Kochrezept für ein Menü

Ein Menü ist scheinbar etwas Einfaches. Es zeigen sich jedoch oftmals Tücken, da es (noch) keine festen Gestaltungsregeln gibt. Und doch gibt es ein paar - teils ungeschriebene - Regeln, die einzuhalten sind.

Ein normales Menü besteht aus dem Menübalken, in dem die Menütitel zu sehen sind, und den jeweils dazugehörigen Drop-Down-Menüs mit den Menüpunkten oder Optionen. Drop-Down-Menüs, weil der Screen-Manager das gesamte Menü herunterklappt, sobald der Anwender den Mauszeiger über einen Menütitel bewegt. Der Apple Macintosh hingegen verfügt über sogenannte Pull-Down-Menüs, da hier der Anwender nach Auswahl des Menütitels diesen anklicken und die Maustaste gedrückt halten muß, damit das Menü erscheint. Sobald er die Maustaste losläßt, verschwindet das Menü wieder. Beim GEM müssen wir einmal außerhalb des Menüfeldes auf die linke Maustaste klicken.

Ein heller, gesperrter Menüpunkt bedeutet, daß dieser Eintrag zur Zeit oder überhaupt nicht anwählbar ist. Ein Häkchen vor dem Eintrag bedeutet etwa, daß eine dem Menüpunkt entsprechende Funktion aktiv ist. Eine hell dargestellte Linie trennt logisch zusammengehörige Punkte voneinander. Schließlich gibt es noch die normal dargestellten Einträge. Sie sind durch Mausklick anwählbar, wenn sie invers dargestellt werden, also dann, wenn sich der Mauszeiger darüber befindet. Ein Menütitel wird invertiert, wenn das dazugehörige Menü ausgeklappt ist. (Hier gibt es im Public Domain-Bereich leider ein paar schlechte Beispiele, denn einige Programme heben die Invertierung auf, obwohl das entsprechende Menü ausgeklappt ist. Orientieren Sie sich bitte nicht an solchen „Vorbildern“)

Damit ist schon all das aufgezählt, was selbstverständlich zu sein scheint. Im folgenden werden diese Minimalregeln erweitert. Diese Regeln sollten immer eingehalten werden, damit ein gewisser Standard entsteht. Gibt es da welche, die meinen, wir bräuchten keinen Standard? Wir brauchen ihn! Mittlerweile sind so viele Programme auf dem Markt, daß man die eigenartigsten Menüs findet. Dabei sollte ein vernünftiges Programm ohne lange Suchererei bedienbar sein. Und genau dazu wird ein Standard benötigt.

Beginnen wir mit den Menütiteln. Ein Menütitel besteht aus einem Namen, der thematisch zum entsprechenden Drop-Down-Menü paßt. Links und rechts vom eigentlichen Namen steht genau ein Leerzeichen (und nicht mehr!). Die Menütitel sollten möglichst kurz sein und außerdem sollten nicht zuviele davon (5 bis 7 sollten reichen) aufgeführt werden. Einige Dinge lassen sich in getrennten Dialogboxen unterbringen (beispielsweise Parametereinstellungen).

Ein Menübalken enthält mindestens zwei Titel, einen, der zum sogenannten „Desk“-Menü und einen, der zum „Datei“-Menü gehört. „Desk“ sagt nicht sonderlich viel aus, und bei neueren GEM-Versionen (z.B. GEM 2.0) wird dieser Eintrag durch den Programmnamen ersetzt.

Die Einträge des Desk-Menüs

So könnte das Datei-Menü aussehen.

Da dies als sinnvoll erscheint, trägt man statt „Desk“ besser den Programmnamen ein. Denkbar wäre auch das ATARI-Zeichen, damit man sich sicher ist, vor welchem Rechner man sitzt. Auch hier sollen Negativbeispiele genannt werden. Als Titel kommt nicht in Frage: „Info“ oder „DESKTOP“ (außer es handelt sich um das GEM-Desktop) oder ein anderer irreführender Titel. Das „Desk“-Menü wird bei unserem GEM ganz links dargestellt, beim GEM 2.0 jedoch auf der rechten Seite!

Als nächster Menütitel folgt das „Datei“-Menü. Bei unserem GEM ist es das zweite von links, bei GEM 2.0 das Menü, welches ganz links steht. Es sollte immer „Datei“ oder dergleichen heißen. Für die weiteren Menütitel gibt es keine feste Regel. Es hat sich aber eingebürgert, ein eventuelles „Hilfe“-Menü möglichst weit rechts zu plazieren.

Nun zu den Drop-Down-Menüs selbst. Drop-Down-Menüs benötigen keine Leereinträge am unteren Ende. Auch sonst sollte man auf verwirrende Schnörkel verzichten. Stehen hinter einem Eintrag drei Punkte, so bedeutet dies, daß nach dem Anklicken ein weiterer Dialog folgt. Ansonsten dürfen die drei Punkte nicht auftauchen. Vor jedem Eintrag stehen genau zwei Leerzeichen. Ganz rechts hinter dem Eintrag steht vor allem für häufig benutzte Menübefehle ein Tastenkürzel, welches stellvertretend für den entsprechenden Mausklick gewählt werden kann. Es sollte pro Zeile nur ein Eintrag stehen (und nicht mehrere!) sowie pro Drop-Down-Menü in der Regel nur bis zu 7 Einträge. Dieser Eintrag sollte nicht zu breit ausfallen. Bei gut 20 bis 25 Zeichen dürfte eine erträgliche Obergrenze liegen. Wird statt des Menüpunktes der äquivalente Tastaturaufruf benutzt, wird der entsprechende Menütitel invertiert dargestellt. Damit entsteht die Wirkung, als ob der normale Menüaufruf via Maus stattgefunden hätte. Beim Tastenkürzel symbolisiert „A“ (ASCII 94) die Control-Taste, die Raute (ASCII 7) die Alternate-Taste. und außerdem könnte man noch „+“ (ASCII 43) oder „^“ (ASCII 1) für eine der Shift-Tasten wählen.

Im „Desk“ Menü findet man nur einen Eintrag, der zum Programm selbst gehört. Durch Klick auf diesen Eintrag erhält man eine programmspezifische Information. Unter diesem Eintrag finden sich eine Linie und maximal sechs weitere Einträge. Diese Einträge gehören zu den Accessories, die unter jedem GEM-Programm aufrufbar sind. Ist kein Accessory geladen. fehlt auch die Linie.

Im „Datei“ Menü sind Dateifunktionen abrufbar. Eine Ausnahme bildet der Eintrag. der ganz unten steht. Klickt man ihn an, wird das Programm verlassen. Ein Eintrag zum Verlassen des Programms gehört an diese und keine andere Stelle!

Einträge, die logischerweise nicht selektierbar sind (wie „sichern“, wenn keine Datei geöffnet ist) müssen immer hell dargestellt werden.

Für alle weiteren Menüs gibt’s keine feste Regel. Ratsam ist noch ein Menü „Präferenzen“ (oder „Parameter“, „Einstellungen“), das eine individuelle Konfiguration des Programms erlaubt. Eine derartige Konfiguration sollte sich in einer Datei mit Extension .INF abspeichem lassen.

Wenden wir uns nun einem Beispielmenü zu, das wir einem fiktiven Programm MUSTER zuordnen. Im üblichen „Desk“-Menü sind bis zu 7 Einträge bzw. Optionen zu finden, davon bezieht sich nur einer auf das eigentlichen Programm: „Über Muster-Prg...“ Da das Programm den Namen MUSTER hat, wurde „Desk“ durch „MUSTER“ ersetzt. Das zweite Menü ist das „Datei“-Menü, welches 7 typische Optionen beinhaltet. Deren Bedeutung ist:

„Neu anlegen“: Eine neue Datei wird angelegt. Wenn kein Name spezifiziert wurde, sollte „Sichern“ und „Abbrechen“ gesperrt werden.

„Öffnen...“ oder „Laden...“: Hier wird eine Datei geladen. Die drei Punkte deuten darauf hin. daß ein Dialog (meist der Fileselector) folgt.

„Sichern“ oder „Speichern“; Die bearbeitete Datei wird unter ihrem Namen abgespeichert.

„Sichern unter...“ oder „Speichern als...“: Die aktuelle Datei wird abgespeichert und ein neuer Dateiname übereinen Fileselector festgelegt.

„Abbrechen“: Die Bearbeitung der aktuellen Datei wird abgebrochen, ohne daß die geänderte Datei abgespeichert werden kann.

„An Ausgabe...“ oder „Ausgeben...“: Ein GEM-Ausgabeprogramm wird gestartet, um die Ausgabe zu übernehmen.

„Ende“ oder „Beenden“: Das Programm wird verlassen. Falls noch nicht abgespeichert wurde, wird darauf hingewiesen, und gegebenenfalls ist ein Widerruf des Kommandos möglich.

Zwischen Lade-, Speicher- und Ende-Optionen steht jeweils eine Linie zur klaren Abtrennung der Optionen.

Die hier aufgestelllen Regeln entsprechen den Konventionen, wie sie verwendet werden sollten. Auch wenn kein Zwang besteht, sich daran zu halten, ist es durchaus ratsam, diese trotzdem zu berücksichtigen.

Die Programmierung dürfte keine Schwierigkeiten bereiten. Die Ereignisbibliothek des AES stellt Routinen zur Verfügung, die auf ein Tastatur- oder Mitteilungsereignis warten. Damit erfährt man, ob eine bestimmte Tastenkombination gedrückt oder ein Menüeintrag angeklickt wurde. Es bietet sich also die Benutzung von evnt_multi() an. da mit dieser AES-Funktion sowohl Tastatur- als auch Mitteilungsereignisse abgewartet werden können. Alles, was zur Handhabung von Menüs benötigt wird, findet man in der Menübibliothek.

Literatur:

[1] Atari ST Profibuch. Hans-Dieter Jankowski/ Julian F. Reschke/ Dietmar Rabich, 6. Auflage 1989, Sybex-Verlag Düsseldorf, ISBN 3-88745-563-0

[2] GEM Programmier-Handbuch, Phillip Balma/ William Fitler, 2. Auflage 1988, Sybex-Verlag Düsseldorf. ISBN 3-88745-692-0


Dietmar Rabich



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