Jim Butterfield, der »Commodore-Guru«

Warum bekämpfen die sich denn?

Jim Butterfield trägt den Namen »Commodore-Guru«. Trotzdem fordert er Atari ST-und Amiga-Besitzer auf, den Streit zu beenden.

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Ich weiß gar nicht, warum sich ST-und Amiga-Besitzer so bekriegen«, sagt Jim Butterfield. Er sitzt entspannt im Stuhl und rührt in seinem Kaffee, während wir uns über ihn und seine Geschichte unterhalten: die Geschichte des Commodore-Guru. In Amerika gilt er als der Fachmann in Sachen Commodore. Niemand sonst kennt sich so gut mit den verschiedenen Commodore-Computern aus. Niemand weiß so gut über die internen Vorgänge bei Commodore Bescheid.

In Deutschland ist Jim Butterfield aber fast unbekannt. Er trat nur einmal in Erscheinung. In einem Artikel in einem amerikanischen Fachmagazin forderte er die Leser auf, Thomas Tempelmann für sein FCopy 2, freiwillig 5 Dollar zu überweisen. Er hatte 1985 bei einem Treffen auf der Commodore Fachausstellung in Frankfurt erfahren, daß Thomas durch sein beliebtes Programm quasi nichts verdient hatte. Durch Butterfields Aufruf sollen mehr als 5000 Mark zusammengekommen sein. Thomas Tempelmann verdiente dadurch mehr an seinem Programm, als durch den legalen Verkauf in Deutschland.

Für Jim Butterfield ist das Schnee von gestern. Er will nicht darüber sprechen. »Ich hasse erzwungenes Eigenlob bei Interviews. Ich bin genauso Computer-Fan wie andere auch. Mehr nicht«. Er lenkt zu einem Thema, daß ihn mehr interessiert. Er fragt sich, warum eine so große Rivalität zwischen Atari ST- und Amiga-Besitzern herrscht.

»Beide kämpfen für die gleiche Idee«

»Es ist doch völlig blödsinnig. Beide kämpfen doch für die gleiche Idee. Doch statt gemeinsam wieder Leben in den Computermarkt zu bringen, zermürben sie sich in einem Grabenkrieg. In Amerika mischen auch noch die Macintosh-Fans mit. Der einzige Gewinner sind wohl am Ende die PCs. Ich fände es daher besser, wenn beide Lager sich zusammenschlössen, die falsche Rivalität fallenließen und offen sagten: Wenn Du einen modernen Computer willst, dann wähle einen von uns. Wir sind die Zukunft. Nur so kann sich das neue Konzept gegen die alten Computer durchsetzen.«

Erstaunliche Worte von jemanden, dem ich eher einen feurigen Vortrag über die Qualitäten des Amiga zugetraut hätte. Bricht der Commodore-Guru mit Commodore? »Davon kann nicht die Rede sein«, beteuert er kategorisch. »Ich mag Commodore-Computer, beschäftige mich aber auch mit anderen Modellen. Das eigentliche Problem ist wohl der Titel des Guru, den man mir verpaßt hat. Ich bin weder ein Gott, noch ein Sektenführer. Ich kenne mich bei Commodore und seinen Computern ganz gut aus. In meinen Artikeln und Büchern versuche ich so verständlich wie möglich mein Wissen anderen zu vermitteln. Dabei hat sich eines gezeigt. Die meisten Leute vertrauen Menschen, die sie verstehen können. Ich sehe mich selbst nicht als Guru.«

Jim Butterfield ist in Amerika und Kanada, wo er lebt, ein erfolgreicher Autor. Er schreibt Computer-Bücher und Artikel in Magazinen.

Vom KIM zum PET

Sein Wissen über die Computer hat er sich selbst angeeignet. Früher arbeitete er als Programmierer auf Großrechnern. Als Mitte der siebziger Jahre mit dem KIM 1 - er verfügte über 1 KByte RAM, eine 6502-CPU und ein Holzgehäuse -? der erste erschwingliche Heimcomputer erschien, kaufte er sich ihn, wie viele andere auch. Er beschäftigte sich mit 6502-Maschinensprache und pflegte den Kontakt mit anderen KIM-Besitzern, so daß sich eine erste Computer-User-Gruppe auf seine Initiative hin gründete. 1976 schrieb er dann sein erstes Buch: »First Book of KIM«. Damit wurde er dann in Amerika bei den Computer-Fans bekannt.

Der zweite wichtige Einschnitt in Jim Butterfields Leben ist der PET 2001. Es war der erste Commodore-Computer, den Jim Butterfield sich kaufte. Seitdem ist er Commodore-Produkten treu geblieben. »Das Umsteigen von einem Modell zum anderen war nicht schwer, da alle ein ähnliches Konzept haben. Und in der Zeit, als ich mich intensiv mit dem PET und dem VC 20 beschäftigte, habe ich auch viele Leute bei Commodore kennengelernt. Da sie alle an anderen Stellen arbeiteten, bekam ich einen guten Einblick in die Firma. Und dann kam irgendwann der Punkt, an dem die Spezialisten Commodore verließen. Ihre Nachfolger wußten nicht so gut Bescheid, und riefen mich an, damit ich ihnen bei den Problemen helfe. So stehe ich auch jetzt noch mit Commodore in Kontakt.«

Weiß er dadurch auch über Commodores geheime Pläne Bescheid? »Nein, und ich will es auch nicht«, meint er auf seine betont ruhige Art, »Commodore ist Weltmeister im Entwickeln und Ankündigen. Wenn ich etwas über die ungelegten Eier schrieben würde, die dann nicht kommen, wäre mein Ruf schnell dahin.«.


(gn)
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