Toshiba 4101B - CD-ROM mit Pfiff

Vorgestellt wurde das Laufwerk auf der Systems 1993 in München. Toshiba verläßt damit den Pfad der Laufwerke, die ein „Jewel-Case“ verwenden. Auf Knopfdruck (Eject-Button) kommt der Laufwerkschlitten um ca. 25mm herausgefahren, und die CD wird direkt auf dem Wagen gelegt.

Ein Nachteil dieser Technik ist, daß es zu einem direkten Kontakt mit der Linsenoptik kommen kann. Durch ein Verdrecken oder Beschädigen dieser Linse ist der einwandfreie Betrieb mit einer CD nicht mehr gewährleistet. Der Vorteil wiederum liegt in der Ersparnis des Jewel-Case, dem Behälter für CDs. Dieser kostet mitunter bis zu 20 DM. Bei dem Einsatz mehrerer CDs müssen entweder mehrere Behälter gekauft oder die CDs im Jewel-Case ausgewechselt werden. Mitunter ist dies doch sehr lästig. Desweiteren fällt an diesem Laufwerk die geringe Bauhöhe hinter der 5 1/4"-Blende auf.

ATARI und CD

Viele werden „schmerzhafte“ Erinnerungen haben, was den Betrieb eines CD-ROMs am ATARI betrifft. In der Tat ist es den meisten bis heute nicht gelungen, ein Standard-SCSI-CD-ROM-Laufwerk am ATARI anzuschließen und zu betreiben. Da Ausnahmen die Regel bestätigen, sehen wir uns in der Lage diesen Bericht zu schreiben. Dank glücklicher Umstände ist es möglich, eine Handvoll CD-ROM-Laufwerke am ATARI zu betreiben. Leider läßt sich die Situation nicht anders formulieren. Das Toshiba 4101B läuft am ATARI auf jeden Fall, wenn einige Bedingungen erfüllt sind.

Als erstes sollte ein Metados 2.2 vorhanden sein. Das Programm wird mit einer CONFIG.SYS in den Auto-Ordner kopiert. Einen Kommentar zur CONFIG.SYS finden Sie im abgedruckten Kasten „Die CONFIG.SYS“.

Treiberwirrwar

Das Toshiba 4101B läßt sich im Daten-CD-ROM-Betrieb unter Metados nur mit dem NEC-Treiber (CDR_75.BOS) problemlos betreiben. Wird der von Julian Reschke korrigierte CDARGEN.BOS benutzt, ist die Freude mit dem Laufwerk nur von kurzer Dauer. Denn nachdem einmal auf das Laufwerk zugegriffen wurde und eine zu lange Pause erfolgt, blockiert ein Time-Out jedwedes Weiterarbeiten. Dieses gilt auch für den Betrieb mit Photo-CDs. Dort muß vor dem Metados noch ein Patch gestartet werden. Dieser liegt eigentlich allen Programmen bei, von denen die PCD-Daten geladen werden können. Der Patch sorgt nur für eine Änderung des Modus. Andere Laufwerke befinden sich nach einem Reset bereits im richtigen Modus, während das Toshiba dorthin „geschubst“ werden muß. Photo-CDs, die in mehreren Sessions geschrieben wurden, sind unter Metados nur eingeschränkt nutzbar. Durch einen Metados-Fehler und dem fehlenden BOS-Treiber, ist bei einem Betrieb von Multi-Session-CDs nur die erste Session „sichtbar“. Eine Abhilfe bringt Metados 2.3, das nur noch von ATARI abgesegnet werden muß, bevor es erhältlich ist. Dazu noch ein neuer BOS-Treiber, der der Redaktion zum Testen schon vorlag. Mit diesem ist im CD-Sumpf tatsächlich Land zu sehen. Aus vertriebsrechtlichen Problemen dürfen wir leider noch keine genauen Angaben dazu machen, sind aber zuversichtlich, daß wir in der nächsten Ausgabe bereits die fertige Lösung vorstellen können.

Probleme mit einem alten Metados

Wer noch ein Metados 2.0 hat, sollte keine Hemmungen haben, dies zu löschen. Denn beim Kopieren von Dateien von einer CD auf Festplatte tritt ein Fehler auf, der nicht sofort sichtbar ist. Die kopierte Datei wird im Disk-Inhaltsverzeichnis korrekt angezeigt, aber von der Datei sind nicht einmal 25 KB Daten kopiert worden. Mit anderen Worten ist ein Kopieren von Dateien kleiner als 25 KB gefahrlos möglich, darüber droht Datenschwund. Ein ähnliches Bild zeichnet sich mit dem ICD-CD-ROM-Treiber ab. Auch hier werden innerhalb der Dateien Daten verschluckt!

Der Audio-Betrieb mit dem Toshiba 4101B funktioniert statt mit dem CDR_75.BOS nur mit dem CDARGEN.BOS. Beim NEC-Treiber bleibt das Laufwerk während des Bootens mit Metados hängen. Ein weiteres Problem unter Metados und den bisher erhältlichen Treibern zeigt sich am Toshiba ganz deutlich. Ein Druck auf die Auswurftaste bleibt ohne Erfolg. Erst durch die softwareseitige Betätigung, fährt der Schlitten heraus. Solche eine Ansteuerung setzt eine CD-Player-Software voraus, die es unter anderem in dem ColorDisk-Paket (siehe Bericht diese Ausgabe) gibt.

Die CONFIG.SYS

Um ein CD-ROM-Laufwerk korrekt betreiben zu können müssen neben dem Metados noch zwei Treiber geladen werden. Zum einen handelt es sich um den BOS-Treiber und zum anderen um den DOS-Treiber.

Uber die Probleme mit den BOS-Treibern wurde im Bericht ja schon einiges geschrieben, und so soll nur noch eine kurze Erklärung der Konfiguration folgen. Nachfolgend eine komplette CONFIG.SYS:

; Config.sys An ascii file that 
; describes the System configuration.
;
; Physical Bacic operating System format
;*BOS, [Physical Bos driver][Arguments],[Physical id]:[DMA channel],...
; Device# meaning
; 0-7 DMA device 0 - 7
; 8-15 SCSI device 0 - 7
;
;*BOS, C:\AUTO\METADOS\CDARGEN.BOS, Y:12 
*BOS, C:\AUTO\METADOS\CDR_75.BOS, Y:12

Kommentarzeilen werden mit vorangestelltem Semikolon gekennzeichnet. In diesem Falle ist CDAR-GEN auskommentiert und der CDR_75 aktiv. Kist die interne Laufwerkskennung. Dieser Kennung wird die SCSI- oder DMA-Adresse zugewiesen. Die Nummer 12 signalisiert eine TT-SCSI-Adresse von 4. Neben den BOS-Treibern wird der eigentliche Datei-System-Treiber benötigt. Im Lieferumfang von Metados liegen zwei DOS-Treiber bei. Der IS09660F (F = fine) beschreibt den genauen Standard nach ISO 9660. Bevor es diesen Standard gab, einigten sich ein paar Herstelleraufeine andere Variante. Benannt wurde diese Variante nach dem Ort, an dem sich die Firmen trafen, High Sierra Lodge. Die Variante war die Vorversion des ISO 9660F und heißt HSMAY86. Da es heute noch CDs gibt, die in diesem Format geschrieben wurden, liegt dieser Treiber dem Metados bei.

; Logical DOS format.
;*DOS [Logical DOS] [Arguments], [Logical id]:[physical id],...
;
;The High Sierra driver won't be needed in most cases
;*DOS, C:\AUTO\METADOS\HSMAY86.DOS, I:Y
;
*DOS, C:\AUTO\METADOS\ISO9660F.DOS, I:Y

Dem DOS-Treiber wird die interne Laufwerkskennung des BOS-Treibers (hier Y) übermittelt. Für den ATARI erscheint dieses Laufwerk als Partition /.

Die höchste Datenrate im Test lag bei 260 KB/s.

Um die Lesegeschwindigkeit des Laufwerks testen zu können, haben wir unser bewährtes HOW-FAST-Programm erweitert. Der Test erfolgte an einer Datei, die 924915 Bytes groß ist. Der kleinste Block wurde mit 1 KB angegeben und der größte stellte die gesamte Datei selbst dar. Die x-Skalierung wurde mit 500 Tests unterteilt. Weitere Informationen zu HOW-FAST finden Sie in der Ausgabe ST-Computer 11/93 und 9/92.

Technische Daten:Toshiba 4101B

Unterstützte Disk-Formate: Red-Book, Yellow-Book, CD-ROM XA, Photo-CD, CD-Bridge, CD-I Ready

Umdrehungsgeschwindigkeiten: 1X = 200 bis 530 rpm 2X = 400 bis 1060 rpm

Blockgröße: 2048 Bytes/block (Mode 1), 2336 Bytes/block (Mode 2)

Transferraten. Mode 1 = 150 KB/s (1X), 300 KB/s (2X)
Mode 2 = 171 KB/s (1X) 342 KB/s (2X)

mittl. Zugriffszeit: 38b ms

Buffer-Kapazität: 64 KB

Schnittstelle: SCSI

Kopfhörer-Output-Level: 0,9 V (rms) Typ. (Load = 100 Ω, 1kHz)

Line Output-Level: 0,85 V (rms) Typ. (Load = 10kΩ 1kHz)

Größe (B/H/T): 146 * 25,4 * 195 mm

Gewicht: 880g

Alles paletti!

Die Firma Meyer & Jacob bietet ein Komplettlösung mit diesem Laufwerk an. Im großen Metallgehäuse findet neben dem CD-ROM-Laufwerk noch ein 3 1/2”-Laufwerk Platz. Das Gehäuse entspricht den Ausmaßen des Mega-ST-Gehäuses. Im Gehäuse selber befindet sich ein ungeregelter Lüfter. Wer die ST-Variante bestellt, findet einen ICD-Host-Adapter an der Rückseite zum Anschluß an den DMA-Port. Der Host-Adapter ist bei der TT-Version (nur SCSI-Buchse) überflüssig. Allerdings vermißt man einen externen Umschalter, um die SCSI-Adresse zu ändern. Dies geht nur durch Öffnung des Gehäuses und Demontage des Laufwerks. Denn im eingebauten Zustand ist es fast unmöglich die Jumper richtig zu plazieren. Dies erfordert schon Aufwand, der zur Abwertung beigetragen hat. Mitgeliefert wird neben dem obligatorischen Netzteil noch ein Beiblatt, in dem die nötigsten Bedienungshinweise vermerkt sind. Metados 2.2 inkl. einem MINT-Treiber findet man auf der beiliegenden Diskette. Der im oberen Teil des Berichts erwähnte neue Treiber wird nach Verfügbarkeit entweder kostenlos nachgeliefert oder liegt automatisch bei.

Massenweise Software

Überrascht wird der Käufer mit einer Share -ware-CD voll mit ATARI-Software. Diese CD ist eine Privatproduktion von Bernd Lohrum, über die wir in der nächsten Ausgabe berichten werden. Auf jeden Fall hat der Käufer mit dieser Komplettlösung gleich genügend Material, um sein Laufwerk ausgiebig zu testen. Wäre nur noch der Preis zu nennen: Die reine anschlußfertige SCSI-Lösung kostet 1198,- DM inkl. SCSI-Kabel, wobei der Rechnertyp vorher angegeben werden muß (TT oder Falcon). Die ST-Variante mit dem ICD-Host-Adapter kostet 1498,- DM.

JH

Bezugsquelle. Meyer & Jacob Münsterstraße 141 44145 Dortmund

Toshiba 4101B

Positiv:

komplett anschlußfertig
Shareware-CD im Lieferumfang
stabiles Gehäuse mit Platz für zweites Laufwerk

Negativ:

SCSI-Adresse nur durch Demontage änderbar



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