TeX für den Alltag

Bild 1: Die Shell mit allen Pull-Down-Menüs. Am unteren Bildschirmrand ist immer die Belegung der Funktionstasten zu sehen.

Das Satzsystem TeX zur Produktion erstklassiger Texte dürfte unseren Lesern ja mittlerweile zum Begriff geworden sein. Hier geht es nun um eine Implementierung dieses Systems auf dem ATARI ST, wie sie in dieser Vollständigkeit und benutzerfreundlichen Ausführung bisher noch nie geboten wurde. Es handelt sich um die unter dem Namen STTeX angebotene Implementierung der TH Darmstadt, die von der Firma “Detig Schrod TeXsys” vertrieben wird.

Das Satzsystem TeX (sprich: tech) wandelt mit Steueranweisungen versehene Texte in Druckausgabe beliebig hoher Qualität um. Der Text wird gemäß den Steueranweisungen und dem vorgewählten Format aufbereitet, also gesetzt, das Ergebnis dieses Arbeitsgangs wird dann mittels der verfügbaren Zeichensätze auf das gewünschte Ausgabegerät in der für dieses Gerät maximal möglichen Druckqualität ausgegeben. Im einfachsten Fall ist das Ausgabegerät der Bildschirm, daneben findet man im privaten Bereich häufig einen Star NL-10 oder einen anderen Epson-kompatiblen 9-Nadeldrucker. Wer etwas mehr anlegen kann, ist mit einem 24-Nadeldrucker gut beraten. Hier erreicht man 180mal 180dpi, bei versetztem Drucken bei manchen Geräten sogar bis zu 360 mal 360 dpi. In kleineren Sekretariaten kann die mit diesen Druckern erreichbare Qualität und Geschwindigkeit oft ausreichen. Im professionellen Einsatz haben sich Laserdrucker, hier insbesondere der HP-Laserjet und Kompatible, mit einer Auflösung von 300 mal 300 dpi gut bewährt. Für Veröffentlichungen höchster Qualität schließlich besteht die Möglichkeit der Ausgabe über eine Linotype, die nun wirklich keine Wünsche mehr offen läßt.

Ohne Fleiß kein Preis

Ein solches Super-System stellt aber auch Super-Anforderungen: an die Maschine, auf der ein solches Programm ablaufen soll, aber auch an den Benutzer, der fast schon eine Programmiersprache zu erlernen hat, bis er endlich durch einen Ausdruck in der gewünschten Form belohnt wird. Schon mehrfach hat sich die ST-Computer dieses Themas angenommen: In der ST 7/87 verglichen wir die beiden TeX-Implementierungen der Firmen TooLs und Kettler, in der ST 5/89 wurde ein kleiner Einblick in das Arbeiten mit TeX gegeben. An dieser Stelle allerdings gleich ein kleines Dementi: Die im zuletzt genannten Artikel vorgeschlagene Abtrennung des TeX-Logos durch das Sonderzeichen sollte man natürlich tunlichst vermeiden. Dadurch wird nämlich nicht nur ein Zwischenraum erzwungen, sondern auch gleichzeitig ein Zeilenumbruch unterbunden. Richtig wäre die Abtrennung durch einen Backslash “ \” mit nachgestellter Leerstelle oder durch eine leere Gruppe “{}”, ebenfalls gefolgt von einer Leerstelle. Dies wird übrigens im TeXbook [1] auf den Seiten 8 und 19 ausführlich erläutert. Wie man sieht, ist die Sache doch nicht ganz so einfach.

Wenn nun schon der Umgang mit TeX an sich nicht ganz trivial ist, so sollte doch wenigstens die Bedienung der hierfür erforderlichen Programme einfach von der Hand gehen, damit dem Anwender der Kopf frei bleibt für das eigentliche Ziel: die Dressur von TeX. Dieser Anforderung wird das hier getestete Programmpaket in so vollem Umfang gerecht, daß man es mit gutem Gewissen für den Einsatz in ganz normalen Sekretariaten empfehlen kann, in denen die Schreibkräfte zwar eine gewisse Bereitschaft zum Erlernen des Umgangs mit dem Computer und zum Einarbeiten in TeX mitbringen, ohne jedoch schon Computerexperten zu sein.

Lieferumfang

Im Prinzip besteht das TeX-System aus zwei voneinander unabhängigen Teilen, die man auch einzeln bestellen kann. Da ist zunächst einmal das Grundpaket mit dem eigentlichen TeX-Programm, einer umfangreichen Sammlung von Makro-Paketen, INITeX zur Generierung von Formatdateien und BibTeX zum Erstellen und Verwalten von Literaturlisten. Dazu gehört ein Preview, das ist ein Programm zur Ausgabe der von TeX erzeugten DVI-Dateien auf den Bildschirm. Vervollständigt wird das Ganze durch einen Druckertreiber, der die DVI-Dateien auf dem gewünschten Drucker zu Papier bringt. In der Regel wird man das Gesamtpaket mit TeX/Preview und dem Druckertreiber für das vorhandene Ausgabegerät erwerben. Bestandteil des Grundpakets ist weiter eine einfach zu bedienende graphische Benutzeroberfläche, heute heißt so etwas auch Shell, mit der die wichtigsten Programme des TeX-Systems in einfachster Weise per Tastendruck oder Mausklick, es ist beides möglich, bedient werden.

Das Grundpaket bekommt man auf sechs Disketten; davon sind drei für das Preview-Programm namens DVIGRA erforderlich, die fast ausschließlich für Zeichensätze benötigt werden. Der Platzbedarf für die Druckertreiber wird natürlich ebenfalls durch die Zeichensätze bestimmt. Wir testeten den DVIDOT mit einem Star NL-10 (6 Disketten) und den Lasertreiber DVIHP für den HP-Laserjet (9 Disketten).

Dokumentation

Selbst die allerbeste Software ist ohne gute Dokumentation nicht viel wert. Man kann sich nur wundern, wie oft und mit welcher Penetranz gegen diese eiserne Regel selbst von ansonsten exzellenten Programmierern verstoßen wird. Das vorliegende Paket ist ein äußerst gelungenes Beispiel dafür, wie gute Dokumentation aussehen kann. Und hier reden wir noch nicht einmal von der den umfangreichen Makro-Paketen beigegebenen Originaldokumentationen, sondern von der reinen Programmbeschreibung des vorliegenden Pakets. Diese Dokumentation setzt sich aus vier Handbüchern zusammen. Da gibt es zunächst unter dem Titel “STTeX” (25 Seiten) eine Beschreibung des Grundpakets, in der nach einer allgemeinen und knappen Einführung in die Arbeitsweise mit TeX ausführlich die Installation des Gesamtpakets auf den verschiedenen Gerätekonfigurationen erläutert wird. Ebenso wird hier der Umgang mit der Shell und diversen Hilfsprogrammen erklärt. Weiter findet man Tips, wie bei Platzproblemen vorzugehen ist. Teil 2 heißt "LaTeX auf dem ATARI ST” und enthält auf 13 Seiten den "local guide” für dieses Makro-Paket. Neben anderem gibt es hier knappe Hinweise zu den einzelnen vordefinierten Styles. Eine umfangreiche Liste mit Ergänzungen und Korrekturen zum LaTeX-Buch von Leslie Lamport [3] ist übrigens auf Diskette mitgegeben. Der dritte Teil (14 Seiten) heißt “TeX-Preview für ATARI ST Systeme” und erläutert die Handhabung des Bildschirmtreibers DVIGRA. In einem Anhang wird auf die Ausgabe von Bitmap-Graphiken eingegangen. Teil 4 (16 bis 18 Seiten) beschreibt den Umgang mit dem jeweiligen Druckertreiber. Hier wird unter anderem die separate Installation des Druckertreibers erklärt und nochmals ausführlich auf die Ausgabe von Graphiken eingegangen.

Installation

Bei der Installation, wie auch bei allen anderen Arbeitsschritten, erhält man zuverlässige und ausführliche Unterstützung durch die eben beschriebene Dokumentation. Schon bei einem einfachen 9-Nadeldrucker hat man es nach dem Obigen bereits mit 12 Disketten zu tun. Diese enthalten nun nicht einfach irgendwelche einzelne Dateien, sondern oft mit dem bekannten ARC-System gepackte Archive, um Platz zu sparen. Somit liegt es auf der Hand, daß das Einrichten eines gebrauchsfertigen Systems eine nichttriviale Angelegenheit ist. Weiter dürfte klar sein, daß man mit einem reinen Diskettensystem nicht weit kommt. Eine Festplatte ist für menschenwürdiges Arbeiten mit TeX unbedingte Voraussetzung. Mit einiger Sachkenntnis und erheblicher Selbstbeschränkung könnte man natürlich zur Not noch mit zwei Diskettenlaufwerken auskommen, die Anleitung zur Installation beschreibt nicht nur dies, sondern in geradezu rührender Gutmütigkeit auch noch die Installation auf einem System mit nur einem (!) Laufwerk. Ein solches Unterfangen ist jedoch nur Fanatikern zu empfehlen, die damit ins Guinness-Buch der Rekorde kommen wollen nach dem Motto: "Wer hält es am längsten mit TeX ohne Festplatte aus?” Der Betrieb mit Disketten ist somit nur eine Notlösung, auf die wir hier nicht weiter eingehen wollen.

TeX soll also auf einer Festplatte installiert werden. Diese ist in aller Regel zuvor gründlich aufzuräumen, damit genügend Platz ist. Eines wird der potentielle TeX-Benutzer nämlich schnell merken: TeX ist ein Speicherfresser, es emuliert sozusagen das Krümelmonster auf dem ATARI ST. Der Appetit erstreckt sich sowohl auf Haupt- als auch auf Plattenspeicher. Dies ist unter anderem der Grund, weshalb mit TeX auf einem IBM-PC nicht vernünftig zu arbeiten ist: Auf Maschinen mit weniger als einem Megabyte Hauptspeicher fristet TeX nur ein eher kümmerliches Schattendasein. Die Anleitung spricht von 6 Megabyte Plattenspeicherbedarf für STTeX, das umfaßt das TeX-Paket mit allen Makro-Paketen, der Dokumentation, allen Hilfsprogrammen und den Zeichensätzen des Bildschirm-Previews. Hinzu kommen noch einige Megabyte für die Zeichensätze des Druckertreibers, für den Laserdrucker sind dies nicht ganz 6 Megabyte, der NL-10 ist mit etwa 5 Megabyte zufrieden. Werden das TeX-System und der Druckertreiber gemeinsam installiert, so liegen die Zeichensätze für Bildschirm und Drucker in einer gemeinsamen Partition. Hier ist zu überlegen, ob man nicht den Druckertreiber separat installiert und dann dessen Zeichensätze in einer eigenen Partition unterbringt.

Für jedes Gerät liegen sämtliche Zeichensätze einer Vergrößerungsstufe jeweils in einem Ordner. Die Ordner mit den einzelnen Vergrößerungsstufen eines Ausgabegeräts kommen dann nochmals in einen gemeinsamen Ordner, damit sind die Zeichensätze zu verschiedenen Geräten besser auseinanderzuhalten. Hält man jedoch die Zeichensätze unterschiedlicher Geräte auch in unterschiedlichen Partitionen, so kann auf den letzten Ordner verzichtet werden, die Ordner mit den Vergrößerungsstufen liegen direkt im Hauptinhaltsverzeichnis der jeweiligen Partition und ermöglichen somit einen etwas schnelleren Zugriff. Da die Größe einer Partition der Größe der Zeichensätze ganz gut angepaßt werden kann, braucht man auch keine Probleme wegen mangelnder Übersicht mit den vielen Ordnern im Hauptinhaltsverzeichnis zu befürchten: Die Partition wird eben vollständig für Zeichensätze reserviert. Auf einer Festplatte mit 20 oder 30 Megabyte ist es ganz vernünftig, das TeX-System mit den Zeichensätzen für den Bildschirm auf einer und die Zeichensätze für den Drucker auf einer anderen Partition zu haben. Die zu bearbeitenden Texte werden dann am besten auf einer dritten Partition gehalten, so daß man nicht versehentlich etwas von seiner Installation löscht oder überschreibt. Sind die Texte, die man in der Regel ja laufend ändert, auf diese Weise separiert, ist auch das Archivieren einfacher. Zieht man beispielsweise regelmäßig ein Backup, dann braucht man sich nur noch um eine Partition zu kümmern, da auf den anderen ja nichts verändert wird. Bei der Installation wird der gesamte im Handbuch angegebene Platz zunächst auch tatsächlich benötigt, auf die Tricks für Bastler (und bitte nur für solche!) kommen wir später.

Einfacher, als man denkt

Obwohl die umfangreiche Diskettenlieferung zunächst natürlich Respekt einflößt, ist die Installation tatsächlich ein Kinderspiel. Dies liegt daran, daß die Installation vollständig automatisiert ist und menügesteuert abläuft. Der Anwender muß sich nur zuvor überlegen, auf welchen Partitionen das Grundsystem und die Zeichensätze installiert werden sollen und diese frei räumen oder gegebenenfalls auch vergrößern oder verkleinern. Anschließend ist die Startdiskette einzulegen und das Programm INSTALL.TOS aufzurufen. Von nun an hat man nur noch auf einfache Fragen zu antworten (Wollen Sie die Standard-Installation übernehmen? Auf welcher Partition soll TeX installiert werden?) und Disketten zu wechseln. Bei allen Fragen werden Antworten zu einer Standard-Installation vorgegeben, die man einfach mit RETURN bestätigen kann. In der Regel wird man dies auch tun und allenfalls in der Wahl der Partitionen abweichen. Alle benötigten Ordner werden automatisch angelegt, zum Diskettenwechsel wird man unter Angabe des Namens der gewünschten Diskette jedesmal extra aufgefordert. Viel Zeit sollte man jedoch schon mitbringen: Die Installation des Grundpakets dauert etwa eineinhalb Stunden, für den Druckertreiber muß man nochmal mit der gleichen Zeit rechnen. Da nach dem anfänglichen Dialog aber nur noch Disketten zu wechseln sind, kann man getrost nebenbei Zeitung lesen. Im Hinblick dar auf wäre es eine sinnvolle Verbesserung, die Aufforderung zum Diskettenwechsel mit einem akustischen Signal zu unter stützen.

Nach Abschluß der Installation findet man seine Festplatte wohlgefüllt. Den größten Platz beanspruchen natürlich die Zeichensätze, aber auch durch Anzahl und Umfang der mitgelieferten Makro-Pakete und Hilfsprogramme wird man angenehm überrascht.

Mother’s little helpers

An Hilfsprogrammen gibt es zunächst INITeX, mit dessen Hilfe neue Makro-Pakete generiert und bestehende verändert werden können. Weiter gibt es BIB-TeX, das die komfortable Handhabung von Literaturzitaten in LaTeX unterstützt, einschließlich einer Sammlung bekannter und neuer Definitionen für die Form von Literaturlisten, selbstverständlich mit Originaldokumentation. Die vorliegende TeX-Implementierung versteht, wie sich das auf einem ATARI auch gehört, deutsche Umlaute, hier müssen also nicht irgendwelche Backslashes und Gänsefüßchen separat eingegeben werden, und einige auf dem ATARI verfügbare Sonderzeichen. Verwendet man diese in eigenen Texten, dann ist es zunächst einmal aus mit der Übertragbarkeit von Quelltexten auf andere Systeme. Hier hilft jedoch das ebenfalls mitgelieferte TRANSFER.TTP, welches in TeX-Quelldateien diese Sonderzeichen in die zugehörigen Standard-Befehlsfolgen von TeX umwandelt. Daneben gibt es noch Hilfsprogramme zum Einbinden von Graphiken, diese werden weiter unten noch ausführlicher beschrieben.

Das TeX-System alleine ist für einen normalen Anwender natürlich uninteressant. Erst eines der Makro-Pakete ermöglicht eine komfortable Nutzung dieses Systems. Mit Abstand am weitesten verbreitet ist das Makro-Paket LaTeX von Leslie Lamport (3). Dieses lebt von der Auswahl der jeweils verfügbaren Styles, das sind Dateien, in denen verschiedene Layouts vordefiniert sind. Dabei wird nicht nur das Aussehen einer Seite fest gelegt. sondern beispielsweise auch die Art. wie Kapitel, Unterabschnitte und Formeln automatisch numeriert werden, die Trennregeln und vieles mehr. Die mitgelieferte Styles-Sammlung zu LaTeX ist umfangreich, und zu jedem Style ist, soweit verfügbar, auch die Originaldokumentation (selbstverständlich als TeX-Quelltext auf Diskette!) dabei. Dies ist ungewöhnlich: normalerweise wird auf die einschlägige Literatur und auf Benutzervereinigungen verwiesen. Neben LaTeX bekommt man noch das AMS-Paket |4| von Michael Spivak. ebenfalls wohldokumentiert. Für die Puristen gibt es noch die Minimalausstattung PLAIN, wie sie im TeXbook [ 1 ] beschrieben ist.

file=D:\NVR\ 
wait=ON
editor=C:\GEM\TEMPUS.PRG
editopt=
tex=E:\TEX.TTP
fmt=&lplaing
texopt=
TeXINPUTS=e:\latex;e:\initex 
TeXFONTS=E:\tfm 
TeXFORMATS=E: 
initex=E:\BIN\INITEX.TTP 
initexopt=-t50000 -s3000 -p36000 -f19000 
show=E:\BIN\DVIGRA.PRG 
showopt=-X0 -Y-7 
GRA_FONT=
DPF_FILES= 
print=E:\BIN\DVIDOT.TTP 
printopt=-y5mm 
PRT_FONT=
bibtex=E:\BIN\BIBTEX.TTP
BIBINPUTS=E:\bibtex
F8=
F9=
command=

Bild 2: Beispiel einer Parameterdatei TEXMEN.DEF

Vorsicht, Falle!

Wer noch nicht allzuviel mit seiner Festplatte gearbeitet und auch noch nie von dem allseits beliebten 40-Ordner-Phänomen gehört hat, der wird nun wohl oder übel auf der Boot-Diskette zur Festplatte das Programm FOLDR100.PRG suchen müssen. Und das kommt so: Spätestens nach der Installation des TeX-Systems ist die im Betriebssystem vorgesehene maximale Anzahl von Ordnern, nämlich 40, mit Sicherheit überschritten. Was dann passiert, kann dem unbefangenen Benutzer oft den Eindruck vermitteln, daß es auf seinem Rechner spukt. Neuerdings heißt das wohl nicht mehr Spuk, sondern Virus. Seltsame Dinge haben wir da schon beobachtet. Im Desktop werden plötzlich nicht mehr alle Dateien angezeigt (nein, die nicht angezeigten Dateien sind nicht etwa verloren, oft erscheinen sie nach einem Reset sofort wieder); Dateien erscheinen zwar im Desktop, können aber partout nicht in der Auswahlbox beispielsweise eines Editors gefunden werden und vieles mehr. Beim TeX-System haben wir den Effekt erlebt, daß der Druckertreiber nach kurzer Anlaufzeit seinen Dienst unter Hinterlassung zweier niedlicher Bömbchen quittierte. Also: Nicht gleich auf TeX schimpfen, wenn solche sonderbaren Effekte auftreten, sondern FOLDR100.PRG starten, gegebenenfalls auch nach Umbenennen, wenn man den Puffer für die Ordner bereits erweitert hat. Das Handbuch zur Festplatte gibt hier genaue Auskunft.

Alles unter einem Hut

Bedingt durch das mehrstufige Arbeiten, also Quelltext eingeben, Text setzen, gesetzten Text ausgeben, hat der Anwender es schon mit mehreren Programmen zu tun. Hinzu kommen dann noch Hilfsprogramme, wie zum Beispiel BibTeX. Berücksichtigt man zudem, daß all diesen Programmen beim Aufruf auch noch Parameter mitgegeben werden können und im Normalfall auch mitgegeben werden müssen, dann gibt es schon eine ganze Menge zu tippen und zu klicken. Der übliche Ausweg aus einer solchen Situation ist natürlich eine Shell, und der wurde auch hier beschritten. Da wir auf dem ATARI sind, hatte es natürlich eine graphische, sprich GEM-Shell zu sein. Die erste Generation solcher Shells ist uns allen noch in schlechter Erinnerung: Es gab nur Abroll-Menüs, und für die simpelsten Funktionen waren umfangreiche Mauseleien erforderlich. Das andere Extrem sind Shells, die ausschließlich durch Tasten gesteuert werden. Glücklicherweise sind die Designer heute schon etwas schlauer, und auch die Leute von Detig Schrod TeXsys scheinen ihr Handwerk zu verstehen: Ihre Shell, sie heißt TEXMEN.PRG, kann sowohl mit der Maus als auch mit Funktionstasten gesteuert werden. Es sind sogar noch Funktionstasten frei, die man mit eigenen Programmen belegen kann. Die Zuordnung von Funktionstasten zu den damit aufrufbaren Programmen wird überdies auf dem Bildschirm äußerst gekonnt angezeigt, wie in Bild 1 schön zu sehen ist. In einer separaten Datei, TEXMEN.MDF, können Parameter definiert werden, die den Programmen beim Aufruf durch die Shell mitgegeben werden. Bild 2 zeigt ein Beispiel einer solchen Datei. Auf diesem Wege definiert sich das System selbst Umgebungsvariablen. Dies sind zum Beispiel Suchpfade für Eingabedateien und Zeichensätze, der Name des von TeX verwendeten Makro-Pakets oder auch der Name und Ort der aufzurufenden Programme. Beim Aufruf eines solchen Programms kann wahlweise auch der aktuelle Pfad umgesetzt werden, damit es etwa seine RSC-Datei findet. Diese Parameter kann man übrigens wahlweise mit einem Editor ändern oder in der Shell selbst über Abroll-Menüs verstellen. Selbstverständlich können Parameter in verschiedenen Dateien abgelegt und nach Belieben eingelesen werden. Überhaupt macht die ganze Shell einen sehr durchdachten und professionellen Eindruck.

Einbinden des Editors

Ein Editor ist bei diesem Paket natürlich nicht dabei, dafür werden beim Installieren Name und Pfad des Lieblingseditors abgefragt und in TEXMEN.MDF automatisch eingefügt. Diese Werte lassen sich selbstverständlich jederzeit, wie oben beschrieben, ändern. Sehr gute Erfahrungen haben wir mit Tempus 2 gemacht, auch MicroEmacs ist für diesen Zweck gut geeignet. Für MicroEmacs gibt es übrigens von Anselm Lingnau eine spezielle Anpassung, die das Arbeiten mit LaTeX wirkungsvoll unterstützt.

Nach dem Start der Shell wird beim Aufruf des ersten Programms der Name der Datei abgefragt, die bearbeitet werden soll. Der dann eingegebene Name wird dann auch für die anderen Programme verwendet, wobei die Shell die jeweils benötigte Endung, wie 'TEX’ oder ‘DVI' selbst anpaßt. Natürlich kann ein einmal eingegebener Name, wieder über Abroll-Menü, nachträglich verändert werden. Besonders gelungen ist die Möglichkeit, für den Editor und TeX auf Wunsch unterschiedliche Namen angeben zu können. Wer viel mit ‘\include' und '\input’ arbeitet, wird dies zu schätzen wissen.

Gefallen hat auch die Belegung der Funktionstaste F1, die zunächst den Editor, dann automatisch TeX und anschließend den Preview startet. So werden langwierige Entwicklungszyklen etwas erträglicher.

TeX

Das TeX trägt die Versionsbezeichnung 2.92, die LaTeX-Makros haben 2.09 und wurden im Mai 1988 zuletzt verändert. Die deutschen Anpassungen sind ebenfalls recht neu und scheinen den sich abzuzeichnenden Standard bereits zu enthalten. Ganz aktuell ist jedenfalls die umfangreiche Datei mit deutschen Trennmustern von Norbert Schwarz. Die ist übrigens, wie sämtliche Makros auch, Public Domain. Es ist allerdings eine besondere Stärke dieser Implementierung, auch die kostenfrei verfügbaren Teile des TeX-Systems zu enthalten und dafür nicht auf weitere Quellen zu verweisen. Im Menü kann eingestellt werden, daß der TeX-Bildschirm nach Beendigung des Programms so lange stehenbleibt, bis eine Taste gedrückt wird. So bekommt man einerseits auch noch alle Warnungen mit, andererseits wird dies auf die Dauer, besonders bei Verwendung der F1-Taste, doch recht lästig.

Preview

Das Preview-Programm DVIGRA.PRG ist eine besondere Stärke dieses Systems. Es ist einerseits so schnell, wie es auf dem ATARI eben geht, und da hat die MS-DOS-Welt gewaltig das Nachsehen, bietet andererseits aber auch noch eine ganze Menge Komfort. Hier ist ebenfalls wieder die Bedienung mit Tasten möglich, dies geht schneller, und man braucht sich nicht mit den Abroll-Menüs das Bild zu verdecken. Diese sind, etwa für Leute, die grundsätzlich keine Bedienungsanleitung lesen, noch zusätzlich vorhanden. Bild 3 zeigt eine solche Bildschirmausgabe mit Menüleiste.

Bild 3: Bildschirmausgabe mit dem Preview in Originalgröße.

Bild 4: Die gleiche Seite wie in Bild 3 in vierfacher Verkleinerung

So läßt sich etwa eine beliebige Seite, auch rückwärts, anspringen. Mit den Pfeiltasten wird der Bildschirmausschnitt bewegt, per Tastendruck kann eine Seite vor oder zurück geblättert werden. Weiter läßt sich per Mausklick der linke obere oder rechte untere Rand des anzuzeigenden Ausschnitts definieren.

Richtig begeistert waren wir von den Möglichkeiten des Verkleinerns: Auf Tastendruck kann die Ausgabe auf ein Viertel oder ein Neuntel verkleinert werden. Man kann dann zwar kaum noch etwas (bei einem Viertel) oder gar nichts mehr (bei einem Neuntel) entziffern, dafür paßt dann aber eine ganze Seite auf den Bildschirm und vermittelt so einen guten Eindruck vom Aufbau der Seite, wie in Bild 4 zu sehen ist.

Ist eine Seite erst einmal im Speicher aufbereitet, und das geht durch einen ausgefeilten Pufferungs- und Darstellungsalgorithmus recht flott, verlaufen alle graphischen Transformationen dieser Seite mit der vom GEM gewohnten Geschwindigkeit, also das Verschieben des angezeigten Ausschnitts und die eben beschriebenen Möglichkeiten des Verkleinerns, sowie deren Umkehr. Lediglich bei der expliziten Neudefinition der Vergrößerungsstufe müssen die Zeichensätze neu geladen werden. Die Behandlung fehlender Zeichensätze wird weiter unten beschrieben.

Was man schwarz auf weiß besitzt...

Die Druckertreiber haben sich in punkto Geschwindigkeit wohl am Preview orientiert. Bei den 9-Nadlern mit ihrem winzigen, wenn überhaupt vorhandenen, Pufferspeicher ist da natürlich nicht allzuviel herauszuholen. Bild 5 vermittelt einen Eindruck von der mit einem 9-Nadler erreichbaren Qualität. Zwischen 10 und 15 Minuten muß man in der Regel schon auf eine Seite warten. Bei einem Epson LQ geht die Sache schon etwas flotter, hier wird allerdings auch nur mit 180 mal 180 dpi gearbeitet. Der Treiber für den Laserdrucker schlägt jedoch alles, was wir bisher gesehen haben. Durch ein intelligentes Laden der Zeichen in den Druckerspeicher sind im Normalfall durchaus 5 bis 6 Seiten pro Minute möglich. Nur bei der Ausgabe von Bitmap-Grafiken geht das Programm natürlich deutlich in die Knie, hier läßt es sich eben nicht so gut mit programmierbaren Zeichensätzen tricksen. Getestet haben wir den Treiber mit einem original HP Laserjet Serie II und einem Sharp. Bild 6 zeigt einen solchen Ausdruck in einwandfreier Qualität.

Graphik

Als besonderer Knüller ermöglicht es diese TeX-Implementierung, Graphiken in den Text einzubinden. Damit ist nun nicht etwa die Möglichkeit gemeint, mit Hilfe der Picture-Umgebung einfachere Bilder zu erzeugen, die man in LaTex ja immer hat; vielmehr kann man die zuvor mit einem der üblichen Zeichenprogramme erstellten Bitmuster-Graphiken verwenden. Voraussetzung ist allerdings, daß das Zeichenprogramm Bilder im Degas-Format abspeichern kann. Dies dürfte aber wohl von jedem halbwegs anständigen Programm zu erwarten sein; eines der geeignetsten ist sicher STAD, und hier kann man selbstverständlich das Speicherformat wählen.

Ein im Degas-Format abgespeichertes Bild wird nun in einem separaten Arbeitsgang durch ein im Lieferumfang enthaltenes Programm in ein spezielles TeX-Format umgewandelt. Dabei wird die Auflösung des gewünschten Zielgerätes angegeben, und man kann gleich noch einige einfache Transformationen vornehmen, wie etwa die Verdoppelung der Pixel in horizontaler, vertikaler oder beide Richtungen. Durch einen einfachen TeX Befehl, der als Parameter lediglich den Namen der Datei sowie die Höhe und Breite des für das Bild vorgesehenen Rahmens mitbekommt, wird eine solche Graphik nun in den Text eingefügt. Das Ausgabegerät gibt dann das Bild Pixel für Pixel in der dem Gerät eigenen Pixeldichte aus. Dies führt natürlich dazu, daß ein und dasselbe Bild auf verschiedenen Ausgabemedien unterschiedlich groß wird. Ein beispielsweise für den Laserdrucker aufbereitetes Bild kann nun wegen der unterschiedlichen Auflösung eben nicht auf dem Bildschirm angezeigt werden, in diesem Fall sieht man an Stelle des Bildes einfach einen leeren Rahmen und bekommt so wenigstens einen Eindruck von der Seitenaufteilung. Obwohl bei dieser Gelegenheit im Grunde von dem strengen Prinzip der Geräteunabhängigkeit der von TeX erzeugten Ausgabe abgewichen wird, ist diese Möglichkeit natürlich ein gewaltiger Fortschritt und eben immer noch viel besser als gar keine Graphikausgabe.

Literaturlisten...

...verarbeitet man unter LaTeX am besten mit Hilfe von BibTeX. Dieses Zusatzprogramm übernimmt die von LaTeX aufbereiteten Literaturzitate des Textes, sucht aus einer oder mehreren Literaturdateien die zugehörigen Verweise heraus und erstellt daraus eine Literaturliste, deren Form ebenfalls vorgegeben werden kann. BibTeX wird zu dem gerade bearbeiteten Text ebenfalls aus der Shell über eine Funktionstaste oder ein Abroll-Menü aufgerufen. Die Literaturdateien selbst werden wohl am besten mit einem Datenbankprogramm erzeugt, wir haben hier mit Adimens beste Erfahrungen gemacht.

INITeX

Die bei TeX unvermeidlichen Makro-Pakete können recht umfangreich werden und entsprechend viel Zeit beim Programmstart in Anspruch nehmen. Dies wird gewöhnlich dadurch gelindert, daß eine gewisse Grundmenge von Makros zunächst geladen und bearbeitet und anschließend in komprimierter Form abgespeichert wird, die danach beim erneuten Start schneller geladen werden kann. So entstehen die bekannten Formatdateien, auf dem ATARI durch den Typ FMT gekennzeichnet. Hierzu ist eine spezielle Version von TeX notwendig, die für den ATARI unter dem Namen INITeX mitgeliefert wird. Wegen des enormen Platzbedarfs ist die Generierung von Formatdateien auf einem ATARI mit nur einem Megabyte etwas schwierig, man muß mit den Größen für die einzelnen TeX-Speicherbereiche ein wenig herumrechnen. Auf jeden Fall wird jedoch das Arbeiten mit INITeX ebenfalls von der Shell, auch mit einer Funktionstaste, unterstützt; das Handbuch erläutert ausführlich die Vorgehensweise bei einem Megabyte Speicher. Somit wird der Benutzer auch bei INITeX sicher geführt. Die meisten Anwender werden sicherlich mit LaTeX deutsche Texte bearbeiten wollen. Im Hinblick darauf ist die zugehörige Makro-Datei bereits vorgefertigt und nach der Installation unter dem Namen LPLAIN.FMT vorhanden. Viele Anwender werden dadurch mit INITeX erst gar nicht in Berührung kommen.

Reduktion des Platzbedarfs

Die hier besprochene Implementierung ist einmalig in ihrer Vollständigkeit. Dies betrifft sowohl die Anzahl der mitgelieferten Zeichensätze als auch die Makro-Pakete und deren Dokumentation. Ein einzelner Anwender wird nun in der Regel nicht all dieses nutzen (es sei denn, er arbeitet als Tester für eine von Ihnen allen hochgeschätzte ST-Zeitschrift...) und daher schnell auf den Gedanken kommen, die Festplatte von unnötigem Ballast zu befreien. Wird das System jedoch von mehreren Anwendern genutzt, etwa in einem Sekretariat, so ist von einer solchen Löschaktion dringend abzuraten. Nach Murphy werden genau der Zeichensatz und der Style benötigt, den man gestern, nachdem bisher noch nie jemand darauf zugegriffen hatte, in das Write-Only-Memory unbegrenzter Kapazität. das man gewöhnlich links unten auf dem Desktop findet, verschoben hat.

Ein einzelner Benutzer sollte seinen Bedarf jedoch ganz gut abschätzen können; berücksichtigt er dann noch die Anforderungen von Dokumenten, die er von anderen übernimmt (Anleitungen!!!), dann kann er zur Tat schreiten. Zunächst werden nicht benötigte Makropakete entfernt. Danach druckt man die relevante Dokumentation und löscht die zugehörigen Dateien ebenfalls. Manch einer bearbeitet sowieso nur mit LaTeX deutsche Texte und verfügt auch nicht über die Sachkenntnis, um an den vorgefertigten Makropaketen etwas ändern zu können. Dann braucht er aber auch nicht INITeX: Weg damit! Die so erziel bare Ersparnis an Plattenplatz ist jedoch noch recht gering im Vergleich zu dem, was im nächsten Schritt anfällt.

Jetzt geht’s erst richtig los

Hierzu ist etwas mehr Aufwand erforderlich. In längerem Probebetrieb mit typischen Dokumenten ist zunächst festzustellen, welche Zeichensätze in welchen Vergrößerungsstufen tatsächlich benötigt werden. Danach wird man zur Sicherheit alle Zeichensätze der Grundstufe des jeweiligen Geräts behalten, in den Vergrößerungsstufen jedoch alle nicht benötigten Zeichensätze löschen. Da die vorliegende TeX-Implementierung eine für Standardanwendungen vollständige Sammlung von Zeichensätzen beinhaltet, ergibt sich aut diese Weise eine drastische Einsparung. Im Alltagsbetrieb mit einem Star NL-10 konnte unser Testsystem einschließlich aller Zeichensätze für Bildschirm und Drucker auf ganze 2.5 Megabyte reduziert werden.

Das Löschen von Dateien ist im übrigen völlig gefahrlos: Sie können ja bei Bedarf jederzeit von den Originaldisketten nachgeladen werden. Da die archivierten Dateien mit dem weit verbreiteten ARC-System erstellt sind, kann man mit diesem PD-Programm (ist z.B. auf vielen PD-Disketten von MAXON als Zubehör dabei) deren Inhaltsverzeichnis ansehen und einzelne oder alle Dateien herausholen. Zur Not (Was? Sie kennen den PD-Versand der ST-Computer noch nicht?) geht das Auspacken auch mit dem beim TeX-System mitgelieferten Hilfsprogramm EXTRACT.TTP. dessen Handhabung das Handbuch selbstverständlich beschreibt. Benötigte Zeichensätze lassen sich natürlich ebenso nachladen, und hier gibt es ein ganz besonderes Bonbon: Wird bei der Ausgabe ein Zeichensatz in der benötigten Vergrößerungsstufe nicht gefunden, wird er automatisch durch den in der Grundstufe ersetzt. Dieses wird dann in einer Datei mitprotokolliert, auf die nach Beendigung der Ausgabe in einem solchen Fall besonders hingewiesen wird. So sieht man wenigstens den gewünschten Text, wenn auch einige Zeichen nicht in der verlangten Größe erscheinen, und man weiß genau, was gefehlt hat und nachzuladen ist.

Die Grundstufe steht für die Bildschirmausgabe übrigens im Ordner PXL0500, für den Laserdrucker in PXL1500 und für die 9-Nadler in PXL 1200. Alle diese Angaben sind in der Dokumentation schnell und zuverlässig zu finden.

Bild 5: Probeseite mit dem STAB NL-10. Zum Korrekturlesen und für den persönlichen Gebrauch ausreichende Qualität.

Bild 6: Probeseite mit dem HP-Laserjet. Einwandfreie Qualität.

Dem Chaos keine Chance

Das gesamte TeX-System haben wir unter KAOS getestet. Dies ist eine korrigierte Version des aktuellen Betriebssystems, die neben wenigen Erweiterungen, wie etwa einer verbesserten Auswahlbox, lediglich einige Korrekturen der schlimmsten Fehler enthält und nicht zu verwechseln ist mit dem von ATARI an ausgewählte Kunden bereits gelieferten TOS 1.4. So ist es etwa unter KAOS nicht mehr möglich, eine Datei zum Lesen zu eröffnen und diese dann zu beschreiben. Dabei stellt es sich heraus, daß sogar professionelle und weit verbreitete Standardprodukte solche Schlampereien enthalten, die auf Grund des fehlerhaften Betriebssystems bisher nur nicht aufgefallen sind. Als Beispiele solcher Programme, die dann erst nach einem Patch wieder laufen, seien Adimens, Datamat und Beckertext genannt. Die Module von Adimens brechen gleich nach dem Laden ab, bei Datamat verschwindet der Cursor, und Beckertext druckt nicht mehr. Diese Liste läßt sich natürlich beliebig verlängern. Somit ist KAOS also ein harter Test für die Sorgfalt, mit der ein Programm implementiert wurde. Diesen Test hat STTeX mit Bravour bestanden. Während des gesamten Testbetriebs waren keine Unverträglichkeiten festzustellen.

Blow Up

Ein besonderes Schmankerl gibt es vom Preview noch zu berichten: Dieses Programm läuft nicht nur auf dem Originalmonitor SM 124, sondern auch auf großen hochauflösenden Monitoren, die eine GEM-Einbindung haben. So wird zum Beispiel an der TH Darmstadt der 17" Bildschirm von Matrix eingesetzt.

Die Wertung, bitte!

STTeX ist eine umfangreiche und in bezug auf LaTeX und dessen Zeichensätze weitgehend vollständige Implementierung auf dem ST. Noch nicht vollständig verfügbar ist zum Beispiel SliTeX, mit dem man bequem Folien erzeugen kann, aber das bekommt man für den ST auch nirgendwo sonst. AMS-TeX ist ebenfalls im Lieferumfang enthalten, eine andere Bezugsquelle hierfür ist uns nicht bekannt. Die Zeichensätze der verschiedenen Vergrößerungsstufen reichen für alle Standardanwendungen aus. Die Dokumentation ist umfangreich und auch gut gemacht. Im Grundpaket ist standardmäßig das LaTeX-Buch von Lamport [3] enthalten, man kann aber auch darauf verzichten und bekommt dafür 57 Mark erstattet. Die Installation ist menügesteuert und daher auch von Laien zu erledigen. Man sollte allerdings schon wissen, was eine Partition ist und wie der Editor heißt. Das System läuft stabil und muß nicht mit irgendwelchen Tricks erst überredet werden, seine Pflicht zu tun. Ist man erst einmal mit TeX vertraut, verläuft das Arbeiten problemloser als mit solchen "anwenderfreundlichen” Texteditoren wie 1st Wordplus oder Beckertext.

Berücksichtigt man den Lieferumfang mit den vielen Zeichensätzen, BibTeX und INITeX, was woanders ja noch zusätzlich kostet, und die bis ins Detail weitergedachte und ausgefeilte Implementierung, dann ist der Preis selbst für ATARI-Verhältnisse noch recht günstig. Zudem gibt es Sonderkonditionen für Universitäten und Campus-Lizenzen. Man erhält also eine arbeitsfähige und vollständige Version, die auch die verfügbaren Public Domain-Teile enthält, aufeinander abgestimmt und preiswert aus einer Hand.

Einsatzfeld

Wegen der Robustheit des Systems, der automatischen Installation, dem umfangreichen Satz von Makro-Paketen mit zugehöriger Beschreibung, dem vollständigen System von Zeichensätzen in allen sinnvollen Vergrößerungsstufen und vor allem der einfachen Bedienung durch die graphische Benutzeroberfläche (Shell), in der die wichtigsten Parameter vordefinierbar sind, kann das System auch von jemandem installiert und betrieben werden. der kein ausgesprochener TeXniker und auch kein Betriebssystem-Profi ist. Grundkenntnisse im Umgang mit TeX und dem ATARI genügen. Das hier betrachtete System ist bereits mehrfach in Sekretariaten des Fachbereichs Mathematik der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt, installiert. Dabei hat es sich in der Praxis gezeigt, daß mit einem bereits installierten System auch jemand gut zurechtkommt, der sich erst in TeX einarbeitet. Besonders die Shell wird hier als große Hilfe und deutliche Verbesserung gegenüber anderen Implementierungen empfunden. Insgesamt handelt es sich hierbei um ein benutzerfreundliches System, das sich nicht nur auf dem Schreibtisch eines Testers, sondern auch in längerem Alltagseinsatz in der Praxis professionellen Schreibbetriebs, insbesondere in Verbindung mit [2], bestens bewährt hat.

With a little help...

Gerade der professionelle Anwender wird bald nicht mehr mit den aus der gängigen Literatur verfügbaren Informationen aus-kommen können und darüber hinaus auch an der Weiterentwicklung des Systems, insbesondere in den Bereichen Graphik und Eindeutschung, interessiert sein. Schon im TeXbook [1] wird auf die amerikanische Benutzervereinigung TUG' und deren Mitgliederzeitschrift TUGboat verwiesen. Seit einiger Zeit gibt es auch eine deutsche Vereinigung, der bereits der Status eines gemeinnützigen Vereins zuerkannt wurde.

Dr. Volker Kurz

Kontaktadresse TUG:

DANTE
Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V.
Rechenzentrum der Universität Heidelberg
z.Hd Herrn J. Lammarsch
Im Neuenheimer Feld 293
6900 Heidelberg I

Literatur:

[1] Knuth, D.E. "The TeXbook", Addison Wesley, Reading 1986.

[2] Kopka, H.: "LaTeX - Eine Einführung", Addison-Wesley. Bonn, 1988

[3] Lamport, L.: "LaTeX. A Document Preparation System", Addison Wesley, Reading, 1986.

[4] Spivak, M. "The Joy of TeX - A Gourmet Guide to Typesetting with the AMS-TeX Macro Package", American Mathematical Society, Providence, 1986

[5] Wonneberger, R. “Kompaktführer LaTeX". Addison-Wesley, Bonn, 1987

Bezugsadresse:

Firma Detig Schrod TeXsvs
Kranichweg 1
6074 Roilermark-Urberach

STTeX (TeX-Grundsystem mit Shell, IN/TeX, BibTeX, den Makro-Paketen Plain. AMS-TeX und LaTeX, dem Preview DVIGRA mit Zeichensätzen und dem Buch [3] von Lamport): 305 Mark

DVIDOT (Druckertreiber für Nadeldrucker mir Zeichensätzen, wahlweise für NEC P5/6/7, EPSON LQ oder 9-Nadler wie Epson FX-80, Star NL-10 und Kompatible oder Fujitsu DPL 24) 298 Mark.

DVIHP (Druckertreiber für HP LaserJet und Kompatible, mit Zeichensätzen): 378 Mark.

STTeX mit DVIDOT 535 Mark.

STTeX mit DVIHP 615 Mark

STMF (Metafont mit INIMF): 198 Mark

Voraussichtlich ab Oktober verfügbar: SliTeX-Fonts für Preview und Drucker jeweils 98 Mark (dies ist eine Bearbeitungsgebühr und kein Kaufpreis: Die Zeichensätze dürfen beliebig weitergegeben werden).

Das Buch von Lamport kann bei ST TeX auf Wunsch aber auch durch ein anderes der oben genannten Bücher ersetzt werden, oder es kann entfallen. Die Preise verringern sich dann jeweils um 37 Mark.



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