That’s Write in der neuen Version 1.3: Verkanntes Genie?

Wer von That’s Write noch nie etwas gehört hat und deshalb glaubt, es handele sich hierbei eher um einen Schreibfehler in der GEM-Dokumentation als um eine Textverarbeitung, der befindet sich in guter Gesellschaft: Auch viele Fachzeitschriften und noch mehr Händler scheinen (oder schienen zumindest bis vor kurzem) das Programm nicht zu kennen, obwohl es schon seit April 1989 - allerdings ohne große Ankündigungen - seine Benutzer erfreut. Nachdem zur ATARI-lMesse die brandneue und in wesentlichen Teilen gegenüber der alten Version 1.2 verbesserte Version 1.3 erschienen war, kam zu Weihnachten ein neues Update als Version 1.37 auf den Markt, welche die Grundlage für diesen Test bilden soll.

Kindheit und Jugendjahre

That's Write erblickte das Licht der ST-Welt im April 1988, zu jener Zeit allerdings noch als STARWRITER ST im Vertrieb der Firma Star Division, die damit ihre bis dahin auf MS-DOS-Programme beschränkte Produktpalette ausbauen wollte. Schon STARWRITER ST zeigte sich als sehr leistungsstarkes und einfach zu bedienendes Programm, welches schon bald eine kleine, verschworene Fangemeinde um sich versammelte, deren Mitglieder es trotz häufiger Abstürze, eines äußerst gemütlichen Arbeitstempos und anderer kleiner Macken besonders im wissenschaftlichen Bereich für die einzig brauchbare Textverarbeitung hielten. Doch der Markt hatte seine eigenen Gesetze: STARWRITER fristete, weitgehend unbeachtet von Fachpresse und Anwendern, ein Mauerblümchendasein und verschwand in logischer Konsequenz, so schien es zumindest, im Frühjahr 1989 vom Markt. In Wirklichkeit hatten sich jedoch nur die drei Autoren wegen ‘Unstimmigkeiten' von Star Division getrennt und als neuen Vertrieb das niederländische Softwarehaus COMPO gefunden, das eigens eine deutsche Niederlassung gründete. Die STARWRITER-User, die soeben noch um ihren verloren geglaubten Software-Support getrauert hatten, wurden von dieser Firma unter ihre Fittiche genommen und sogleich mit einer neuen Programmversion beglückt, die vollkommmen neu überarbeitet worden war und, mit einigen neuen Funktionen versehen, fortan als That's Write und für 100,-DM mehr verkauft wurde. Mittlerweile gibt es That 's Write in der Version 1.3, und zum ohnehin schon üppigen Funktionsumfang der V 1.2 sind noch einmal knapp 20 neue Features dazugekommen.

Erste Begegnung

Wenn man That's Write auspackt, fällt einem sofort der stabile Schuber wohltuend ins Auge (autsch!). Auch das 200seitige Handbuch im Ringordner, das in dieser Qualität ja für ein Programm dieser Preis- und Leistungsklasse mittlerweile üblich ist, sowie eine Referenzkarte mit allen Tastenbefehlen runden den positiven Eindruck ab. Die beiden doppelseitigen Master Disketten (einseitige gibt’s auf Wunsch) sind randvoll mit komprimierten Zeichensätzen, Druckeranpassungen, einigen Beispieltexten, zwei Accessories (eine Fileselectbox und ein Snapshot-ACC), einem Font-Editor und einem Hilfs- und Installationsprogramm gefüllt. Der erste Doppelklick gilt dann auch letzterem, "THELP" genannt, denn vor den Test haben die Götter die Installation gesetzt. Diese wird zwar wegen des Dekomprimierungsvorgangs nicht gerade schnell, doch ansonsten reibungslos vollzogen: Medium (Disk oder Festplatte) wählen, gewünschten Drucker anklicken, eventuell den Plattenpfad eingeben, und dann die Aufforderungen zum Diskwechsel befolgen - einfacher geht's fast nicht.

Startet man nun man von der so erhaltenen Arbeitsdiskette oder von Festplatte die Programmdatei TWRITE.PRG, erscheint nach kurzer Ladezeit der etwas ungewohnt wirkende Arbeitsbildschirm von That's Write. Beim Begriff “Fenster" scheinen die Autoren eher an die Waggons der deutschen Bundesbahn als ans GEM gedacht zu haben, denn das Fenster, in dem der zweite der beiden gleichzeitig zu bearbeitenden Texte dargestellt wird, liegt hinter dem ersten Textfenster und wird durch Herunterziehen des vorderen Fensters am grauen Infobalken zugänglich gemacht. Dies hat zur Folge, daß die beiden Texte immer übereinander und nicht, wie mit normalen GEM-Fenstem, auch nebeneinander zu betrachten sind. Wer oft schmale Texte (wie z.B. Assemblerlistings) gleichzeitig zu bearbeiten hat. den wird dies vielleicht stören, doch bei normalen Texten wirkt es sich wohltuend aus, daß fast die ganze Bildschirmbreite ohne irgendwelche Rollbalken für den Text zur Verfügung steht. Nur links befindet sich ein schmaler Streifen, in dem Seitengrenzen. Spaltenumbrüche und geschützte Zeilenverbindungen angezeigt werden. Per Mausklick kann man hier auch feste Seitengrenzen löschen bzw. setzen und geschützte Bereiche definieren, die verhindern, daß verbundene Zeilen oder Absätze auf verschiedenen Seiten gedruckt werden.

Der Infobalken über dem Text dient neben der schon erwähnten Veränderung der Fenstergröße sowohl der Anzeige als auch (durch Anklicken) der gezielten Wahl verschiedener Parameter wie Position im Text, Einfüge-/Überschreibemodus, Caps Lock, Textname und verwendetem Layout. That's Write verfügt darüber hinaus über ein überreiches Angebot an Tastenbefehlen, um sich wort- oder seitenweise im Text zu bewegen, oder um bestimmte Stellen im Text gezielt anzuspringen.

Bild 1: Die Menüleiste

MAKRO-kosmos

Überhaupt kann man in Sachen Tastaturbedienbarkeit That’s Write als neuen Maßstab bezeichnen, denn wirklich alle Programmfunktionen (und ‘alle’ schließt Dialogboxen, Pull-Down-Menüs und sogar Alarmboxen mit ein) können über Tastaturkommandos zusätzlich zur Bedienung mit der Maus aufgerufen werden.

Gedächnisakrobatik ist trotzdem nicht nötig, denn die Tastenkombinationen folgen meist den Anfangsbuchstaben der jeweiligen Option: Die Funktion Drucke Text im Menü Datei wird also logischerweise mit Control-D-D aufgerufen. Die konsequente Tastaturbedienung ist auch die Voraussetzung für eine weitere Meisterleistung, die Makroverwaltung. Diese ist wohl nicht nur für den Profi interessant, denn sie bietet die Möglichkeit, nahezu beliebige eigene Funktionen zu programmieren. indem Tastenbetätigungen (und damit auch Menüaufrufe etc.) aufgezeichnet und später auf Tastendruck abgerufen werden. Da es darüber hinaus auch möglich ist, aus Makros heraus andere Makros aufzurufen und sogar einfache Schleifen zu programmieren, reichen die Anwendungsgebiete der Makros vom Einfügen einfacher Textbausteine bis zu Sonderfunktionen wie “Suche alle Vorkommen des Wortes 'Write’ auf den Seiten 1 bis 50, schreibe es in Großbuchstaben und passe die Textattribute an die des ersten Vorkommens im Text an”. Der einzige Wermutstropfen ist die langsame Abarbeitung der Makros, da alle benutzten GEM-Dialogboxen und Veränderungen im Text auch auf dem Bildschirm dargestellt werden.

Co-starring

Natürlich beherrscht That’s Write alle üblichen Grundtunktionen wie Suchen und Ersetzen, Blöcke löschen (mit UNDO), verschieben, kopieren, ausschneiden (mit 4 Blockpuffern), abspeichem (ASCII- oder That's Write-Format), aktuelle oder folgende Seitennummer einfügen, eine problemlose Fußnotenverwaltung, Trennhilfe, Serienbrieffunktion. Rechtschreibkorrektur, Statistik, Spaltensatz und vieles mehr. Doch schon bei diesen Grundfunktionen zeigt das Programm, was in ihm steckt. Neben dem eigenen Textformat und ASCII lassen sich auch Texte im 1st_Wordplus-Format mit allen Schriftattributen und den Fußnoten komplett einladen. Direkt aus dem Programm heraus kann man Dateien kopieren, umbenennen und löschen, wobei eine spezielle Fileselect-Box gute Dienste leistet. Neben Fußnoten, die text- oder seitenweise numeriert werden können, verwaltet That’s Write auch Endnoten (als Literaturhinweise) sowie Stichwort- und Inhaltsverzeichnisse. Die optionale Rechtschreibkorrektur kann auch wahrend des Tippens aktiviert sein und beanstandet diejenigen Wörter sofort nach der Eingabe mit einem Warnton, die in den komprimierten 430 kByte des Hauptwörterbuchs oder in einem selbst angelegten Spezialwörterbuch nicht aufzufinden sind. Genauso wird auch ein separater Korrekturvorgang angeboten, bei dem die unbekannten, aber richtigen Wörter automatisch in ein Spezialwörterbuch aufgenommen werden können. Die nachträgliche Bearbeitung der Wörterbücher, sei es nun zur systematischen Erweiterung des Wortschatzes oder zum Löschen falscher Einträge, ist allerdings etwas mühsam ausgefallen, da die komprimierten Wörterbuch-Dateien erst mit dem bereits erwähnten THELP dekomprimiert werden müssen, damit man sie dann im ASCII-Format edieren kann.

Bild 2: Der Arbeitsbildschirm mit den zwei Textfenstem

Bild 3: Die Statistikfunktion für Vielschreiber

Bild 4: Schriftenvielfalt serienmäßig

Bild 5: Der Zeichensatzeditor TFONT

Die Komprimierung der Wörterbücher sowie die Tatsache, daß die eigentliche Programmdatei trotz stetiger Erweiterung der Programmfunktionen von Update zu Update immer kleiner wurde (140 kB !), tragen jedoch wesentlich dazu bei, daß That's Write uneingeschränkt diskettentauglich ist, wenn man von den längeren Ladezeiten beim Programmstart, beim Drucken und eben auch bei der Korrektur absieht. Wesentlich mehr schlägt sich da schon die Kapazität des Arbeitsspeichers auf den Komfort nieder. Wenn man sich mit den Zeichensätzen und Accessories etwas zurückhält und nicht gerade ellenlange Texte im Speicher hält, kann man auch mit 1 MB das Korrekturwörterbuch ständig im Speicher halten und erspart sich damit zeitraubende Platten-/Diskettenzugriffe während des Korrekturvorgangs, die immer dann fällig werden, wenn das Wörterbuch nicht mehr ganz in den Arbeitsspeicher paßt. Ich möchte hier jedoch auch ein grundsätzliches Wort über den (Un-)sinn und die Überbewertung eines lexikalischen Rechtschreiblexikons verlieren, wie es bei den meisten Textverarbeitungsprogrammen Verwendung findet. Schon das Prinzip, nämlich der Vergleich eines Textes mit einem mehr oder weniger großen Wortschatz, bestimmt die Grenzen der Leistungsfähigkeit. Solange ein Programm weder Syntax noch Sinn eines Textes analysieren kann, wird es Fehler wie ‘das' statt ‘daß' oder ‘hielten' statt 'heilten', die oft sehr hartnäckig auftreten und extrem schwer zu finden sind, niemals entdecken, da es ja beidesmal gültige deutsche Wörter sind. Wenn es sich also nicht gerade um ein Synonymwörterbuch handelt, welches wenigstens noch als Formulierungshilfe dienen kann, dann deckt eine solche Korrekturhilfe nur die gröbsten Fehler auf und erspart deshalb auf keinen Fall das mehrmalige Korrekturlesen. Ein jeder sei deshalb gewarnt, sich blind auf die Computerhilfe zu verlassen, oder auch nur ein Programm nach dem Umfang seines Lexikons zu beurteilen.

Harte Trennung?

Besonderer Erwähnung bedarf die Trennfunktion, ist sie doch das bisher Effizienteste, was ich in diesem Bereich auf dem ST gesehen habe. Neben der Möglichkeit, manuell, halb-, vollautomatisch oder gar nicht zu trennen, bietet der Trennalgorithmus in einem normalen deutschen Text eine Trefferquote von schätzungsweise 92,5% oder sogar mehr an richtigen Trennungen - und das mit einem Ausnahmen- und Silbenwörterbuch von nur ca. 6 kByte Umfang. Doch damit nicht genug: Hinter dem Menüpunkt ‘Sprache...’ verbirgt sich die Option, Trenn-'treiber' und Ausnahmenwörterbücher in anderen Sprachen einzuladen und That’s Write damit internationale Trennalgorithmen beizubringen. (Englisch, Deutsch und Niederländisch sind im Lieferumfang enthalten.) Es ist fast überflüssig zu sagen, daß -ck- und zusammengesetzte Wörter mit Bindestrich im Deutschen richtig getrennt werden. Schwierigkeiten entstehen fast nur bei einigen fremdsprachlichen und zusammengesetzten Wörtern, oder wenn Ausdrücke Sonderzeichen enthalten (zu denen aber leider alle Ziffern zählen). Auch mit einem '/' zusammengesetzte Wörter reizen den Fehlerteufel, doch läßt die Entwicklungswut der Programmierer eine baldige Verbesserung erhoffen. Die Verhinderung der wenigen Trennfehler erweist sich jedoch als ziemlich mühselig, denn entweder muß der entsprechende Absatz manuell oder halbautomatisch getrennt werden, oder der Benutzer muß seine Arbeit unterbrechen, um im zweiten Textfenster das Trennwörterbuch zu erweitern. Hier wäre eine Option wünschenswert, die es ermöglicht, zwingende Trennstellen in einem Wort per Hand direkt im Text eingeben oder ein Wort vor einer Trennung schützen zu können. Wie man hört, soll Entsprechendes auch schon in Arbeit sein.

Looks like text...

In der Schriftenvielfalt steht That's Write seinen Mitbewerbern in nichts nach. 20 verschiedene Schriften können beliebig gemischt und je nach Font fett, kursiv, hoch- oder tiefgestellt, einfach und doppelt unterstrichen oder sogar durchgestrichen (???) dargestellt werden. Bei den Zeichensätzen werden zur Bildschirmdarstellung frei definierbare GEM-Fonts benutzt, die nicht unbedingt das genaue Schriftbild des späteren Ausdrucks wiedergeben, aber in den Größen Verhältnissen vollkommen mit den Drucker-Fonts übereinstimmen. Klar, daß dabei die Anzeige von Blocksatz in Proportionalschrift eine schiere Selbstverständlichkeit ist, so daß man durchaus von einem bedingten WYSIWYG sprechen kann. Wer also einen der beliebten typographischen Amokläufe starten will, hat in That’s Write ein nahezu ideales Werkzeug gefunden.

Im Bereich der Textformatierung hat das Programmiererteam klare Anleihen bei einschlägigen Marktführern im PC Bereich gemacht und das gute alte Textlineal gegen Seiten- und Absatz-Layouts getauscht. In den Seiten-Layouts wird das Aussehen einer Seite mit Rändern, Spaltenzahl- und abstand sowie den Kopf- und Fußtexten bestimmt. In einem Absatz-Layout dagegen legt man die Ausrichtung des Textes, linke und rechte Ränder für den jeweiligen Absatz, Einzüge, Standardschriften und die Tabulatorpositionen fest. Ändert man in einem Text nun die Einstellungen eines Layouts, werden alle Textabschnitte neu formatiert, denen dieses Layout zugewiesen wurde. Zusammen mit der Möglichkeit, Layouts nachträglich einzuladen und abzuspeichern, kann man sich auf diese Weise einen Vorrat an Layouts für verschiedene Schriftstücke oder verschiedene Papiergrößen anlegen.

Der 1st Word-Anwender findet in That's Write dennoch sein geliebtes Textlineal, das jedoch hier die Attribute des Absatz-Layouts an der Cursor-Position anzeigt. Das Setzen und Löschen der Ränder und Tabulatoren kann auch wie gewohnt mit der Maus innerhalb des Linealserledigt werden. Das Tüpfelchen auf dem i bildet die automatische Formatierung, die dafür sorgt, daß der Text, wenn gerade nicht getippt wird, zwischendurch formatiert und (automatisch) getrennt wird, so daß man immer die endgültige Textfassung vor Augen hat.

Ermöglicht wurde diese Option erst durch die Geschwindigkeitssteigerung, die STARWRITER/That's Write im Laufe der Zeit erfahren hat. Konnte man bei STARWRITER noch bei einer Komplettformatierung eines längeren Textes gemütlich Kaffee trinken gehen, so verspricht COMPO bei der Version 1.3 gegenüber der Version 1.2, Turbo C sei’s gedankt, nochmals eine durchschnittlich 20-30%ige Steigerung, was sich auch beim Suchen/Ersetzen aus wirken soll. Das Text-Scrolling und die allgemeine Arbeitsgeschwindigkeit sind akzeptabel, wenn auch That’s Write beileibe nicht zu den Allerschnellsten gehört. Eine Komplettformatierung des vorliegenden Artikels benötigte beispielsweise etwas über 30 Sekunden, wobei allerdings gesagt werden muß, daß die absatzweise sowie die Online-Formatierung eine komplette Neuformatierung eines Textes meist überflüssig machen.

Wer bisher die Grafikeinbindung vermißt hat, dem sei gesagt, daß That's Write IMG-Grafiken einladen, im Text anzeigen und auch abspeichern kann. Sogar die Größe des Bildes läßt sich mit Hilfe einer 'Gummibandfunktion' oder über die Tastatur frei einstellen. Die Grafikpositionierung ist jedoch der sonstigen Qualität des Programm nicht würdig: Bilder können nicht neben Text gesetzt werden, so daß ein Umfließen eines Bildes mit Text unmöglich ist. Wie aber zu vernehmen war, wird schon an einer überzeugenden Grafikeinbindung für die Version 1.4 gearbeitet. Man darf also gespannt sein...

Druckmittel

Beim Druck setzt That’s Write auf ein äußerst aufwendiges, leider manchmal nicht gerade blitzschnelles Konzept, um wirklich das Letzte aus jedem Drucker herauszuholen. Zu jedem Bildschirmzeichensatz existiert zu diesem Zweck ein entsprechender Druckerzeichensatz, der zum Drucken nachgeladen, und anhand dessen die endgültige Formatierung für den Ausdruck errechnet wird. Dabei unterscheidet That’s Write drei verschiedene Arten von Druckerzeichensätzen: Grafik-, Pseudo- und Downloadfonts.

Bei den Grafik-Fonts handelt es sich um GEM-Fonts, die beim Ausdrucken, ähnlich wie dies bei SIGNUM! geschieht, als Grafikdaten, wahlweise auch in verschiedenen Auflösungen, an den Drucker geschickt werden. Das Angebot an passenden GEM-Schriften ist zwar im Moment noch klein, doch liefert COMPO mit der neuen V1.37 ein Utility aus, mit dem es möglich ist, sämtliche SIGNUM!-Schriften ins That's Write-Format zu konvertieren und ohne Qualitätseinbußen zu verwenden. Mehr noch, da ein GEM-Font mehr Zeichen als ein SIGNUM!-Zeichensatz enthalten darf, werden beim Konvertiervorgang auf Wunsch automatisch diverse ausländische Sonderzeichen gleich miterzeugt! Ein eigener Test mit meinem einzigen SIGNUM!-Zeichensatz, den ich mitsamt dem entsprechenden Bildschirm-Font konvertieren ließ, verlief reibungslos und zu 100% zufriedenstellend, so daß nun nicht nur den Kunden von ASH das ‘größte Schriftenangebot für den ST’ zur Verfügung steht. Lobend zu erwähnen wäre dabei, daß die Leute von COMPO auf die ‘genormte’ Verwendung von GEM-Zeichensätzen gesetzt haben, statt sich dem sogenannten ‘Quasi-Standard’ zu verschreiben. Die Existenz des Konvertierprogramms trägt vielleicht sogar dazu bei, daß die in einigen Punkten wesentlich flexibleren GEM-Fonts mehr Geltung erlangen.

Der Preis für eine gute Schriftqualität und große Schriftenvielfalt ist bei der Verwendung von grafischen Druckerzeichensätzen allemal die von der Druckerleistung abhängige, meist geringe Geschwindigkeit, die jeden Ausdruck zur Tortur werden laßt. Aus diesem Grund erlaubt That's Write auch die Nutzung der im Drucker eingebauten ‘schnellen’ ROM-Zeichensätze über sogenannte Pseudo-Fonts, in denen vor allem bei Proportionalschriftzeichensätzen die Informationen über alle Buchstabenbreiten enthalten sind, so daß das Programm die Kontrolle darüber behält, wie das Ausgedruckte aussehen wird.

Bei den Download-Fonts handelt es sich quasi um die Mischung aus Pseudo- und Grafik-Fonts, womit die Fähigkeit mancher Drucker ausgenutzt wird, einen selbstdefinierten Zeichensatz in den Druckerspeicher zu laden, um ihn danach wie einen eingebauten Zeichensatz zu benutzen. Im Lieferumfang von That’s Write sind auch schon einige Zeichensätze aus jeder der drei Kategorien enthalten, so daß es relativ leicht ist, den auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittenen Kompromiß zwischen Druckgeschwindigkeit und Schriftqualität zu finden.

Bei einer solch komplexen Druckeransteuerung stellt sich natürlich der interessierte Anwender die bange Frage, ob und wie weit sein Drucker unterstützt wird. Im Prinzip ist die Druckeranpassung so flexibel, daß eigentlich jeder Drucker, was auch Typenrad und Laserdrucker einschließt, angepaßt werden kann. Fertige Druckertreiber und Zeichensätze werden für eine Menge 24- und 9-Nadeldrucker (Star, Epson, NEC, Brother...), ATARI -und HP-Laserdrucker und einige Typenraddrucker gleich mitgeliefert. Wer nur einen dazu kompatiblen Drucker besitzt, sollte sich nicht zu früh freuen, denn Steuerzeichen- bedeutet nicht unbedingt auch zeichensatzkompatibel. Ich mußte dies selbst am eigenen Leib erfahren, da mein Seikosha SL-80 IP, als NEC P6-kompatibel gepriesen, zwar mit einem NEC-P6-Treiber lief, jedoch die Breitentabellen für die proportionalen Druckerzeichensätze nicht übereinstimmten. So war ich gezwungen, eigens Bildschirmzeichensätze und Pseudo-Fonts mit dem mitgelieferten Font-Editor TFONT zu entwerfen, was einige Erfahrung im Umgang mit Druckern und viel Geduld voraussetzt (zumal TFONT wohl eher dafür gedacht ist, einzelne Sonderzeichen zu entwerfen). Diese Einschränkung gilt aber nur, wenn man die eingebaute Proportionalschrift des Druckers benutzen will. Die Druckeranpassung selbst geschieht über ASCII-Files, die vom schon erwähnten THELP in Treiber oder Pseudo-Fonts übersetzt werden. Dieser Vorgang ist zwar sehr kompliziert und fehlerträchtig, doch das Ergebnis ist einige Mühe wert. Es bleibt zu hoffen, daß mit der Zeit noch mehr Treiber von unerschrockenen Usern er- und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Wer sich die Anpassung seines Druckers nicht zutraut, der sollte vor dem Kauf des Programms bei COMPO anfragen, ob das Fabrikat auch unterstützt wird.

Bild 7: Auch Tabellensatz mit Grafikzeichen ist möglich.

Bild 6: Spaltenanzeige leider nur untereinander

Software-Support und PostScript

An Unterstützung durch den Hersteller mangelt es den That’s Write-Benutzern ohnehin nicht: Neben einer sehr hilfreichen Hotline für registrierte Anwender sowie regelmäßigen kostenlosen, kleineren Updates im Rahmen der Programm pflege hat bisher jede größere Weiterentwicklung, von COMPO “Upgrade"" genannt, einige grundlegend neue Funktionen gebracht, wobei die Autoren nach meinen eigenen Erfahrungen durchaus auch auf die Verbesserungsvorschläge der Kunden einzugehen scheinen. Die Version 1.3 ist so beispielsweise um eine Gliederungsfunktion bereichert worden, mit der ein Text nun in verschiedenen “Ebenen" geordnet und damit übersichtlicher gestaltet werden kann. COMPO hat auch seit kurzem eine abgespeckte “Junior”-Einsteigerversion sowie eine PostScript-Erweiterung im Programm. Mit letzterer soll nun die druckreife Ausgabe von Texten auf einem Laserbelichter oder auf anderen höchstauflösenden Ausgabegeräten möglich sein. Mit der ohnehin schon jetzt vorhandenen Fähigkeit, alle marktüblichen Großbildschirme anzusprechen, würde That’s Write damit sogar in Bereiche des professionellen Fotosatzes vorstoßen. Hoffentlich hält die Erweiterung, was der Name PostScript verspricht. Schon seit längerer Zeit zu kaufen gibt es dagegen die Adreßverwaltung “That’s Adress", die auch als Accessory zusammen mit That's Write betrieben werden kann, und die einen Austausch von Texten mit der Textverarbeitung ohne Zwischenspeicherung auf einem Massenspeicher erlaubt. Das hierfür notwendige “Xacc""-Protokoll, das diesen Datenaustausch regelt, ist sogar im Handbuch erläutert, so daß eigentlich jeder gewiefte Programmierer in der Lage sein sollte, Accessories zu schreiben, die ebenso reibungslos mit That’s Write Zusammenarbeiten. That’s Write ist damit im Prinzip so modular aufgebaut, daß, nach Angaben von COMPO, zukünftige Programmfunktionen in Accessories ausgelagert werden können. Somit könnte man sich je nach Anforderungen und Speicherplatz ein individuelles System installieren, um keinen unnötigen Speicherballast mit sich herumzuschleppen.

Das Handbuch bietet neben diesen Programmierrichtlinien natürlich auch sonst alle benötigten Informationen, die zur Arbeit mit dem Programm notwendig sind. Die nicht gerade übersichtliche Aufmachung und der Nachschlagewerk Charakter erschweren dem Anfänger zwar den Zugang, doch nach der ohnehin kurzen Einarbeitungsphase wird das Handbuch nur noch sehr selten gebraucht.

Worauf alle warten: Das Fazit

That’s Write ist in der Version 1.3x eine ausgereifte Textverarbeitung, die auch hohe Ansprüche erfüllt. Außer ein paar Bombenwürfen bei der Verwendung von unsauber programmierten RAM-Disks und Accessories ist auch die emsige Abstürzerei, die STARWRITER ST noch an den Tag legte, kein Thema mehr. Während des Tests traten genau zwei Fehler auf, die allerdings beidesmal den Verlust meines Textes nach sich zogen. Nach Rücksprache mit den Programmierern stellte sich heraus, daß zumindest ein Fehler zwar bekannt, doch nicht beliebig reproduzierbar und damit nicht ohne weiteres zu beseitigen ist. Es handelt sich dabei um einen (doppelten) Bombenwurf, der nur bei 1MB-STs und nur bei einem randvollen Speicher öfters auftritt. Anders verhält es sich beim zweiten Fehler, der erst kurz vor Testende auftauchte und sich nur in einer genau definierbaren Situation zeigt. Die Leute von COMPO rühmen sich jedoch, solche reproduzierbaren Fehler im Programm innerhalb weniger Tage zu beseitigen, so daß wohl schon im nächsten Update die Gefahr des ‘Suchfehlers’ gebannt sein dürfte.

Einige Funktionen wie der Spaltensatz, bei dem die Spalten nur übereinander auf dem Bildschirm dargestellt werden, sowie die schon erwähnte Grafikeinbindung schränken die Alltagstauglichkeit zwar nicht ein, doch wird eine Überarbeitung dieser beiden Punkte That’s Write (1.4?) in einer Kategorie etablieren, die im ST-Sektor sehr dünn (wenn überhaupt) besetzt ist. Wie sehr das Programm schon jetzt auf den TT ausgelegt ist, läßt sich mit einigem Zynismus im Hinblick auf die Arbeitsgeschwindigkeit erkennen, die eigentlich nach echter 32-Bit-Power verlangt. Den Grund für das eher gemächliche Arbeitstempo muß man, neben der Programmierung in C, gerechterweise vor allem in der Tatsache suchen, daß That’s Write als sauber programmiertes Programm von den Betriebssystemzugriffen unsanft gebremst wird. Da stellt sich leicht die Frage, wer zuerst auf Assembler umstellen sollte, ATARI oder COMPO ??

That's Write vereinigt ansonsten die meisten guten Eigenschaften seiner Mitkonkurrenten und noch einiges mehr zu einem leistungsfähigen, preiswerten Programm, wobei die Druckqualität dank des flexiblen Druckerkonzepts nichts zu wünschen übrig läßt. Wenn einem dennoch jede Menge Verbesserungsvorschläge einfallen, dann werden diese in der Regel von den regelmäßigen Programmerweiterungen nach sich gezogen. Die relativ neue Gliederungsfunktion beispielsweise, an sich schon ein Glanzstück, schreit in meinen Augen geradezu nach einer leistungsfähigen automatischen Kapitelnumerierung. Dabei ist aber immer zu bedenken, daß That’s Write in puncto Funktionsumfang die meisten der Mitbewerber weit hinter sich gelassen hat und sich eher an wesentlich teureren Programmen aus dem Mac und PC-Bereich orientiert. Ein weiteres Plus ist die Schnelligkeit, mit der die Programmierer auf die Verbesserungsvorschläge der Kunden eingehen, so daß die Wünsche nach nützlichen Programmerweiterungen oft nur bis zum nächsten Update Wünsche bleiben (Bericht aus eigener Erfahrung!)

Fazit des Fazits (und der schlaue Schlußspruch)

Das Programm deckt eigentlich alle Anwendungsgebiete ab, vom (Serien-) Briefverkehr über die wissenschaftliche Textverarbeitung bis hin zur Erstellung von Dokumentationen. Selbst Aufkleber, Zeugnisformulare und Zeitungsartikel habe ich mit That’s Write schon meinem Drucker abgetrotzt. Wer dennoch oder gerade deshalb überzeugt ist, den Großteil der vorgestellten Möglichkeiten niemals nutzen zu können, dem ist wohl mit der Junior-Version besser gedient, die für 148,- DM erhältlich ist und jederzeit den Aufstieg zur Vollversion ermöglicht. Ansonsten sei That’s Write all denjenigen ans Herz gelegt, denen 1st_Wordplus zu wenig leistet, SIGNUM! zu umständlich ist, Redakteur nicht die passenden Funktionen bietet, und die das Warten auf Tempus Word satt haben, (und die von all den Programmen, die ich hier nicht erwähnt habe, auch noch nichts gehört haben.)

That's Write 1.37 kostet 328,-DM. Ein Update von STARWRITER ST ist direkt bei COMPO für 178,-DM zu bekommen.

Bezugsadresse:

Heim Verlag
Heidelberger Landstr 194 6/00 Darmstadt-Eberstadt
Arndt Bär



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