Speichererweiterungen auf dem Prüfstand

Drei Systeme werden ausführlich getestet und miteinander verglichen.

Der ATARI 260 ST und der alte 520 ST stellen einen RAM-Speicher von 512 Kilobyte zur Verfügung. Obwohl dies nicht wenig ist, kann dieser Speicherraum manchmal zu klein werden. Wir denken dabei z. B: an eine RAM-Disk. Denn beim Kopieren oder auch bei der Verwendung eines Compilers, wie z. B. den ST Pascal Compiler von CCD, stellt eine solche RAM-Disk ein sehr nützliches und zeitsparendes 'imaginäres Laufwerk' dar. Man könnte hier natürlich noch andere Möglichkeiten nennen, so daß auch ein 1 Megabyte-Speicher relativ schnell aufgebraucht wäre. Doch wir wollen Ihnen hier die verschiedenen Möglichkeiten vorstellen, wie Sie Ihren 512 Kilobyte großen Speicher auf 1 Megabyte verdoppeln können. Dabei gibt es drei verschiedene Wege, dies zu tun.

Erstens, Sie sind ein versierter Elektronik-Bastler, dann ist es am billigsten, Sie verwenden unsere ausführliche Umbauanleitung aus dem Januarheft. Zweitens können Sie Ihren Rechner aufrüsten lassen, das kostet dann aber zwischen DM 300,- und DM 500,-. Außerdem müssen Sie dann meistens ein paar Tage lang Ihren Rechner entbehren, abgesehen von eventuellen Porto- bzw. Fahrtkosten. Die dritte Möglichkeit ist diese: Sie lesen die folgenden Seiten und bestellen sich eine RAM-Erweiterungsplatine, die Sie dann selbst einbauen müssen.

Um uns ein objektives Bild machen zu können, haben wir uns drei Speichererweiterungskarten verschiedener Hersteller besorgt. Diese haben wir dann in drei verschiedene Rechner, nach der mitgelieferten Anleitung, eingebaut und anschließend alle Rechner einem gründlichen Test unterzogen.

Bevor wir die einzelnen Systeme beschreiben, dürfen wir schon verraten, daß alle Erweiterungen auf Anhieb zuverlässig funktionierten, jedoch wird für den Einbau zum Teil erhebliches technisches Fingerspitzengefühl vorausgesetzt. Der Preis für diese Art der RAM-Erweiterung schwankt je nach System von DM 275,- bis DM 349,incl. MwSt.

Rolf Rocke Computer

Als erstes möchten wir nun das System der Firma Rolf Rocke Computer, Auestraße 1, 5090 Leverkusen 3, beschreiben. Die RAM-Erweiterung dieser Firma besteht aus einer Platine mit 16 RAM-Chips und einem Sockel (Adapter) für den Videoshifter. Die Platine ist komplett aufgebaut und funktionsgetestet. Ein für den Einbau notwendiges Kabel sowie 7 Seiten Einbauanleitung (DIN A4) werden mitgeliefert. Für den Einbau ist es erforderlich, die Abschirmung des Videoshifters auszulöten, um an der linken Stirnseite des Rahmens eine Aussparung für die Platine auszusägen bzw. mit einer Blechschere auszuschneiden (siehe Bild 4 Pfeile). Da dieser Blechrahmen an 8 Stellen mit der Rechnerplatine verlötet ist, kann das Auslöten der Abschirmung dem ungeübten Bastler Schwierigkeiten bereiten. Die Platine wird dann in den Sockel des Videoshifters eingesetzt und dieser wiederum auf die Erweiterungsplatine. Sodann sind noch 9 Leitungen auf der Bestückungsseite in die Nähe der MMU (U 15) und 4 weitere von unten an die MMU zu löten. Beim Zusammenbau des Rechners können alle Abschirmbleche wieder montiert werden. Für das Aufrüsten benötigten wir (eine Person) ca. 60 Minuten. Diese Erweiterung kostet DM 349,- und ist somit das teuerste der von uns getesteten Systeme. Auf Wunsch führt die Firma den Einbau in ihrer eigenen Werkstatt durch. Aufpreis DM 45,- bei freier Anlieferung zuzüglich Versandkosten. Ferner wird noch eine andere Version dieser Platine angeboten, bei der alle Chips mit Sockeln versehen sind. Diese Sonderausführung der Erweiterungskarte ist besonders für Test- und Prüfzwecke geeignet. Da beim ST 520 + die Fehlerquote, bedingt durch fehlerhafte Lötstellen der aufgesetzten z. RAM-Bank, relativ hoch ist, können defekte RAM-Chips oder schlechte Lötstellen durch probeweises, gezieltes Austauschen leicht lokalisiert werden.

Basis Computer Systeme

Eine weitere RAM-Erweiterung für den ST 260 bzw. ST 520 wird von Basis Computer Systeme GmbH, Eulerstraße 15, 4400 Münster, geliefert. Auch hier wird eine komplett mit 17 RAM-Chips bestückte und geprüfte Platine geliefert, jedoch unterscheidet sich der Einbau erheblich von den anderen Systemen. Für den Einbau werden technisches Verständnis und Kenntnisse des ATARI-Systems vorausgesetzt, so wundert man sich auch nicht über die eine Seite (DIN A4) umfassende Einbauanleitung. Es wird darin z. B. nicht gezeigt, wo sich an der MMU die Pins 18,21 und 22 befinden, an die je eine Leitung angelötet werden muß. Aber für solche Zwecke gibt es ja die Januarausgabe der ST. Zum Einbau der Platine müssen die beiden Treiber-IC's (74LS244 U26 und U27) sowie ein RAM-Chip (U16) aus der Rechnerplatine ausgelötet werden. Die beiden ausgelöteten Treiber-IC's werden dann in) e eine Fassung auf der Erweiterungsplatine gesteckt. Die RAM-Platine selbst wird dann, über 40 lange Sockelstifte auf der Rechnerplatine, an die Stelle der Treiber-IC's, festgelötet. Dabei stellten wir fest, daß die Platine etwas zu groß ist und ein Kondensator (siehe Bild 5 Pfeil) ein wenig versetzt werden mußte. Ferner ist das Loch in der Mitte der Platine, durch das die Gehäusehälften verschraubt werden, zu klein (siehe Pfeil). Es mußte vor der Montage der Platine vergrößert (aufgefeilt) werden. An die Stelle des RAMs wird ein Stecker mit angequetschtem Flachbandkabel eingelötet. Die Erweiterungsplatine ist somit fest in den Rechner eingebaut, was bei einer eventuellen Reparatur von Bauteilen, die sich unter der Platine befinden, sehr störend sein kann. Für den Einbau benötigte eine Person ca. 150 Minuten. Diese relativ lange Zeit ist vor allem auf das Auslöten von drei IC's zurückzuführen, was ohnehin nur mit entsprechendem Werkzeug möglich ist. Die Erweiterung kostet für diejenigen, die mit einem Lötkolben gut umgehen können, DM 302,-. Wenn Ihr Rechner im 24-Stunden-Service bei Basis Computer umgerüstet werden soll, kostet die Erweiterung DM 3 46,-. Die Firma gewährleistet eine Garantie von einem Jahr.

Weide Elektronik

Das dritte System, das wir testeten, kann von der Firma Weide Elektronik, Regerstraße 34, 4010 Hilden, bezogen werden. Diese RAM-Erweiterung besteht aus zwei Platinen, einem Zwischensockel für den Videoshifter und zwei Stromkabeln mit Krokodilklemmen. In der dreiseitigen Einbauanleitung (DIN A4) wird der relativ einfache Einbau gut erklärt. Das Besondere an diesem System ist, es ist nicht notwendig, an der Rechnerplatine oder irgendwelchen elektronischen Baugruppen löten zu müssen. Die Installation erfolgt einzig und allein durch ein Stecksystem. Es ist allerdings möglich, daß das Abschirmblech der gesamten Rechnerplatine an zwei Stellen miteinander verlötet ist. Diese Verbindung muß entfernt werden, damit der Rechner ausgebaut werden kann. Bemerkenswert ist, daß bei dieser Erweiterung alle RAM-Chips gesockelt sind und das bei einem Preis von DM 275,-. Die komplett bestückte Platine mit den Speicher-Chips wird einfach auf der Rechnerplatine aufgeklebt, an der früher einmal der HF-Modulator geplant war. Die andere Platine wird auf den MMU-Sockel gesteckt. Die Zuleitungen zum Zwischensockel für den Videochip, können auch verlegt werden, ohne einen Spalt in die Abschirmung sägen zu müssen. Für den Einbau sind 45 Minuten völlig ausreichend. Durch das Stecksystem ist eine eventuell nötige Reparatur des Computers problemlos möglich. Die Redaktion würde allerdings empfehlen, die Krokodilklemmen der beiden Stromkabel durch Lötungen zu ersetzen (siehe Bild), um einen sicheren und störungsfreien Kontakt zu bieten. Bei Schwierigkeiten bietet die Firma einen telefonischen Kundendienst an. Dieses System arbeitete jedoch, wie alle anderen auch, sofort einwandfrei. Es scheint uns die einfachste, schnellste und preiswerteste Möglichkeit, seinen Rechner auf 1 Megabyte Speicherkapazität aufzurüsten.

(UB)


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