Festplattennachtrag: Flüsternde Speicherriesen 2

Unser großer Festplattentest in der Oktober-Ausgabe konnte bei der Unmenge von Anbietern natürlich nicht vollständig sein. Einen Nachzügler, der uns erst später erreichte, wollen wir aber unseren Leser nicht vorenthalten. Es handelt sich um die Eickmann minidrive 240 - eine kompakte, anschlußfertige Festplatte mit 240 Megabyte Speicherkapazität.

Wie die Bezeichnung schon vermuten läßt, werkelt in der minidrive eine Quantum LPS240, die wohl mittlerweile als DAS Standard-Laufwerk in der Klasse über 200 MB anzusehen ist. Über das Laufwerk an sich braucht man wohl nicht viele Worte zu verlieren - es zählt zu den schnellsten und zuverlässigsten Festplatten auf dem derzeitigen Markt.

Die Hardware

Von Interesse sind neben dem eigentlichen Laufwerk auch die anderen Innereien der minidrive. Eickmann stattet seine minidrive-Festplatten nicht, wie üblich, mit den gängigen SCSI-Host-Adaptern von ICD oder GE-Soft aus, sondern spendiert ihnen den Original-ATARI-Host-Adapter, der üblicherweise im Mega-STE seinen Dienst tut. Das hat den Vorteil, daß Festplattentreiber und andere Software wirklich 100% kompatibel zum Mega-STE sind. Allerdings birgt es auch versteckte Nachteile. Der ATARI-Host-Adapter kann leider nur eine einzige SCSI-Festplatte ansprechen. Demzufolge kann der SCSI-Bus nicht zwecks Anschluß weiterer Geräte nach außen geführt werden. Im alltäglichen Umgang mit der minidrive hat das natürlich keine großen negativen Folgen. Zudem ist der DMA-Port durchgeführt, so daß man weitere Massenspeicher über diesen Anschluß betreiben kann. Diese brauchen dann natürlich jeweils ihren eigenen Host-Adapter. Erwähnenswert ist auch der thermogeregelte Lüfter. Er ist sehr leise und stört den Benutzer kaum. Überhaupt ist das Arbeitsgeräusch der minidrive nicht aufdringlich. Lediglich ein leises Säuseln der Festplatte und das leichte Rauschen des Lüfters sind zu vernehmen.

Schuhkarton?

Das beigegraue Stahlblechgehäuse ist sehr stabil verarbeitet, aber unserer Meinung nach vom Design her nicht besonders passend für ATARI-Computer. Zu sehr wird man an den „Schuhkarton-Look“ der guten alten ATARI-SH204 erinnert. Der Ein-/Ausschalter befindet sich unüblicherweise an der Frontseite. Wer das Gerät direkt auf dem Schreibtisch stehen hat, kann den Schalter dadurch recht leicht versehentlich betätigen. Allerdings hat dies nur dann unangenehme Folgen, wenn gerade ein Schreibzugriff auf die Platte erfolgt. Im Moment stellt man bei Eickmann allerdings auf eine neue Gehäusegeneration um, die zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels bereits erhältlich sein wird.

Die Software

Eickmann hat einen eigenen Festplattentreiber entwickelt, der sich mittlerweile schon in einem recht fortgeschrittenen Stadium befindet. Standardfunktionen wie die Verwaltung von bis zu 26 Partitionen die jeweils bis bis 256 MB groß sein können, werden ebenso geboten, wie moderne Features wie konfigurierbarer Read/Write-Cache und Schreib- oder Paßwortschutz eines Laufwerks. Der Treiber arbeitet problemlos auch mit dem Mega-STE und TT zusammen. Interessant ist, daß die Cache-Funktion als externes Programm ausgelegt ist und vom AUTO-Ordner aus gestartet wird. Konfiguriert wird der Cache über den Dateinamen des Programmes. Die Formatier- bzw. Partitionier-Software stellt ein sauberes GEM-Programm dar, das hauptsächlich über Pull Down-Menüs (Bild 1) und Dialogboxen bedient wird. Über ein zusätzliches Accessory (Bild 2) können auch nachträglich noch Änderungen in der Konfiguration des Treibers vorgenommen, der Cache inaktiviert bzw. Informationen über seine Effizienz abgerufen werden. Eickmann hat eine neue Version (6.0) der Software angekündigt, die ebenfalls in Kürze erscheinen wird. Sie wird auch die AT-Bus-Platten des Falcon-030 und ST-Book unterstützen. Zudem soll es möglich sein, direkt Wechselmedien (SyQuest, Sony etc.), die unter MS-DOS formatiert wurden, zu lesen und zu beschreiben. Datenaustausch mit PCs wird damit auch im großen Stil möglich. Sobald diese Version erhältlich ist, werden wir darüber berichten.

Das Handbuch...

... ist knapp, aber ausreichend. Auch der Einsteiger sollte sich innerhalb kurzer Zeit in der Lage sehen, die Platte formatieren und partitionieren zu können, falls dies überhaupt notwendig ist, denn Eickmann liefert die minidrive selbstverständlich fertig eingerichtet aus. Der Treiber kann auch auf Fremdsystemen installiert werden.

Hierzu gibt das Handbuch ebenfalls Hinweise, und es wird ein Programm zur Anpassung der Partitionen mitgeliefert.

How-Fast?

Natürlich haben wir auch bei der Eickmann minidrive unseren obligatorischen How-Fast-Test durchgeführt. Das Ergebnis können Sie in unseren Grafiken ablesen. Bild 3 zeigt dabei die Geschwindigkeit der Platte ohne Cache. Für Bild 4 hatten wir 100KB-Read/Write-Cache installiert. Man sieht deutlich, daß der Cache noch einiges an Geschwindigkeit herausholen kann. Die Tests wurden auf einer 10-MB-Partition durchgeführt. Dennoch ist das Ergebnis noch nicht optimal, andere Geräte erreichen Werte von bis zu 1400 KB/s. Die Firma Eickmann teilte uns mit, daß der Cache besonders für Datenbankprogramme (also für den wahlfreien Zugriff innerhalb großer Dateien) ausgelegt ist. Dies spiegelt unser Testverfahren leider nicht ausreichend wider.

Zusammenfassung

Die minidrive ist eine solide und besonders leise Festplatte, die zwar nicht gerade durch ihr Äußeres glänzt, dafür aber eine Menge innere Werte zu bieten hat. Auch die Software ist sehr ordentlich. Lediglich in Sachen Geschwindigkeit wäre im Vergleich zur Konkurrenz noch ein wenig mehr drin (vgl. ST-Computer 10/92 „High-End-Festplatten im Test"). Laut Auskunft des Herstellers wird man aber hier mit der neuen Treiber-Software noch einiges gut machen können. Zu einem Preis von 1699,-DM (1499,- DM für die reine SCSI-Lösung ohne internen Host-Adapter) für das Komplettsystem inkl. Software ist die Eickmann minidrive zudem eine der preiswerten anschlußfertigen Festplatten über 200 Megabyte am Markt.

CM

Bezugsquelle:

Eickmann Computer
In der Römerstadt 249
W-6000 Frankfurt 90

minidrive 240

Positiv:

voll kompatibel zu ATARI-Platten durch identischen Host-Adapter
flexible Treiber-Software
angenehm leise

Negativ:

SCSI-Bus nicht herausgeführt
Geschwindigkeit (noch) nicht optimal

Bild 1: Die Menüs der Formatier/Partitionier-Software

Bild 2: Über ein kleines Accessory kann der Treiber konfiguriert und die Cache-Funktion ein bzw. ausgeschaltet werden.

Bild 3: Die Eickmann minidrive 240 einmal ohne ...

Bild 4:... und einmal mit Read/Write Cache.


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