverfälschungen beim Druck auf z.B. farbiges Papier vornehmen.

Probleme ...

... gibt's eigentlich keine! Lediglich mit echten CMYK-Bildern, die von den meisten Layout-Programmen deutlich dunkler dargestellt werden. Das kann noch nicht korrigiert werden. Die von CalColor berechneten Farbeinstellungen für das CMYK-Format beinhalten jedoch bereits eine Graubalancekorrektur. Ein Grau bleibt damit grau und wird nicht, wie es sonst der Fall wäre, zu einem Braungrau verfälscht.

In seiner neuen Version arbeitet CalColor auch mit HiColor- bzw. TrueColor-Grafikkarten zusammen, und schafft damit auch die einfache und zudem preiswerte Möglichkeit eines „Bildschirmproofs" - der direkten optischen Kontrolle über eine Farbgestaltung. Auch die Farbseparation wird mit in die Farbkalibrierung einbezogen, wodurch z.B. Separationseinstellungen überprüft werden können. Zur korrekten Farbseparation liegen der Vollversion von CalColor spezielle Separationskennlinien sowie optimierte Rastersätze bei. Weitere Informationen zu ReColor und CalColor sind über die Vertriebsfirma CLN in Plön erhältlich.

Bild 1: CalColor bietet Einstellmöglichkeiten und Hilfen nicht nur zur Monitorkalibrierung.
Bild 4: Ein Bild vom Flachbett-Scanner. Einmal nach der Bearbeitung mit ReColor.
Bild 5:... und einmal vorher, so wie es aus dem Scanner kommt.


Jürgen Funcke


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