Harofakt - Handwerker, aufgepaßt!

Bekanntlich hat ja das Handwerk "goldenen Boden". Um so erstaunlicher ist es. daß sich immer weniger Jugendliche für das Handwerk interessieren und lieber saubere Bürotätigkeiten annehmen.

So kämpfen die einzelnen Innungen mit harten Bandagen um jeden Auszubildenden, der eine handwerkliche Tätigkeit ausüben möchte. Von daher freut sich jeder Meister über einen Partner, der ihm täglich zur Seite steht. Solch ein Partner könnte auch eine Fakturierung sein, die insbesondere die Gegebenheiten eines Handwerksbetriebes berücksichtigt.

Harofakt blickt inzwischen auf eine mehr als vierjährige Entwicklungszeit zurück und richtet sich speziell an kleine bis mittlere Handwerksbetriebe. Ursprünglich wurde das Programm für einen Malerbetrieb konzipiert; durch die wachsende Verbreitung ist es heute aber auch für ganz andere Handwerksbetriebe tauglich und wird dort angabegemäß erfolgreich eingesetzt.

Installation

Harofakt stammt aus der Firma Harosoft, einem reinen Ein-Mann-Betrieb von Harald Rothermel, der das ganze als Zweitberuf ausübt. Das hat für die Anwender den Vorteil, schnell und unbürokratisch Sorgen, Vorschläge und Probleme anbringen zu können. Das Programm selbst wird nicht kopiergeschützt auf einer Diskette mit einer kurzen, lediglich 60 Seiten umfassenden Anleitung ausgeliefert. Ergänzend zum Handbuch verfügt Harofakt über eine im Programm integrierte Hilfsfunktion, die über die HELP-Taste verschiedene Hilfstexte aufruft.

Harofakt ist in GFA-BASIC programmiert und weist eine etwas zwiespältige GEM-Einbindung auf. Tastatursteuerung und Fly-Dials werden zwar unterstützt, allerdings werden die verschiedenen Listen nicht in GEM-Fenstern dargestellt. Dies wird später unter MultiTOS unweigerlich zu Schwierigkeiten führen. Positiv sei aber angemerkt, daß der Programmierer Wert auf viele Details gelegt hat. So verwendet er eigene Dialogboxen, die wesentlich mehr Möglichkeiten als die GEM-Dialogboxen bieten. Zudem kann der Anwender wählen, ob Fragezeichen oder Ausrufezeichen in Alert-Boxen blinkend dargestellt werden sollen.

Harofakt kann problemlos unter allen ATARI-Modellen betrieben werden. Voraussetzung sind lediglich mindestens 1 MB Hauptspeicher und ein monochromer Monitor. Der Einsatz einer Festplatte ist zwar nicht notwendig, wird aber aufgrund der schnelleren Zugriffszeiten dringend empfohlen. Zur Installation müssen die Systemdaten immer in einen Ordner mit dem Namen HAROSOFT in der obersten Ebene des Laufwerks kopiert werden. Das Programm selbst kann sich irgendwo auf der gleichen Partition der Festplatte befinden. Gestartet wird Harofakt über die Programmdatei HAROFAKT.PRO. Falls Sie noch ein älteres ST-Modell ohne eingebaute Uhr besitzen, werden zuerst die Uhrzeit und das aktuelle Systemdatum abgefragt. Danach erscheint die eigentliche Arbeitsoberfläche von Harofakt.

Das Kunden-Menü

Ausgangspunkt jeder Fakturierung sind die zahlreichen Kunden, die ordentlich und einfach verwaltet werden müssen. In einer bildschirmfüllenden Maske (Bild 3) bietet Harofakt zehn Felder für die wichtigsten Daten an. Am unteren Bildschirmrand sieht man anhand eines teilweise gefüllten Balkens, wieviel Prozent des vorgesehenen Speicherplatzes bisher verbraucht sind. Anfangs wird die Kundennummer einfach der Reihe nach vergeben. Sollte ein Kunde in der Liste gelöscht werden, wird diese Nummer frei und erneut vergeben. Allerdings kann man jedem Kunden nach Belieben auch eine bestimmte Nummer zuordnen. HELP errechnet die zugehörige Kundennummer, falls das entsprechende Feld freigelassen wurde. Die Nummer wird dann nach einem System vergeben, das sich an die Kontonummern der FIBU von GMA-Soft anlehnt. zu der auch eine Schnittstelle existiert. Diese Numerierung richtet sich nach den Anfangsbuchstaben des Nachnamens und beginnt bei 10000. Für jeden Buchstaben stehen 350 Konten zur Verfügung. Wem diese Numerierung nicht gefällt, der kann auch einfach die vorgeschlagene durchlaufende Nummer belassen. Für die Anrede und die Kundenart existiert ein Pop-Up-Menü mit vordefinierten Floskeln. Eine zwischenzeitlich integrierte Postleitzahlenautomatik rundet die Kundenmaske ab.

Bild 2: Über die Menüleiste erreicht man die zahlreichen Funktionen von Harofakt.

Bild 3: Für die Wahl der Anrede und Kundenart stehen in der Kundenmaske Pop-Up-Menüs zur Verfügung.

Das Artikel-Menü

Bei der Erfassung der Artikel merkt man, daß Harofakt eine Software für kleine und mittlere Handwerksbetriebe ist. Unter Artikel versteht Harofakt weitgehend Handwerksleistungen. zu deren Beschreibung ein achtzeiliges Feld (Bild 4) zur Verfügung steht. Sinnvoll ist es, in der ersten Zeile eine Kurzfassung der Leistung einzugeben, und in den folgenden Zeilen die eigentliche Erklärung. So kann man kurze Rechnungen erstellen, nachdem im Angebot ja bereits eine ausführliche Leistungsbeschreibung aufgeführt wurde. Das Feld EINHEIT ruft ein Pop-Up-Menü mit verschiedenen Vorgaben auf. Im Feld PREIS trägt man den Nettopreis pro Einheit ein, der dann im Dokument zur Multiplikation benutzt wird. Verläßt man das Feld mit RETURN, wird automatisch die Arbeitszeit eingetragen. Sie errechnet sich aus dem derzeit gültigen Lohnpreis pro Minute und ist für Dienstleistungen gedacht.

Das Feld EK-PREIS verlangt den Einkaufspreis. Trägt man danach noch einen VERBRAUCH ein, wird dieser Einkaufspreis mit dem Verbrauch multipliziert und als Materialkosten eingetragen. Die Minuten werden dann entsprechend berechnet. Unter WERKSTOFF werden die Kosten erfaßt, die durch den Verbrauch an Werkstoffen für diese Leistung pro Einheit entstehen. Dabei sind im Gegensatz zu Verbrauch alle Werkstoffe zu erfassen. Sowohl Kunden- als auch Artikeldaten hält Harofakt permanent im Systemspeicher. So erreicht man schnelle Zugriffszeiten auf die einzelnen Datensätze. Natürlich bestimmt der Speicherplatz die maximale Anzahl von Kunden und Artikeln. Kunden und Artikel lassen sich natürlich auch in übersichtlicher Listenform darstellen - zudem nach diversen Kriterien sortiert. Innerhalb der Liste läßt sich ein bestimmter Datensatz per Mausklick problemlos zur Änderung aufrufen.

Das Dokumenten-Menü

In diesem Menüteil werden Dokumente erstellt, geladen, gedruckt, gespeichert, gelöscht, umgewandelt und von der Diskette gelöscht. Vorher sollte man aber grundsätzlich entscheiden, um welches Dokument es sich handelt. Dazu erscheint eine Auswahlbox mit 8 Dokumenten (Angebot, Auftragsbestätigung, Lieferschein, Nachweis, Ausschreibung, Rechnung, Abschlagsrechnung und Aufmaß). Nach erfolgter Auswahl gelangt man in die stets einheitliche Fakturierungsmaske (Bild 5). Zuerst wählt man einen Kunden aus der Kundenliste, die man durch Anklicken der Pfeilfelder durchblättert, aus. Die Auswahl des gewünschten Kunden erfolgt wiederum durch einfaches Anklicken. Anschließend kann man einen BETREFF eingeben. Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Betreff-Zeilen läßt sich übrigens im Formularprogramm aus wählen. Danach kann man einen Text eingeben, der direkt vor das Dokument gedruckt wird. Zuletzt bestimmt man den Artikel. Das Artikelfenster zeigt dann den ausführlichen Langtext an. Zu guter Letzt benötigt Harofakt nach die Angabe der zu berechnenden Menge. Durch Drücken der UNDO-Taste kann man vorher noch einmal die Artikelmaske öffnen und beliebige Änderungen am Artikel vornehmen. Mit dem Taschenrechner läßt sich dann erst noch die Menge berechnen oder direkt eingeben. Nach der Berechnung des Fakturpostens kann diesem noch ein Rabatt oder ein Zuschlag zugewiesen werden. Dazu klickt man das entsprechende Feld an und gibt den Prozentsatz ein, den man als Zuschlag oder Rabatt gewähren möchte. Anschließend kann man sich das komplette Dokument ansehen und eventuell die Reihenfolge der Artikelposten mit dem Mauszeiger verschieben. Ein weiterer Klick führt zur Berechnung der für diesen Auftrag erforderlichen Arbeitszeit und des Zeitertrags.

Doch wie erstellt man aus einem Auftrag eine Rechnung? Alles ganz einfach. Zuerst lädt man das Angebot in den Arbeitsspeicher und schreibt es einfach in eine Rechnung um. Das Besondere an Harofakt ist, daß mit Hilfe einer Konvertierungstabelle die Verben halbautomatisch umgewandelt werden: Aus der Grund-form "Türen streichen" im Angebot bildet Harofakt in der Rechnung "Türen gestrichen". Unbekannte Verben werden abgefragt und für spätere Zeiten abgespeichert.

Bild 4: In dieser Dialogbox erfaßt man die Artikel, Im Hintergrund erkennt man die Artikelliste.

Bild 5: Hier sieht man die Fakturierungsmaske, in der man einzelne Artikel auswählt.

Sonstiges

Einige weitere Funktionen von Harofakt möchte ich nicht unerwähnt lassen. So ist eine seiner besonderen Stärken die Kalkulation. In einer speziellen Maske (Bild 6) können betriebsspezifische Lohnkosten eingetragen und berechnet werden. Dazu trägt man zuerst den Stundenlohn ein, der berechnet und den Angestellten vergütet wird. Zu diesem Stundenlohn werden alle Kosten, die durch die Betriebsführung entstehen, hinzuaddiert. Falls der Gemeinkostenzuschlag nicht bekannt ist, kann man sich auch an die örtliche Handwerkskammer wenden, die Auskunft über die branchenüblichen Sätze erteilt. Zusätzlich zu den Gemeinkosten wird noch ein Wagnis- und Gewinn-Aufschlag von üblicherweise 10% auf die errechneten Kosten addiert, was dann zum tatsächlichen Lohnpreis pro Stunde und Minute führt.

Bild 6: Die Lohnsatz-Einstellungen bilden die Grundlage für die Kalkulation.

Harofakt verfügt auch über eine Funktion zur Anzeige der Umsatz-Statistik. Die dazu benötigten Daten werden immer in die zugehörige Datei eingetragen, wenn eine Rechnung ausgedruckt wurde. Man kann auch durch Änderung der Jahreszahl auf Statistiken vergangener Jahre zugreifen. Beim Anlegen von Artikeln kann man, falls die vorgegebenen 8 Zeilen Text mit jeweils 35 Buchstaben nicht ausreichen, durch Drücken der F7-Taste eine zusätzliche Eingabebox mit weiteren 20 Zeilen aufrufen. Diese Langtexte werden allerdings im Gegensatz zu anderen Daten nicht im Speicher gehalten.

Harofakt druckt auch Arbeitslisten aus, die einen Überblick über die errechneten Arbeitszeiten und Verbrauchszahlen verschaffen. Des weiteren verwaltet Harofakt natürlich auch offene Posten und schreibt gegebenenfalls Mahnungen.

Fazit

Harofakt ist ein intelligent konzipiertes Software-Produkt für den kleinen und mittleren Handwerksbetrieb und lief während des Testbetriebs äußerst zuverlässig und stabil. Trotz des recht knappen Handbuchs ließ sich Harofakt problemlos bedienen, da die Menüstruktur logisch und einfach aufgebaut ist. Die Vollversion ist direkt beim Entwickler für DM 598,- erhältlich, Interessenten können für DM 25,- ein Demo und für DM 50,- ein Handbuch anfordern, wobei die beiden zuletzt genannten Preise beim Kauf der Vollversion angerechnet werden. Einziger Wermutstropfen ist meiner Ansicht nach die Einbindung ins GEM unter MultiTOS, da hier später durchaus Probleme auftreten könnten. Doch bitte ich diesen Punkt nicht überzubewerten, da Harofakt dafür mit vielen anderen kleinen Features aufwartet. Harofakt ist meiner Kenntnis nach die einzige Fakturierung, die eine intelligente Brücke zu der Handwerksbranche schlägt. Aus diesem Grund halte ich Harofakt für ein rundherum empfehlenswertes Programm.

BW

Bezugsquelle:

HAROSOFT Harald Rothermel Tomerdingerstraße 23 W-7909 Darmstadt

Harofakt

Positiv:

leistungsfähige Fakturierung für Handwerksbetriebe
Erstellung von Aufmassen
einfache und problemlose Bedienung

Negativ:

etwas problematische GEM-Einbindung
Datensätze werden im RAM-Speicher gehalten



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