Elektronische Bildverarbeitung, Teil 4

Wenn wir an einer gut eingestellten Bildbearbeitungs-Workstation beim Scannen zuschauen, kommen wir zu dem Schluß, daß Scannen so einfach sein muß wie Fotokopieren. Haben wir dann stolz unseren ersten Flachbettdigitalisierer nach Hause geschleppt und über SCSI erfolgreich mit unserem Computer verheiratet, müssen wir allerdings feststellen, daß der Weg zur originalgetreuen Wiedergabe auf dem Bildschirm am Anfang doch ziemlich holprig ist.

Nicht nur. daß wir anfangs gar nicht wissen, welche der vielen Einstellhilfen nun wie und ob überhaupt zu terminieren sind, wir müssen auch her-ausfinden, was wir denn nun der Scannersoftware überlassen können und was wir besser unser Bildbearbeitungsprogramm erledigen lassen.

An einem Problembild (Bild 1), das zunächst gar nicht als solches zu erkennen ist, wollen wir einmal nachvollziehen, was uns als Einsteiger mit Sicherheit passieren wird und wie wir die Probleme elegant in den Griff bekommen. Wir werden eine Menge lernen dabei.

Die Verwunderung beginnt, wenn das erste eingescannte Bild, wenn es auf dem Bildschirm erscheint, so aussieht wie Bild 2: viel zu dunkel und viel zu dicht.

Was ist geschehen? Wir haben auf dem PROBESCAN, der uns in grob gerasterter, monochromer Darstellung einen Gesamtüberblick über die ganze Scan-Fläche wiedergibt, den einzuscannenden Bildausschnitt festgelegt und haben im Dialogfeld für die Scanner-Grundeinstellungen gemäß den später zu besprechenden Richtlinien die Scan-Auflösung eingegeben.

Die Schieberegler für die Vorgabe einer Helligkeits- und Kontrastkorrektur haben wir auf ‘O' stehen lassen, weil wir hierfür noch keine Sollwerte kennen. Dann haben wir ‘SCANNEN’ angeklickt. Der Scanner hat sich Zeit gelassen, in drei Durchgängen (oder besser drei ‘Durchfahrten’) die drei Farbauszugsdateien zu registrieren und zum Computer zu schicken, der dann Sekunden später das farbige Bild zusammengesetzt hat, das wir jetzt auf dem Bildschirm sehen.

Da es zu dunkel ist. werden wir natürlich versuchen, eine hellere Scanner-Einstellung zu ermitteln. Im Fenster für die Grundeinstellungen des Scanners (Bild 6) (also innerhalb der Scanner-Software, nicht in unserer Bildverarbeitung) stellen wir nacheinander 20, 30 und 40% HELLIGKEIT ein. Die Ergebnisse werden schrittweise heller, doch fehlt unangenehmerweise jedesmal etwas mehr Tonwertdifferenzierung und Farbkraft in den ganz hellen Bildteilen, im schönen Badeanzug also.

Weil das Scan-Ergebnis mit der Aufhellung immer kontrastärmer erscheint, probieren war Verbesserungen zusätzlich über den Einstellregler KONTRAST ebenso wie über GAMMA-Korrekturen, die wir dort über einen zusätzlichen Button erreichen. Auch jetzt folgt das Bild zw ar nachvollziehbar den Einstellungen, zeigt aber immer mehr Schwächen, je mehr wir dran rumkorrigieren. Unangenehme Aufstellungen, Farbverschiebungen, fleckige Bildstörungen.

Wir sollten uns merken, daß Voreinstellungen am Scanner, wae später beschrieben, nur mit viel Durchblick und ganz sparsam und gezielt angewendet werden sollten.

Back to the roots

War also der erste Scan doch nicht so unbrauchbar? Wir versuchen die Optimierung jetzt mit dem Bildbearbeitungsprogramm. Im CHAGALL-Menü TOOLBOX/SPEZIAL finden w ir die zentralen Werkzeuge für solche Aufgaben in dem Fenster LUT-DIAGRAMM (Bild 7). Auch dort gibt es Schieberegler für HELLIGKEIT und KONTRAST. Wir probieren sie aus, doch sie bringen uns nicht weiter. Mit jeder Aufhellung wird das Bild kraftloser und nebeliger (Bild 3), Anheben des Kontrastes führt schließlich zum Ergebnis in Bild 4: Die Kopfpartie ist immer noch nicht richtig durchgezeichnet, die Haut des Körpers ist fleckig und fehlfarben, der Badeanzug völlig überstrahlt, ausgewaschen.

Lassen wir also künftig die Hände weg von solch bequemen, ‘billigen’ Bildkorrekturen. Sie sind das sicherste Mittel, unserer frisch gewonnenen Bilddatei ihre besondere Qualität, nämlich die lückenlose digitale Festschreibung aller vorgegebenen Bilddetails, zu rauben. Auch hier gilt festzuhalten, daß diese beiden so verführerisch angebotenen Regler nur mit großer Zurückhaltung einzusetzen sind.

Bild 1 bis Bild 5: Wenn wir das hübsche Foto von Bild 1 auf einem richtig eingestellten Flachbett-Scanner digitalisieren, kann uns ein Ergebnis wie in Bild 2 schon arg enttäuschen. Ganz bequem im EBV-Programm zum Regler ‘Helligkeit' zu greifen, erweist sich als unzulänglich (Bild 3), zusätzlich den Regler 'Kontrast' zu bemühen, verschlimmert das Ergebnis nur (Bild 4).
Wie wir mittels LUT-Komfort das Optimum aus unserem Scan herausholen (Bild 5), lesen wir in unserer heutigen Folge. (Modell: Armonia)

Nochmals zum Ur-Scan zurückgekehrt, versuchen wir es mal mit der LUT-Funktion ‘Gamma-Korrektur’. Aus Gründen, die wir gleich anschließend verstehen werden, bringen auch hier mehrere Versuche hin und her keine Annäherung an die wunderschöne Vorlage.

Bevor wir frustriert alles in die Ecke werfen, sollten wir durch systematische Analyse versuchen, das Verfahren zu finden, das uns jetzt und in aller Zukunft perfekt weiterhilft. Vergleichen wir einmal das Scan-Ergebnis mit dem Original: Eigentlich stimmt der Scan genau für den weißen Badeanzug. Er ist voll durchgezeichnet bis in die zartesten Lichter, jede Aufhellung wäre ein Verlust. Aberda sind noch die Mitteltöne des Körpers und schließlich die Kopfpartie mit den dunkleren Haaren und den Abschattungen, die nun so schrecklich düster ausfallen. Da müssen wir schon sehr selektiv Vorgehen, wenn wir das alles unter einen Hut bringen wollen. Und dazu werden wir jetzt das eigentliche LUT-Diagramm (Look-Up-Table) benutzen, Bild 8. Ein hervorragendes Steuergerät für derartige Probleme!

Zauberformel LUT

Die (waagerechte) x-Achse dieses Koordinatensystems skaliert von links nach rechts ansteigend die Helligkeitswerte für die ankommenden Bildsignale unserer eingescannten Bilddatei, die (senkrechte) y-Achse von unten nach oben ansteigend die Helligkeitswerte der ausgehenden Signale, aus denen unser Bildschirm sein Bild aufbaut. Ohne unsere Einflußnahme wird einfach alles 1:1 umgesetzt. Jede eingehende Helligkeitsstufe entspricht derselben Helligkeit am Ausgang (diagonaler Graph A). Wenn wir den Helligkeitsregler bedienen, verschieben wir die Kurve parallel zu sich selbst nach oben oder unten (Abdunkeln Graph B, Aufhellen Graph C). Das heißt, daß beim Aufhellen jedem Eingangswert ein höherer Ausgangswert zugeordnet wird, beim Abdunkeln ein niedrigerer.

Benutzen wir den Kontrastregler, verändert sich dagegen der Neigungswinkel des Graphen. Erhöhen wir den Kontrast, stellt sich der Graph steiler (D). Jetzt steigen die Helligkeitswerte in einem Bild am Ausgang rascher an als am Eingang, das Bild ‘steilt auf. Vermindern wir den Kontrast, verläuft der Graph flacher (E). Die Helligkeitsunterschiede eines Bildes werden also jetzt in kleinere Helligkeitssprünge umgesetzt, das Bild ‘verflacht’. Setzen wir beide Regler gleichzeitig ein, erhalten wir einen nach oben oder unten verschobenen steileren oder flacheren Graphen.

Bild 6: Typische Dialogbox für die Grundeinstellungen eines Flachbett-Scanners

Offenbar war aber keine der möglichen linearen Einstellungen für eine befriedigende Übertragung unseres hübschen Bademädchens geeignet. Daran sehen wir, welch unterschiedliche Auffassungen Scanner und Bildschirme von Bilddaten haben. Doch damit werden wir leicht fertig. (Etwas haariger wird’s erst, wenn dann auch noch Farbdrucker oder Filmbelichter u.dgl. die Farbensprache unseres Computer verstehen sollen.)

Der Knackpunkt ist, daß der LUT-Graph mit dem Mauszeiger beliebig verformt werden kann. Es lohnt sich, damit ausgiebig zu spielen. Dabei entstehen die abenteuerlichsten Bildverfremdungen. Wir werden später in einer eher ‘künstlerisch’ orientierten Folge auf solche Experimente zurückkommen.

Unsere oben vorgenommene Bildanalyse sagt uns, daß wir insgesamt eine recht steile LUT-Kurve benötigen, denn das ursprüngliche Scan-Ergebnis verlangte ja nach Aufstellung. In den Lichtern, also auf dem weißgrundigen Badeanzug und auf heller Haut, sollen uns aber die Helligkeitswerte nicht davonlaufen, also flachen wir den Graphen im rechten Drittel, dem Bereich der hellsten Bildteile, etwas ab. Damit aber der Badeanzug, der aus einem leicht glänzenden Gewebe gefertigt ist, seine Spitzlichter behält, lassen wir die Steuerkurve ganz am Schluß doch noch einen steilen Anstieg vollführen.

Bild 7: Eine gut ausgestattete Look-Up-Table (LUT-Diagramm) ist die wichtigste Schaltzentrale für alle Tonwert- und Farbkorrekturen und ein absolutes Muß für ein modernes EBV-Programm.
Bild 8: Verhalten der LUT-Gradationskurve bei (links) Helligkeits- und (rechts) Kontrastbeeinflussung

Hilfreiche Biegeschlange

In den dunklen Bildteilen aber, im Bereich des Kopfes, verlangen die Haare, die sich ja schön als Einzelstränge differenzieren sollen, und vor allem auch die Schattenpartien nach brillanter Durchzeichnung, weshalb wir den linken Teil der LUT-Kurve ganz steil beginnen lassen. Nachdem wir dafür gesorgt haben, daß rechts oben im LUT-Fenster alle(!) drei Farben, R, G und B, aktiviert sind, schnappen wir uns den diagonalen schnurgeraden Standard-LUT-Graphen mit dem Mauszeiger und ziehen ihn gemäß unseren Einschätzungen neu durchs Diagramm. Das geht natürlich mit dem Sensorstift eines Grafiktabletts um einiges genauer und zügiger vonstatten als mit einer schwerfälligen Maus. Doch auch das kann man perfektionieren. Für die Verformungen der Gradationskurve steht eine einschaltbare Bézier-Funktion zur Verfügung, die mühelos fehlerfreien, glatten Kurvenverlauf generiert.

Bild 10: Zur korrekten Kalibrierung des eigenen Farbmonitors sollte man sich eine solche Grau-und Farbtafel im verwendeten EBV-Programm als Bilddatei anfertigen und damit von Zeit zu Zeit, vor allem nach jedem Auflösungswechsel, die Helligkeits- und Kontrasteinstellung regulieren. Abweichungen im dritten Parameter, nämlich in der neutralen Farbwiedergabe, wird man einer Werkstatt überlassen. Können diese nicht behoben werden, ist der Monitor für EBV-Arbeiten ungeeignet.
Mit dieser im Text erläuterten Tonwertkurve wurde der Roh-Scan (Bild 2) zur originalgetreuen Bildschirmdarstellung (Bild 5) auskorrigiert.

Jedesmal, wenn wir die Maustaste los-lassen, übernimmt der Rechner die neuen Werte des Diagramms und korrigiert sofort die Bilddaten. In Bruchteilen von Sekunden sehen wir das Ergebnis. Manchmal verwirrt es uns. Es ist erstaunlich, wie empfindlich unser Mädchen, pardon, unsere Bildschirmausgabe auf kleinste Kurskorrekturen reagiert. Vor allem gilt es zu erkennen, welche Abschnitte des Graphen für welche Bildteile verantwortlich sind. Doch das findet man schnell heraus, weil man ja immer sofort die Veränderung lokalisieren kann, kaum daß man die Taste losgelassen hat. So schleift man hier und da und dort am Verlauf der LUT-Kurve, zieht schöne glatte Bögen, vermeidet vor allem Zacken und senkrechte!!) Geraden, einfach so lange, bis das Ergebnis voll befriedigt (Bild 5). Wir sehen an der Abbildung des optimierten Diagramms (Bild 9), wie gut unsere theoretische Planung mit der Praxis übereinstimmt. Auch verstehen wir jetzt, warum uns die pauschale Bildbeeinflussung über die Funktion ‘Gamma-Korrektur’ nicht helfen konnte. Die dort angebotenen Gamma-Kurven erfüllen ganz und gar nicht die vorliegenden Bedürfnisse. Sie werden uns aber nachher bei der Korrektur von Farbverfälschungen perfekte Dienste erweisen.

Der Clou an dem ganzen Bemühen ist nun, daß diese so geduldig ausgearbeitete LUT-Korrekturkurve separat gespeichert werden kann (*.CLT) und immer wieder auf neue, eingescannte Bilder losgelassen werden kann (das geht ganz einfach durch Hinzuladen der LUT-Datei zum aktiven Bild über den Button LADEN im LUT-Fenster). In der Regel liegt man dann schon ganz in der Nähe eines brauchbaren Ergebnisses, wenn auch einzelne Bilder noch individuelle Feinanpassungen benötigen. Es ist deshalb empfehlenswert, sich eine Bibliothek von LUT-Dateien anzulegen. Mit der Zeit wird man bemerken, daß man eine bestimmte LUT-Datei besonders häufig und gern benutzt, die sich damit zur Standardkorrektur qualifiziert.

Interpretationen

Wer mitgedacht hat, wird erkannt haben, daß dieser LUT-Korrekturkurve die Rolle eines Dolmetschers zukommt, der die vom Scanner kommenden Bilddaten an die Abbildungscharakteristik des Bildschirms anpaßt. Nicht, daß unser Bildschirm nichts taugt, oder unser Scanner. Doch es gibt viele Scanner und viele Bildschirme, und jeder hat seine individuellen physikalischen Umsetzungseigenschaften, die einer gegenseitigen Interpretationshilfe bedürfen.

Das gleiche Spiel wiederholt sich natürlich, wenn wir später unsere fertigen Bilddateien auf Drucker, Belichter oder Video-Genlock ausgeben wollen. Denn diese Geräte verstehen unsere Bilddateien jeweils auf ihre Weise. Bei der zentralistischen Rolle allerdings, die unser Bildschirm bei der Weiterleitung der Computerbilder an unsere Augen spielt, und in Anbetracht der Aufgabenstellung, nämlich Bilder unter Mitwirkung unseres Gehirns, unseres Geschmacks und unserer Zielabsicht zu gestalten, können wir natürlich nur so vorgehen, daß wir auf der Zwischenstation ‘Bildschirm’ eine wirklich vollgültige korrekte Sichtdarstellung anstreben.

Monitor-Eichung

Zwischendurch wollen wir kurz die Frage beantworten: Wann ist denn ein Monitor ‘so korrekt’ eingestellt, daß er zusammen mit unseren Augen die ihm zugedachte Referenzrolle spielen darf, an der alle Farben dieser Welt gemessen werden?

Antwort: Wenn er (1.) neutrales GRAU farbstichfrei neutralgrau wiedergibt und wenn (2.) alle Helligkeitsstufen von SCHWARZ über GRAU-Töne bis WEISS sich deutlich voneinander unterscheiden lassen.

Wie kann man das überprüfen? Auf keinen Fall benutzen wir eine eingescannte Referenztafel! In eine solche Bilddatei würden ja alle Fehler miteingehen, die wir gerade entdecken und auskorrigieren wollen. Eine auf die jeweilige EBV-Software zugeschnittene(!) digitale Grau- und Farbtafel wie in Bild 10 hat man sich rasch mit den Mitteln des Programms angelegt und als Bilddatei für alle Zeiten gespeichert: Wir brauchen SCHWARZ + WEISS + 9 GRAU-Stufen. 11 mal einen Rahmen nebeneinander positioniert, im Fenster ‘Flächen füllen’ neben SCHWARZ und WEISS die 9 Graustufen 10....90% numerisch!!) exakt definiert und ‘eingefüllt’. Das ist das Komfortable an moderner Bild-bearbeitungs-Software: Wo es wichtig ist, kann überall mit eindeutig numerisch definierten und dadurch 100% reproduzierbaren Werten gearbeitet werden, selbst wenn es nur um Grauwerte geht. Was haben wir früher gebastelt, wenn es darauf ankam, eine solche Testtafel für Film- und Labortests mit fotografischen oder auch grafischen Mitteln abzustufen! Und gestimmt haben die dann doch nie.

Wir achten jetzt besonders auf die dem SCHWARZ und dem WEISS benachbarten Felder: SCHWARZ muß natürlich die allerschwärzeste Stelle sein, die unser Monitor zu bieten hat. Wohl dem, der mit einem Black-Trinitron- oder einem Black-Matrix-Monitor arbeiten kann [Insider-Geheimtip: der brandneue 17" Philips BRILLIANCE 1720 High Resolution, 1280 x 1024, 135 MHz, max.82 kHz, max. 120 Hz, hervorragende Bildgeometrie, super-scharf (0.27mm pitch), extra dunkle Black Matrix-Röhre(!) mit AGRAS-Beschichtung, unschlagbar farbneutral(!), LCD-Display, MPR II, Straßenpreis 2.390,- DM].

WEISS muß untadelig hell und rein sein, (mit dem ‘Fensterrahmen-Weiß’ vergleichen), darf aber nicht ‘strahlen’. Schon das erste GRAU-Feld (90%) neben SCHWARZ muß sich deutlich von diesem und dem 80%-Nachbarn unterscheiden(!), ebenso die ersten Felder (10 und 20%) neben dem WEISS.

LUT, die zweite

Zurück zur Bildausgabekorrektur: Welche mehr oder weniger potenten Anpassungs-Features später unsere nachgeschalteten Ausgabegeräte auch anbieten werden (im Consumer-Preis-Bereich eher letzteres), ein wirklich perfekter Weg steht uns immer zur Verfügung: Wir können auf die auszugebende Bilddatei unmittelbar vor der Ausgabe wieder ein speziell für diesen Zweck erarbeitetes LUT-Diagramm einwirken lassen, den Ausgabedaten also die auf den Drucker oder dgl. passende Modifizierung aufprägen, und schon sind wir aller Probleme enthoben. Erstellen werden wir dieses Diagramm, wie oben beschrieben, durch stufenweise Modulation des LUT-Graphen unter mehrfacher Kontrolle des Ausgabeergebnisses. Darauf werden wir in der letzten Folge unserer Serie nochmals näher eingehen.

Bild 11: Verändert man im LUT-Diagramm die Tonwerte für die 3 Grundfarben um unterschiedliche Beträge, so spaltet sich die Gammakurve in drei Farbgraphen auf, mit denen man die einzelnen Farbanteile im Bild ganz gezielt steuern kann.

Scanner-Eichung

Wozu benötigen wir aber nun die Schieberegler für Kontrast und Bildhelligkeit im Fenster der Scanner-Grundeinstellungs-Software? Und das einfache LUT-Diagramm, das wir antreffen, wenn wir dort ‘Gamma-Korrektur’ anklicken (z.B. beim Flachbett-Scanner COLORSCAN 300 gamma)?

Auf keinen Fall ersetzen diese Einsteller die oben beschriebenen LUT-Tools. Dafür sind ihre Möglichkeiten viel zu unflexibel. Für ihren Einsatz müssen wir folgendes wissen: Ein Scanner ist richtig eingestellt, wenn er ‘etwas zu dunkle’ und ‘etwas zu weiche’ Scan-Ergebnisse liefert. Dann wurden nämlich weder in den hellsten Lichtern noch in den dunkelsten Schatten Bildinformationen ‘unterschlagen’, weil auch noch an beiden Enden der Helligkeitsskala voll differenziert digitalisiert wurde. Wenn ein Scanner deutlich von diesem Verhalten nach unten oder oben abweicht, ist es angebracht, seine Grundeinstellung über die beiden Einstellregler der Scannersoftware gemäß obiger Vorgabe zu verändern. Die so hereingebrachte lückenlose Feinbilddatei können wir dann über die anspruchsvollen LUT-Werkzeuge guter(!) Bildbearbeitungs-Software in jeder gewünschten Richtung ausreizen und unserem Geschmack und der jeweiligen Intention anpassen.

Und das nur in vorgegebenen Stufen mit fest programmierten Graphen einstellbare LUT-Diagramm der Scannersoftware wird nur dann terminiert, wenn der Scanner ständig und unübersehbar immer die gleiche Farbverfälschung produziert. Wie diese Einstellungen vorzunehmen sind, lernen wir im folgenden Abschnitt. Für die Korrektur von Farbabweichungen, die aus den Bildvorlagen selbst stammen, ist natürlich wieder das LUT-Tool der Bildverarbeitung zuständig. Womit wir beim nächsten Themenkreis angekommen sind: Farbkorrektur und Farbmanipulation.

Tanz der Farben

Bisher haben wir uns mit den Qualitäten des digitalisierten Farbbildes nur unter dem Gesichtspunkt seiner Helligkeit und seines Kontrastcharakters beschäftigt. Sollte es nach dem Einscannen und der pauschalen LUT-Korrektur originalgetreu und ohne farbliche Verfälschung vor uns am Bildschirm stehen, brauchen wir uns keine weiteren Gedanken zu machen. Was aber, wenn unsere Bildvorlage bereits eine Abweichung von neutraler Farbgebung aufwies oder wenn das Scannen einen Farbstich produziert hat? Wieder hilft uns das vielseitige Look-Up-Table-Tool weiter.

Wie rückt man einem Farbstich zu Leibe? Indem man in die vorliegende Verteilung der Grundfarben ROT, GRÜN und BLAU dahingehend eingreift, daß man einzelne Farbanteile im Gesamtbild vergrößert bzw. verkleinert. Das kann man mit allen Helligkeitsstufen bis in die Nähe von SCHWARZ und WEISS tun, nur die beiden Unfarben Schwarz und Weiß darf man nicht antasten. Denn Schwarz ist Schwarz und Weiß ist Weiß (‘getöntes’ Weiß und ‘getöntes’ Schwarz sind eben kein Weiß und kein Schwarz mehr, sondern sehr helles und sehr dunkles Grau).

Daraus folgt, daß die Einzelgraphen der 3 Grundfarben, R, G und B, im LUT-Diagramm (Bild 11) an den Enden immer wieder Zusammentreffen müssen. Verschieben wir also einzelne Farben nach ‘mehr’ oder ‘weniger’, dann kann dies nur anhand von gebogenen Kurven geschehen, die sich an den Enden (= Schwarz und Weiß) wieder vereinigen. Wenn wir diese Bedingung nicht einhalten, dann bekommen wir statt eines ‘Farbstichs’ einen ‘Farbgang’, in der Fotografie manchmal zu beobachten als ‘grüne Schatten mit roten Lichtern’.

Diese gebogenen Graphen, seit den Urtagen der Fotografie als ‘Gamma-Kurven’ bekannt, finden wir in unserem LUT-Diagramm wieder, wenn wir (bei eingeschaltetem Gamma-Button) die Werte für ROT, GRÜN und BLAU verändern. Tun wir dies für einzelne Farben in unterschiedlichem Ausmaß, spaltet sich die LUT-Kurve in drei einzelne farbige Graphen auf, und wir können genau verfolgen, was wir tun.

LUT, die dritte

Mit diesem selektiven Regelinstrument können wir jede Farbverfälschung auskorrigieren. Nach Anklicken eines der drei Farb-Buttons ROT, GRÜN oder BLAU öffnet sich eine lange Auswahlskala mit 20 Gamma-Werten von 0 bis 7. Achtung: Werte über 1.0 vermindern die betreffende Farbe, Werte unter 1.0 verstärken sie. Bitte in kleinen Stufen arbeiten und das Ergebnis an einem Vergleichsbild verfolgen, sonst landen wir unweigerlich bei neuen Fehlfarben.

Haben wir es mit Farbabweichungen in den subtraktiven Farben GELB (Yellow), BLAUGRÜN (Cyan) oder PURPUR (Magenta) zu tun, müssen wir jeweils zwei additive Grundfarben gemeinsam verändern:

GELB = ROT + GRÜN BLAUGRÜN = GRÜN + BLAU PURPUR = ROT + BLAU

Für die Korrektur eines Farbstichs ist es im Prinzip unerheblich, ob wir die Fehlfarbe, die wir sehen, zurückfahren oder die entsprechende Komplementärfarbe anheben. Für die Beseitigung eines Blaustichs können wir genausogut BLAU hinzufügen wie GELB (= ROT + GRÜN) wegnehmen.

Wie entscheiden? Diese Entscheidung nimmt uns das Bild selbst ab. Wir dürfen die Parameter HELLIGKEIT und KONTRAST nie aus den Augen verlieren. Mehrstufige Wegnahme von Farben läßt das Bild (selbstverständlich) dunkler werden und steilt es gleichzeitig auf, Farbzugaben machen das Bild heller und weicher. Wir werden uns also bemühen, immer die Maßnahme zu wählen, die unser Bild stets in der Nähe des gewünschten Charakters hält.

Welche Kriterien sagen uns, daß wir alles richtig gemacht haben? Erstens muß natürlich der Farbstich korrigiert sein. Zweitens (und jetzt kommen die beiden Schieberegler für Kontrast und Helligkeit wieder ins Spiel) ist es unvermeidlich, daß wir abschließend (wirklich nur abschließend!) noch eine kleine Kontrast- und/ oder Helligkeitskorrektur mit diesen vornehmen müssen. Und das ist solange legitim, wie wir mit Skalenwerten zwischen 40 und 60% auskommen (möglichst nur 45-55%!). ‘Brauchen’ wir mehr Korrektur, haben wir bei der Farbbeeinflussung gepfuscht oder schon oben bei der ersten, pauschalen LUT-Kurve nicht das Optimum herausgearbeitet. Glauben Sie mir. Sie verschenken viel von der eigentlich im Scan vorhandenen Bildqualität (und das, ohne es richtig zu bemerken, falls Sie Einsteiger sind), wenn Sie sich jetzt damit begnügen, Kontrast und Helligkeit über die Regler hinzupfriemeln. Lieber noch einmal ein, zwei, drei Arbeitsstufen vorher neu einsteigen (Sie haben doch immer schön zwischengespeichert?!?!? Und immer schön durchnumeriert, nicht immer einfach ‘drüber’ gesichert!?! Und immer schön alle Arbeitsschritte notiert!?! Nein? Sie können mir glauben, das werden Sie bitter bereuen.)

Ein wichtiges Hilfsmittel: Man achte von Anfang an auf die in der Scan-Vorlage vorhandenen hellsten, aber noch durchgezeichneten Bildteile. Wir dürfen sie in keiner Bearbeitungsstufe vermissen (es sei denn, wir wollen bewußt darauf verzichten). Ihr ständiges Vorhandensein sagt uns bei jedem Arbeitsschritt, daß wir (noch) auf dem richtigen Wege sind und von der eingescannten Bilddatei noch nichts leichtfertig vergeudet haben. Sind die ‘Lichter’ erst einmal ausgefressen in einer Zwischenstufe, die uns ansonsten akzeptabel erscheint, kommen sie mit keiner Manipulation wieder zurück, wir müssen unsere Arbeit dort neu ansetzen, wo wir sie verloren haben. Das gilt auch für die dunkelsten Teile im Bild, wenn auch nicht immer mit der gleichen Unerbittlichkeit.


Detlef Gensel
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