Editorial: Im Land der Superlative?

Im April fand eine der umfangreichsten Computermessen, die COMDEX Spring ’89, in Chicago statt. Diese Tatsache sowie eine ATARI-Verkaufsmesse in Kalifornien nahm ich zum Anlaß, die USA zu besuchen. Chicago, die Stadt direkt am Michigan See gelegen, prahlt mit dem höchsten Gebäude, dem Sears Tower, und dem frequentiertesten Flughafen der Welt. Riesige Straßenkreuzer und ein scheinbar unendlich weites Land geben mir den Eindruck, als müßte hier einfach alles größer, höher und besser sein. Doch was die Amerikaner unter einer der größten Computermessen verstehen, enttäuschte mich doch sehr, vor allem, wenn man kurz zuvor die CeBIT in Hannover besucht hatte. Typisch amerikanisch sind die beiden Gebäudekomplexe, in denen die neuste Hard- und Software gezeigt wird, mit so weichem und gepolsterten Teppichboden ausgelegt, daß man das Gefühl bekommt, über die Stände zu schweben.

Der ATARI-Stand fiel recht klein aus und war kaum besucht, so daß ich mir innerhalb von wenigen Minuten einen kompletten Überblick verschaffen konnte. An Neuigkeiten war nichts zu finden, was nicht schon in Hannover gezeigt worden wäre. Stacy, der ST Laptop, war die einzige Neuerscheinung, die den Amerikanern, verschlossen hinter einer Plexiglashaube, gezeigt wurde. Erstaunlich fand ich auch, daß Produkte wie das CD ROM oder die Festplatte Megafile 60 in den USA völlig unbekannt sind.

Aber nicht nur der ATARI hat es schwer in den USA, auch bei der Konkurrenz, z.B. am Commodore-Stand, war Flaute angesagt, so daß einige Aussteller vorzeitig das Geschehen verließen oder erst gar nicht erschienen sind.

In Amerika haben IBM und Hersteller von kompatiblen Rechnern das Sagen. Nicht zu vergessen ist Apple mit dem Macintosh, der sich vor allem durch massiven Einsatz an fast allen Universitäten einen Namen gemacht hat.

Interessanter als die COMDEX war dann eine ATARI-Verkaufsmesse, die 14 Tage später in der Nähe von Los Angeles stattfand. Angekündigt als die größte Verkaufsschau, die ATARI jemals veranstaltete, kamen dann immerhin namhafte Firmen, die ihre Produkte zu Messepreisen verkauften (s. Seite 12). Im Vergleich mit der deutschen ATARI-Verkaufsmesse in Düsseldorf, die von der Größe, der Organisation und vom gesamten Outfit her eine ganz andere Dimension darstellt, stellt sich mir die Frage, was los ist in Amerika.

Zumindest was den ATARI ST betrifft, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Geräte zwar in den USA entwickelt wurden, produziert werden sie aber in Taiwan oder Korea, und verkauft werden sie größtenteils in Europa und vor allem in Deutschland.
Uwe Bärtels


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