Chartanalyse - Verläßliche Vorhersage von Kursentwicklungen?

Frage: Was ist eine Börse?
a) ein Casino in Las Vegas,
b) eine Markthalle für Millionäre,
c) eine Art Geldbeutel, oder
d) ein Umschlagplatz für An- und Verkauf von Wertpapieren?

Zugegeben, so ganz ernst gemeint war die Frage ja gar nicht - und die Antworten dürften auch nicht ganz den Nagel auf den Kopf treffen. Aber seitdem Begriffe wie “Schwarzer Freitag” oder “Börsen-Crash” durch die Medien gegeistert sind, dürfte auch jeder noch so Desinteressierte sich einige Worte aus der Finanzwelt genauer betrachtet haben.

Oft sind es die spektakulären Nachrichten aus dem “Marktplatz des Geldes und der Spekulation” die dem Unbedarften die Existenz einer “Börse” vor Augen führen. Auch der interessierte Laie wundert sich, warum selbst Experten in Kurseinbrüche hineinschliddern. “Nervosität ist der Atem der Unwissenden” (Zitat). Wissenschaftler wollen entdeckt haben, daß die Kursausschläge an den Weltfinanzplätzen immer heftiger werden und das, in immer kürzeren Zeiträumen. Gibt es denn keine Möglichkeit, solche Entwicklungen vorherzusehen?

Seit es einen professionellen Wertpapierhandel gibt, gibt es auch den Wunsch der Spekulanten, die Entwicklung der Börsentendenz an bestimmtem Verhalten anderer abschätzen zu können. Auch kursieren recht amüsante Sinnsprüche und Reime, ähnlich wie Bauernregeln, und sogenannte “Parkettwitze”. Das alles kann aber noch nicht dazu dienen, mögliche Kursentwicklungen vorzuzeichnen. Wir leben heute in einer mehr und mehr technisierten Welt, gibt es denn keine zuverlässigeren Mittel, den Pulsschlag der Börse sichtbar zu machen?

Die Wertpapieranalyse

Zweck einer Analyse von Wertpapieren ist es, mit Daten aus der Vergangenheit (z.B. Kurse) und Erkenntnissen aus der Gegenwart (z.B. Firmennachrichten) Rückschlüsse auf Zukunftsentwicklungen zu treffen (verkürztes Zitat gemäß Lehrbuch). Und das Wichtigste gleich zu Anfang (bevor wir uns in die Technik stürzen): Es kann nicht Ziel einer einzelnen Analysemethode sein, darauf eine Anlagestrategie zu begründen! Erst wenn verschiedene Analysefaktoren einen klaren Trend erkennen lassen, sollte dies in eine Anlageentscheidung umgesetzt werden. Immer sollten sich verschiedene Analysewege gegenseitig ergänzen und bestätigen! Die Untersuchungsmethoden für Wertpapiere ist in drei wesentliche Bereiche aufgeteilt: 1. die Fundamental-, 2. die Global- und 3. die technische Analyse (s. Bild 1).

Bei der Fundamentalanalyse werden hauptsächlich Faktoren über das einzelne Unternehmen bewertet. Zusätzlich kommen noch Angaben und Erfahrungen zur nationalen Volkswirtschaft hinzu. Die Globalanalyse betrachtet die Weltwirtschaft als Ganzes und kann zur Verfeinerung in Regionen oder Branchen aufgeteilt sein. Wenn auch alle drei Bereiche per Computer grundsätzlich verarbeitbar sind, wollen wir uns ein Gebiet ausführlicher betrachten:

Bild 1: Der Chart-Stammbaum: Ein Überblick zu den beiden wichtigsten Analysewege. (Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.)

Bild 2: Die drei Grundformen von Charts mit verschiedenen wahlfreien Zusatzinformationen. Wahlfrei heißt, jede Zusatzinformation darf auch in jede andere Chart-Form eingebaut werden.

Die technische Analyse

In diesem Raum der Marktbeobachtung werden einzig und allein Daten wiederverwendet, die uns die Börse liefert, also die Aktienkurse schlechthin. Im Gegensatz zu den anderen Bereichen liegen hier also immer nur Kursentwicklungen aus der Vergangenheit für die Betrachtung der Zukunft zugrunde. Dies bringt den Beigeschmack der Hellseherei (oder weniger drastisch: der Spekulation) mit sich. Nicht selten werden “Techniker“ bzw. “technische Analytiker“ als unverbesserliche Kaffeesatzleser abqualifiziert. Ein kleiner Vorwurf von Börsenastrologie bleibt immer. Aber: Sind nicht die “Techniker” die wirklichen “Spekulanten“?

Nichtsdestotrotz: Wenn man mehrere Resultate aus der technischen Analyse, vielleicht auch noch vermischt mit Erkenntnissen aus der Fundamental- und Global-„Ecke“ betrachtet, dürfte eine hinreichend zuverlässige Prognose herauskommen.

Es war wohl um das Jahr 1900, als Charles Dow verschiedene Theorien zur allgemeinen Kursentwicklung aufstellte und daraus den Grundsatz entwickelte: Wenn man die Kurse einer Aktie lange genug beobachtet, werden sich nach bestimmten Zeiträumen die selben Muster in ihrer Entwicklung einstellen. Aus dieser Annahme hat sich im Laufe der Zeit ein reichhaltiges Instrumentarium herausgebildet, das wir im folgenden näher studiren wollen:

Der Chart

Zahlenkolonnen, ob unter- oder nebeneinander, haben im Gesamtüberblick kaum eine große Aussagekraft, sie sind langweilig, unübersichtlich und wenig abwechslungsreich. Wenn nun aber diese Kursangaben in einem Diagramm grafisch aufgearbeitet sind, werden sehr schnell typische Abläufe sichtbar. Drei der hauptsächlichsten Grafikarten (s. Bild 2) sind:

Typisch für alle Charts ist die Bezeichnung der Achsen: Horizontal werden eine Zeitspanne und vertikal die Kurswerte aufgetragen.

1. Liniendiagramm
Bei dieser einfachen, aber recht übersichtlichen Form werden nebeneinander lediglich die Tagesschlußkurse aufgetragen, so daß eine fortlaufende Linie entsteht. Die Liniendarstellung wird oft für die Betrachtung eines großen Zeitraumes mit den entsprechend zahlreichen Einzelkur sen verwendet. Kleine Kursausschläge und die Tagesschwankungen können somit keine Berücksichtigung finden.

2. Balkendiagramm
Etwas detaillierter ist die Aussagekraft des Balkencharts. Für einen Tag trägt man den Höchst- und den Tiefstkurs auf und verbindet sie mit einer senkrechten Linie. Zusätzlich kann links an den Balken der Eröffnungs- und rechts davon der Schlußkurs als Punkt angezeichnet sein. So werden die Tagesschwankungen sichtbar gemacht. Dies zeigt die Bandbreite des Kurses und zumindest noch die Tendenzen der Eröffnungs- und Schlußnotierung.

3. Point & Figure
Da aufgrund der vier Notierungen aus dem Balkendiagramm keine Rückschlüsse auf Angebot- und Nachfragemenge möglich sind, wurde mit dem Point&Figure-Chart ein Instrument geschaffen, das das Wechselspiel zwischen Kauf und Verkauf noch deutlicher aufzeigt. Wenn eine Kursentwicklung in eine Richtung geht (z.B. bei Kursanstieg nach oben), werden solange übereinander die “X” eingezeichnet, bis eine Richtungsänderung (durch Kursverfall) stattfindet, dann werden (nach unten) “O” eingezeichnet. Dieses Wechselspiel kann sich an einem Börsentag sehr oft wiederholen. Nun macht ein P&F-Chart aber wenig Sinn, wenn man jede noch so kleine Kursänderung grafisch darstellt. Deswegen wird ein sogenanntes Umkehrminimum festgelegt. Erst wenn Kursausschläge diese Toleranzgrenze über- bzw. unterschritten haben, erfolgt eine grafische Notiz. Die Wahl dieses Umkehrwertes kann nur im Zusammenhang mit der aktuellen Kurshöhe getroffen werden. Es ist unsinnig, bei einem Papier, das mit 500 DM notiert, einen Kursausschlag von nur 1 DM im P&F zu zeichnen. Oft hat sich ein prozentualer Umkehrwert als praktikabel erwiesen: z.B. erst wenn ein Wert um 3 Prozent abweicht, wird er im P&F berücksichtigt.

Das Volumen

Sehr gerne wird ein weiterer Handelsfaktor in Chart-Bilder eingebaut: das Volumen. Dies bedeutet nichts anderes, als die Gegenüberstellung von Kauf- und Verkaufsmenge, also den Umsatz. Dies zeigt auch, unter welchem Kauf bzw. Verkaufsdruck das Papier steht. Viele Einschätzungen aus den normalen Chart-Bildern kann das Umsatzvolumen zusätzlich untermauern und bestätigen. Für spezielle Untersuchungen ist das Volumen unverzichtbar.

“Volume goes with price” heißt es, wenn die Volumenkurve denselben Verlauf zeigt wie das Kursbild. Dies zeigt eine sogen. technische Stärke des Papiers und bestätigt einen Kurstrend. Bei steigenden Kursen und Umsätzen deutet dies auf einen allgemeinen Aufschwung der ganzen Börse (“Hausse”) hin.

“Volume goes against price” bedeutet gegenläufige Linien von Kurs und Umsatz. Hier ist eine technische Schwäche angesagt, was nachdrücklich auf eine Nichtbestätigung eines Kurstrends hinweist. Bei einem Börsenschlechtwetter (“Baisse”) steigen die Umsätze mit fallenden Kursen.

Die Volumenlinie deutet sehr oft auf Umkehrpunkte im normalen Chart-Verlauf hin, d.h. sie nimmt sie vorweg bzw. leitet sie ein.

Bild 3: “Point&Figure“-Bilder:
A) eine Widerstandslinie wurde nach oben durchbrochen;
B) die Down-Trendlinie zeigt “technische Schwäche” auf;
C) ein, nach oben durchbrochenes Dreieck;
D) der Trendkanal mit steigender Tendenz.

Bild 4: Balkencharts mit Formationen:
A) “Kopf-und-Schulter” zeigt eine typische Schlechterbewertung;
wie B) auch das “fallende Dreieck“;
C) mit dem “auf steigenden Dreieck" deutet auf bessere Entwicklung hin; ebenso D) die “Muschel“. Die Volumengrafik (unter jedem Chart) gehört zur Beurteilung unbedingt mit dazu!

Der Trend

Wenn man einen Chart für einen längeren Zeitraum betrachtet (Langfrist-Chart), sind typische Richtungen der Kursverläufe sichtbar. Der Fachmann sagt, daß solche Globalrichtungen mit 90 Prozent Glück und 10 Prozent Erfahrung erkennbar werden. Immer dann, wenn Hoch- bzw. Tiefpunkte miteinander verbunden werden und sich dabei einer Geraden angleichen, spricht man von einem Trend. So zeigen ansteigende Tiefpunkte einen Aufwärts- und fallende Hochpunkte einen Abwärtstrend. Eine Trendgerade gilt solange als “intakt”, bis sie deutlich (mit mehr als 3 bis 5 Prozent Kursausschlag -je nach Kurshöhe) durchbrochen wird. Verschiedene andere Linienmuster können weitere Aussagen zum Kursverlauf bringen:

Bild 5: Balkencharts mit Indikatoren: A) Steigende Kurse bei steigendem Durchschnitt = Kaufsignal:
B) Durchbruch eines fallenden Kurses bei fallendem Durchschnitt ist kein Kaufsignal;
C) Fallende Kurse bei fallendem Durchschnitt = Verkaufssignal;
D) Durchbruch eines steigenden Kurses bei steigendem Durchschnitt ist kein Verkaufssignal.

Formationen

Selbst wenn in einen Chart noch keine Trendlinien eingezeichnet sind, kann man verschiedene Figuren oder Strukturen im Kursbild erkennen. Diese Formationen sind das erste Mittel zur Prognose einer künftigen Kurserwartung. Dabei können solche Sinngebungen oder Verkörperungen im Kursbild auf alle drei Chart-Bauarten angewandt werden. Bei der Deutung von Formationen wird regelmäßig ein Volumenbild als Untermauerung mit einbezogen. Typische Formationen sind unter anderem:

Die Suche nach Formationen gleicht sehr oft einem Rätselspiel, denn in der verwirrenden Fülle von Linien kann man vieles sehen, meist auch nicht das Richtige. Besonders die Volumenbetrachtung hilft als erster Hinweis, eine Formation zu erkennen. Dann können auch Angaben zu Branchenführern (die andere Kurse mit sich ziehen) oder Branchenindikatoren sehr hilfreich sein.

Indikatoren

Während es sich bei den Formationen um grafische Hinweise (manuell aus dem Chart ermittelt) auf einen Kursverlauf handelte, werden Indikatoren zunächst mathematisch ermittelt und dann grafisch in das Chart-Bild übertragen. Bei den Formationen gab es nur einen recht beschränkten Vorrat an Symbolik, daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Die Indikatorsysteme hingegen erfahren sehr starke Zuwächse und neue Kombinationen. Ein eingangs erwähnter Grundsatz gilt bei Indikatoren ganz besonders: Nur wenn verschiedene Indizes in die gleiche Richtung deuten, gilt ein Signal bzw. ein Trend als bestätigt. Also auch hier wäre es sträflicher Leichtsinn, sich auf nur einen erfreulichen Hinweis zu stützen! So bildet auch ein “Indikatorsystem“ einen Zusammenschluß mehrerer gleichlautender Indizes, die ein Signal abgeben.

  1. Gleitender Durchschnitt, Ahk.: “GD“ (engl. Moving Average).
    Der GD ist das älteste und übersichtlichste mathematische Mittel, an die Deutung bestimmter Entwicklungen heranzugehen. Es ist aber nicht genug, einfach von einer “Mittelung“ zu sprechen. Die Mathematik hält verschiedene Rechenwege zur Verfügung, die hier nur kurz angedeutet werden sollen: (Die Abkürzung “K“ gilt für den jeweiligen Tageskurs.)

a) Das arithmetische Mittel, Abk.: “AM“. Dies ist der einfache Durchschnitt, also die Kurswerte aufaddiert und geteilt durch die Anzahl (allgemein bezeichnet mit “n“) der Kurse.

Formel: AM = (K1 + K2 + K3 + K4 + ... + Kn) / n

Das Verfahren hat den großen Nachteil, daß alle Kurswerte “K“ den gleichen Einfluß auf den errechneten Wert “AM“ haben. Also schon historisch zu nennende Kurse nehmen gleichermaßen an der Zukunftsbeurteilung teil wie jüngere Daten. Die realistische Aussagekraft nimmt sicher um soviel mehr ab, wie der betrachtete Zeitraum (in die Vergangenheit) größer wird.

b) Das gewichtete Mittel, Abk.: “GM“. Hier erhält der jüngste Kurswert den höchsten Stellenwert (damit auch den höchsten Multiplikator) und trägt umso “gewichtiger“ zur Mittelwertberechnung bei.

Beispielformel für 3 Werte:

GM = ((K1 * 3) + (K2 * 2) + (K3 * 1)) / (3 + 2 + 1)

Jetzt erhalten wir einen linear gewichteten Mittelwert, welcher der jüngeren Kursentwicklung stärker Rechnung trägt als einer weit vergangenen.

c) Das geometrische Mittel, Abk. “GeoM“. Jetzt wird’s komplizierter. Sehen wir uns einmal die Formel an:

GeoM = nSqr K1 * K2 * K3 ... Kn

Durch die WürzeIberechnung werden extreme Kursausschläge nur sehr schwach in die Mittelwertbildung einbezogen. Ein sich abzeichnender Trend wird dadurch weniger verzerrt als in den vorherigen Berechnungsarten. Der GD ist “der Trend indikator“ schlechthin!

\2. Aktien- und Branchenindex
Mit einem Aktien- bzw. Branchenindex wird versucht, die Entwicklung des Gesamtmarktes zu erfassen. In die Auswahl der Indextitel kommen oft Aktien von Großunternehmen, Konzernen oder Marktführern. So kommt es bei einem Aktienindex sehr darauf an, einen repräsentativen Querschnitt aller handelbaren Werte zu erfassen. Bei einem Branchenindex hingegen sind ausschließlich Firmen interessant, die sich nur in einem fest umrissenen Industriezweig bewegen (also keine Mischkonzerne oder Holdings). Da es Werte mit unterschiedlich hohen Kursausschlägen im ‚indextopf’ gibt, muß eine Gewichtung eingeführt werden. Dieser Gewichtungsfaktor versucht, alle Papiere wieder auf einen Nenner zu bringen.

\3. Linien des Anstiegs bzw. Abstiegs (engl.: “Advance-lDecline-Linien“)
Im Zusammenhang mit einem Aktien- oder Branchenindex ist es durchaus interessant zu sehen, wie sich die Anzahl der gestiegenen zu den gefallenen Aktien verhält. Wenn Indexlinie und die Linie eines An- bzw. Abstiegs zueinander parallel verlaufen, so bestätigt dies den sich abzeichnenden Trend. Wenn ein Mißverhältnis oder eine starke Abweichung zwischen diesen Linien besteht, deutet dies auf eine bevorstehende Trendwende hin.

\4. New-High, New-Low
Bei der Marktbeobachtung ist es auch wichtig zu wissen, wieviele Aktien in den letzten 12 Monaten einen neuen Höchst-(“New-High“) bzw. einen neuen Tiefststand (“New-Low“) erreicht haben. Liegen die New-Highs zahlenmäßig über den New-Lows, hält ein Aufwärtstrend noch eine Weile an. Dies gilt umgekehrt auch für den Abwärtstrend.

\5. Der Beta-Faktor
Sehr aufschlußreich ist, die Wertentwicklung einer Aktie mit der Entwicklung eines Indexes zu vergleichen, dies ergibt dann den “Beta-Faktor“. Ein Beta-Faktor größer als 1 bedeutet, daß sich die Aktie mit stärkeren Ausschlägen als der Gesamtmarkt bewegt. Wenn der Beta gleich 1 ist, liegt der Titel genau in der Bewegungsbreite des Marktes, und wenn Beta kleiner als 1 ist, sind die Veränderungen der Aktie geringer.

\6. Das Momentum
Hier wird die Differenz des heutigen Kurswertes mit einem Kurswert vor “x” Tagen errechnet. Die Momentumkurve zeigt sehr schnell eine bevorstehende Trendumkehrung an. Diese Kurve kann sogar wie normale Kurs-Charts weiter analysiert werden (Trendlinien, Formationen, Indikatoren usw.). Die Momentumwerte pendeln nun ständig um eine Nullinie (“Oszillator-Line“). Es werden zusätzlich zwei weitere Linien in den Momentum-Chart eingezeichnet, eine oberhalb der Nullinie (“High-Line“), eine unterhalb (“Low-Line“). Dabei muß etwas Fingerspitzengefühl bewiesen werden. Denn um einen aussagekräftigen Momentum-Chart zu erhalten, sollten mindestens 90-95% der Momentumbewegungen zwischen diesen äußeren Linien bleiben. Erst wenn eine Momentumbewegung unter die Low-Line geht, liegt ein Kaufsignal vor. Gleiches gilt für ein Verkaufssignal bei der High-Line.

\7. Overbought, Oversold
Sehr gefährlich an der Börse wird es, wenn es zu starken Verkäufen (bis hin zu Panikverkäufen) oder zu einer hysterischen Kaufnachfrage (wegen irgendwelcher Gerüchte) kommt. Der Markt ist beide Male überhitzt und wird schnell unberechenbar! Der Overbought/Oversold signalisiert solche Überreaktionen. Denn bei “Überkauf“ tritt nach kurzer Zeit eine Verkaufswelle (mit stark fallenden Kursnotierungen) und bei “Überverkauf“ eine Kaufwut (mit steigenden Kursen) ein. Ein Overbought/Oversold von 50% zeigt einen ruhigen und regelmäßigen Markt an. Bei einem OB/OS von 90% liegt Überkauf und bei 10% Überverkauf vor.

\8. Relative Stärke
Ähnlich wie beim Beta-Faktor wird hier das Kursverhalten eines Titels zu einem Index aufgezeigt. Kursausschläge stellt man prozentual für Aktie und Index auf.

\9. Coppock
Dieser Indikator erfaßt die monatlichen prozentualen Änderungen eines Aktienindexes, man nennt ihn auch gerne “Trendfolgeindikator“. Mit steigender Gewichtung entsteht ein gleitender Durchschnitt für den Index.

\10. On-Balance-Volume (OBV)
Jetzt spielt das Umsatzvolumen einer Aktie eine große Rolle. Die OBV-Linie ergibt sich, indem das Volumen bei steigendem Kurs addiert und bei fallendem Kurs subtrahiert wird. Immer dann, wenn der normale Kursverlauf und die OBV nicht gleich verlaufen, liegt ein Signal vor: Der Kurs fällt, das Volumen steigt (ebenso die OBV), dann steht ein Kursanstieg ins Haus. Der Kurs steigt, das Volumen (und OBV) fällt, das deutet auf Kursabfall hin.

\11. Der Climax-Indikator (CLX)_
Für interessante Aktien wird ein OBV errechnet. Die Anzahl jener Titel, die einen OBV-Höchstwert haben werden von der Anzahl der OBV-Tiefstwerte abgezogen, dies ergibt den CLX. Verläuft der Aktienindex mit der CLX-Linie gleich, liegt eine technische Stärke vor.

\12. Nachfrage-Index (“Demand“)
Da eine Änderung im Volumensverlauf immer einer Änderung im Kursverlauf vorweggeht, liegt es nahe, an diesem Wechselspiel typische Entwicklungen abzulesen.

\13. Der Stochastik-Indikator
Wenn Schlußkurse nahe an den Tageshöchstkursen liegen, deutet sich ein steigender Kurs an. Ein fallender Kurs steht bevor, wenn die Schlußkurse nahe bei den Tiefstständen lagen. Der Stochastik-Indikator stellt das Verhältnis der Schlußkur se zu den anderen Tagesnotierungen fest.

\14. Die Gleichgewichtslinie
Die Art und Weise, wie sich Kurse im Wechselspiel zwischen Höchststand, Tiefststand usw. bewegen, liegt der “Zero-Balance-Line“ zugrunde.

\15. TBI
Der Trendbestätigungsindikator ist nichts anderes als das Verhältnis zwei verschiedener gleitender Durchschnitte zueinander. Liegt der zeitlich kürzere GD unter dem längeren, liegt eine technische Schwäche des Papiers vor.

\16. Odd-Lot-Aktivität
Dieser Wert bringt alle Aktivitäten auf einen Nenner, die nicht mehr als 100 Stück Aktien umfassen. Die “Theorie vom kleinen Mann“ besagt, daß immer, wenn viel Aktivität von geringen Stückzahlen bevorsteht, sich eine Trendwende einstellen muß.

Am Ende der Theorie

Diese Abhandlung sollte Sie, liebe Leser, auf ein interessantes Thema vorbereiten, das wir in diesem und im nächsten Heft näher beleuchten wollen: Börsenprogramme für den ATARI ST. Damit sind nicht etwa Spiel Programme à la Monopoly oder gar Depotverwaltungs-Software gemeint. Vielmehr sind Börsenprogramme oder genauer Chartanalyseprogramme sehr interessante Hilfsmittel, Marktbewegungen auf dem Rechner sichtbar zu machen. Es sind gewissermaßen Statistikprogramme mit mehr oder weniger umfangreichem Grafikteil. Das erste Programm zu diesem Thema stellen wir Ihnen gleich im Anschluß vor.

DK


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