Facelifting: DA's Layout im neuen Gewand

Bild 1: Nicht nur für „Kartenarbeiter" ist die Outline-Funktion eine große Hilfe. Strichstärken einfacher Vektorlinien (wie auf der Karte) werden übernommen und mit etwas nacharbeiten in einen echten Outline-Zug umgesetzt.

Neben CALAMUS existiert mit DA'S LAYOUT eine zweite Familie von DTP-Programmen, die inzwischen auf eine lange, wechselseitige Entwicklungsgeschichte zurückblicken kann. Seine Herkunft aus einem reinen Font- und Vektoreditor (DIDOT, DIDOT LineArt) hat DA's Layout dabei nie verleugnet, im Gegenteil. Manche Probleme des Vorgängers „DIDOT Professional" sind erst aus dieser Vergangenheit heraus zu verstehen.

Aber auch viele Vorteile bietet dieses Konzept, das für mich eigentlich erst jetzt, mit der neuen DA's-Layout-TC-Version, richtig zum Tragen kommen. Mit dieser läßt es sich zudem endlich auch auf allen Grafikkarten direkt im Farbmodus arbeiten.

Neue Optik

Die augenfälligste Veränderung wird gleich nach dem Programmstart sichtbar. Die Programmoberfläche wurde komplett überarbeitet, mit dem Ergebnis einer deutlich besseren Benutzerführung. Gab es bisher mehrere (4!) Verschachtelungsebenen, durch die man sich zu den gewünschten Werkzeugen klicken mußte und die selbst nach etwas Einarbeitungszeit nur sehr langsam durchschaubar wurden, so bietet TC nun einen aufgeräumten und sehr anwenderfreundlichen Desktop. Platz geschaffen wurde auch dadurch, daß zusätzliche oder nicht häufig benötigte Module wie die zum Lieferumfang gehörenden: Fonteditor, Autotracer und Barcodemodul, in die Kopfzeile ausgegliedert wurden. Vor allem Neueinsteigern wird dadurch nun ein schnellerer Zugang zum Programm ermöglicht.

Zwischen den 5 Bearbeitungsfeldern (Seiten-, Vektorobjekt-, Satz-/Text-, Bild- und Vektorpfadbearbeitung) kann durch Anwählen des jeweiligen Icons in der Kopfzeile jederzeit gewechselt werden. Durch einfaches Umplazieren der Werkzeug-Icons läßt sich zudem auf jeder Programmebene eine individuelle Arbeitsumgebung schaffen. Übergeordnete Programmfunktionen sind über Menüleisten anwählbar, wobei das schon vorhandene Konzept von „DA's Vektor" übernommen wurde. Ein neuer Eintrag 'Services' ermöglicht den Aufruf anderer DA's-Programme wie DA's Picture oder Look, mit anschließender Rückkehr ins DTP-Programm.

Bild 2 bis 4: Sich überschneidende Pfade (z.B. bei Schreibschriften) stellten den Anwender bisher vor große Probleme, sobald 'echte' Outlines benötigt wurden. Nun trennen den Benutzer nur noch wenige Mausklicks von einer perfekten Outline, die nicht nur für Schneidplotter- _ Anwendungen interessant ist. Auch für alle anderen grafischen Arbeiten ist die Handhabung eines echten Outline-Objektes generell zu bevorzugen; vor allem, wenn - wie in diesem Beispiel - das Objekt durch eine Umrißlinie begrenzt werden soll.

Neue Werkzeuge

Das grundsätzliche Programmkonzept hat sich nicht verändert: Auf einem Arbeitstisch kann direkt gearbeitet werden (z. B. zum Vektorzeichnen), oder es können mehrere Seiten beliebiger und auch unterschiedlicher Größe nebeneinander bearbeitet werden. Insgesamt verwaltet das Programm in einem Klemmbrett bis zu 999 Seiten, von denen eine beliebige Auswahl zur Bearbeitung auf den Tisch geholt werden kann.

Fast all die Werkzeuge, die in DA's Vektor Pro bereits im Vektorteil vorhanden sind, können nun auch in DA's Layout genutzt werden. Hier sind vor allem die Werkzeuge zur Erzeugung von Farbverläufen, Blendings und die Multikopierfunktion interessant.

Ganz neu ist die automatische Erzeugung von Outlines und das Joinen von Vektorpfaden. Diese Funktionen machen DA's Layout mit allen anderen Werkzeugen zu einem äußerst hilfreichen Werkzeug für die grafische Arbeit. Mir ist kein anderer Vektoreditor bekannt, der die hier vorzufindenden Möglichkeiten in einer einzigen Programmumgebung bietet. Die praktische Anwendung von „echten Outlines" zeigt sich nicht nur beim Folien-Plotten - hier natürlich besonders und unverzichtbar. Schon kleine Wegweiser oder Stadtpläne, auf Broschüren und Anzeigen oft zu finden („so finden Sie zu uns waren bisher als reine Vektorobjekte nicht einfach zu erzeugen. Man kann sich bei derartigen Gestaltungsarbeiten zwar mit unterschiedlichen Strichstärken helfen, also: Straßen als Vektorlinien zeichnen, z.B. 4p Strichstärke, schwarz, Fläche transparent. Dann eine 1:1-Kopie genau über die erste Anlage gelegt, Strichstärke 2p, weiß. Fertig waren die Straßennetze mit schönen Doppellinien. Was aber nun, wenn diese Grafik zum Beispiel aus DA's Layout in den Calamus importiert werden sollte? Die CVG-Formate von DA's Layout und Calamus sind immer noch nicht bis ins letzte kompatibel, was sich eben auch durch eine nicht korrekte Übernahme der Linienstärken bemerkbar macht.

Aber diese Klippe kann ja nun elegant umschifft werden. Um beim Beispiel „Wegeskizze" zu bleiben: Eine kleine Skizze mit Wegen und etwas hervorzuhebenden Bundesstraßen wird in DA's Layout auf 2 Layer verteilt. Auf dem ersten werden, vielleicht mit dem gescannten Ausschnitt des Stadtplans im Hintergrund, die Wege als einfache Vektorlinien gezeichnet. Anschließend wird auf der Objektebene (Fläche transparent, Linien schwarz) die gewünschte Liniendicke eingestellt. Diese Einstellung dient nur zur korrekten Einschätzung der zu erzeugenden „Wegbreite" für die Outlinegenerierung. Die hier vorgenommenen Einstellungen können dann bei der Umsetzung automatisch übernommen werden.

Einige Fehler sind jedoch bei der Berechnung komplexerer Pfade noch vorhanden. Nachdem z.B. mit der Outline-Funktion die Breite des Weges durch Vektorpfade beschrieben wurde (sich überschneidende Linien, also die „Kreuzungen", werden dabei automatisch gejointl), soll nochmal seine etwas dünnere Outline für die schwarze Begrenzung erzeugt werden. Das Ergebnis war in diesem zweiten Schritt aber immer unbefriedigend.

Tracen, Bilder und Masken

Wie jedes gute Vektorprogramm kann auch DA's Layout Hintergrundbilder für eine anschließende Vektorisierung laden. Unverständlich ist mir nur, warum das weit verbreitete IMG-Format nun nicht mehr ladbar ist und erst über den mitgelieferten Konvertieret ins DA's-interne TIM-Format gewandelt werden muß!

Für diese Arbeiten steht dann aber ein Autotracer für alle Bildtypen zur Verfügung. Die Vektorisierung beschränkt sich also nicht nur auf monochrome Bildformate. Jedes Bild, ob Monochrom, Halbton oder Farbe, kann zum Vektorisieren genutzt werden. Zum manuellen Nachbearbeiten oder auch zum Erzeugen einer Objektmaske kann dabei bis in Bildschirm-Pixel-Größe gezoomt werden, wobei das jeweilige Bild in der Originalauflösung dargestellt werden kann! Genauer, als es DA's Layout mit diesen Funktionen ermöglicht, wird man kaum arbeiten können.

Das leichte stufenlose Drehen von Bildern habe ich bereits erwähnt, auch die Objektmaskierung. Beide Funktionen sind besonders bei der Layout-Arbeit von Vorteil, wenn in Abhängigkeit zum Gestaltungskontext gearbeitet werden muß. Zum Maskieren von Bildern können jedoch nur Vektormasken genutzt werden. Über den Umweg „DA's Picture" oder DA's Repro" kann auch eine sogenannte weiche Maskierung erfolgen, durch die ein frei gestelltes Bild auf einem neuen Hintergrund nicht wie mit der Schere ausgeschnitten wirkt. Die Vektormaske wird dann einfach im RVP-Format (das Vektorformat der beiden genannten Programme) exportiert und kann dort als Pfad für Weichzeichner oder Sprühdose genutzt werden. Die gesamte Maskierung muß dann allerdings in der EBV-Software vollzogen werden, da DA's Layout kein Bildmaterial (z.B. hier gedrehte Bilder) exportieren kann.

Alle Bilder, ob Monochrom, Halbton oder Farbe, werden vom Programm virtuell verwaltet, befinden sich also immer auf der Festplatte. Das Programm lädt nur ein verkleinertes Abbild, das in einem „Cache" verwaltet wird. Deshalb kann man in einem Layout praktisch eine beliebige Anzahl Bilder von beliebiger Größe haben, ohne Speicherplatzprobleme zu bekommen.

Diese virtuelle Bildverwaltung ist auch der Grund, warum alle Bilder in DA-spezifischen Formaten (TIFF-Blockformate TIM, TIH und TIC) vorliegen. Weitere Formate müssen erst mit den mitgelieferten Konvertierprogrammen in die DA-Formate gewandelt werden.

Elegante Möglichkeiten für EBV-nahe Arbeiten direkt im Programm werden mit dem neuen „Compose-Modul" für die TC-Version von DA's Layout möglich. Einen ersten Überblick über die Funktionen dieses Moduls finden Sie in der „News" dieser DTP-Praxis.

Text, Satz und Seiten

Ähnlich wie CALAMUS arbeitet DA's Layout mit Vektorschriften auf dem Bildschirm. Dabei werden sowohl CFN- als auch PostScript-Type-1-Schriften unterstützt. DieTextbearbeitung kann dabei wahlweise im integrierten ASCII-Editor oder direkt im Layout erfolgen, wobei die Echtzeitformatierung flüssiges Schreiben im Layout ermöglicht.

Die Funktionen im Layout- und Satzbereich wurden kräftig erweitert: Blindtextobjekte als Stammelemente, gruppierte Blindtextobjekte als Artikelformen in der Bibliothek für schnelles und effektives Zeitschriften-Layout, manuelles Zeilen-Kerning usw. Die erweiterten Piping-Funktionen ermöglichen nun auch ein etwas konstruktiveres Layouten ähnlich wie im Calamus, als Ergänzung zum eher objektorientierten Ansatz von DA's Layout.

Beim Layouten steigert die Funktion „Spalte schneiden" die Geschwindigkeit im Arbeitsfluß. Man braucht nicht mehr neue Spalten aufzuziehen und miteinander zu „verpipen", nein, man schneidet einfach ein Stück der Spalte zeilengenau ab, das Piping bleibt dabei erhalten. Neu ist auch das manuelle vertikale Zeilen-Kerning, und auch der etwas spartanische Editor wurde kräftig überarbeitet.

Beim Hinzufügen von Seiten können nun auch Paare von Doppelseiten generiert werden, deren Grund-Layout inklusive Textverkettungen von zwei beliebigen „Masterseiten" übernommen wird. So läßt sich bei Bedarf auch ein komplettes Buch-Layout in einem Arbeitsgang anlegen, wenn man zuvor die beiden linken und rechten Grundseiten aufgebaut hat.

Die neue Funktion, Seiten zum Arbeiten in 90-Grad-Schritten zu drehen, zeigt sich in der Praxis als äußerst nützlich. Bei gestürzten Textblöcken oder Objekten, die bei komplexen Horizontal- und Vertikalfalzen kreuz und quer auf der Seite ausgerichtet und oft auch verbessert werden müssen, ist diese Funktion fürs zügige Arbeiten sehr hilfreich. Auch derTexteditor wurde überarbeitet und bietet nun wesentlich mehr Editier- und Formatierfunktionen.

Daß die Entwickler von DA's Layout auch den Calamus im Auge behalten, zeigt sich neben den vektoriellen Maskierungen und dem für die Gestaltungsarbeit in DA's Layout wichtigen Compose-Modul auch an der neuen Montagefunktion zur Ausrichtung von Objekten. Mit dieser Funktion können nun im Layout, ganz ähnlich der „Toolbox" des Calamus, alle Objekte bündig zueinander ausgerichtet werden.

Insgesamt macht DA's Layout mit den neuen Upgrades, vor allem mit der TC-Version, einen sehr großen Schritt nach vorne. Auch wer mit Calamus als zentraler Layoutsoftware arbeitet und häufig Vektoranlagen oder Plot-Vorbereitungen zu erledigen hat, sollte sich DA's Layout ruhig genauer anschauen. Als reiner Vektorillustrator leistet diese Software hervorragende Dienste im grafischen Alltag. Einige Ungenauigkeiten in der bereits ausgelieferten Version wurden prompt mit einem kostenlosen Update behoben. Kleine „Schönheitsfehler" sind noch vorhanden, z.B. ist DA's Layout für Multitasking-Betrieb unter MagiX! nicht geeignet und hier nur im Single-Modus anzuwenden.

DA's Layout wird in 4 Versionen angeboten, die nun auch einzeln erhältlich sind:

DA's Layout 2.3 BW (Schwarzweißversion) für 199,- DM. Sie bietet den vollen Funktionsumfang der anderen Programmversionen, bis auf den Vektorpfadeditor und die Module.

DA's Layout 3.3 BW (Schwarzweißversion) 449,- DM

DA's Layout 4.3 CD (Farbversion: Arbeit auf Monochrommonitor, Farb-Preview auf entsprechendem Zweitmonitor) 699,- DM

DA's Layout 5.3TC (Farbversion, alle Grafikkarten) 999,- DM
Jürgen Funcke


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