Messe CES 1987

Die CES ist nichts weniger als die größte Elektronik-Fachmesse der Welt: Treffender als mit diesem Superlativ kann man sie nicht beschreiben. Zweimal im Jahr tummelt sich ein ausgesuchtes Publikum (nur Elektronikfachhändler und Journalisten sind zugelassen) auf einer Ausstellungsfläche von mehr als 30 000 Quadratmetern bei mehr als 1400 vertretenen Firmen. Der Ausstellungsort wechselt im Halbjahresrhythmus: Die Sommer-CES findet stets in Chicago, die Winter-CES in Las Vegas statt.

Die großen Messen in Deutschland (CEBIT), England (PCW) und USA (CES) unterscheiden sich in ihrer Struktur wesentlich: Die PCW ist eine öffentliche Verkaufsmesse. Auch die CEBIT ist öffentlich, doch keines der dort ausgestellten Produkte kann sofort gekauft und mitgenommen werden. Die CES geht noch einen Schritt weiter: Wie erwähnt, ist sie nicht für jedermann zugänglich, und auch direkt mitnehmen kann man nichts. Es bleibt also nur die Bestellung, und auch die nur bei größeren Stückzahlen. Dennoch zählt die CES regelmäßig über 100000 Besucher. Dies liegt daran, daß sie nicht auf Computer beschränkt ist. So gab es in der Zeit zwischen 30. Mai und 2. Juni etwa vierzig Workshops zu unterschiedlichen Themen, von „New Dimensions in Retail Sales Training“ bis hin zu „The Management of Family-Owned Business“. Im Bereich Photographie wurde eine Kamera vorgestellt, die Bilder auf Diskette abspeichert. Sie schafft fünf Bilder pro Sekunde, wiegt rund ein Kilo und soll etwa tausend US-Dollar kosten. Erhältlich für Händler - ab Herbst. Für Musikfreaks gibt es jetzt den Plattenspieler mit visco-ela-stischem Material, das unerwünschte mechanische Vibrationen auffängt, Videofans können ab Herbst auf das CD-Video zurückgreifen, und wer von einem reinen Spielcomputer in Spielhallenqualität träumt, findet die entsprechende Konsole bei Nintendo.

Auch für die Atari-ST-Besitzer wurde natürlich einiges geboten. Der Atari-Stand selbst war unterteilt in zahlreiche kleinere Stände von Unterausstellern, z. B. Microdeal und Timeworks.

An erster Stelle der in Chicago für den Atari ST präsentierten Neuheiten standen Spiele. Das liegt sicher daran, daß der Atari ST in den USA weit weniger als Anwendungscomputer betrieben wird als hierzulande. Gute Anwender-Software war auf dieser Messe kaum zu finden. Ebenso spärlich waren neue Drucker oder andere Hardware zu finden. Einzig Epson präsentierte mit dem LX 800 einen 9-Nadel-Drucker in guter Qualität und zum günstigen Endpreis von 269 US-Dollar, der ab August erhältlich sein soll. Vorab die technischen Daten:

Schrift Elite 180 Zeichen pro Sec.
Schrift Pica 150 ZpS
NLQ Elite 30 ZpS
NLQ Pica 25 ZpS

Character Set:
96 ASCII Characters
96 Italic Characters
32 international Characters
32 Italic int. Characters
32 Epson Graphics Characters
96 IBM Graphics Characters

Der LX-800 verfügt über Einzel- und Endlospapiereinzug, hat 3 K Buffer und kann über Centronics betrieben werden. Wir werden das Gerät in einer unserer nächsten Ausgaben testen.

Software, meist Spiele, gab es reichlich. Die folgende Aufzählung der interessantesten Neuvorstellungen erfolgt deshalb, der besseren Übersicht wegen, alphabetisch:

ACCOLADE

Hardball:
Die Umsetzung des bereits vom C 64 bekannten Baseballspiels.

Testdrive:
Mit dem Ferrari oder Lamborghini geht die Testfahrt quer durch die USA - vorbei an Trucks, herabgestürzten Felsen und Baustellen und immer auf der Hut vor den Polizeistreifen.


EPYX

Sub Battle Simulator:
Ein U-Boot-Abenteuer im II. Weltkrieg.


Spy vs. Spy III, Arctic Antics:
Spion und Spion kloppen, bomben und sprengen sich diesmal durch das ewige Eis auf der Suche nach Raumhelm, Navigationskarte und anderen Utensilien, um das Raumschiff flott zu machen und der Eiswüste zu entrinnen. Leider ist es wieder mal ein Einmannschiff und nur der hinterhältigere wird entkommen.

Boulder Dash Construction Kit:
Das kleine Männchen, das so heldenhaft Diamanten sammelt, kennt jeder bereits vom C64. Mitsamt einem dazugehörigen Construction-Kit ist es jetzt auch in den Speicher des Atari eingezogen.

Firebird

The Advanced OCP Art Studio:
Ein Zeichenprogramm mit 16 verschiedenen, vom Benutzer definierbaren Brushes, Zoom u. a. m.

Universal Military Simulator:
Ein Kriegssimulator, der keine Wünsche offenläßt. Der Spieler kann sich sein Schlachtfeld und alles, was dazugehört, selbst erstellen. Ob dieses Programm allerdings die Schlacht mit der Zensur übersteht, bleibt abzuwarten.

Knight Orc:
Eine Graphik-Adventure-Trilogie. Ein Abenteuer, bei dem Sie sich als Orc unter die Menschen mischen - das richtige Adventure für Freunde des makabren Humors.

HYBRID ARTS

Midi Maze:
Das Spiel, das auf bis zu 16 Atari ST-Rechnern gleichzeitig gespielt werden kann, alle verbunden durch ein MTPT-Kabel.

JAGUARE

Alien Fires:
Ein Acton-Strategie-Spiel zweier junger kandischer Programmierer. Im nächsten Heft stellen wir die deutsche Version davon vor. Jeff Simpson hat uns zehn Exemplare für die ST Computer-Leser zur Verfügung gestellt.

MASTER DESIGNER

Defender of the Crown:
Rittergetümmel aus der Zeit von Ro-bin Hood und den Angelsachsen - ab Herbst kommt Cinemaware damit auch in Ihr Heimcomputerkino.


Defender of the crown: Wie das Leben so spielt, sind auch Intrigen an der Tagesordnung.

Turniere sind das Salz in der Suppe eines richtigen Ritters, der immer auf der Suche nach Ruhm und Ehre ist.

King of Chicago:

Das Neueste aus der Hitschmiede des Cinemaware-Teams. Ein Spiel um die Nachfolge des Gangsterkönigs Al Capone in Chicago mit animierter Graphik. Erhältlich ab Ende August für den Amiga; die ST-Version soll bald darauf folgen.


MINDSCAPE

Into the Eagles Nest:
Ein vom C64 bekanntes Spiel, das im zweiten Weltkrieg spielt. Der Held muß aus einer Basis der Nazis drei Gefangene befreien. Die Umsetzung für den Atari ST wird aber erst Ende des Jahres im Handel sein.

PASSPORT DESIGN

Midisoft Studio:
Ein weiteres Midi-Programm für den ST. Es bietet Platz für mehr als 80.000 Noten pro Song und hat 32 unabhängig verwaltete polyphonische Spuren. Der Preis liegt bei 99 US-Dollar.

PSYGNOSIS

Barbarian:
Ein Höhlenspiel aus grauer Vorzeit. Alles weitere im Spieleteil.

STAR SOFT INTERNATIONAL

The Pirates of the Barbary Coast:
Dies ist der Titel des ersten Spiels von SSI. Die vom Atari XL bekannte englische Softwarefirma „RED RAT“ ist bei SSI beteiligt. Das Spiel selbst werden wir in einem der nächsten Hefte besprechen. Es soll im Herbst erscheinen.

TIMEWORKS

Word Writer ST:
Ein Textverarbeitungsprogramm in englischer Sprache mit einem englischen Lexikon und Synonymen für über 60.000 englische Wörter.

Partner ST:


Ein Büroprogramm mit Textverarbeitung, Kalender, Notizblock, Telephonspeicher u. a. m. Alles in englischer Sprache und für den amerikanischen „Freizeitmanager“ gedacht.

Am Rande der Messe, sozusagen inoffiziell, gab es dann noch die eine oder andere Information von Firmen oder Programmierern zu erhaschen. So plant MicroProse eine Umsetzung verschiedener Simulatoren; Avalon Hill, Hersteller bekannter Strategiespiele wie ’Diplomacy’, ’Spitfire 40’ und ’Dnieper River Line’, wird demnächst seine Produkte für den Atari ST umsetzen. Atari selbst gab eine mehrere Zentimeter dicke Pressemappe heraus. In ihr war jedoch - den ST betreffend - gegenüber der CEBIT 87 nichts Neues zu finden. Der Rest der Mappe war der „neuen aggressiven Marktstrategie“, den - wie bei jeder Firma - dazugewonnenen Marktanteilen und der Vorstellung einiger erwählter Häupter gewidmet. Dem von der größten Computermesse der Welt verwöhnten CEBIT-Besucher konnte die CES diesmal nicht als „der ganz große Wurf“ erscheinen. Was bleibt, ist die Vorfreude auf die PCW (Ende September in London), wo die meisten der hier angekündigten Programme dann auch erhältlich sein sollen.

(cpl)


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