Tips und Tricks zu Star-Writer ST

Mit dem Star-Writer ST steht lange Zeit nach der Einführung von 1st Word Plus endlich wieder ein preisgünstiges Textprogramm mit vielen innovativen Features zur Verfügung. Leider entspricht das Handbuch nicht den sonstigen Qualitäten des Programms, es ist relativ knapp und laßt Anwendungsbeispiele vermissen. Daher erkennt man den Wert vieler Möglichkeiten dieses Textsystems erst, wenn man längere Zeit damit gearbeitet hat.

Eigentlich ist es schade, daß das Handbuch nicht ausführlich auf Anwendungsbeispiele eingeht, denn dadurch bleiben viele Fähigkeiten des Star-Writers oftmals ungenutzt, weil man ihre Einsatzmöglichkeiten nicht überblicken kann. In den folgenden Anwendungsbeispielen benutze ich grundsätzlich die Möglichkeit. alle Funktionen über Tastatur zu bedienen, und zwar mit dem dem Star-Writer eigenen Tastenbefehlssatz. Liebhaber des WordStar-Befehlssatzes sollten also vor der Anwendung der Beispiele besser auf den Befehlssatz 1 wechseln!

Sonderzeichen

Wer gelegentlich französische Texte schreibt, wird im Star-Writer die von 1st Word Plus gewohnte Möglichkeit vermissen, die französischen Sonderzeichen (é è ç Ç etc.) aus einer Zeichensatztabelle auszuwählen. Dennoch enthalten die mitgelieferten Fonts alle Sonderzeichen des ATARI-Zeichensatzes (mit Ausnahme der hebräischen Zeichen). Die Frage ist nur: Wie erreicht man sie?

Im Star-Writer gibt es keine Zeichensatztabelle. Dafür gibt es aber eine Möglichkeit, eine eigene Tastaturtabelle zu erstellen oder die bestehende Tastaturtabelle STANDARD.KEY abzuändern und zu erweitern. Wie dies durchzuführen ist, steht im Handbuch im Kapitel über den Fonteditor sehr versteckt. Deshalb hier nun eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Schilderung der Vorgehensweise:

Drücken Sie die Taste, auf die Sie dieses Zeichen legen wollen. Als Kontrolle erklingt ein Gong. Es stehen insgesamt sechs Ebenen in der Tastaturtabelle zur Verfügung: Normal, Shift, CapsLock, Alt, Alt-Shift, Alt-CapsLock. Leider gibt es keine Kontrolle, ob CapsLock aktiv ist oder nicht.

Sie können nun nacheinander beliebig viele Zeichen anklicken und diese auf jeweils eine Taste der Tastatur legen. Nach Abschluß dieser Tätigkeit speichern Sie die geänderte Tastaturtabelle mit ‘Tastatur sichern’ wieder unter dem Namen STANDARD.KEY (im Ordner STARWRIT) ab. Beim nächsten Start des Star-Writers steht die geänderte Tastaturtabelle dann zur Verfügung. Die neudefinierten Tasten können sogar in Dialogboxen benutzt werden! Damit ist es z.B. möglich, nach dem Wort ‘ecouter' suchen zu lassen, was mit der Sonderzeichentabelle des 1st Word Plus nicht machbar ist.

Bild 1: Änderung der Tastaturtabelle mittels des Fonteditors

Doch das ist noch nicht alles. Neben der STANDARD.KEY wird noch eine SKYRILL.KEY mitgeliefert. Offensichtlich gehört diese zum Font SKYRILL.FNT. Läßt sich daraus vielleicht ableiten, daß für jeden Font eine eigene Tastaturtabelle definiert werden kann? Ein Experiment zeigt: Es stimmt! Die Tastaturtabelle muß immer den gleichen Dateinamen haben wie der Font, dem sie zugeordnet ist. Zu einem Font SMYFONT.FNT gehört dann die Tastaturtabelle SMYFONT.KEY. Auf dem Umweg über verschiedene Fonts ist es also möglich, auch verschiedene Tastaturtabellen zu benutzen. Leider steht diese Möglichkeit nicht im Handbuch! In Dialogboxen wird übrigens immer STANDARD.KEY benutzt, unabhängig vom gerade angewählten Font.

Per Zufall habe ich noch etwas entdeckt, was nicht im Handbuch steht: Beim Versuch, eine Makroprogrammierung einzuleiten, drückte ich statt Shift-ESC zufällig Alt-ESC, und ich mußte feststellen, daß die drei Tastaturebenen Alt, Alt-Shift, Alt-CapsLock plötzlich ohne Drücken der Alt-Taste aktiv waren, während zum Erreichen der Zeichen aus der Normal-, Shift- und Caps Lock-Ebene plötzlich das gleichzeitige Drücken der Alt-Taste not wendig war. Ein nochmaliges Drücken von Alt-ESC stellt den Originalzustand wieder her. Dies geht auch im Fonteditor.

Makros

Neben dem Formatierungssystem mit Seiten- und Absatzlayouts ist die Makrofähigkeit eines der mächtigsten Features des Star-Writers. Alle Tasten der Tastatur (auch die Funktionstasten!) sind mit je einem Makro programmierbar, und als Beispiel liefert der Hersteller eine Sammlung von Makros für die Funktionstasten mit, durch die diese kompatibel zu 1st Word Plus werden. Mit der Möglichkeit, Schleifen und Unterprogramme zu bilden, sind die Makros fast schon eine eigene Programmiersprache. Zwar fehlen bedingte Sprünge, aber diese sind für eine Text Verarbeitung eigentlich nicht nötig -oder wollen Sie ein Primzahlprogramm als Star-Writer-Makro schreiben? Hier folgen nun einige Beispiele für die sinnvolle Anwendung von Makros.

Ich brauche sehr häufig Fußnoten für Literaturhinweise. Diese sind zwar meist weniger als eine Zeile lang, trotzdem müssen sie mit einzeiligem Zeilenabstand ausgedruckt werden, während der Haupttext anderthalbzeilig gedruckt wird. Für den Haupttext benutze ich also das Absatzlayout A1, welches ich auf 1 1/2 zeilig eingestellt habe. Außerdem ist es als Standardlayout markiert, d.h. nach jedem Absatzende wird auf das Absatzlayout A1 umgeschaltet. Für die Fußnoten benutze ich jedoch ein Absatzlayout AF, welches nach dem Einfügen einer Fußnote aber zunächst aktiviert werden muß. Um dies zu vereinfachen, habe ich mir ein Makro ESC-F programmiert, das mir diese Arbeit abnimmt:

Shift ESC   ;Makroaufzeichnung beginnen
F   ;Makro auf Taste F programmieren
Ctrl-E F    ;Fußnote einfügen
Ctrl-A  ;neues Absatzlayout wählen
ESC AF  ;Name des gewünschten Absatzlayouts
RETURN  Dialogbox beenden
Shift ESC   ;Ende des Makros

(Beim Eintippen des Makros geben Sie bitte nur den Teil vor dem ‘;' ein; der Rest ist Kommentar. Auch sollte das Absatzlayout AF bereits existieren, sonst landen Sie nach dem o.a. RETURN in der Dialogbox, die die Angaben zum Absatzlayout enthält.)

Nun zu einem Beispiel, das den Nutzen der verschachtelten Makroaufrufe (‘Unterprogramme) zeigt. Das Makro ESC-A soll eine Fußnote einfügen und den Text ‘siehe auch’ schreiben, so daß nur noch Werk und Seitennummer ergänzt werden müssen. Dazu benutze ich das zuvor definierte Makro FSC-F.

Shift ESC   Makroaufzeichnung beginnen
A   :Makro auf Taste A programmieren
ESC F   ;Fußnote einfügen und Absatzlayout wählen
siehe auch  Text schreiben
Shift-ESC   ;Ende des Makros

Hierbei ist es unerheblich, ob das Makro ESC-F zum Zeitpunkt der Definition des Makros ESC-A bereits definiert ist oder nicht. Ist es bereits definiert, wird es bei der Aufzeichnung von ESC-A natürlich auch schon ausgeführt. Ist ESC F nicht definiert, wird der Aufruf von ESC-F aufgezeichnet, ohne daß etwas geschieht. Dies ist besonders dann nützlich, wenn das aufzurufende Makro ein ‘Endlosmakro’ ist. Ansonsten könnte sich die Makrodefinition über eine etwas längere Zeit erstrecken...

Noch ein Hinweis zur Bedeutung der ESC-Taste: Mit ESC und einem weiteren Tastendruck wird normalerweise ein anderes Makro aufgerufen. Anders in Dialogboxen mit edierbaren Textfeldern: Hier hat ESC die gewohnte Funktion ‘Löschen des Textfeldes'.

Den Abschluß des Kapitels über Makros soll das folgende Beispiel eines ‘Endlosmakros’ bilden:

Shift-ESC   ;Makroaufzeichnung beginnen
S   ;Makro auf Taste S programmieren
Ctrl-B E    ;Blockende setzen
Shift-CursorLinks ;an Wortanfang springen
Ctrl-B A    ;Blockanfang setzen
Ctrl-Z S    Wort für Stichwortverzeichnis markieren
Shift-CursorRechts ;an Wortende springen
Ctrl-W  ;weitersuchen
ESC S   ;Makro von vorne beginnen
Shift-ESC   :Ende des Makros

Wird innerhalb der Aufzeichnung eines Makros das Makro selbst aufgerufen (hier: ESC S), so bedeutet dies nicht, daß hier ein ‘Unterprogramm' aufgerufen wird. Der spezielle Fall des Selbstaufrufes eines Makros wird von Star-Writer als ‘GOTO' an den Makroanfang interpretiert. Dieses GOTO wird während der Makroaufzeichnung allerdings noch nicht ausgeführt, da die Makroprogrammierung dann nicht beendet werden könnte. Erst bei der Ausführung des Makros wird dieses dann als Endlosschleife ausgeführt. Im übrigen wird alles, was Sie nach dem Selbstaufruf des Makros noch eintippen, zwar aufgezeichnet, kann aber niemals ausgeführt werden.

So endlos, wie sich der Begriff ‘Endlosschleife’ anhört, läuft ein solches Makro aber nicht. Durch gleichzeitiges Drücken beider Shift-Tasten kann es abgebrochen werden. Außerdem wird ein Endlosmakro unter folgenden Bedingungen abgebrochen:

Möglicherweise existieren noch weitere Abbruchbedingungen für Endlosmakros. Leider ist auch dies im Handbuch nicht erwähnt. Der Abbruch eines Endlosmakros bedeutet übrigens keineswegs den Abbruch der Makroverarbeitung: Wurde das Endlosmakro als Unterprogramm aufgerufen, so läuft das aufrufende Makro weiter! Ausnahme ist der Abbruch durch Drücken beider Shift-Tasten - hier wird die gesamte Makroabarbeitung abgebrochen.

Wie benutzt man nun das oben programmierte Makro? Springen Sie mit Ctrl-CursorRauf an den Textanfang, gehen Sie mit Ctrl-E S in die Dialogbox 'Suchen'. Geben Sie hier nun ein Wort an, welches Sie für das Stichwortverzeichnis markieren wollen. Mit RETURN startet Star-Writer die Suche nach diesem Wort, und der Cursor steht hinter dem letzten Zeichen des gesuchten Wortes. Starten Sie nun das vorher definierte Stichwortverzeichnismakro mit ESC-S. Nun wird das gesuchte Wort bei jedem Auftreten im Text für die Aufnahme ins Stichwortverzeichnis markiert. Am Ende des Textes stoppt die Makroausführung dann automatisch. Leider zeigt sich bei der Durchführung einer solchen Operation, daß Star-Writer nicht der Schnellsten einer ist: Werfen Sie also schon einmal die Kaffeemaschine an!

Bild 2: Angabe der Bildgröße in dpi

Grafiken

Eine Textverarbeitung kann sich heute kaum behaupten, wenn sie nicht über eine Grafikeinbindung verfügt. So bietet auch Star-Writer eine Möglichkeit, GEM-IMG-Dateien einzulesen. Leider gibt es keine Möglichkeit, Texte und Grafiken zu überlagern. Dafür entschädigt Star-Writer durch eine hervorragende Druckqualität der Grafiken, insbesondere auf 24-Nadel-Druckern, und durch die Möglichkeit, die Größe der Grafik beliebig zu verändern, ohne einen Qualitätsverlust in der Grafik hinnehmen zu müssen, soweit dies mit pixelorientierten Grafiken überhaupt möglich ist. Etwas unhandlich ist jedoch anfänglich die Angabe der Bild große über eine Pixeldichte.

Eine IMG-Datei enthält u.a. eine Angabe über die Größe der Pixel des Gerätes, von welchem die Grafik stammt. Dies soll dafür sorgen, daß bei der Übertragung einer Grafik von einem Ausgabegerät auf ein anderes die Abmessungen der Grafik beibehalten werden können. Im Star-Writer wird die Pixelgröße in dpi angegeben. Dabei gilt jedoch: Je höher die dpi Angabe, desto kleiner die Pixel und damit auch die Grafik. Einige Beispiele:

90 dpi = Pixelgröße 0.28 mm
120 dpi = Pixelgröße 0.21 mm
180 dpi = Pixelgröße 0.14 mm
300 dpi = Pixelgröße 0.08 mm
360 dpi = Pixelgröße 0.07 mm
108 dpi = Pixelgröße 0.24 mm
144 dpi = Pixelgröße 0.18 mm
216 dpi = Pixelgröße 0.12 mm

Dies bedeutet also: Um eine Grafik zu vergrößern, muß die dpi-Angabe verringert werden, und zum Verkleinern der Grafik ist die dpi-Angabe zu erhöhen. Gibt man für die Pixeldichte die Grafikauflösung des Druckers an (was für den gerade installierten Drucker auch durch Anklicken des ‘Drucker’ Buttons in der oben gezeigten Dialogbox erreicht werden kann), wird die Grafik 1:1 auf den Drucker ausgedruckt, d.h. ein Pixel der Grafik wird auch als ein Pixel des Druckers ausgedruckt. Auf dem Bildschirm erscheint die Grafik entsprechend verkleinert, und an der Linealzeile ist die Breite der Grafik im Ausdruck bereits ablesbar.

Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit kommt man mit dieser Art der Größenangabe ziemlich gut zurecht. Sie hat vor allem den Vorteil, exakte Maßangaben zu ermöglichen. Beim Verändern der Größe einer Grafik muß man jedoch je nach Abmessungen eine mehr oder minder lange Zeit warten, die der Star-Writer zum Umrechnen der Pixelinformationen braucht. Dies ist wohl der Tribut, der für die Variabilität und die gute Druckqualität der Grafiken gezahlt werden muß.
Hartmut Gastens



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